Feuchter Händedruck gefällig?

  • Schweiß soll den Körper abzukühlen, wenn er durch innere oder äußere Einflüsse Hitze ausgesetzt ist.
    foto: apa/epa/frank rumpenhorst

    Schweiß soll den Körper abzukühlen, wenn er durch innere oder äußere Einflüsse Hitze ausgesetzt ist.

  • Stark schwitzende Personen gelten oft als unhygienisch, ein feuchter
Händedruck signalisiert Unsicherheit, Nervosität oder mangelnde
Stressresistenz.
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    Stark schwitzende Personen gelten oft als unhygienisch, ein feuchter Händedruck signalisiert Unsicherheit, Nervosität oder mangelnde Stressresistenz.

Schwitzen ist gesund, heißt es - aber gibt es ein zuviel des Guten?

Hohe Außentemperaturen, körperlicher Betätigung, Stress oder Krankheit - wer kommt dabei nicht ins Schwitzen. So unangenehm es in manchen Situationen sein mag, sinnvoll ist es dennoch: "Schwitzen dient der Thermoregulation, das heißt der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur bei 36 bis 37 Grad Celsius und schützt uns daher vor Überhitzung", erklärt Karin Niescher-Lüftl, Leiterin der Hyperhidroseambulanz an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Innsbruck. Der Schweiß auf der Haut verdunstet, kühlt den Körper ab und schützt ihn auf diese Weise davor, zu heiß zu werden. Hinzu kommt, dass der Organismus beim Schwitzen nicht nur Wasser, sondern auch Giftstoffe ausscheidet. Schwitzen ist somit die körpereigene Klimaanlage und trägt zum Reinigungsvorgang des Körpers bei.

Der Schweiß wird in den rund zwei Millionen Schweißdrüsen produziert und über die Poren auf die Hautoberfläche ausgeschieden. Die meisten Schweißdrüsen sind an den Handflächen, den Fußsohlen, Achselhöhlen und am Kopf zu finden. Die Steuerung der Schweiß-Abgabe erfolgt durch das vegetative Nervensystem, Emotionen wie Stress, Angst oder Unbehaglichkeit können diese daher beeinflussen. Frischer Schweiß ist fast geruchlos, erst durch die bakterielle Zersetzung entsteht der unangenehme Körpergeruch.

Zu viel des Guten: übermäßiges Schwitzen

Neben der erwünschten und normalen Schweißbildung, gibt es jedoch Menschen, die an Hyperhidrose, an übermäßigem Schwitzen leiden. "Hyperhidrose ist eine Schweißproduktion, die über das Maß der Thermoregulation hinausgeht. Die Betroffenen schwitzen temperaturunabhängig", so Niescher-Lüftl. Die vermehrte Schweißproduktion kann entweder den gesamten Körper betreffen oder sich auf bestimmte Körperregionen wie Hand- und Fußflächen oder Achselhöhlen beschränken. Am häufigsten klagen Patienten über Achsel- und Fußschweiß. Nicht selten sei eine Hyperhidrose auf andere Erkrankungen wie eine hormonelle Dysbalance - etwa in den Wechseljahren -, chronische Entzündungen, Stoffwechsel-, Schilddrüsen- und Tumorerkrankungen zurückzuführen. Auch die Einnahme von Medikamenten, bestimmter (scharfer) Nahrungsmittel sowie Alkohol- oder Nikotinabusus können eine vermehrte Schweißproduktion hervorrufen. Diese Form der Hyperhidrose wird sekundäre genannt, im Gegensatz zur primären Form: "Bei der primären Hyperhidrose gibt es keine organische Ursache, sie beruht vermutlich auf einer Überreagibilität des Nervensystems auf kleinste Stimuli hin", so die Dermatologin. Durch das andauernde feuchte Milieu werden Folgeerkrankungen wie Pilzerkrankungen oder bakterielle Infektionen begünstigt.

Privat und beruflich eingeschränkt

Für Betroffene stellt der Zustand des anhaltenden Nässe-Gefühls meist eine große psychische Belastung dar und schränkt deren Lebensqualität enorm ein. Feuchte Hände, Schweißflecken unter den Achseln oder gar durchnässte Kleidungsstücke beeinflussen den Kontakt und Umgang mit anderen Personen sowohl im privaten als auch beruflichen Umfeld. Schwitzen ist gesellschaftlich nach wie vor negativ belegt: Stark schwitzende Personen gelten oft als unhygienisch, ein feuchter Händedruck signalisiert Unsicherheit, Nervosität oder mangelnde Stressresistenz - Eigenschaften, die für die berufliche Laufbahn nicht allzu förderlich sind. Insbesondere bei Berufen mit häufigen Sozialkontakten bedeutet dies oft zusätzlichen psychischen Stress. Der Teufelskreislauf beginnt.

Übermäßig schwitzende Personen müssen ihre Situation aber nicht einfach hinnehmen, denn es gibt Möglichkeiten, den starken Schweißfluss einzudämmen. "Die" Therapie gegen übermäßiges Schwitzen gibt es allerdings nicht, eine Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Bei der sekundären Hyperhidrose ist die Grunderkrankung zu behandeln, bei der primären werden die Symptome gelindert. "Die Schweißbildung kann auf verschiedene Wege beeinflusst werden - beispielsweise durch lokale Maßnahmen wie spezielle Antitranspirantien oder chemische Denervierung etwa mittels Injektion von Botulinumtoxin in die Haut. Es gibt auch eine medikamentöse und chirurgische Therapie je nach Ausprägung der Hyperhidrose", erklärt die Medizinerin.

Hausmittel

Wer generell leicht zum Schwitzen neigt, dem können einige Hausmittel Linderung verschaffen. Das Trinken lauwarmen Salbeitees und die Vermeidung von Kaffee, Alkohol, Nikotin und scharfen Gewürzen können die Schweißproduktion ebenfalls positiv beeinflussen. Auch ein körperliches Training und eine Gewichtsreduktion im Falle von Übergewicht werden empfohlen. Sind psychische Faktoren die Ursache können Strategien zur Stressbewältigung wie Entspannungstechniken oder das Erstellen von Zeitplänen helfen. (derStandard.at, 22.7.2010)

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