Christine Schäfer: "Zuerst denkt man, man sei die zweite Callas ..."

29. April 2010, 18:34
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    foto: pro.media

    Christine Schäfer über den Rummel um Anna Netrebko: "Die hat ein anderes Gemüt als ich. Ich hatte und habe nicht das Gefühl, dass sie leidet."

    Zur Person:
    Christine Schäfer (Jahrgang 1965) ist eine der führenden Sopranistinnen der Gegenwart. Ihr breites Repertoire umfasst auch Werke des 20. Jahrhunderts.

Im Interview: Die deutsche Sopranistin ist ein Opernstar, der allerdings keinen Extremrummel verträgt

Ljubisa Tosic sprach mit ihr über die CD-Branche, der sie den Rücken kehrte, Kollegin Anna Netrebko und den Opernregisseur Michael Haneke.

Wien - Dort, wo die Netrebko ist, war sie schon - bei der Deutschen Grammophon, also an der Spitze des global verbreiteten gehobenen Klassikkommerzes. Christine Schäfer allerdings zog sich bewusst aus dieser CD-Welt zurück, und: Es hat ihr keinesfalls geschadet. Sie reüssiert nach wie vor an allen Opernbühnen, gibt auch Liederabende - und gern auch im kleineren Rahmen, wie beim Swarovski-Festival Musik im Riesen in Wattens (am 8. Mai).

Standard: Der CD-Branche geht es schlecht. Andererseits - Stichwort Digital Concert Hall und Youtube - kann man die meisten Künstlerauftritte gleich global sehen.

Schäfer: Für uns ist das schlecht, da man kein Konzert mehr hat, bei dem man quasi unbeobachtet ist. Mich stört das. Außerdem: Wer das ins Netz stellt, sollte auch etwas dafür zahlen. Muss nicht viel sein, es geht ums Prinzip. Ein Liederabend, den ich in den USA gab, war gleich auf Youtube. Ein Ausschnitt ist ja charmant. Aber gleich das Ganze? Was ich lustig finde, sind die Kommentare, die zu den Ausschnitten von Usern abgegeben werden. Da sind Kritiker noch ganz milde ...

Standard: Einst waren Sie im Zentrum des CD-Business und haben den Vertrag gekündigt. Warum?

Schäfer: Ich kann mit dem Gefühl nicht so gut umgehen, als besonderes Produkt vermarktet zu werden. Das muss man auch einlösen, das war für meine Nerven zu anstrengend. Ich bin eher für Überraschung zu haben als dafür, hohe Erwartungen zu erfüllen. Das setzt mich unter Druck, ich kann dann nicht frei agieren. Für die CDs, die ich dann selbst umgesetzt habe, konnte ich mir jeweils drei Jahre Zeit nehmen. Schöner Luxus.

Als ich den Vertrag bei der DG gekündigt habe, hatte ich nicht das Gefühl, dass man mir besonders nachgetrauert hat. Klar: In den Augenblick, da man die Medienmaschine nicht mitbedient, sind die Verkaufszahlen nicht mehr berauschend. Und eine große Firma braucht schon 30.000 Exemplare, damit sich das rechnet. Meine CDs habe ich selbst finanziert, habe das Studio gemietet und aufgenommen, wenn ich Zeit hatte. Manchmal gab es drei Monate Pause, aber dieser Abstand hilft, Distanz zu gewinnen.

Standard: Beim Salzburger Figaro vor Jahren gab es großen Rummel um Anna Netrebko, hat das die Proben gestört?

Schäfer: Gar nicht, da sie so ein normaler Mensch ist, auch eine fantastische Sängerin mit Qualitäten, die wenige von uns haben. Die hat ein anderes Gemüt als ich, ich hatte nicht das Gefühl, dass sie leidet. Als nach der Premiere die Kameras auf uns losgingen, machte ihr das Spaß. Mir nicht. Ich will Ruhe haben, nach einer Vorstellung brauche ich eine Stunde, bis ich wieder da bin.

Standard: Dieser Figaro wurde zu einem Sängerinnenmatch hochstilisiert, den Sie gewannen.

Schäfer: Das war unmöglich, so etwas kann grundsätzlich fatale Folgen zwischen Kollegen haben. Aber wir mögen einander.

Standard: Unter den Regisseuren, mit denen Sie zusammengearbeitet haben, war auch Filmemacher Michael Haneke. Er war ja beim Don Giovanni eher sehr genau.

Schäfer: Der war total vorbereitet, das war unglaublich durchinszeniert, wir waren eigentlich in drei Wochen fertig mit den Proben. Normalerweise arbeitet man ja an großen Inszenierungen sechs Wochen, und als Sängerin weiß man manchmal gar nicht, warum eigentlich so lange. Haneke hatte in Paris Angst, dass ihm die Zeit davonläuft, dann waren wir aber früher fertig. Er hatte allerdings ganz strenge Vorstellungen, die er umsetzen wollte. Etwas ganz anderes konnte man als Sänger nicht machen.

Eine gewisse Unerfahrenheit im Umgang mit Sängern war sogar gut, auch was gewisse stereotype Gesten anbelangt, gegen die man als Sänger nie ganz gefeit ist. Ich finde es toll, wenn Sänger wie Schauspieler agieren. Manchmal merkt man halt nicht, dass beim Singen der Arm theatral unbrauchbar hochgeht. Das sieht ja dann doof aus. Das Singen bindet eben Kräfte.

Standard: Hatten Sie von Anfang an das Gefühl, dass Sie mit Ihrer Stimme Karriere machen könnten?

Schäfer: Am Anfang, denkt man, man sei die zweite Callas, dann kommt man auf den Boden der Tatsachen zurück und sieht: Es gibt tausende andere, und dann beginnt die harte Arbeit. Ich gehöre nicht zu jenen, bei denen die Stimme von Anfang an da war, sie war wirklich sehr zart. Jetzt fängt es eigentlich erst an. So wie jetzt hätte ich meine Stimme gerne vor zwanzig Jahren gehabt!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.4./1.5./2.5.2010)

 

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13 Postings
alecs garwin
31
sie ist definitiv

keine zweite callas (und nicht mal einen kleine netrebko) und dank youtube wird man sich ihrer vielleicht etwas länger erinnern...

aristide
00
27.12.2010, 18:21
netrebko

kann frau schäfer nicht das wasser reichen....aber sie scheinen überhaupt taub zu sein. tant pis!

alecs garwin
00
27.12.2010, 19:23
vermutlich hat es

mit meiner taubheit zu tun, dass ich frau schäfer an der staatsoper in münchen in der rolle der zerbinetta so gut wie nicht gehört habe. eine nette stimme für aufnahmen, in einem großen haus ein non event!

netrebko hingegen klingt wie auf der aufnahme, die gleich qualität von der ersten bis zur letzten note.

aristide
00
was hat die münchner staatsoper

mit der stimme von christine schäfer zu tun? ich habe sie im theater an der wien gehört, als partenope, und im wiener konzerthaus.....ich ginge auch nie in solche staatstragenden häuser wie die staatsoper, da wird nur repräsentiert und nicht gesungen.

alecs garwin
00
12.1.2011, 19:16
mit verlaub, aber

sie schreiben einen unheimlichen schaß...

rendier
01
13.11.2010, 19:31
Ja, ja, die Calles war sicher der größte Schreihals

aber Sie kann weder Christine Schäfer noch Frau Nebtrebko noch vielen anderen heutigen Sängerrinnen das Wasser reichen. Das was Sie wie keine andere konnte war ihrer Zeit das zu geben, was diese brauchte. Eine Diva! Hat aber mit Gesang nicht viel zu tun. Frau Schäfer hat Sie klängst um Lichtjahre überholt!

alecs garwin
10
15.11.2010, 00:01
geh bitte...

leisten Sie sich doch mal einen neuen satz ohren!

Sushi Pizza Science
 
41
kein medienrummel?

ein bisschen weit offen, das hemd...

CC80
04
30.4.2010, 11:22
Liebe Christine Schäfer!

Danke, für Ihre wunderbare Winterreise!

CC80
00
30.4.2010, 11:25

Mit der Qualität von Youtube lassen sich nur oberflächliche Interessenten bedienen, die würden eine CD sowieso nicht kaufen.

Queen of Sheba
 
01
30.4.2010, 11:15
Beim Figaro lieferte sie tatsächlich eine Sternstunde der Operngeschichte.

ittonips
01
30.4.2010, 10:12
you tube forever

liebe christine schäfer!
bitte bitte bitte lassen wir you tube so wie es ist. es kann gar niemals eine größere werbeplattform für künstler geben, und kein größeres lexikon für uns user.
alle die fasziniert werden kaufen ein qualitativ hochwertiges orginal und die anderen sowieso nichts.

skaldjur
00
30.4.2010, 09:44

*slurp*

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