Eine Generation, die Fehler korrigieren will

29. April 2010 17:15

Die iranische Freiheitsbewegung ist so breit wie nie - Von Saba Farzan

Als am 11. Februar - dem Jahrestag der Islamischen Revolution - die Freunde der Islamischen Republik schon auf den Tischen tanzten, dass die Gegendemonstrationen nicht so zahlreich ausgefallen waren, verkannten sie dabei einen signifikanten Protestruf: "Mansour Osanloo muss freigelassen werden!" Mansour Osanloo ist der wohl prominenteste Gewerkschafter im Iran und seit 2007 zu Unrecht im berüchtigten Evin-Gefängnis und nun in Gohardasht inhaftiert. Es war das erste Mal seit Beginn der Freiheitsbewegung, dass die Demonstranten die Freilassung dieses mutigen Mannes öffentlich gefordert haben.

In diesen Tagen haben sich zehn Bündnisse, die friedlich für die Rechte von Arbeitern, Gewerkschaftern, Frauen und anderen unterdrückten sozialen Gruppen kämpfen, zusammengeschlossen und einen Katalog an Forderungen für den Tag der Arbeit veröffentlicht. In den vergangenen Jahren kämpfte jede dieser Organisationen einzeln für ihr Recht auf Versammlungsfreiheit und weitere legitime Rechte. Dieser Zusammenschluss von Arbeitern, Gewerkschaftern, Frauenrechtlern und vielen anderen Aktivisten ist sehr bedeutend. So abgedroschen diese Floskel normalerweise klingt, aber hier trifft sie den Kern der Sache: Zusammen sind sie stärker.

Bahnbrechend sind die fünfzehn Forderungspunkte, die in diesem Schreiben öffentlich gemacht wurden. Selbstverständlich wird die Freilassung von Mansour Osanloo und seines ebenso verhafteten Mitstreiters Ebrahim Madadi gefordert sowie die Forderung nach Versammlungsfreiheit bekräftigt. Auch die Aussetzung der Todesstrafe wird verlangt und ein Verbot der Kinderarbeit. Lohnausfälle müssen endlich ein Ende haben, und keine weiteren Arbeiter dürfen entlassen werden. Das Bündnis übt starke Kritik an geplanten Subventionskürzungen und warnt vor gesellschaftlichen Unruhen, sollten jene tatsächlich durchgeführt werden.

Weiters wird das Recht auf Bildung für alle Kinder gefordert, unabhängig von religiöser und ethnischer Zugehörigkeit, die gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung von Frauen und ein Ende der Diskriminierung und Ausbeutung afghanischer Arbeiter im Iran. All das ist für eine demokratische Zukunft des Iran von unglaublich großer Bedeutung.

Kopftuchproblem verkannt

Vor dreißig Jahren gab es diese Solidarität und Zusammenhalt in den Wirren der iranischen Revolution nicht, sonst wäre das Ergebnis niemals ein so diktatorisches System gewesen. Als die Frauen im Jahr 1980 gegen die Einführung der Zwangsverschleierung protestierten, marschierten sie weitgehend allein. Zur Begründung lieferten die Männer: Wir haben größere Probleme als den Kopftuchzwang. Als Mann vielleicht.

Die iranische Zivilgesellschaft ist dabei, diese Fehler zu korrigieren, und besonders die nach 1979 geborene Generation hat aus ihrer Geschichte gelernt. Heute verteidigen Männer Frauenrechte, Akademiker verteidigen Arbeiter und Arbeiter verteidigen religiöse und ethnische Minderheiten. Die politischen Gefangenen im Evin-Gefängnis sind in diesen Tagen in einen Sitzstreik getreten. An diesem Freitag will eine Vielzahl von Lehrern aus politischen Gründen und als Demonstration gegen Hinrichtungen, Folter und Festnahmen in den Hungerstreik treten.

Wenige Wochen vor dem Jahrestag der Freiheitsbewegung werden diese Aktionen dem friedlichen Kampf für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Auftrieb geben. Den Rest erledigt die desolate wirtschaftliche Lage im Iran mit Massenarbeitslosigkeit und extrem hoher Inflation, denn diese ernsten Probleme lassen sich ohne demokratische Rahmenbedingungen nicht lösen. Die Arbeiter und Gewerkschafter im Iran haben für diesen Samstag zu Demonstrationen im ganzen Land aufgerufen. Ihre Mitstreiter sollen sich vor den Arbeitsministerien der Städte versammeln - in Teheran wollen sie zum Revolutionsplatz ziehen. Mansour Osanloo und alle anderen Inhaftierten werden diese Solidarität spüren. Wann endlich möchte sich die europäische Linke mit diesem friedlichen Kampf solidarisch zeigen? (DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2010)

Saba Farzan ist Publizistin und schreibt über die iranische Zivilgesellschaft. Sie lebt in Deutschland.

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    Posting 1 bis 25 von 49
    1 2
    Fritz Wunderlich
    05.05.2010 19:22

    den link zur solidarität mit osanloo poste ich seit zwei jahren und außer rotstrichler kein kommentar, soviel zu den linksextremen hier

    Walter Tiefenthaler
    02.05.2010 04:40
    aeber was...

    ...wenn die wahlen ehrlich waren und die oppostition sich antidemokratisach verhaellt?

    Walter Tiefenthaler
    02.05.2010 15:42
    ich glaube...

    ...dasses im iran eine tiefe kluft zwischen islamisch dominierter landbevoelkerung und aufgeklaerter stadtbevoelkerung gibt. die abstrakten ergebnisse erklaeren sich durch die unterstuetzung der kandidaten durch die mullahs, die in den laendliche gebieten die meinung der oeffentlichkeit bestimmen. aber ja, ich denke - auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen - die einfachen moslems auf dem land waren zuerst fuer khatami und dann fuer ahmadinejad (das hatte natuerlich seinen preis, aber so ist eben demokratie...).

    MiNeum71
     
    20.05.2010 13:55


    Bei allem nötigen respekt: Schreiben 'S lieber über Dinge, von denen Sie auch wirklich etwas verstehen.

    xx Hour1
    02.05.2010 21:43

    ja diese Kluft gibt es auch Zwischen Roten Wien und
    Schwarzen Niederösterreich.

    Ich empfehle Ihnen einmal nach Iran zu Reisen bevor Sie mutmassungen über den Kluft völlig fremde länder stellen.
    Mit stimmn der Land Bevölerung ist im Iran keine Wahl zu Gewinnen. Sie müßen unterstütung der Großen Städte haben, Es gibt viele große Städte im Iran die Wahl entscheidenfd sind aber vermutlich keine von Ihnen kennen, trotzdem einen kluft sehen.

    Walter Tiefenthaler
    03.05.2010 09:50
    ich war nur relativ kurz im iran...

    ...aber lange in thailand. auch dort ist die kluft zwischen landbevoelkerung und staedtern riessig. thaksins partei hat die wahlen legal gewonnen, aber das ist den staedtern, die die populisten verabscheuen egal. gleiches spielt sich wahrscheinlich im iran ab...

    xx Hour1
    03.05.2010 11:08


    Iran ist doch nicht der Thailand. eher ganz der gegenteil.
    Die Regierung Zahlt mehr gehalt wenn die Beamten
    die Hauptstadt Verlassen und in Provinzen arbeiten.
    Die Bau von Industire und Fabriken werden in Großstadt Tehran nicht mehr gestattet, in gegenteil in Provinzen gefördert.

    Es gibt viele groß Städte im Iran mit Bevölkerung mehr als Österreich, mit viel Industrie und viel Arbeitsplätze, die sie vermutlich nicht kennen aber Kluft vermuten.

    Walter Tiefenthaler
    03.05.2010 18:19
    es ist aber nicht unmoeglich...

    ...dass die mehrheit der einfachen leute fuer ahmadinejad war. in einer demokratie sollte nicht unbedingt nur der wille der islamkritischen elite gelten, sondern der der mehrheit. was mir bei den kritikern fehlt ist ein konketes bekenntnis zur demokratie.

    xx Hour1
    03.05.2010 23:44

    In einer Deomkratie oder nicht Demokratie gilt immer

    Man spricht oder urteilt über etwas nicht, wo von man keine Ahnung hat

    Walter Tiefenthaler
    04.05.2010 14:15
    nein...

    ...sie spiegeln das problem der staedter des iran sehr gut wider. demokratie bedeutet die meinung der anderen zu respektieren und sich dem willen der mehrheit zu beugen. wenn sie dies beherzigen, werden sie sehen, dass die probleme im iran nicht nur von den mullahs ausgehen...

    Michel de Nostredame
    02.05.2010 14:29
    Sie glauben also tatsächlich...

    ... dass ein Volk, das einst den liberalen Khatami zweimal hintereinander mit mehr als 70% zum Präsidenten gewählt hat, sich innerhalb weniger Jahre um 180 Grad gewandelt hat und jetzt auf Ahmadinejad steht?

    xx Hour1
    02.05.2010 21:38

    Was für eine unsinn
    Sie machen den Namen Nosterdamus nr Schande.

    Was die leute für 5 Jahre gewählt haben, war es vor 5 Jahre. Vorbei

    In Poltik Ändet sich gunst der Wähler seh schnell.
    Gunst der Masse der Pöbel ist sehr flüchtig.

    Obama war bis vor 6 Monate eim Messias
    Heute muß er um Wieder wahl fürchten.

    Hansi Krankl2
    01.05.2010 16:02
    Iran Opposition Wieder Nix

    Es scheint wieder nicht so gelaufen zu sein wie sichs dass so manche gewuenscht haetten. Ich wuerde mir wuenschen dass die lieben Leserinnen sich selber ueber die Lage im Iran informieren und nicht auf die Analysen von Iran and Islam "experten" hoeren. Danke.

    xx Hour1
    01.05.2010 14:16

    "Die Arbeiter und Gewerkschafter im Iran haben für diesen Samstag zu Demonstrationen im ganzen Land aufgerufen. Ihre Mitstreiter sollen sich vor den Arbeitsministerien der Städte versammeln - in Teheran wollen sie zum Revolutionsplatz ziehen."

    Das ist sicher ein blödsinn , Die 1. Mai ist kein Tradition im Iran. Es ist auch nicht ein Feiertag.

    Das Wunschdenken und spinnen irgendwelche Exil-Iraner als Iran Realität zu deklarieren ist ein Westliche Propaganda Trick, seit Jahren.

    Ava Tar
    01.05.2010 12:49
    Nach 1h googeln war von der Autorin nichts zu finden

    das vor Juni 2008 über einen gewissen Elfenbeinturm hinausgegangen wäre - seit der "gefälschten" Wahlen ist sie eine der "gefeierten Stimmen" der Konzernmedien, gar im Wall Street Journal: Sie verlangt ein Öl-Embargo und "Schluß mit dem Dialog!" (aha?), würde einen zum Uranaustausch bereiten Iran "nicht ernst nehmen" (sondern? ignorieren?), und darf auch im Standard jedes Quartal hetzen (18.1.:"Zeit, die Samthandschuhe auszuziehen")

    Auf Vorträgen und Initiativen wie "freeiran" vereint mit Ottolenghi (FDD Washington: Richard Pearle, Newt Gingrich, "pro war top neocon think tank") und einem "Minister der letzten weltlichen iranischen Regierung" (also des Zu-Tode-Folter-Regime des Schahs)

    Immer nur her mit solchen "Experten"-Stimmen. Hurra !

    farbrauschen
    02.05.2010 12:43


    ich vermute, dass sie das kopftuchverbot erwähnt, reizt dich so sehr.

    wieso auch nicht
    02.05.2010 12:32

    Ava Tar, das beste Beispiel für den Niedergang der europäischen Linken.

    Schnapphahn
    03.05.2010 06:22
    Nicht links. ;)

    Gefallene Göttin.

    Oder doch eher Reaktionär.

    Ava Tar
    02.05.2010 22:52

    Wir kommen grad wieder ;o)

    Ernst Guevara
    02.05.2010 15:01
    avatar und links?

    der war gut!

    Potz von Padnerham
    01.05.2010 12:37

    "Den Rest erledigt die desolate wirtschaftliche Lage im Iran mit Massenarbeitslosigkeit und extrem hoher Inflation, denn diese ernsten Probleme lassen sich ohne demokratische Rahmenbedingungen nicht lösen. "
    Wenn man unterstellt, dass der/die Autor(in) unter "Demokratie" das versteht, was bei uns grassiert, so frage ich mich, wieso wir unsere Wirtschafts- und Finanzkrise nicht Dank unserer wertvollen "Demokratie" im Vorhinein verhindert haben????

    khaleb
    02.05.2010 11:07
    zugegebeermassen ist die Deokratie die schlechteste Staatsform

    bis halt auf alle anderen, die die Menschheit ausprobiert hat. W. Chuchill

    Potz von Padnerham
    02.05.2010 18:23

    Demokratie wäre nicht schlecht, wenn wir sie hätten. Statt dessen verkauft man uns eine demokratisch drapierte Tyrranei, die genauso viel oder genauso wenig demokratisch ist, wie das iraner Regime!

    Ernst Guevara
    01.05.2010 10:58
    hier stinkt es mal wieder

    nach STASI (STAndardSIcherheit). warum ist der zensornazi noch nicht nach iran ausgewandert, um dort auf seiten der mullahs seinen beitrag für die unterdrückung demokratischer grundrechte zu leisten? oder wartet der zensornazi auf die machtergreifung der FPÖ, damit sein faschistisches potential voll zur geltung kommen kann?

    Fritz Wunderlich
    01.05.2010 10:38

    hehe, heftige zensur wegen kleinen bemerkungen zur europäischen linken, foucault, goytisolos, garaudy, ..

    da gäbe es noch einen begeisterten besucher im damaligen revolutionären iran, cap mit familienname

    heute gibt es elsässer usw.

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    Posting 1 bis 25 von 49
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