BP kündigt Kostenübernahme für Ölpest an

3. Mai 2010, 14:52
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US-Präsident besuchte Katastrophengebiet - Vier Bundesstaaten rufen Notstand aus - Wind behindert Eindämmung

Venice/Washington - Der britische Energiekonzern BP hat am Montag angekündigt, den Schaden in Verbindung mit der Ölpest im Golf von Mexiko zu tragen. BP werde "alle nötigen und angemessenen Kosten für die Reinigung" übernehmen, hieß es auf einer eigens eingerichteten Internetseite. Während sich der Ölteppich auf dem Golf von Mexiko dramatisch ausdehnt, setzt US-Präsident Barack Obama mit einer Reise in die Region ein Zeichen. Obama flog am Sonntag von Washington zu einem Kurzbesuch ab. Vorher gab es Kritik, der Präsident reagiere zu zögerlich. Außerdem wuchs in den USA die Angst vor einer Katastrophe von ungekanntem Ausmaß. 

Knapp zwei Wochen nach der Explosion auf der Bohrplattform "Deepwater Horizon" haben inzwischen vier Bundesstaaten wegen des gefährlichen Ölfilms auf dem Wasser den Notstand ausgerufen. In einigen Küstengebieten wurden bereits erste verschmutzte Vögel gefunden. Der britische Energiekonzern BP hat inzwischen angekündigt "alle nötigen und angemessenen Kosten" zu übernehmen, um die Folgen der Ölpest zu übernehmen.

Obama: "Koordinierte, unerbittliche Hilfsmaßnahmen"

Während des Besuchs verschärfte Obama seine Kritik an dem Ölkonzern BP. "Lassen Sie mich deutlich sein: BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnungen zahlen", sagte Obama am Sonntag. BP hatte die Ölbohrung veranlasst. Zugleich versprach Obama, alles Menschenmögliche zu tun, um die Katastrophe einzudämmen, und gelobte "komplett koordinierte, unerbittliche Hilfsmaßnahmen". 

Meeresbiologe: Anrainerstaaten sind mitschuld

Von einem Super-GAU spricht auch der Meeresbiologe Michael Stachowitsch (Uni Wien). Der Wissenschafter gibt dabei nicht nur BP die Schuld, sondern auch den Anrainerstaaten, welche auf den Ölunfall nur ungenügend vorbereitet gewesen seien. Diese US-Staaten würden Milliarden an Einnahmen etwa über Lizenzvergaben für Ölbohrungen verbuchen und hätten für den Fall der Fälle vorsorgen müssen, stattdessen herrsche "Inkompetenz und Blindheit" vor, kritisierte Stachowitsch.

Die Kosten der Naturkatastrophe steigen nach Angaben des BP-Konzerns täglich. "Es ist zu früh, um eine Summe abzuschätzen", sagte ein BP-Sprecher in London. Es sei auch unklar, welche Schadenersatzforderungen auf BP zukämen. Derzeit koste der Einsatz gegen den Ölteppich etwa 6,5 Millionen Dollar (4,9 Millionen Euro) täglich. BP werde "alle legitimen Forderungen wegen Schäden und Verlusten bezahlen, die objektiv überprüft werden können und mit der Ölpest zusammenhängen". Experten schätzen die Gesamtkosten auf bis zu 14 Milliarden Dollar (10,51 Mrd. Euro).

"Müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten"

Obamas Innenminister Ken Salazar machte den Ernst der Lage erneut deutlich. In einer CNN-Sendung sagte er am Sonntag: "Ich glaube, wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten." Die Regierung werde dem Ölkonzern BP weiter im Nacken sitzen.  Die US-Regierung war nach dem Unfall dafür kritisiert worden, sie habe sich zu sehr darauf verlassen, dass der Ölkonzern das Problem lösen werde. Inzwischen hat Obama 16 Bundesbehörden eingeschaltet.

Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, erwartet, dass die ersten schweren Ölklumpen am Montag an die Küste seines Staates gespült werden. Betroffen sind die vier US-Bundesstaaten Florida, Louisiana, Alabama und Mississippi. Überall wurde der Notstand ausgerufen, in Florida nur in Teilen des Landes. Als Vorboten der drohenden Ölpest an den Küsten bargen Helfer bereits etliche Vögel mit veröltem Gefieder aus dem Meer.

Ausdehnung verdreifacht

Wissenschaftlern zufolge verdreifachte sich die Ausdehnung des Ölteppichs binnen weniger Tage. Und das Wetter bleibt weiter ein Gegner: Heftige Winde verhinderten weitgehend die verzweifelten Versuche, den Ölfilm in Schach zu halten.

Erst im Laufe der Woche, so sagten Meteorologen am Sonntag, werde eine deutliche Verbesserung erwartet. Zudem ist BP nach wie vor weit davon entfernt, das Übel an der Wurzel zu packen - das heißt, das Ausströmen weiteren Erdöls in der Tiefe zu stoppen.

Auch wirtschaftliche Katastrophe befürchtet

Deshalb wächst an der Golfküste die Angst vor einer Katastrophe mit schweren wirtschaftlichen Folgen. Nicht nur, dass die Küstenzone reiche Ausbeuten an Shrimps und Austern bietet: Viele Menschen in den bedrohten Staaten leben vom Tourismus. Ihre Hoffnungen konzentrierten sich darauf, dass Obama bei seinem Besuch feste Zusagen für rasche wirtschaftliche Hilfen machen könnte.

Am Sonntag waren weitere dünne Ausläufer des Ölteppichs in die Kanäle zwischen den kleinen Inseln vor der Küste Louisianas geschwappt. Mit rund 9800 Quadratkilometern ist der Ölteppich inzwischen größer als die Fläche von Kärnten.

Mississippi und Alabama bangen

Der Chef der US-Küstenwache, Admiral Thad Allen, sagte, bis zum Montag werde voraussichtlich das erste Öl auch an den Küsten von Mississippi und Alabama eintreffen. Alles hänge jedoch von Wetterlage und Windrichtung ab. Obama hatte den Admiral am Samstag zum Einsatzchef im Kampf gegen die Ölpest ernannt.

Das Rohöl tritt seit dem Sinken der Bohrinsel in 1500 Metern Tiefe aus mehreren Lecks aus. Nach Schätzungen der US-Behörden laufen derzeit täglich etwa 700 Tonnen Öl ins Meer. (APA)

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    An den Stränden der Golfküste wurden bereits zahlreiche tote Schildkröten und Fische angeschwemmt

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    Zur Bestimmung der Todesursache wurden die Kadaver in ein Labor gebracht

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    Nach neun Tagen trat ein, was man befürchtet hatte: Der Ölteppich erreichte ungehindert Louisianas Küste.

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