US-Präsident besuchte Katastrophengebiet - Vier Bundesstaaten rufen Notstand aus - Wind behindert Eindämmung
Venice/Washington - Der britische Energiekonzern BP
hat am Montag angekündigt, den Schaden in Verbindung mit der Ölpest
im Golf von Mexiko zu tragen. BP werde "alle nötigen und
angemessenen Kosten für die Reinigung" übernehmen, hieß es auf einer
eigens eingerichteten Internetseite. Während sich der Ölteppich auf dem
Golf von Mexiko dramatisch ausdehnt, setzt US-Präsident Barack Obama
mit einer Reise in die Region ein Zeichen. Obama flog am Sonntag
von Washington zu einem Kurzbesuch ab. Vorher gab es Kritik, der
Präsident reagiere zu zögerlich. Außerdem wuchs in den USA die Angst
vor einer Katastrophe von ungekanntem Ausmaß.
Knapp zwei Wochen nach
der Explosion auf der Bohrplattform "Deepwater Horizon" haben
inzwischen vier Bundesstaaten wegen des gefährlichen Ölfilms auf dem
Wasser den Notstand ausgerufen. In einigen Küstengebieten wurden
bereits erste verschmutzte Vögel gefunden. Der britische Energiekonzern BP hat inzwischen angekündigt "alle nötigen und angemessenen Kosten" zu übernehmen, um die Folgen der Ölpest zu übernehmen.
Obama: "Koordinierte, unerbittliche Hilfsmaßnahmen"
Während des Besuchs verschärfte Obama seine Kritik an dem Ölkonzern BP. "Lassen Sie mich deutlich sein: BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnungen zahlen", sagte Obama am Sonntag. BP hatte die Ölbohrung
veranlasst. Zugleich versprach Obama, alles Menschenmögliche zu tun, um die Katastrophe einzudämmen, und gelobte "komplett koordinierte, unerbittliche Hilfsmaßnahmen".
Meeresbiologe: Anrainerstaaten sind mitschuld
Von einem
Super-GAU spricht auch der Meeresbiologe Michael Stachowitsch (Uni
Wien). Der Wissenschafter gibt dabei nicht nur BP die Schuld,
sondern auch den Anrainerstaaten, welche auf den Ölunfall nur
ungenügend vorbereitet gewesen seien. Diese US-Staaten würden
Milliarden an Einnahmen etwa über Lizenzvergaben für Ölbohrungen
verbuchen und hätten für den Fall der Fälle vorsorgen müssen,
stattdessen herrsche "Inkompetenz und Blindheit" vor, kritisierte
Stachowitsch.
Die Kosten der Naturkatastrophe steigen nach Angaben des
BP-Konzerns täglich. "Es ist zu früh, um eine Summe abzuschätzen",
sagte ein BP-Sprecher in London. Es sei auch unklar, welche
Schadenersatzforderungen auf BP zukämen. Derzeit koste der Einsatz
gegen den Ölteppich etwa 6,5 Millionen Dollar (4,9 Millionen Euro)
täglich. BP werde "alle legitimen Forderungen wegen Schäden und
Verlusten bezahlen, die objektiv überprüft werden können und mit der
Ölpest zusammenhängen". Experten schätzen die Gesamtkosten auf bis
zu 14 Milliarden Dollar (10,51 Mrd. Euro).
"Müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten"
Obamas Innenminister Ken Salazar machte den Ernst der Lage erneut
deutlich. In einer CNN-Sendung sagte er am Sonntag: "Ich glaube, wir
müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten." Die Regierung werde dem
Ölkonzern BP weiter im Nacken sitzen. Die US-Regierung war nach dem Unfall dafür kritisiert
worden, sie habe sich zu sehr darauf verlassen, dass der Ölkonzern
das Problem lösen werde. Inzwischen hat Obama 16 Bundesbehörden
eingeschaltet.
Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, erwartet, dass die
ersten schweren Ölklumpen am Montag an die Küste seines Staates
gespült werden. Betroffen sind die vier US-Bundesstaaten Florida,
Louisiana, Alabama und Mississippi. Überall wurde der Notstand
ausgerufen, in Florida nur in Teilen des Landes. Als Vorboten der
drohenden Ölpest an den Küsten bargen Helfer bereits etliche Vögel
mit veröltem Gefieder aus dem Meer.
Ausdehnung verdreifacht
Wissenschaftlern zufolge verdreifachte sich die Ausdehnung des
Ölteppichs binnen weniger Tage. Und das Wetter bleibt weiter ein
Gegner: Heftige Winde verhinderten weitgehend die verzweifelten
Versuche, den Ölfilm in Schach zu halten.
Erst im Laufe der Woche, so sagten Meteorologen am Sonntag, werde
eine deutliche Verbesserung erwartet. Zudem ist BP nach wie vor weit
davon entfernt, das Übel an der Wurzel zu packen - das heißt, das
Ausströmen weiteren Erdöls in der Tiefe zu stoppen.
Auch wirtschaftliche Katastrophe befürchtet
Deshalb wächst an der Golfküste die Angst vor einer Katastrophe
mit schweren wirtschaftlichen Folgen. Nicht nur, dass die Küstenzone
reiche Ausbeuten an Shrimps und Austern bietet: Viele Menschen in den
bedrohten Staaten leben vom Tourismus. Ihre Hoffnungen konzentrierten
sich darauf, dass Obama bei seinem Besuch feste Zusagen für rasche
wirtschaftliche Hilfen machen könnte.
Am Sonntag waren weitere dünne Ausläufer des Ölteppichs in die
Kanäle zwischen den kleinen Inseln vor der Küste Louisianas
geschwappt. Mit rund 9800 Quadratkilometern ist der Ölteppich
inzwischen größer als die Fläche von Kärnten.
Mississippi und Alabama bangen
Der Chef der US-Küstenwache, Admiral Thad Allen, sagte, bis zum
Montag werde voraussichtlich das erste Öl auch an den Küsten von
Mississippi und Alabama eintreffen. Alles hänge jedoch von Wetterlage
und Windrichtung ab. Obama hatte den Admiral am Samstag zum
Einsatzchef im Kampf gegen die Ölpest ernannt.
Das Rohöl tritt seit dem Sinken der Bohrinsel in 1500 Metern Tiefe
aus mehreren Lecks aus. Nach Schätzungen der US-Behörden laufen
derzeit täglich etwa 700 Tonnen Öl ins Meer. (APA)