Inter Mailand spielt am 22. Mai gegen den FC Bayern München im Finale. Wie's dazu kam, finden die einen grausam, die anderen genial
Mailand/Barcelona - Die einen haben im Camp Nou die "grausame Seite des Fußballs" (Barcelona-Präsident Joan Laporta) geschaut, die anderen ein ballesterisches Epos um den Helden José Mourinho. Nur dem portugiesischen Coach sei es zu verdanken, dass Inter Mailand erstmals seit 38 Jahren das Finale des Meistercups bzw. dessen Nachfolgebewerbes, der Champions League, schmückt. "Inter war diesmal die perfekte Mannschaft nach Mourinho-Stil: kompakt, mutig, hart wie Stahl" , schwärmte Tuttosport nach der schlussendlich doch glücklichen 0:1-Niederlage in Barcelona, die den Titelverteidiger in Addition mit dem 1:3 aus dem Hinspiel scheitern ließ.
Dieser Stil hat Inter schon zum Erfolg geführt, als der heute 47-jährige Mourinho noch Windeln trug. "Das ist vor allem Mourinhos Erfolg. Er ähnelt immer mehr dem legendären Helenio Herrera" , sagte denn auch Inter-Präsident Massimo Moratti. Der Argentinier Herrera, 1997 im Alter von 87 Jahren gestorben, hatte die Nerazzurri zwischen 1960 und 1968 zu drei italienischen Meisterschaften und zwei Meistercupsiegen geführt - nicht zuletzt durch das von ihm perfektionierte Spielsystem, das der Wiener Karl Rappan in den 1930er-Jahren in der Schweiz für Grasshopper Zürich und die Nationalmannschaft entwickelt hatte und das folgerichtig Schweizer Riegel genannt wurde.
In Italien hieß und heißt es Catenaccio. Gegen Barça, das trotz der Genialität von Lionel Messi oder Xavi Hernández keinen Plan B hatte, wurde er zum Erfolgsrezept, der Doppelriegel. Da konnte Inter das Schussverhältnis (1:15) oder das eklatante Defizit bezüglich Ballbesitzes (24:76 Prozent) locker verschmerzen.
Selbst die spanischen Zeitungen waren uneins darüber, ob der Weg in Mourinhos "süßeste Niederlage" nun verdammens- oder verehrungswürdig war. "Mourinho, nein danke" , schrieb die in Barcelona erscheinende Sport, "er ist der König des Antifußballs." Für die Madrider Marca hatte Mourinho den Einzug ins Finale und die baldige Verpflichtung durch Real Madrid verdient. "Barça zerschlägt an seinem Gegenteil."
Und noch jemand hat sich gefreut: Louis van Gaal, der Trainer von Finalgegner Bayern München. "Gegen Inter haben wir etwas mehr Chancen als gegen Barcelona" , sagte der Niederländer, dem Mourinho einst bei Barça als Dolmetscher und Assistent diente. Am 22. Mai sind die großen Sympathieträger ihrer Zunft in Madrid wieder vereint. (lü, DER STANDARD, Printausgabe, Fr./Sa./So., 30. April/1./2. Mai 2010)