Das Kulturzentrum fordert eine Erhöhung der Subvention
Wien - Treffpunkt, Veranstaltungsort und linker Freiraum - seit über 30 Jahren definiert sich das Amerlinghaus am Spittelberg in Wien-Neubau als Anlaufstelle für soziale Initiativen, politische Gruppen und Kulturprojekte, die nicht nach kommerziellen Gesichtspunkten ausgerichtet sind. Nun sieht sich das Kultur- und Kommunikationszentrum am Spittelberg wegen "sukzessiver finanzieller Austrocknung" in seiner Arbeit gefährdet: "Wir wissen nicht, ob wir den Betrieb nach dem Sommer aufrecht erhalten können", so Amerlinghaus-Mitarbeiterin Claudia Totschnig gegenüber derStandard.at.
"Wachsende Kosten fressen Subvention auf"
"Die Subvention wurde seit 2004 nicht mehr an die steigenden Fixkosten angepasst", kritisiert Totschnig. Rund ein Viertel gehe als Miete an die Gesiba. "Die wachsenden Kosten für Miete, Energie, Gehälter, Material etc. fressen die gesamte Subvention auf, die Situation hat sich sehr zugespitzt." Die seit Herbst 2009 geforderte Steigerung der Subvention von derzeit 250.000 auf 290.000 Euro entspricht laut Totschnig "keiner Erhöhung, sondern eine Anpassung an den Wertverlust".
Außerdem gefordert werden 20.000 Euro für eine Renovierung des Kulturzentrums. Totschnig: "Es gab seit den 70er Jahren keine Renovierungsmaßnahmen. Wir haben eine ziemlich üble Infrastruktur." Die steigenden Kosten an die im Amerlinghaus aktiven Gruppen und Initiativen weiter zu geben, ist für das Totschnig keine Lösung: "Wir haben prekarisierte Menschen und MigrantInnen im Haus. Wir wollen
keine Mieten verlangen, weil das würde die Struktur verändern."
"Amerlinghaus wurde rechtzeitig informiert"
Die unveränderte Subventionshöhe sei rechtzeitig im Dezember 2009 kommuniziert worden,
damit man im Kulturzentrum wisse, "mit wie viel Geld disponiert werden kann und
Planungssicherheit gegeben ist", heißt es indessen aus dem Büro von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ). Sprecherin Monika Sperber: "Wir finden, dass das Amerlinghaus ein tolles Projekt ist, das aber
wie jeder andere Verein auch Verantwortung trägt. Dazu gehört eine
professionelle Finanzgebarung."
Man sei "verwundert, dass das Kulturzentrum an die Öffentlichkeit geht,
ohne das Ergebnis der laufenden Gespräche abzuwarten", so Sperber weiter. Gespräche mit dem Amerlinghaus würden sowohl seitens des
Vermieters als auch der Stadt Wien geführt.
Kundgebung und Spektakel
Für den Gang in die Öffentlichkeit hat das Amerlinghaus eine Mischung aus "Kundgebung und Spektakel" gewählt. Am Donnerstag, 29. April, sollen ab 17 Uhr die die kulturellen, politischen und sozialen Initiativen des Kommunikationszentrums vorgestellt werden. Das geplante Programm reicht laut Totschnig von Redebeiträgen und Live-Auftritten bis zu Theater und Lesungen.
Stattfinden soll das "Spektakel" an der Wiener Ringstraße auf Seiten des Rathauses. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion hat auch die Geschichte des Amerlinghauses begonnen: Nach der Besetzung im Jahr 1975 wurde das Biedermeierhaus am Spittelberg von der Stadt Wien schließlich renoviert und konnte am 1. April 1978 eröffnet werden. (Karl Gedlicka, derStandard.at, 28. April 2010)