Feuchter Händedruck gefällig?

Ursula Schersch
22. Juli 2010, 14:29
  • Schweiß soll den Körper abzukühlen, wenn er durch innere oder äußere Einflüsse Hitze ausgesetzt ist.
    foto: apa/epa/frank rumpenhorst

    Schweiß soll den Körper abzukühlen, wenn er durch innere oder äußere Einflüsse Hitze ausgesetzt ist.

  • Stark schwitzende Personen gelten oft als unhygienisch, ein feuchter
Händedruck signalisiert Unsicherheit, Nervosität oder mangelnde
Stressresistenz.
    foto: photodisc

    Stark schwitzende Personen gelten oft als unhygienisch, ein feuchter Händedruck signalisiert Unsicherheit, Nervosität oder mangelnde Stressresistenz.

Schwitzen ist gesund, heißt es - aber gibt es ein zuviel des Guten?

Hohe Außentemperaturen, körperlicher Betätigung, Stress oder Krankheit - wer kommt dabei nicht ins Schwitzen. So unangenehm es in manchen Situationen sein mag, sinnvoll ist es dennoch: "Schwitzen dient der Thermoregulation, das heißt der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur bei 36 bis 37 Grad Celsius und schützt uns daher vor Überhitzung", erklärt Karin Niescher-Lüftl, Leiterin der Hyperhidroseambulanz an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Innsbruck. Der Schweiß auf der Haut verdunstet, kühlt den Körper ab und schützt ihn auf diese Weise davor, zu heiß zu werden. Hinzu kommt, dass der Organismus beim Schwitzen nicht nur Wasser, sondern auch Giftstoffe ausscheidet. Schwitzen ist somit die körpereigene Klimaanlage und trägt zum Reinigungsvorgang des Körpers bei.

Der Schweiß wird in den rund zwei Millionen Schweißdrüsen produziert und über die Poren auf die Hautoberfläche ausgeschieden. Die meisten Schweißdrüsen sind an den Handflächen, den Fußsohlen, Achselhöhlen und am Kopf zu finden. Die Steuerung der Schweiß-Abgabe erfolgt durch das vegetative Nervensystem, Emotionen wie Stress, Angst oder Unbehaglichkeit können diese daher beeinflussen. Frischer Schweiß ist fast geruchlos, erst durch die bakterielle Zersetzung entsteht der unangenehme Körpergeruch.

Zu viel des Guten: übermäßiges Schwitzen

Neben der erwünschten und normalen Schweißbildung, gibt es jedoch Menschen, die an Hyperhidrose, an übermäßigem Schwitzen leiden. "Hyperhidrose ist eine Schweißproduktion, die über das Maß der Thermoregulation hinausgeht. Die Betroffenen schwitzen temperaturunabhängig", so Niescher-Lüftl. Die vermehrte Schweißproduktion kann entweder den gesamten Körper betreffen oder sich auf bestimmte Körperregionen wie Hand- und Fußflächen oder Achselhöhlen beschränken. Am häufigsten klagen Patienten über Achsel- und Fußschweiß. Nicht selten sei eine Hyperhidrose auf andere Erkrankungen wie eine hormonelle Dysbalance - etwa in den Wechseljahren -, chronische Entzündungen, Stoffwechsel-, Schilddrüsen- und Tumorerkrankungen zurückzuführen. Auch die Einnahme von Medikamenten, bestimmter (scharfer) Nahrungsmittel sowie Alkohol- oder Nikotinabusus können eine vermehrte Schweißproduktion hervorrufen. Diese Form der Hyperhidrose wird sekundäre genannt, im Gegensatz zur primären Form: "Bei der primären Hyperhidrose gibt es keine organische Ursache, sie beruht vermutlich auf einer Überreagibilität des Nervensystems auf kleinste Stimuli hin", so die Dermatologin. Durch das andauernde feuchte Milieu werden Folgeerkrankungen wie Pilzerkrankungen oder bakterielle Infektionen begünstigt.

Privat und beruflich eingeschränkt

Für Betroffene stellt der Zustand des anhaltenden Nässe-Gefühls meist eine große psychische Belastung dar und schränkt deren Lebensqualität enorm ein. Feuchte Hände, Schweißflecken unter den Achseln oder gar durchnässte Kleidungsstücke beeinflussen den Kontakt und Umgang mit anderen Personen sowohl im privaten als auch beruflichen Umfeld. Schwitzen ist gesellschaftlich nach wie vor negativ belegt: Stark schwitzende Personen gelten oft als unhygienisch, ein feuchter Händedruck signalisiert Unsicherheit, Nervosität oder mangelnde Stressresistenz - Eigenschaften, die für die berufliche Laufbahn nicht allzu förderlich sind. Insbesondere bei Berufen mit häufigen Sozialkontakten bedeutet dies oft zusätzlichen psychischen Stress. Der Teufelskreislauf beginnt.

Übermäßig schwitzende Personen müssen ihre Situation aber nicht einfach hinnehmen, denn es gibt Möglichkeiten, den starken Schweißfluss einzudämmen. "Die" Therapie gegen übermäßiges Schwitzen gibt es allerdings nicht, eine Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Bei der sekundären Hyperhidrose ist die Grunderkrankung zu behandeln, bei der primären werden die Symptome gelindert. "Die Schweißbildung kann auf verschiedene Wege beeinflusst werden - beispielsweise durch lokale Maßnahmen wie spezielle Antitranspirantien oder chemische Denervierung etwa mittels Injektion von Botulinumtoxin in die Haut. Es gibt auch eine medikamentöse und chirurgische Therapie je nach Ausprägung der Hyperhidrose", erklärt die Medizinerin.

Hausmittel

Wer generell leicht zum Schwitzen neigt, dem können einige Hausmittel Linderung verschaffen. Das Trinken lauwarmen Salbeitees und die Vermeidung von Kaffee, Alkohol, Nikotin und scharfen Gewürzen können die Schweißproduktion ebenfalls positiv beeinflussen. Auch ein körperliches Training und eine Gewichtsreduktion im Falle von Übergewicht werden empfohlen. Sind psychische Faktoren die Ursache können Strategien zur Stressbewältigung wie Entspannungstechniken oder das Erstellen von Zeitplänen helfen. (derStandard.at, 22.7.2010)

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22 Postings
Atropin

hilft gut gegen übermäßiges Schwitzen, wenn man es situationsbedingt eine Stunde vor einem wichtigen Termin (Vortrag, Meeting etc.) einnimmt. Macht aber auch den Mund sehr trocken, also Trinken bereithalten. Als Ersatz für Bellanorm, die es in Österreich nicht mehr gibt, hilft auch Sormodren. Am besten Atropin über den Chemikalienhandel beziehen und selbst dosieren (wenn man sich auskennt!). Sonst den Arzt oder Apotheker des Vertrauens fragen.

welche "giftstoffe" werden mit dem schweiss ausgeschieden? ist das nicht das märchen von der "entschlackung"? der menschliche körper bildet keine schlacken die somit auch nicht ausgeleitet werden können.

Was Handschweiß angeht bin ich Fachmann :-(

Ich leide selbst seit meiner Geburt unter abtropfend nassen Händen. Das ist auch der Grund warum ich hyperhidrosehilfe.de und schwitzen.com gegründet habe.

Hier ein eindrucksvolles Video das meine Hände in unbehandeltem Zustand zeigt: http://www.youtube.com/watch?v=ngaoml347UU

Mein Hinweis an alle Betroffenen; nicht den Kopf hängen lassen. Es gibt wirklich wirksame Hilfe!

Seit der Pubertät Schwitzerin

Es ist einfach nur enervierend, ich schwitze ebenfalls temperaturunabhängig unter der Achseln. Aus den T-Shirts bekommt man den Schweiß mit der Zeit nicht mehr raus, und ich muss sie nach spätestens einem Jahr wegwerfen, weil die Teile schon so übel stinken und keine Textilbehandlung dagegen wirklich hilft. Ich trage fast nur schwarz, damit man die Schweißflecken nicht sieht.
Kommentare wie, "dann benutz doch ein Deo" hilft herzlich wenig, wenn ich mein Schwitz- und Geruchsproblem (manchmal riech ichs leider selber schon...) wem erzähle.

Und wieso wird zu einem Artikel über Schweissler und Schwitzer genau ein Bild von einem Händedruck gepostet, den auch Freimaurer verwenden ?

Seltsam, seltsam....

Cillis im Sommer helfen sehr.....

und das ist kein scherz :).....ich habe selbst im sommer oft das problem das ich extrem schwitze gerade an schwülen tagen. Da hilft eine mahlzeit mit richtig viel chilli......kleiner typ aus thailand!!

*g*

also sowas - sie haben recht ;)

Was genau ist jetzt bei dem Händedruck anders als bei einem "normalen"?

gratuliere

sie haben eben den Sarkasmus entdeckt ;)

Ich seh da nur einen ganz normalen Händedruck. Haben Sie heut' Ihre Pillen nicht genommen?

Freimaurer legen den Zeigefinger auf den Puls.

beide Hände

sind aber von der klassischen "Pulstaststelle" (A.radialis) weit entfernt!

Wohin legen katholische Priester ....

.... den Zeigefinger?

legen ?
stecken ;-)

In den höheren Graden nicht mehr.

Ich lege...

... meinen Zeigefinger AUCH NICHT bei der Händebegrüssung auf den Puls.

bin ich jetzt automatisch ein höhergradiger Freimaurer??

Oder bezieht sich "höhergradig" auf Ihre Körpertemperatur?

Ich bin selbst betroffen...

...und hab dadurch schon einige wirklich unangenehme Situationen erleben müssen.
Im Laufe der Zeit entwickelt man allerdings Strategien, sein Schwitzen bestmöglich zu vermeiden, bzw. möglichst effektiv zu verbergen. Zudem sehe ich das ganze als fordernde Aufgabe, das eigene Selbstbewusstsein nach und nach zu stärken.
Witzigerweise ist mir der Sommer sogar lieber, da - eine gewisse Hitze vorausgesetzt - alle am schwitzen sind.

Auf Kaffee, scharfes Essen und Alkohol verzichte ich schon lange nicht mehr, bringt bei Hyperhidrose nämlich reichlich wenig und bedeutet nur einen unnötigen Verlust an Lebensfreude.

ich schwitze (fast) nur im Gesicht

da aber umso öfter und heftiger. Ein Stofftaschentuch, regelmäßig gewechselt und mit Parfum beträufelt schafft wunderbar Abhilfe. 3 Wochen Karibik dann auch (obschon ich dort schon schwitze).

ahc 20 sensitive, hält 3 Monate kostet 20€ und auch über amazon bestellbar!

Mit dem Präparat ists dann vorbei mit übermäßigen Schwitzen.

Ich verwende selbst AlCl-Präparate,...

...musste aber feststellen, dass sich der Schweiß immer einen Weg sucht.
Ich hab früher vor allem unter den Achseln geschwitzt, wo ich (dank AlCl) mittlerweile komplett "trocken" bin. Mit dieser Verbesserung einhergehend begann ich allerdings vermehrt im Gesichtsbereich zu schwitzen.
Mittlerweile verwende ich auch dort ab und an AlCl und beobachte nun eine vergrößerte Schweißbildung im Rücken- und Gesäßbereich, womit ich allerdings gut leben kann.

Natürlich ist Hyperhidrose oft psychosomatisch, man gerät halt einfach leicht in einen Teufelskreis.

Und mit den Schweißdrüsen ebenfalls. "AHC" ist Aluminiumchlorid welches die Schweißfunktion durch ein wegätzen der apokrinen Schweißdrüsen stillt. Bis die dann wieder nachgewachsen sind schwitzt man in der Tat nicht mehr... Hyperhidrose ist in vielen Fällen teilweise psychosomatisch!

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