"Nicht einmal die Funktionäre wissen, wofür die SPÖ steht"

29. April 2010, 17:42

Bei den Genossen hat sich viel Grant über Beliebigkeit und Dilettantismus angestaut

Wien - "Schmerzverzerrt denken wir zurück, was mit der Sozialdemokratie passiert ist": Die Einleitung des Moderators verheißt kein spaßiges Programm. Draußen bricht ein lauer Frühlingsabend an, im Fernsehen läuft ein Champions-League-Schlager, doch auf der schummringen Kellerbühne des Ost-Klubs haben sich drei Dutzend Unentwegte vorgenommen, das rote Universum zu retten. Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter ist einer Einladung der Initiative "Wir sind (auch) SPÖ" gefolgt - um sich, wie er augenzwinkernd anmerkt, "der revolutionären Basis" zu stellen.

Eine Ladung Frust entlädt sich über dem Abgeordneten. Wenn der SPÖ der Wille fehle, die Schlüsselministerien in der Regierung zu besetzen, kritisiert einer, "dann haben wir auch kein Anrecht, Ideen umzusetzen" . Eine junge Genossin meint: "Nicht einmal unsere Funktionäre wissen, wofür die SPÖ steht." Besonders zerpflückt wird die zu lasche Krisenpolitik: "Der Ball war vor dem leeren Tor aufgelegt - und wir haben vorbei geschossen."

Im Jubel der Massen, die am 1. Mai durch die Städte ziehen, würde das Grüppchen untergehen, dennoch ist das Lamento nicht untypisch. Viel Grant hat sich seit Faymanns Antritt als Kanzler vor gut einem Jahr angestaut, befeuert durch Wahlpleiten in Serie. Zwar nimmt das "Gesuder" (© Alfred Gusenbauer) kein solches Ausmaß an, dass der Parteichef eine Revolte fürchten muss, doch Nervosität macht sich allemal breit. Am Parteitag im Juni muss sich Faymann nicht bloß seiner Wiederwahl stellen, sondern sein sowjetisches Ergebnis aus dem Jahr 2008 von 98,36 Prozent verteidigen. Steht diesmal nur ein Achter vorne, könnte ihm der Makel der Schwäche anhaften.

Faymann sieht die Gefahr. Nach monatelangem Lavieren trat er die Flucht nach vorne an. Der ÖVP hat er eine Liste mit Steuerwünschen auf den Tisch geknallt - eine Herzensangelegenheit der roten Basis. Breite Teile in der SPÖ haben nie verstanden, warum der Kanzler in der Krise Bankern, Vermögenden & Co. nicht stärker ans Börsel will. Dem Koalitionspartner schien er schon windelweiche Kompromisse aufzudrängen, ehe dieser überhaupt am Verhandlungstisch Platz genommen hat.

"Einen Plan, wie Faymann das Land verändern will", vermissen viele Genossen schlichtweg. Aus Flickwerk bestehe seine Politik, die sich primär an einer Frage ausrichte: "Kann ich‘s der Öffentlichkeit verkaufen?" PR-Berater gebe es in seinem Umfeld "wie Sand am Meer, aber keinen strategischen Kopf", urteilt einer aus dem SPÖ-Präsidium - womit die Kritiker, vom Fußvolk bis zur Elite, beim kleinsten gemeinsamen Nenner angelangt sind: Dem Gemurkse der Bundesgeschäftsführer.

Günther Kräuter und Laura Rudas arbeiten in der Parteizentrale, gerne auch gegeneinander. Während der Steirer Kräuter mittlerweile als isoliert gilt, von wichtigen Infos abgeschnitten, sitzt die Wienerin Rudas am längeren Ast. Faymann hält nach wie vor große Stücke auf die 29-Jährige, sie soll den heiklen Parteitag organisieren. Dafür findet sich im Rest der SPÖ nur schwer jemand, der Rudas' Arbeit ehrlich verteidigt.

Von Freunderlwirtschaft bis zu taktischen Schnitzern reichen die Vorwürfe, von Inhaltsleere bis zu vergurkten Auftritten. Zuletzt gab es auch Wickel ums Geld: Oberösterreichs Parteichef Josef Ackerl verweigerte im Vorstand sein Ja zum Budget, weil ihm die Geschäftsführer die Parteischulden von drei bis vier Millionen nicht zielstrebig genug abbauten.

Schuss ins eigene Knie

Jüngstes Manöver, das Rudas angelastet wird, ist die Rochade im Stiftungsrat des ORF. Die schlecht vorbereitete Ablöse des routinierten Medienstrategen Karl Krammer durch den 23-jährigen Rudas-Vertrauten Niko Pelinka gilt vielen als Schuss ins Knie - und als moralischer Sündenfall, war Krammer im Wahlkampf doch Miterfinder von Faymanns erfolgreichem Fünf-Punkte-Programm.

In absehbarer Zukunft, so wird gemunkelt, könnte freilich die Parteimanagerin selbst am Personalkarussell sitzen. Die SPÖ-Zentrale solle neu besetzt und Rudas weggelobt werden - in eine Zukunft als Medienstaatssekretärin oder Frauenministerin. Doch Nachfolger sind schwer zu finden. Verteidigungsminister Norbert Darabos will nicht einspringen, Staatssekretär Andreas Schieder würde sich wohl nur dem Wunsch "seiner" Wiener SPÖ beugen.

Im Ost-Klub ist ebenfalls von Kurswechsel die Rede, mit Witz und Charme nimmt Matznetter den Kritikern Wind aus den Segeln. Auch Sozialdemokraten seien "neoliberalem Brainwashing" erlegen, doch nun sei die Wende voll im Gange. Mit ihren Steuerplänen werde sich die SPÖ "gegen die ÖVP durchsetzen", prophezeit Matznetter, dämpft aber überzogene Erwartungen: "Die revolutionären Massen werden nicht vor der Tür stehen." (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2010)

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Gut und dann...?
00
20.7.2010, 11:39
Es gibt auch noch andere!

Feste Proleten Österreichs, Bräunungs Zentrum Österreichs,Österreichische Verbrecher ..... usw...!
Bei den Schulden vom kreisky haben wir wenigstens alle etwas gehabt, wer hat in Kärnten etwas davon?

ExBeamter
10
11.6.2010, 10:24
SPÖ = Schulden Partei Österreich!

some123
10
Kräuter und Rudas...

sind nicht gerade ein Aushängeschild für die SPÖ...

rae spiegel
 
10
AAAAAHHHHHH! wo ist die linkspartei in ö?

Mathias
 
31
Wachsen soll die SPÖ unter der Ägide von Laura Rudas und Werner Faymann

Und wohin soll die SPÖ "wachsen"? Wissen das die Mitglieder der SPÖ denn auch ganz genau?

Viktor Adler
20
16.5.2010, 11:24
In der Botanik gibt es auch den Ausdruck "Zurückwachsen".

Androsch hat ja auch seinerzeit das Nullwachstum erfunden. Jetzt wächst die SPÖ halt unter Null.

Schrumpfschlauch
00
17.5.2010, 08:16
Gesundschrumpfung

skip it
51
auch ein tumor "waechst"...

teuerzahler
24
ich weiss es schon:

für freunderlwirtschaft, korruption, abzocke der steuerzahler und eiskalte klientelpolitik.

Tom93
32
für welche klientel macht die spö politik?

wieso trauen sie diesem lächerlichen spielball der övp namens "sozialdemokratische partei" sowas wie "Klientelpolitik" zu, und noch dazu eine "beinharte"? die spö macht gar keine politik, denn dazu bräuchte man eine politische linie und ein minimum an durchsetzungsvermögen.

Gut und dann...?
00
20.7.2010, 11:42
Uiiiiiii schon wieder ein Blödsinn!

in der heutigen Zeit kann man nur für die Mitte oder für alle sein.
Die SPÖ hat ja nach dem Krieg mit Null beginnen können und heute?

jo, na, eh!
32

könnten sich zur abwechslung mal gegenseitig pflanzen, die beiden...

ceiberweiber.at
20
Altes foto

stammt aus dem wahlkampf 2008, also nicht mehr so neu....richtete sich übrigens als aktion oder signal an junge, der baum war dabei das symbol, also dass daraus dann neues entsteht.... nicht gerade der eindruck der spö, in den letzten beiden jahren zumindest.... man wird vielleicht mal draus lernen, die alten jungfunktionäre werden aber kaum dazulernen....daher vermitteln sie auch nicht, leider, die inhalte, auf die sich die partei besinnen sollte (gerade am tag der arbeit sollte man doch daran denken, dass so viele menschen keine arbeit haben oder so wenig verdienen).

walter prohaska
10

was ist eigentlich aus dem baum geworden, sehr professionell wirkt ja diese aktion nicht. wer hat schon mal mit anzug und krawatte gegaertnert?

Josicha Ehkloa
02

sowie die meisten auch gar nicht wissen, was in den Gesetzen drinnen steht, die sie mitbeschließen !
Traurig !

archimed
37
laura und werner als hobbygärtner

medienwirksames bäumepflanzen ist dann eben doch zu wenig!
wenn man/frau sp sich mit so vielen teufeln ins bett legt, darf mann/frau-sp sich nicht wundern, mit diesen am morgen wieder aufzuwachen.
konsequenz, haltung, wahrhaftigkeit und stil sind eine frage der moral.
und die fehlt mir bei der sp zurzeit gänzlich...

gwfak
11
Weniger Gärtner,

denn das hätte ja schon mit gestalten zu tun. Da schon eher Gartenzwerg. Eine passende Zipfelmütze wird sich auch noch finden.

woifee 0.0
11

SPÖ = SemiPolitiker Öterreichs

Kniff
22
Die gute Tat ist gut geplant, ein Obdachloser kann im Schatten des Bäumchens ausruhen vom Flaschensammerln, zwei sind schon da;-)

adaschauher
33
schuldenfinanzierte waehlerbestechung zum machterhalt.

das ist und belibt das einzige konzept der kreiskysinowatzvranitzkyklimaguusifaymann SPOe

revolt68
31
jaja

diese ganzen "revolutionären" arbeitsgruppen der sp, da hab ich beim zähneputzen schon mehr revolutionäre Gedanken als diese Herren.

Das schlimme ist nur das man als linksgerichteter Wähler bald die einzige Option die KPÖ ist.

walter prohaska
01

was heisst bald?????

jacques05
00
die sp ist für linke längst unwählbar...

doch die kp ist reine notwehr.
ich bin überzeugter linker sozi und es bleibt einem momentan eben nur die kp.
das ziel aller linken kann aber nur sein, die sp entweder
wieder auf kurs zu bringen, die wirtschaft wieder auf das zu reduzieren, was sie ist, mittel zum zweck des wohlstandes der arbeitenden und nicht arbeitenden massen zu sein, oder die sp auf den müllhaufen der geschichte zu werfen und alternativen zu suchen/gründen.
wie kreisky schon sagte, es werden nur jene bestehen, die die richtigen antworten auf die entwicklungen des kapitalismus haben.
die sp hat sie zur zeit eindeutig nicht.

Monika z
 
00
Wie war das noch mal mit den spin doctors??

Einer partei, die sich ideologisch auf die fahnen schreibt sozialdemokratisch zu sein und dann agiert wie lt lehrbuch 1.semester indem sie glaubt die wählerstimmen durch gummistiefel-shows, weindegustationen, kotaus vor senator cato dichand zu gewinnen, kann nur verlieren. Ich empfehle: täglich 3x in den spiegel schauen!!

woifee 0.0
11

ich habe meinen ersten baum mit 4 geplfanzt, alleine und da hab ich mich nicht so blöd angestellt

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