Nowotny

Keine Notwendigkeit einer Umschuldung

30. April 2010, 13:49

EZB-Ratsmitglied: "Hilfsprogramm soll das verhindern" - Timing des S&P-Downgradings "unglücklich und sehr problematisch"

Wien - Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Euro-Länder gehen nach den Worten von Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny davon aus, dass Griechenland nicht zu einer Umschuldung gezwungen sein wird - bei der dann Anleihegläubiger Teile ihres Geldes verlieren könnten. "Das ist die Perspektive, die wir mit dem Hilfsprogramm anstreben", sagte das EZB-Ratsmitglied am Freitag in Wien. Jetzt gehe es einmal darum, die Märkte zu beruhigen. Auch Spekulationsattacken gegen andere Länder müssten abgewehrt werden. Deshalb sei ein möglichst rasches Inkrafttreten der Griechenland-Hilfe nötig.

Positiv-Beispiel Ungarn

Möglicherweise werde Griechenland nicht das gesamte Hilfsprogramm benötigen, das die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen werden. Dahingehend gehe jedenfalls die Hoffnung, sagte Nowotny, der dazu auf das Beispiel Ungarn verwies. Dort sei auch eine weitere Hilfs-Tranche vom IWF gar nicht mehr nötig gewesen, nachdem die Lage Ungarns am Kapitalmarkt wieder stabilisiert war. Bei der Hilfe handle es sich lediglich um einen Rahmen, der aber an klare Bedingungen geknüpft werde und eines politischen Rückhalts (in Griechenland) bedürfe. Es müsse jetzt ein "sicherlich hartes, aber auch nachprüfbares" Programm in dem Land geben.

Griechenland müsse seine Wettbewerbsposition verbessern, so Nowotny. Ein zentraler Punkt werde dabei eine "Disziplin in allen Kostenpositionen" sein, auch bei den Lohnkosten. Außerdem werde Athen die Verwaltung effizienter machen müssen, inklusive der Steuerverwaltung. "Der erste Schritt ist ein Schritt, der von Griechenland gesetzt werden muss." Auch andere Länder hätten gezeigt, dass man etwa hohe Leistungsbilanzdefizite zurückfahren könne. Das setze aber einen "politischen Einsatz" voraus. Bulgarien habe etwa sein Defizit von 2008 auf 2009 von 25,5 auf 8,6 Prozent reduziert, Rumänien von 12,4 auf 4,5 Prozent. Das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands bezifferte Nowotny mit 10,6 Prozent 2009.

"Unmittelbar fließt kein Geld von der OeNB"

Nowotny betonte am Freitag, dass die OeNB sich nicht mit den genannten vier Milliarden Euro an einer Griechenland-Hilfe beteilige: "Es fließt unmittelbar kein Geld der OeNB für Griechenland." Die Nationalbank beteilige sich lediglich mit 3,4 Mrd. Euro an einer allgemeinen Mittelaufstockung des IWF um 375 Mrd. Euro, die dieser schon im Vorjahr beschlossen habe. Und im Rahmen des österreichischen IWF-Anteils von 0,9 Prozent mache die OeNB bei dieser Aufstockung mit. Dabei handle es sich um eine allgemeine Mittelaufstockung des Währungsfonds infolge der Finanzkrise. "Das hat mit Griechenland unmittelbar gar nichts zu tun." Der neue IWF-Kreditrahmen im NAB (New Arrangement to Borrow) sei im übrigen noch gar nicht wirksam, da noch gesetzliche Regelungen seitens IWF-Mitgliedsstaaten ausstünden.

Aus der Causa Griechenland müssten auch europaweit Lehren gezogen werden, "ohne die Lage Griechenlands konkret kommentieren zu wollen", so Nowotny weiter: Man müsse künftig auf innerstaatliche Entwicklungen schon viel früher reagieren können, etwa zur öffentlichen Verschuldung. Hier gelte es, die Rolle des Euro-Stabilitätspakts zu stärken, sagte der OeNB-Gouverneur, der den Zeitpunkt des kürzlich erfolgten griechischen Downgradings durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Übrigen "unglücklich und sehr problematisch" nannte.  (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 118
1 2 3
kakaniengeist
01
perfekte eichgenauigkeit - des nowotny´schen finanzmarktstimmungsbarometers!


der ewald *beruhigt*!

und gleich darauf werden aus der *verbrennungssumme* der alpenrepublik für hellas im *werte* von ca. 800 millionen euronen zwei milliarden.

und die dunkelheit am ende des tunnels ist noch lange nicht sichtbar!

S. Enfspender
00
Nowonty vs. Felderer...

Im gegensatz zu Nowotny ist Felderer sehr wohl der Meinung, dass es zu einer Umschuldung kommen wird. Und wenn es schon zu keinem Kapitalschnitt (Haircut) kommen wird, so zumindest zu einer Laufzeitstreckung und einem ggü. den ursprünglichen Konditionen zu einem Zinsverlust der Investoren. Felderer hat seine Meinung schlüssig begründet, Nowotny ist eine Begründung noch schuldig.

Peter Pichler
 
00
Die sollen die richtigen Bezeichungen verwenden...

... und nicht pausenlos verwirren versuchen...

Eine Umschuldung findet gerade statt. Von den über 200 Mrd. Schulden und der zu erwartenden Neuverschuldung will Union und IWF in den nächsten 3 Jahren 110 Mrd. übernehmen...

Was die beiden offensichlich meinen ist eine Entschuldung... (Streichung von Schulden ohne Zahlung... eine Entschuldung ist meist mit einer Umschuldung verbunden... den bisherigen Gläubigern werden z.B. 50% der Ansprüche gestrichen, dafür bekommen sie das Geld sofort (z.B. von IWF und Union)).

Da wir jetzt eine Umschuldung ohne Entschuldung betreiben, triffen im Falle der Notwendigkeit einer Entschuldung die gesammte Belastunge die Union. (der IWF hat noch nie auf Geld verzichtet)

let's make money
01
auf diesen herrn ist wenigstens noch verlass.

er lügt immer so, dass das gegenteil stimmt.

Vaclav Vlc
01
der schön-wetter-nowotny

meldet sich wieder?

na, dann ist alles klar.

das ist fix
02


""Unmittelbar fließt kein Geld von der OeNB"

Ob das Geld unmittelbar nach Griechenland überwiesen wird, oder über den IWF, das ist gleichgültig.

all right
07
Hilfsprogramm-ja, aber...

Bevor ein Hilfsprogramm gestartet wird, sollte zuerst
die Ursache des Desasters beseitigt werden.

Hat Griechenland keine Gefängnisse? Diese korrupten
Politiker gehören vorher entfernt.

Erst dann, kann am Ende des Tunnels wieder ein Lichtlein gesehen werden!

kakaniengeist
06
ich habe mir diesmal etwas zeit gelassen!


und meine empirie in bezug auf das nowotny`sche finanzmarktstimmungsbarometer stimmt, denn sie wird eigentlich von nahezu allen in diesem forum geteilt.



wenn der ewald schwarz sagt, ist es weiß.

wenn dem ewald heiß ist, bilden sich eiszäpfchen in den nasenhöhlen.

...

wenn der ewald beruhigt, ist es zeit, sein geld in *reale* werte umzuwandeln (wenn es solche heutzutage überhaupt noch gibt!).




es wird *crashen* (finanzmäßig), sicharlich!

Cuchullain
01
Offensichtlich ist der Nowotny im Zusammenhang ...

... mit der BAWAG-Pleite den neoliberalen Schweinen noch etwas schuldig!

Nestor1979
02
Wir hatten noch nie so einen schwachen und unglaubwürdigen Nationalbankgouverneur.

Gerade in diesen Zeiten wäre aber ein solcher für unser Land bitter nötig. Einer, der auf unser Land schaut, und nicht nach Brüssel und New York !!

peace & love
02
kein wunder.


die nationalbank ist ja durch die ezb praktisch zur sinekure degradiert worden. wär' ein fall für die verwaltungsreform. wobei ich anschliesen will, dass man die definition des geldwertes prinzipiell besser dem markt überlassen sollte.

Nestor1979
00
Heftige Zustimmung, Herr Kollege!

xx Hour1
01

Novotny sagre gesten in ORF interview
Österreich wird das Geld Zurückbekommen.

Das stimmt überhaupt nicht.

Die Greichen werden nicht zahlen. nicht mal die zinsten für diese 120-130 Mill können aufbringen.

Cuchullain
00
Faktor Tausend!!

... es geht um 120 - 130 Mrd. !! (=Milliarden)

aber wen schert das in Zeiten wie diesen !!?

Hurra Deutschland!
02

Die EZB sitzt angeblich auf griechischen Staatsanleihen im Wert von bis zu 40 Mrd. Euro, die sie als Sicherheit für Kredite an griechische Banken angenommen hat. Bei einer Umschuldung käme diese Leiche aus dem Keller.

http://www.tagblatt.de/Home/nach... 99528.html

drwestbahn
00
Dazu fällt mir nur eins ein:

"Jump, you Xuckers!"

Cornwell
03
Nowotny ist wohl am ehesten

mit mit irakischen Informationsminister vergleichbar

sir osis of liver
 
00

comical ewald - ja das stimmt.
warum gibt man dem immer noch ein forum? der ist in seinen aussagen ebenso präzise wie der bartenstein mit seinen vollbeschäftigungsvoraussagen.

Bergdolm
012
Wie schlecht es uns geht

zeigt schon der Umstand, welche Leute uns die großen Zusammenhänge erklären versuchen. Jemand der einigermaßen gebildet, an Entwicklungen allgemein interessiert ist, sich über mehrere Medien national und international informiert, kann förmlich greifen, welchen Müll uns da einige Ö-Herren täglich aufschwatzen.

Wo sind die Zeiten, wo uns noch ein Hugo Portisch u. Co. die Welt erklärten - unabhängig ihrer politischen Präferenzen?

Und unsere "Spitzenpolitiker"?:
J. Pröll stellt sich massig vor die Kamera und redet im tiefen Brustton nur Scheixe.
Faymann wippt einige male auf und ab und fistelt dann schön frisiert nur unnötigen Blödsinn.
Strache und alle anderen FPBZ Buberln erspare ich mir zu kritisieren - sind sowieso das Letzte.

Cuchullain
00
10000 mal brillant!!

GENDERLOS
01

Wie Österreich den Griechen am Besten helfen kann:

wir schicken alle unsere Finanzbeamten runter, die sollen sämtliche Steuererklärungen prüfen.

a.) Vorteil für die Finanzer: sie müssen nicht krampfhaft in den Steuerakten von kleinen Fischen wühlen, bis sie irgendwo 3 Euro 50 an falsch deklarierten Steuern eintreiben können

b.) Vorteil für die Österreicher: die unnötigen Steuerprüfungen für die Kleinen werden auf ein Minimum heruntergefahren

c.) Vorteil für Österreich: die Lohnkosten für die Finanzer in Griechenland können als "österreichischer Beitrag" angerechnet werden

d.) Vorteil für die Griechen: durch die Tätigkeit der unabhängigen österr. Finanzer wird sicher die eine oder andere Millarde zusätzlich eingetrieben werden können.
.

mulligan1
011
Pröll schließt "Griechenland-Steuer" definitiv aus !

pröll hat schon viele steuererhöhungen erst einmal "definitiv ausgeschlossen", um sie dann durchzusetzen.

wieso spricht er nicht klartext:
das EU-konstruckt ist im finanzebereich ein überdimensionales spekulationsobjekt, welches einer bestimmten schicht maximale gewinne beschert.
diese einnahmequelle um jeden preis aufrecht zu erhalten, gilt es - und dafür sollen ALLE sorgen.

GEWINNE PRIVATISIEREN
VERLUSTE SOZIALISIEREN

das ist die devise unserer zeit !

FatFaceRicky
05

Die OeNB hat für die Hypo Kärnten nach eingehender Prüfung Gewinne für 2009 vorrausgesagt und den MEL-Zertifiakten Mündelsicherheit bescheinigt. Dann kann man sich ja ausrechnen, wies mit GR weitergeht.

Bergdolm
02

Diese unfähigen OeNB Lügner würde ich auf der Stelle unabgefertigt rausschmeißen.
Ich weiß schon, dass das nicht passieren wird, weil unsere Spitzenpolitik hält sich solche Idioten, um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken.
Und ein Faymann und Pröll kann ja immer sagen: Das haben die Spezialisten der ÖeNB prognostiziert / gesagt / empfohlen.

Je mehr ich darüber nachdenke: Das ist eine geniale Konstellation.
Leider gibt es politisch kaum Alternativen, drum kommt alles, wie es kommt.

GENDERLOS
01

Es ist genau umgekehrt: die Banker halten sich unsere Spitzenpolitiker ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 118
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.