Amerlinghaus in Finanznöten

Karl Gedlicka, 28. April 2010, 15:09
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    foto: www.amerlinghaus.at/robert reiter

    Nicht nur Theater bot das Amerlinghaus beim Straßenfest in der Stiftgasse 2008. Mit einer Kundgebung & Spektakel will das Kulturzentrum am 29. April auf seine prekäre finanzielle Situation aufmerksam machen.

Das Kulturzentrum fordert eine Erhöhung der Subvention

Wien - Treffpunkt, Veranstaltungsort und linker Freiraum - seit über 30 Jahren definiert sich das  Amerlinghaus am Spittelberg in Wien-Neubau als Anlaufstelle für soziale Initiativen, politische Gruppen und Kulturprojekte, die nicht nach kommerziellen Gesichtspunkten ausgerichtet sind. Nun sieht sich das Kultur- und Kommunikationszentrum am Spittelberg wegen "sukzessiver finanzieller Austrocknung" in seiner Arbeit gefährdet: "Wir wissen nicht, ob wir den Betrieb nach dem Sommer aufrecht erhalten können", so Amerlinghaus-Mitarbeiterin Claudia Totschnig gegenüber derStandard.at.

"Wachsende Kosten fressen Subvention auf"

"Die Subvention wurde seit 2004 nicht mehr an die steigenden Fixkosten angepasst", kritisiert Totschnig. Rund ein Viertel gehe als Miete an die Gesiba. "Die wachsenden Kosten für Miete, Energie, Gehälter, Material etc. fressen die gesamte Subvention auf, die Situation hat sich sehr zugespitzt." Die seit Herbst 2009 geforderte Steigerung der Subvention von derzeit 250.000 auf 290.000 Euro entspricht laut Totschnig "keiner Erhöhung, sondern eine Anpassung an den Wertverlust".

Außerdem gefordert werden 20.000 Euro für eine Renovierung des Kulturzentrums. Totschnig: "Es gab seit den 70er Jahren keine Renovierungsmaßnahmen. Wir haben eine ziemlich üble Infrastruktur." Die steigenden Kosten an die im Amerlinghaus aktiven Gruppen und Initiativen weiter zu geben, ist für das Totschnig keine Lösung: "Wir haben prekarisierte Menschen und MigrantInnen im Haus. Wir wollen keine Mieten verlangen, weil das würde die Struktur verändern."

"Amerlinghaus wurde rechtzeitig informiert"

Die unveränderte Subventionshöhe sei rechtzeitig im Dezember 2009 kommuniziert worden, damit man im Kulturzentrum wisse, "mit wie viel Geld disponiert werden kann und Planungssicherheit gegeben ist", heißt es indessen aus dem Büro von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ). Sprecherin Monika Sperber: "Wir finden, dass das Amerlinghaus ein tolles Projekt ist, das aber wie jeder andere Verein auch Verantwortung trägt. Dazu gehört eine professionelle Finanzgebarung."

Man sei "verwundert, dass das Kulturzentrum an die Öffentlichkeit geht, ohne das Ergebnis der laufenden Gespräche abzuwarten", so Sperber weiter. Gespräche mit dem Amerlinghaus würden sowohl seitens des Vermieters als auch der Stadt Wien geführt.

Kundgebung und Spektakel

Für den Gang in die Öffentlichkeit hat das Amerlinghaus eine Mischung aus "Kundgebung und Spektakel" gewählt. Am Donnerstag, 29. April, sollen ab 17 Uhr die die kulturellen, politischen und sozialen Initiativen des Kommunikationszentrums vorgestellt werden. Das geplante Programm reicht laut Totschnig von Redebeiträgen und Live-Auftritten bis zu Theater und Lesungen.

Stattfinden soll das "Spektakel" an der Wiener Ringstraße auf Seiten des Rathauses. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion hat auch die Geschichte des Amerlinghauses begonnen: Nach der Besetzung im Jahr 1975 wurde das Biedermeierhaus am Spittelberg von der Stadt Wien schließlich renoviert und konnte am 1. April 1978 eröffnet werden. (Karl Gedlicka, derStandard.at, 28. April 2010)

Amerlinghaus
Stiftgasse 8
1070 Wien
Tel. 01/523 64 75

Link
www.amerlinghaus.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3
Der lustige aus dem zweiten Stock
 
00
Nein

Die Griechen brauchen dringend hilfe !

?&!
00
juhu

das amerlinghaus kann also die gesamte subvention direkt an die stadteigene gesiba überweisen.
wenns mehr subvention gibt, könnt man auch ein bisi geld bei der stadteigenen kulturplakat ag liegen lassen.


Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
00
30.4.2010, 08:31

Soll der Bezirk einspringen!
Oder weigern sich die Grünen zu zahlen?

radiohead
01
29.4.2010, 16:38
nicht schlecht gewirtschaftet...

sondern schlecht verhandelt hat das amerlinghaus. wäre vor 30jahren geklärt worden, dass die förderung auch an die inflation (höhere miete + gehälter) angepasst wird, dann gäbe es jetzt keinen pallerwatsch.
ich glaube es gibt sinnlosere projekte als das amerlinghaus. ob alle initiativen und projekte dort für die allgemeinheit notwendig sind kann ich nicht beurteilen, aber es ist ganz allgemein sicher eine bereicherung für die stadt und vorallem: für die bewohner_innen der stadt!

FerdlGriesgram
00

nun, eine inflationäre anpassung von basissubventionen ist allerdings eine forderung, die sie im kulturbereich häufig finden. da steht die stadt wien aber vor. als einziger fördergeber in österreich ist hier nichts, de iure abgesichert, was förderungen betrifft.
die gegenwärtige fördervergabe der stadt ist dermaßen verhabert und intransparent, unter anderem auch, weil hier mindeststandards fehlen, die eine vergleichswertung (inter)national nicht zulassen.

gut, das betrifft jetzt das amerlinghaus, das mit dem büro oxonitsch verhandeln muss nur am rande, aber ich geh' davon aus, dass sich die ma18 diesbezüglich nicht sehr von der ma7 unterscheidet.

insofern wären ein paar ansonsten übliche standards bei fördervergaben nicht schlecht...

Marxman
35
29.4.2010, 16:27
Lächerlich

Es geht um 60.000 Euro aus dem städtischen Budget. Vergleich: Stadtrat Christian Oxonitsch hat allein im ersten Quartal 2010 ganze 165.000 Euro für Inserate in der Kronenzeitung ausgegeben (von Österreich, Heute etc. ist da noch gar nicht die Rede). So schaut's aus. Aber Hauptsache, es wird hier im Forum gegen Subventionen für Arme und Arbeitslose aufgerechnet...

Nashwin_Fuller
 
919
29.4.2010, 13:55
Es lebe die staatlich geförderte "linke Kultur"!


Selbstverständlich wäre ich sofort bereit noch mehr Steuern zu bezahlen, damit ein paar linke Träumer, die vermutlich noch nie Steuern gezahlt haben, ihr Haus renovieren können.

War ja nicht vorherzusehen, dass irgendwann eine Renovierung fällig sein würde und dafür vorzusorgen und Rücklagen aus den Subventionen zu bilden, wäre nun wirklich spießig und nicht "links" gewesen und daher diesen Leuten nicht zumutbar.

Da ist es natürlich selbstverständlich, dass sofort der Staat einspringen muss.

Schrumpfschlauch
20
30.4.2010, 09:13
Wer noch nie gearbeitet hat weiß halt nichts vom Zahn der Zeit.

Herr und Frau Österreicher
 
54
29.4.2010, 14:12
Der Staat fördert ja auch die FPÖ und deren Organisationen...

Nashwin_Fuller
 
25
29.4.2010, 18:28
Hmmm.

Könnte es möglicherweise einen Unterschied zwischen einer politischen Partei und einem kulturellen Verein geben?

Nur mal so zum Nachdenken...

epep
52
29.4.2010, 22:09
ja, den gibts?

und jetzt dürfen sie darüber nachdenken.

in welchem land leben wir eigentlich, wo dorfpolitik ala fpö höher bewertet wird als städtische kultur und vielfalt? ach ja richtig, in österreich. oder vergleichen sie mal kulturförderungen fuer die reps oder dems und dann was für die kultur ausgegeben wird, aber ja, immer schimpfen alle über die pöse usa..

unterschichtskind auf dem weg nach oben
11
29.4.2010, 16:23

Eier-Birnen-Vergleich was?

politisch verfolgt
00
29.4.2010, 19:05
stellt sich die frage:

wer sind die eier und wer die birnen?

franz der freie
 
37
29.4.2010, 13:51
die gemeinde wien wird schon zahlen.

im herbst ist wahl, also was solls. wird halt bei der pflege oder sonst wo gespart. die alten und kranken haben keine lobby mehr, höchstens den wiener verein.

Ruskij
03
29.4.2010, 17:12
Die Alten haben keine Lobby?!?

rudolf schladming
 
37
29.4.2010, 13:29

40.000 euro (und um die geht es hier ja) sind im wiener budget kein grosser posten. das sollte der stadt eine einrichtung wie das amerlinghaus schon wert sein.

Rene Stangeler
412
29.4.2010, 13:45
Sollen doch

Resitarits, Hader, Haider, Krassnitzer, Dradiwaberl und Konsorten doch ein Benifiz veranstalten um die Kohle aufzutreiben.

Besser wärs noch das Amerlingbeisl mit dem Amerlinghaus zu koppeln und den Gewinn aus dem Beisl zur Abdeckung der Ausgaben für diverse Multikulti, Antifa und sonstige Initiativen zu verwenden. Vielleicht einen Kulturaufschlag auf Getränke? Da tschechert es sich doch gleich doppelt so gut wenn man gleichzeitig Gutes tut.

unterschichtskind auf dem weg nach oben
00
29.4.2010, 16:32

Das Amerlingbeisl ist so schon teuer genug.

Helmut-S
611
29.4.2010, 13:09
Bitte übern Acker hauen...

...danke.

Ich bin selbst gern bei jungen Künstlern auf Ausstellungen, schau mir unkonventionelle Sachen an, bin auch gerne in diversen Ausstellungen des MQ. Also sicher kein "rechter Kunstbanause".

Aber der Staat muss nicht alles und jeden fördern der sich "linke/alternative Kunst/Kultur" auf die Fahnen schreibt.

Politisch habe ich mit Leuten wie Amerlinghaus, Wagenburg etc. überhaupt keine Schnittpunkte, warum soll ich denen ihr "Recht" bezahlen, ihre Politik die nicht meine ist, in die Gesellschaft zu tragen?

Würde mich wundern was passiert wenn man um die Subvention eines bürgerlich-konservativen, vielleicht sogar nationalstaat-zentrierten Projekts ansucht.

FerdlGriesgram
00

naja. ich fahr nicht mit dem auto, also, wieso um alles in der welt werden mit meinem steueraufkommen straßen gebaut und erhalten. sowas aber auch!

py rx
00
30.4.2010, 12:12
na,

ein freimütiger demokrat, oder?

Herr und Frau Österreicher
 
32
29.4.2010, 14:13

ist doch absurd! Viele bürgerlich konservative Projekte werden subventioniert!

Helmut-S
01
29.4.2010, 14:57
Beispiele?

thomislav
23
29.4.2010, 15:21

Ronacher?

politisch verfolgt
12
29.4.2010, 19:07
aha

eine musicalbühne ist also "bürgerlich-konservativ". interessant.

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