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Wie kann es sein, dass gerade Traumdestinationen wie Griechenland oder Spanien, die Sonne, Sand und Sorglosigkeit in Überfluss bieten, die Wirtschaftskrise nun mit voller Härte zu spüren ist?
Das ist natürlich kein Zufall: Die Mentalität und Lebenskultur, die Millionen an Touristen für ihre persönliche Entspannung suchen, ist die denkbar schlechteste Voraussetzung für vernünftiges Wirtschaften. Länder mit hohem Urlaubswert sind daher per Definition besonders krisenanfällig.
"Non é problema" bekommt der Besucher in Italien bei jeder Gelegenheit zu hören, oder „kanena provlima“ in Griechenland. Das ist viel angenehmer als die sorgenvollen Blicke, die einem in Nordeuropa bei so vielen unerwarteten Hürden begegnen. Die Fähigkeit zu Improvisieren trägt entscheidend zum Charme des Südens bei.
Doch diese Einstellung bringt mit sich, dass Probleme nicht angegangen, sondern verschleppt und möglicherweise auch vertuscht werden. Es gibt kaum einen Bau in Südeuropa, der nicht schon bei der Eröffnung Baumängel aufweist, kaum ein politischer Misstand, der wirklich ernsthaft gelöst wird. Der Weg des geringsten Widerstands ist ein Weg, der wirtschaftlich ins Desaster führt.
Nehmen wir einmal Griechenland: Die Griechen, seit 1981 in der EG, wollten so gut leben wie ihre europäischen Partner. Wachstum erfordert Fleiß Disziplin und Verzicht, doch das will unter der griechischen Sonne nicht so gut funktionieren.
Dennoch erkämpften sich die Gewerkschaften Jahr für Jahr kräftige Lohnerhöhungen, was die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dramatisch schwächte. Auf rigide Steuereintreibung wurde vom Staat verzichtet – zu mühsam und eine weitere Belastung für die ohnehin schon geplagte Wirtschaft.
Stattdessen genoss man die Früchte Europas – die sprudelnde Regionalförderung und die mit dem Beitritt zur Eurozone verbundenen niedrigen Zinsen. Die privaten Schulden explodierten und so taten es die öffentlichen. Aber weil das letztere Brüssel nicht goutierte, wurden die Budgetzahlen frisiert. Und um Arbeitsplätze zu schaffen, wurde einfach der öffentliche Sektor weiter aufgebläht.
Aber irgendwann lassen sich Probleme nicht mehr unter dem Teppich kehren. Die Mischung aus hohen Leistungsbilanzdefiziten, riesigen Staatsdefiziten, privater Verschuldung (daher Abhängigkeit vom ausländischen Kapital) und unehrlicher Statistik hat sich in der Wirtschaftskrise als explosive Kombination erwiesen.
Kein anderes EU-Land ist so schlecht dran wie Griechenland, aber auch Portugal, Spanien und Italien haben zu hohe Lohnkosten, Portugal und Spanien zu hohe Defizite, Portugal und Italien zu hohe Staatsschulden, und alle diese Staaten einen überdimensionierten öffentlichen Dienst. Durchgreifenden Reformen waren den Regierungen – egal ob links oder rechts - immer viel zu anstrengend.
Das ist das Gegenteil der Musterschüler in Nordeuropa, wie etwa Dänemark oder Schweden. Aber bei Urlaubsfreuden können diese Staaten, ganz abgesehen vom Wetter, nicht mithalten.
Das sollte man auch in Österreich bedenken, bevor das nächste Mal wieder die Österreich-Werbung Charme, Schmäh und Gemütlichkeit anpreist. Der Titel „Tourismus-Großmacht“ macht sich offensichtlich nicht gut auf der ökonomischen Visitenkarte.
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Gewohnt interessante Thematisierung von Frey des sogenannten „Club Méditerranée“. Die Krise der Eurozone ist (natürlich auch) eine Krise südländischer Mentalität; so viel, so gut - "politically incorrect"!
Meine persönliche Erfahrung als User mit diesem Thema: Ein großteil der Postings, die die südländische Mentalität ansprechen, werden (in fast allen öffentlichen Foren) als politisch unkorrekt zensiert. Womit aber ein m.E. sehr wichtiger Aspekt ausgeblendet wird.
Wenn man jetzt von Griechenland eine Wende fordert, so meint man damit nicht nur scharfe Sparmaßnahmen, sondern auch einen tiefgreifenden Mentalitätswechsel. Ersteres traue ich ihnen zu, aber zweiteres? Man erwartet sich, heißblütige Griechen sollen zu kühlen Schweden werden.
manchmal lob für den blog, diesmal ein klares nein.
geht gar nicht, ist relativ vorurteilsschwangeres klischeegewäsch.
vermischt außerdem mehrere aspekte zu einer unglücklichen melange. ich kann in der art ruhig gmiatlich sein und in der sache nicht. dann geht auch was in sachen urlaubsfeeling und trotzdem wird nicht geschludert.
ist noch lange kein ernstzunehmender artikel. schon lange keinen solchen topfen mehr gelesen, wonach die südländer alle den ganzen tag nur faul in der sonne liegen und nichts arbeiten wollen. bin ja schon einiges gewohnt vom "krisenfrey", aber dieses gefasel erreicht neue dimensionen.
hat nicht der "krisenfrey" vor einigen jahren die piigs irland und spanien in den himmel gelobt, weil diese angeblich so zukunftsweisend wirtschaften?
...ist das klassische Beispiel eines neoliberalen Schwätzers, der 5 Minuten später nicht mehr weiß, was er gesprochen hat.
Also einfach net ernstnehmen... ich nehme mal an, er versucht (ziemlich erfolglos) sich der spekulativen Hochfinanz als Haus- und Hofnarr anzudienen....
die zocker-mentalität der internationalen investorenbande, die ich-mache-dir-ein-x-vor-ein-u-mentalität diverser investmentbanker (die anstatt wegen mutmaßlichen betrugs vor ordentlichen gerichten zu stehen, sich vor lächerlichen staatlichen u-ausschüssen mit "ich-weiß-von-nichts" verantworten und maximal ein paar jahre nicht mehr in verantwortlicher position im banking arbeiten dürfen) und ihrer siamesichen zwillinge der rating-agenturen, die für geld auf's handerl auf jeden dreck ein triple-a malen und dann auch noch hergehen und mit ihren dubiosen "bewertungen" ganze staaten (von denen viele der esperten nicht mal wissen, wo die überhaupt sind) in den abgrund stürzen?
charme und schmäh und gemütlichkeit dürfen wir weiterhin lauthals anpreisen, denn was die deutschen bei uns darunter verstehen nennen wir grant - und das liegt dem österreicher im naturell! also, alle weitergranteln, den piefkes taugts einfach.
Wenn die Mentalität eines Volkes in Zusammenhang mit seiner Wirtschaftskraft stünde müßte Österreich ("mir wern kan Richter brauchn") zig mal schlechter als Griechenland dastehen.
Und wenn die Nordländer alle so "ur-super-korrekt" wären, gäbe es das Island Desaster nicht.
Also, Herr Frey, ich bin so frei und bezeichne diese Theorie als Mumpitz.
Ja, es gibt Mentalitäten, es gibt kulturelle Unterschiede. Aber mit "'Sonne, Sand und Sorgenlosigkeit" strukturelle Unterschiede erklären zu wollen, ist schon ein wenig lächerlich. Probieren Sie es mal mit ein wenig Geschichte: Ist es ein Zufall, dass Korruptionsanfälligkeit und Fatalismus in einem Land blüht, das vor wenigen Jahrzehnten noch eine Militärdiktatur war? Waren nicht auch in Spanien und Portugal vor gut 35 Jahren noch faschistische Regimes an der Macht? Außerdem haben diese Länder nicht den Vorteil, in der Mitte des europäischen Binnenmarktes zu sein und direkt von der Ostöffnung zu profitieren wie Ö., das trotz der eingefleischten Mentalität des Durchwurschtelns und des institutionellen Stillstands relativ gut dasteht.
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