Hisbollah-Aufrüstung schürt Angst vor Krieg im Nahen Osten

28. April 2010 11:07

Iran und Syrien sollen Hisbollah mit Scud-Raketen ausrüsten - Abgeordneter Hassan Fadlallah: "Widerstand" gegen Israel soll verstärkt werden

Beirut - Israel und die USA beschuldigen den Iran und Syrien, die schiitische Hisbollah im Libanon massiv aufzurüsten. "Aus unserer Sicht versorgen Syrien und der Iran die Hisbollah mit Raketen und Flugkörpern mit immer besserer Technologie", sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Dienstag (Ortszeit) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem israelischen Ressortkollegen Ehud Barak in Washington. Barak versicherte, sein Land habe kein Interesse daran, auf Kollisionskurs zum Libanon zu gehen, doch gefährde Syrien das sensible Kräftegleichgewicht, indem es die Hisbollah mit Waffensystemen versorge.

Mehr Raketen "als die meisten Regierungen auf der Welt"

Die von Israel und den USA als Terrororganisation eingestufte Hisbollah besitze inzwischen weit mehr Raketen "als die meisten Regierungen auf der Welt", meinte Gates. Israels Präsident Shimon Peres hatte Syrien beschuldigt, die in der libanesischen Allparteienregierung vertretene Bewegung mit Scud-Raketen zu versorgen. Gates sagte nicht, ob es sich nach seinen Erkenntnissen um diesen Raketentyp handelt.

Nachdem der syrische Geschäftsträger ins US-Außenministerium zitiert worden war, hatten hohe US-Geheimdienstvertreter erklärt, dass es für die israelischen Anschuldigungen derzeit keine Anhaltspunkte geben würde. Außenministerin Hillary Clinton hatte betont, dass Washington am Ziel einer Verbesserung der Beziehungen zu Damaskus festhalten wolle. Nach fünfjähriger Unterbrechung schicken die USA wieder einen Botschafter nach Syrien.

EU ruft zu Zurückhaltung auf

Die Europäische Union hat inzwischen alle Parteien aufgerufen, "jegliche Provokationen zu vermeiden". Die EU sei durch die jüngsten öffentlich ausgetauschten Erklärungen beunruhigt, hieß es in einer Stellungnahme von EU-Außenministerin Catherine Ashton. Diese Äußerungen würden den Bemühungen der Europäischen Union und ihrer Partner um Förderung des Friedensprozesses im Nahen Osten zuwiderlaufen. Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri hatte am Montag in Telefonaten mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel Klage über "israelische Drohungen gegen den Libanon" geführt.

Am Dienstag sagte Hariri nach einem Treffen mit Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak in Sharm el-Sheikh: "Wir haben die jüngsten israelischen Drohungen genau im Blick. Diese unbegründeten Anschuldigungen, dass der Libanon über Syrien Scud-Raketen erhalten hätte, sind der Versuch, einen Vorwand für einen möglichen Krieg gegen den Libanon zu finden."

Nach Angaben der ägyptischen Regierung hat Außenminister Ahmed Abul Gheit seine Besorgnis über die verbale Eskalation ausgedrückt und die US-Regierung aufgefordert, "den Konflikt zu entschärfen", um eine neue militärische Konfrontation abzuwenden. Abul Gheit hatte die israelischen Berichte über syrische Scud-Lieferungen an die Hisbollah als "Lüge" bezeichnet. Die syrische Regierung hatte erklärt, Israel beabsichtige, die gefährlichen Spannungen weiter zu verschärfen und eine für seine "Angriffspläne" günstiges Klima zu erzeugen.

Israels Premier Benjamin Netanyahu und Barak hatten mehrfach erklärt, Israel könne nicht tolerieren, dass ein Nachbarland, das UNO-Mitglied ist, in seiner Regierung "Vertreter einer Miliz sitzen hat, die über 40.000 Raketen verfügt". Sollte es von der Hisbollah wie 2006 angegriffen werden, werde Israel seine "ganze militärische Macht gegen die Infrastrukturen des libanesischen Staates" einsetzen.

Sleimane beschuldigt Israel

Der libanesische Staatspräsident Michel Sleimane hat Israel beschuldigt, einen neuen Konflikt provozieren zu wollen, um sich "dem Druck der USA und Europas entziehen" zu können. Mit dem "Märchen" von syrischen Scud-Lieferungen wolle Israel eine Rechtfertigung für eine neue Aggression gegen den Libanon fabrizieren, erklärte Sleimane, der vor seiner Wahl zum Staatsoberhaupt Armeekommandant gewesen war, während seines Staatsbesuches in Brasilien. "Ein Krieg gegen den Libanon ist keine Kleinigkeit, und Israel weiß das. Wenn Israel den Krieg will, wird es auf einen verteidigungsbereiten Libanon treffen", betonte Sleimane. Im Sommer 2006 hatte die Hisbollah mit der Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten und dem Raketenbeschuss Nordisraels eine 34-tägige israelische Offensive provoziert. Aus dem Konflikt mit mehr als 1200 libanesischen und 160 israelischen Toten ging die Schiiten-Organisation politisch gestärkt hervor.

Der Hisbollah-Parlamentsabgeordnete Hassan Fadlallah hob gegenüber der Beiruter Zeitung "As-Safir" die Entschlossenheit seiner Organisation hervor, weiter aufzurüsten und den "Widerstand" gegen Israel zu stärken: "Unsere Wahl ist, immer mehr Waffen zu haben für den Widerstand". Es gebe einen deutlichen Unterschied zwischen Waffen, die "verteidigen, schützen und befreien", und solchen, die "für Invasion, Okkupation und Aggression" eingesetzt würden. Im libanesischen Regierungsprogramm, das vom Parlament nahezu einstimmig gutgeheißen worden war, ist das von der Hisbollah beanspruchte Recht auf bewaffneten "Widerstand" gegen Israel verankert. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 276
1 2 3 4 5 6 7
Fritz Wunderlich
30.04.2010 13:20

scheint so, als würde das moolahregime eine ablenkung benötigen, des wird die hassbollah zu provokationen drängen, bevor es zu sanktionen kommen sollte

manfred maier
manfred maier
01.05.2010 13:23
ablenkung ist immer gut.....

...bevor esnoch zu ernsthaften friedensverhandlungen kommt.
ein wenig "terror, aufrüstung, atombomben..." etc. und schon ist alles eitel wonne.
ist es...und wenn ja, wie lange noch?

Fetz Pepi
30.04.2010 09:22
Bumerang

mit der neuerlichen schweren Bombardierung des Libanon 2006hat Israel das Gegenteil des Gewünschten erreicht

dekorhippe
30.04.2010 12:36
wieso?

4 jahr ruhe an der nordgrenze und eine verzögerung der hisb allah aufrüstung mögen zwar nicht dem eigentlichen ziel von 2006 gerecht werden, aber ein gegenteil sieht anders aus.

Jimmy_Ringo
29.04.2010 23:14
Israel wird aufgerüstet


und es könnte wieder bald zum Krieg kommen. Israel besitzt Atombomben und ist dazu bereit diese "präventiv" = illegal einzusetzen.

Makronaut
30.04.2010 11:26

LOL - die geben noch nicht mal die existenz dieser waffen zu - wie sollen sie dann mit derem einsatz drohen o_O

ich weiss, isr-hassen fordert vor allem bei der logik opfer...

zimbo
 
29.04.2010 12:21
Beweise, wie immer keine.

diamant
 
29.04.2010 16:31
Der 'Beweis' der sie befriedigen koennte existiert nicht!

Ist ihnen das etwa gar nicht bewusst?

Zwei Und Vierzig
30.04.2010 12:04
Beweise? - Wie im Irak?

... man sollte schon skeptisch sein, wenn der Westen beweise auf den Tisch legt ... sonst kann es wieder mal passieren, dass einige Hunderttausend Unschuldige Zivilisten umgebracht werden - auf Grund "erlogener" Beweise.

Aber was soll's - waren ja keine Israelis, Amerikaner oder Europäer die umgebracht wurden - also alles halb so schlimm.

Fritz Wunderlich
30.04.2010 10:04

irrtum, er weiß gar nicht, wie ein beweis funktioneirt, dessen definition etc.
und von westlicher beweisführung, ligik, empirie, naturwissenschaften hält er schon gar nichts,
alles imperialistisch-logozentrisches teufelszeug für diese bildungsunterschicht

zimbo
 
30.04.2010 12:25
Caelos non penetrat oratio, quam canis orat.

Zwei Und Vierzig
29.04.2010 15:46
Beweise? Wozu?

Vertrauen sie der US Regierung bzw. der israelischen Regierung vielleicht nicht?

Hubert Ungeist
29.04.2010 10:30
Komisch

die Aufrüstung von Israel mit AtomUbooten war gar kein Problem für das sensible "Gleichgewicht"

Fritz Wunderlich
30.04.2010 10:04

kernlose behauptung

mistvieh666
29.04.2010 21:51

bloedsinn:
http://en.wikipedia.org/wiki/Isra... Submarines
ansonsten:
nennen sie mir irgendeine waffe aus dem israelischen waffenarsenal, die nicht gegen militaerische ziele einsetzbar ist.
scud raketen (seit 1957 im einsatz) mit einer treffergenauigkeit von ein paar kilometern koennen NUR gegen eine grossstadt abgefeuert werden. deswegen stellt sich fuer mich sogar die frage ob der BESITZ dieses raketentyps (und damit die drohung mit ihren einsatz) nicht an sich schon ein kriegsverbrechen ist.

dekorhippe
30.04.2010 09:48
jup

die scud wurde aus der v2 entwickelt und zu mehr als die v2 fähig war ist sie auch nicht einzusetzen, i.e. ungezielte angriffe auf dicht bevölkerte gebiete ... militärisch macht sie null sinn, außer man setzt damit abc waffen gegen größere truppenansammlungen ein ...

Fetz Pepi
30.04.2010 09:24

die Regierung Schamier nahm 1982 in Beirut flächenbombardments vor

epep
29.04.2010 20:43
welche atomuboote?

deutschland darf keine atomuboote bauen. wenn israel die uboote umbaut, ist das was anderes - aber das ist nicht mehr als ein gerücht, oder meinen sie das die bild zugang zu den geheimakten israels hat?

und israel drot nicht andere länder mit atomarer vernichtung wie es der iran schon unter den vorgängerpräsident gemacht hat. istrael finaziert auch keine terrorgruppen die in ihrer charta drinnen stehen hat, alle muslime zu ermorden.

diamant
 
29.04.2010 16:33
Israel hat keine Atom U-Boote!

Israel hat U-Boote die wahrscheinlich mit Nuklearwaffen ausgeruestet werden koennen!

fiosn atat
29.04.2010 07:10
suchen die jetzt einen grund

syrien anzugreifen ???

epep
29.04.2010 20:45
sie meinen so wie syrien geduldet hat..

..das von dem hoheitsgebiet syriens der raketenkrieg gegen israel geplant und im auftrag gegeben wurde?

kurd_beobachter
 
29.04.2010 05:23
beruhigung ?

in syrien werden kurden erschossen , junge kurden begehen "selbstmord" und die EU verhandelt ein assozierungsabkommen mit denen und dann fragt man sich warum syrische kurden aus asylheimen fliehen ?!

http://articles.latimes.com/2010/mar/... -2010mar30

irananders.de
29.04.2010 02:01
Hibsollah und Hamas als Abschreckung?

Wenn man Richard Herzingers desaströse Legitimation der israelischen Atomwaffen umkehrt, kann man sagen dass die Hisbollah und Hamas ein Garant für den Frieden zwischen Israel/USA und Iran ist.

Mehr hier: http://www.irananders.de/index.php... 7918bfcf33

O.J. Homer
 
29.04.2010 12:41
kein intelligenter vergleich

als ob hitler ein garant für den bau von autobahnen wäre

irananders.de
03.05.2010 16:08
Keine Aussage, sondern rehtorische Frage

Es sollte kein Vergleich sein, das war ein Irrtum. Das Fragezeichen fehlte. Danke für den Hinweis.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 276
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.