Heidemarie Zimmermann lebt und arbeitet in Wien - Neben ihrer Tätigkeit als Verlegerin arbeitet sie als Unternehmensberaterin
STANDARD: Sie verlegen seit rund drei Jahren "Lebenserinnerungsbücher" . Wie sind Sie auf diese Idee, mit der Sie den Mercur-09-Award gewonnen haben, gekommen?
Zimmermann: Die Idee kam von einer heute 87-jährigen Kundin, die meine Festschriften und Firmenevent-Journale wie persönlichen Zeitungen, die ich auch produziere, kannte und sich ihre Erzählungen in Buchform wünschte.
STANDARD: Wie war dann das erste Arbeiten am ersten Buch?
Zimmermann: Es war ein Prozess, in den wir beide reingewachsen sind. Die Inhalte haben wir auf Interviews aufgebaut, die ich mit der Dame geführt habe. Beim Schreiben hat sie mir immer wieder über die Schulter geschaut und ab und zu gemeint: "Na, so kann ma' des net schreib'n." Neun Monate später hielt sie dann voll Stolz ihr Buch in Händen.
STANDARD: ... eine Lebensreise ...
Zimmermann: Ja. Wir gehen mit den Menschen gedanklich und auch in Realität an die Orte ihres Lebens zurück und horchen auf die Empfindungen von damals. Aktuell haben wir sechs Bücher in Arbeit.
STANDARD: Wie lange arbeiten Sie an einem Lebenserinnerungsbuch?
Zimmermann: Für ein Buch sind es rund 140 bis 200 Stunden.
STANDARD: Was ist für Sie das Schöne an dieser Arbeit?
Zimmermann: Ich darf an der Lebensweisheit dieser Menschen teilhaben. Ich sehe, wie sie mit ihrem heutigen Wissen ihre Vergangenheit reflektieren. Und ich kann nur dazu raten, Eltern und Großeltern aufzufordern, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Damit die Erfahrungen und Bilder nicht mit den Menschen begraben werden. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 30.April /1./2.Mai 2010)