Depressive Männer legen oft ein aggressives Verhalten an den Tag - Klassische Symptome treten erst später auf
Frankfurt/Main - Depressive Männer sind meist nicht nur verstimmt und bedrückt, sondern legen - anders als depressive Frauen - oft auch gereiztes und impulsives Verhalten an den Tag. "Oftmals treten betroffene Männer geradezu feindselig und aggressiv auf und haben eine nach außen gerichtete Vorwurfshaltung sowie eine niedrige Stresstoleranz", erläutert Mathias Berger von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.
Auch neigten Männer in dieser Situation zu übertriebenen Reaktionen, könnten wegen Kleinigkeiten ausrasten und würden von regelrechten Zornes-Attacken übermannt, erklärte der Experte. Im Nachhinein empfänden sie ihr Verhalten zumeist selbst als unpassend oder übertrieben und bereuten oder bedauerten ihren Wutausbruch. Allgemeine Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Verhalten seien wiederum typisch für Depressionen bei Männern.
Risikofreudiger Mann
Neben aggressivem Auftreten seien bei ihnen auch riskante Verhaltensweisen wie beispielsweise waghalsiges Autofahren oder antisoziales Benehmen möglich. Vermehrter Alkoholkonsum könne ebenso ein Anzeichen einer nahenden oder bestehenden Depression sein, sagte Berger.
Männer führen nach Angaben Bergers Befindlichkeitsstörungen häufig auf Stress und berufliche Belastungen zurück und zögen eine psychische Erkrankung eher nicht in Betracht. "Auch trägt das männliche Rollenbild, das von Unabhängigkeit und Selbstsicherheit gekennzeichnet ist, dazu bei, dass sie erst sehr spät Hilfsangebote aufsuchen oder sich selbst nur schwer eine mögliche Erkrankung eingestehen", betont der Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie an der Freiburger Universität. Das soziale Stigma psychischer Erkrankungen mache es Betroffenen zusätzlich schwer, eine Diagnose zu akzeptieren.
Diagnostik erschwert
Die klassischen Depressions-Symptome - wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Schlaflosigkeit - sind laut Berger oft im Hintergrund bereits vorhanden, werden aber erst zu einem späteren Zeitpunkt der Erkrankung deutlich. Aufgrund des Gesamtbildes sei die männliche Depression auf den ersten Blick also schwer zu erkennen, weil sie nicht in die übliche Schablone passe. (APA)