"Verfolgerwerbung": Wie sehr nervt Remarketing?

Siegfried Stepke, 28. April 2010, 13:33
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    Siegfried Stepke, e-dialog.

Einmal Turnschuh - immer Turnschuh? Siegfried Stepke, e-dialog, im Ad-Blog über gezielte Werbung für ehemalige Websiten-Besucher

Es ist keine 30 Tage her, da hat auch Google die Remarketing-Funktion in seinem Werbenetzwerk freigeschaltet. Über den neuen Dienst kann jetzt jedes Unternehmen versuchen, seine ehemaligen Website-Besucher mit gezielter Werbung zurück zu holen. Böse Zungen sprechen in diesem Zusammenhang von "Verfolgerwerbung". Sie befürchten, dass ein User, der einmal einen Turnschuh in einem Online-Shop gekauft hat, sein Leben lang von Turnschuh-Werbung durchs Internet verfolgt wird. Doch wie nervig ist Remarketing wirklich?

Ja, Remarketing nervt!

Die erneute Adressierung von ehemaligen Besuchern auf fremden Websites ist dann störend, wenn die Werbung plump und penetrant ist. Sobald sich ein User verfolgt fühlt, hat man etwas falsch gemacht und gefährdet sogar das Vertrauen und seine Markenbindung. Eine Fallgrube sind platte Botschaften und fehlendes Frequency-Capping. Oft geht das mit zu schwacher Segmentierung einher, d.h. es wird nicht genau auf das Interesse und die Kaufphase des Users eingegangen. Befindet sich dieser erst in der Informationsphase, hilft ihm die Botschaft „Heute Versand gratis!" recht wenig, sondern kann ihn sogar bedrängen und damit verunsichern...

Nein, Remarketing nervt nicht!

Wenn ein User mit den zu seinen individuellen Interessen passenden Botschaften adressiert wird, haben alle etwas davon. Der Werber sowieso, denn im besten Fall gewinnt er einen neuen Kunden - und das sogar sehr effizient. Der User wird nicht sinnlos penetriert, sondern kann von unterstützenden Informationen, über Vertrauensaufbau bis hin zu Kaufanreizen begleitet werden. Unser Turnschuh-Käufer aus der Einleitung wird nicht weiter mit Turnschuh-Werbung belästigt - er hat ja schon welche. Aber vielleicht dürfen es im Herbst Wanderschuhe vom selben Anbieter sein? Mit dem hat er schließlich schon gute Erfahrungen gemacht...

User-Akzeptanz ambivalent

Laut einer aktuellen Studie von Fittkau & Maaß ist die Einstellung der User höchst ambivalent: Einerseits bewerten viele personalisierte Werbung durchaus positiv, andererseits haben sie große Bedenken - und zwar aus Datenschutzgründen. Hier liegt es an den Anbietern klar zu machen, dass sämtliche Informationen anonym sind und zumeist auch ein Opt-Out möglich ist. Andererseits sollten Werber aus lauter Freude an den neuen Möglichkeiten auch nicht über das Ziel hinaus schießen!

Effizienter Hebel

Als Weiterentwicklung von Online-Werbestrategien ist Remarketing ein enormer Gewinn. Es erfordert allerdings wesentlich mehr Know-How, Konzeption und Analyse als normale Mediaplanung oder Keyword-Advertising, da falsche Strategien nach hinten losgehen können. Die richtige Botschaft an die richtige Zielgruppe ist ein Performance-Booster - schon immer. Mit Remarketing wird es leichter und effizienter. (Siegfried Stepke, derStandard.at, 28.4.2010)

Zur Person:
Siegfried Stepke ist Geschäftsführer von e-dialog
www.e-dialog.at
stepke@e-dialog.at

Link
Eine Einführung in Remarketing und mögliche Strategien bietet das E-Book

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17 Postings
andere baustelle
10
wenn es euch wirklich auf die nerven geht

cookies nach jeder session löschen, fertig

ist eine smarte idee jedoch einige nachteile zB. wenn mehrere verschiedene ZG einen computer verwenden hat es keine echte relevanz...

Monopoly mit Hut
00

In vielen Fällen reicht es, keine Cookies von Drittanbietern zu akzeptieren. Man sollte auch nicht auf die Einstellungen von Flash vergessen. Die dort abgelegten Super-Cookies sind tw. bedenklich.

Solange Cookies verwendet werden, dass man dadurch (als Benutzer der Seite) einen Vorteil hat, sind sie gut. Für alles andere sind sie nur störend. (Alles vom Standpunkt eines Benutzers. Werbetreibende Firmen sehen das naturgemäß anders und setzen Cookies mit Ablaufdatum 2038 ein.)

01052004
10
29.4.2010, 12:25
werbung

nervt immer

August41
00
29.4.2010, 12:34

was tun sie dann hier ?!?

Monopoly mit Hut
00
29.4.2010, 13:33

Artikel _über_ Werbung lesen und kommentieren.

Hello Kitty
20
29.4.2010, 12:13
Ich geh jetzt mal lulu-machen.

Monopoly mit Hut
00
29.4.2010, 11:14
Wie soll das funktionieren?

Wie kann eine fremde Website wissen, was ich auf der vorigen Website eingekauft habe?

Der datenschutzrechtliche Aspekt ist ja nur die eine Seite. Die andere Seite ist rein technischer Natur:

Üblicherweise läuft die Erkennung eines bestimmten Benutzers über Cookies ab. Cookies kann man löschen und viele Browser ermöglichen, third party cookies zu blockieren.

Wie soll das technisch funktionieren?
Wie soll das datenschutzrechtlich funktionieren?

Monopoly mit Hut
00
30.4.2010, 08:01

Da bis jetzt noch niemand geantwortet hat, werde ich einfach weitere Gedanken anführen.

"Hier liegt es an den Anbietern klar zu machen, dass sämtliche Informationen anonym sind und zumeist auch ein Opt-Out möglich ist."

Das im Artikel angeführte Beispiel geht von einem Turnschuh-Käufer aus. Dieser ist ganz offensichtlich NICHT anonym, sonst wird's mit der Bezahlung der Turnschuhe ein bissel kompliziert.

Es handelt sich also um personenbezogene Daten und damit gelten ein ganzer Haufen Datenschutzgesetze.

Also noch einmal:
Wie soll das technisch funktionieren?
Wie soll das datenschutzrechtlich funktionieren?

Roland Kreutzer
00
30.4.2010, 11:12
Technik und Praxis

Eigentlich ist die Sache ganz simpel und auch aus Sicht des Datenschutzes unproblematisch.

Variante 1 (Inhalt je nach User): Die Werbung wird vom Server des Werbekunden ausgeliefert. War ein User schon mal dort, bekommt er ein Cookie mit den Interessen (selten/nie den Einkauf, praktisch immer nur die angesurfte Kategorie - allein der Fallzahl wegen). Wird ein Banner gezeigt, dann einer der zur gemerkten Kategorie passt.

Variante 2: Der Adserver bekommt ein Zählpixel auf der Website des Werbekunden, merkt sich dort die Kategorie oder den Besuch an sich (Zweiteres ist üblich). Mit dem kann er später dann auch Werbung anzeigen.

Der Adserver hat BTW nie Zugriff auf Daten der Website, nur die URL. Was anderes wäre auch technisch Utopie.

Monopoly mit Hut
00
30.4.2010, 11:52

Danke für die Antwort.

D.h., den Turnschuh-Käufer aus dem Beispiel gibt's in Wirklichkeit gar nicht sondern es wird ganz allgemein der Besuch auf einer Website gespeichert.

Wieso wird dann im Beispiel konkret auf einen Käufer Bezug genommen?
"Unser Turnschuh-Käufer aus der Einleitung wird nicht weiter mit Turnschuh-Werbung belästigt - er hat ja schon welche."

Genau das suggeriert ja, dass der Werbeserver genau weiß, dass dort ein Kauf _stattgefunden_ hat! Und dann wären es personenbezogene Daten...

Siegfried Stepke
00

Erstmal sorry, dass ich nicht gleich antworten konnte...

Ja, auf Cookie-Basis wird erkannt, ob der anonyme(!) User einen Turnschuh nur angeschaut - oder bei intelligenteren Kampagnen - schon gekauft hat.

ABER: Das Remarketing-System (nicht der Webserver!) hat keine Information über die Person -> es lässt sich nicht auf Individuen rückschließen. Man erkennt also Zielgruppen, nicht Personen.

Technisch wäre echte Personenbezogenheit wohl machbar; dagegen sprechen drei Aspekte: der Aufwand, die Ethik und das Gesetz!

Mucosaprolaps
01
28.4.2010, 16:57

Selbstverständlich nervt remarketing enorm. Wer EIN Mal den Fehler macht, eine Emailadresse an Firmen wie parship o.ä. zu vergeben, hat entgegen aller Beteuerungen keinerlei Möglichkeit, dem SPAM zu entkommen.

Roland Kreutzer
01
28.4.2010, 20:39
re-marketing ist etwas anderes als Spam

Das Beschriebene ist Spam, nicht "re-marketing" (eigentlich: re-targeting). Retargeting funktioniert BTW nicht nur im Verkauf, sondern auch im Branding gut (Aktualisierung, Frequenz für Hoch-Interessierte und bereits aktivierte User - also für den engsten Kern vieler Kampagnen), aber das sei nur so nebenbei bemerkt.

eMail-Spam ist übrigens illegal, strafbar und kann leicht angezeigt werden. Für Spammer durchaus gefährlich, sollte man also machen, wenn ein entsprechendes Delikt klar ist. Hat Erfolg!

GAT
 
00
28.4.2010, 23:15
input [->] output?

Mir schmecken all diese schicken Werbeprodukte zu sehr nach Behaviorismus.

politisch verfolgt
01
28.4.2010, 17:50
na na

wer schon einmal bei parship eine fesche tussi kennengelernt hat, will vielleicht "im Herbst eine andere tussi vom selben Anbieter? Mit dem hat er schließlich schon gute Erfahrungen gemacht".

Karl Grausito 081
10
28.4.2010, 15:20

bill hicks "By the way if anyone here is in advertising or marketing... kill yourself"

cyrus virus
00
28.4.2010, 14:29
Einheitsbrei-Web

Kunden die das gekauft haben, haben auch das gekauft.
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