Bis auf wenige Ausnahmen verdienten und beschäftigten Österreichs Sender und Verlage im Krisenjahr 2009 weniger als 2008 - DER STANDARD fragte für seine Rangliste die Umsätze der Branche ab - Mit Grafik
"Realität ist so brutal": So kommentiert Hans Gasser, Vorstand des Wirtschaftsblatt, die Entwicklung seiner Umsätze. 2008 nahm die Zeitung 18 Millionen Euro ein, 2009 15,5 Millionen.
Umsatzverluste prägten im Krisenjahr die Medienbranche. Erholung zeichnet sich bisher höchstens zart ab. Gasser kann den Satz von der brutalen Medienrealität wohl im Juni noch in seine Antrittsrede beim Zeitungsverband VÖZ einbauen: Der Wirtschaftsblatt-Manager soll den VÖZ ab Jahresmitte führen (er kommentiert diese Aussicht vorerst nicht).
Den Präsidentenjob im Verband würde Gasser von seinem obersten Boss übernehmen: Styria-Chef Horst Pirker gibt die Funktion ab, Pirker führt den Weltverband der Zeitungen.
Die Umsätze von Pirkers Styria Media Group folgten 2009 dem allgemeinen Abwärtstrend - laut Pirker insbesondere wegen Verkäufen von Unternehmen und Beteiligungen. Der Grazer Riese liegt damit (und nach dem Platzen der Fusion mit der Moser Holding) wieder klar auf Platz drei hinter der Mediaprint - obwohl der Krone/Kurier-Konzern ebenfalls verlor.
Mediaprint stapelte tief
DER STANDARD fragt die Daten beim Management der jeweiligen Konzerne ab (Schätzungen sind eigens ausgewiesen). Danach lag die Styria 2008 um Haaresbreite auf Rang 2. Inzwischen lässt sich im Firmenbuch ablesen, dass die Mediaprint mit der Angabe von 485 Millionen Euro vor einem Jahr tiefstapelte: Ihre Bilanz für 2007/8 weist 488,15 Millionen aus, also doch mehr als damals die Styria.
Ein schwacher Trost, wo die Ergebnisse der Mediaprint laut Bilanz binnen vier Jahren von 35,4 Millionen Euro auf zuletzt 1,3 Millionen eingeknickt sind.
Diesmal führt DER STANDARD in seiner Medienliste auch die EGTs an - soweit im Firmenbuch vorhanden, also meist für 2008. Der ORF rückt sein EGT 2008 freiwillig heraus. Minus 44,5 Millionen Euro können den Gesetzgeber motivieren, ihm die 160 Gebührenmillionen extra aus dem Bundesbudget zu gönnen.
Zusätzlich erfragt haben wir nun auch den Konzernumsatz des ORF - beim EGT nennt der Küniglberg gerne jenes des Konzerns (weil eher positiv), bei Umsatz und Beschäftigten stapelt er mit den Zahlen des Einzel-ORF gerne ein bisschen tiefer. Also: Im Konzern setzte er 2009 902,44 Millionen um, im ORF selbst 869 Millionen.
Stabile Umsätze melden etwa Wimmer Holding, auch dank Oberösterreich-Wahl, und APA. "2009 war sicherlich das schwierigste Jahr in der jüngeren APA-Geschichte", sagt ihr Chef Peter Kropsch. Die Agentur gehört Österreichs Medien. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 29.4.2010)