Gasometer

Vierspurig durch den versprochenen Park

Martina Stemmer, 28. April 2010, 09:39
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    foto: standard/christian fischer

    Florian Hauser und Doris Passler kämpfen für ein paar ruhige Ecken in ihrer sehr urbanen Nachbarschaft

Mit der Aussicht auf ein bisschen Grün lockte die Stadt Jungfamilien nach Simmering - nun kämpfen die Bewohner gegen eine Stadtautobahn vor ihrer Nase

 Wien - Grüne Wiesen, breite Gehwege, mitten drin ein großer Schwimmteich - ursprünglich sollte eine großzügige Parkanlage das Herzstück des neuen Wohnviertels südlich der Gasometer bilden. So stand's jedenfalls in den Prospekten, mittels derer die Stadt Jungfamilien in die Genossenschaftsbauten zwischen Hallergasse und Otto-Herschmann-Gasse lockte.

Urbanes Dorf auf dem ehemaligen Industrieareal

Ein urbanes Dorf mit neuer Architektur und vielen freien Flächen war auf dem ehemaligen Industrieareal geplant. "Man hat uns hier Wohnraum in Ruhelage verkauft", sagt Doris Passler von der Bürgerinitiative "Mehrwert Simmering ohne B228". Mit der Ruhe ist es aber möglicherweise bald vorbei. Mittendurch soll eine neue Stadtautobahn führen, die Pläne dafür gibt es seit Jahren. "Wir haben erst im letzten September überzuckert, wie breit diese Straße wirklich werden soll", sagt Passler. Zwar sei auch auf den Plänen, die man Wohnungsinteressenten vorlegte, eine Straße eingezeichnet gewesen, "die hat aber nicht wie eine dicht befahrene Durchzugsstraße ausgesehen".

Die neue Straße

Die B228 ist als Direktverbindung der Südosttangente bei St. Marx mit der Ostautobahn bei der Simmeringer Haide gedacht. Derzeit läuft eine Verkehrsuntersuchung, mittels der überprüft werden soll, wie breit die neue Straße wirklich werden soll - und wo diese idealerweise verläuft. "Man wird sich die Ergebnisse anschauen und dann die weiteren Schritte überlegen", sagt Martin Schipany, Sprecher von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP).

Schmale Variante statt vierspurige Durchzugsstraße

Grundsätzlich können auch die Mitglieder der Bürgerinitiative mit einer neuen Straße vor dem Fenster leben. "Wir wehren uns nicht prinzipiell gegen das Projekt - da würde uns ja niemand mehr ernst nehmen", sagt Villa-Verde-Bewohner Florian Hauser. Es gehe vielmehr darum, die vierspurige Durchzugsstraße zugunsten einer wesentlich schmäleren Erschließungsstraße zu verhindern. Nächste Woche wollen Passler und Hauser Schicker Unterschriften gegen die Stadtautobahn überreichen.

Derzeit schaut das Südfeld beim Gasometer noch ziemlich trist aus. Neu und gepflegt sind nur die drei schrägen Wohntürme Villa Verde und die "Fünf Schwestern" genannte Siedlung auf der anderen Seite. Dazwischen Baracken, Werkstätten und holprige Wege. Früher wurde das Gelände hauptsächlich von Gärtnereibetrieben genutzt, ein Großteil gehört der Stadt.

Peter Lorenz-Pläne sehen viel noch Natur vor

Die ersten Pläne für eine neue Straße mitten durchs Gemüse stammen aus dem Jahr 1969. "Damals war das ja auch noch kein Wohngebiet", sagt Passler. Im von Architekt Peter Lorenz im Auftrag der Stadt erarbeiteten Strukturplan "Mehrwert Simmering" aus 2002 nimmt jedenfalls gepflegte Natur viel Platz ein. Den fast 18 Hektar Baufläche stehen sechs Hektar Grünraum gegenüber.

Neuer Fuß- und Radweg war geplant

Auch ein schöner neuer Fuß- und Radweg war geplant: Die alten Gleise, auf denen früher die Güterzüge zum Schlachthof St. Marx donnerten, sollten durch einen Panoramaweg ersetzt werden. Allerdings fahren in letzter Zeit wieder mehr Züge direkt an den "Schwestern" vorbei - und bringen Biomasse ins nahegelegene Kraftwerk.(Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe 28.4.2010)

Kommentar posten
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moonlight
11
14.5.2010, 14:45
BürgerInnen wollen mitreden

In politischen Entscheidungsprozessen sind nicht unbedingt die berechtigten Anliegen der Bürger, so in diesem Fall der Anrainer im südlichen Gasometervorfeld, präsent. Hier wurden die Leute mit mit falschen Versprechungen hergelockt und müssen jetzt um ihre Wohnqualität kämpfen: B228 mitten durchs Wohngebiet, trotz bestehender Umfahrung durch ein Gewerbegebiet, Güterverschub statt Rad- und Panoramaweg, vom versprochenen Zentralpark als Naherholungszone keine Spur. Gut, dass es Menschen gibt, die den Politikern auf die Zehen steigen. UVP-Verfahren sind übrigens bis dato reine Alibiaktionen. Entschieden wird so, dass es der Politik und den Wirtschaftsinteressen schmeckt.
www.mehrwertsimmering.wordpress.com

Killa vomBilla
12
18.7.2010, 09:33
Bitte ned bös sein

Wer sich a Wohnung neben der Autubahnabfahrt
kauft und dann verwundert ist wenn Pläne aus dem 69jahr endlich umgesetzt werden ist
echt aber echt selbst schuld.

Wobei gerade SIE auf einem ehemaligen Grünraum ihre Hütte stehen haben und diese nicht so hübsch sind wie die GSTETTEN vorher.

@Oiso
recht hast es sollte ja auch ein 4spuriges zubringerstück werden.

oiso
00
11.5.2010, 22:42

es braucht dort doch gar keine straße!!

Longyearbyen
 
10
11.5.2010, 12:27
Es ist eine Vergewaltigung

der Minderheit und der Umwelt, wie die Mehrheit seit Jahren ihren Auto- und Verkehrswahn mit dramatischen Folgen für die Gesundheit und Lebensqualität aller ungehemmt auslebt. Der Verkehr in Wien ist in den letzten 20 Jahren explodiert und die Antwort der Politik darauf ist: noch mehr Autos, noch mehr Straßen. Der Sozialvertrag ist nur mehr eine Chimäre.

Aufrechter Gang
 
14
Hinters Licht geführt!

Zuerst werden die Menschen mit der Aussicht auf Grünräume angelockt, und am Ende kommt ann immer die Straße! Nicht nur beim Gasometer,, sondern an allen Ecken von Wien. Leider muß man daher feststellen, dass das kein Unfall sondern eine neue Wiener Norm ist!

Esstbakterienjoghurt Damitdanonewasverdient
16
29.4.2010, 12:52
Za wos brauch ma dort eiggentlich überhaupt eine neue Straße?

Ja, das meine ich nicht grünfundamentalistisch, sondern nur im Sinne des eigenen Verkehrskonzeptes der Stadt Wien: Da jagt doch eine Erfolgsmeldung die andere, dass der Autoverkehr zugunsten des öffentlichen, des Rad- und Fußverkehrs zurückgeht. Und das betreffende Gebiet ist wirklich gut erschlossen durch die U3 und wahrlich nicht am Ende der Welt - steigender Autoverkehr ist dort eher unnötig, zumal da ja auch die hochfliegenden Pläne zur intensiveren Nutzung ("Mehrwert Simmering" hieß das Projekt) auch eher ins Stocken geraten sind.

chelene chirsch
01
22.4.2011, 20:10

wenn "verkehrskonzept" im öffentlichen VOR-kontext bedeutet, am ende der (unpünktlichen) u-bahn 12 min wartezeit bei der strassenbahn zu haben, wäre der raum wirklich besser für autos und motorräder freizumachen.

?&!
05
29.4.2010, 14:05
haha, guter witz

diese stadt hat kein verkehrskonzept! man braucht nur über einige jahre die meldungen von rudi schicker verfolgen und kann ganz eindeutig feststellen, dass er absolut keinen plan hat.

Quim Barreiros
04
30.4.2010, 11:51

Er hat schon einen, nämlich den Masterplan Verkehr, der ihm aber wurscht ist.

Club-der-dichten-Toten
00
29.4.2010, 13:31
zumal da ja auch die hochfliegenden Pläne zur intensiveren Nutzung ("Mehrwert Simmering" hieß das Projekt) auch eher ins Stocken geraten sind.

Woher wissen Sie das?
Da wird laufend gebaut. Geht halt nicht immer alles auf einmal.

Chanandelar Bong
29
29.4.2010, 09:11
Die Straßen (16%)

brauchen bereits mehr Fläche in Wien als Wohnungen (14%). 66 km² Straßenfläche sind anscheinend noch immer zu wenig.

au contraire
03
10.5.2010, 10:41

Wenn man nur die ver- bzw. überbaute Grundfläche heranzieht, ist das ein etwas polemischer Vergleich: Nur GANZ wenige Straßen sind in 6 oder mehr übereinander liegenden Etagen gebaut (in Wien fällt mir jetzt eigentlich irgendwie _gar_ keine ein)

verleih nix
25
29.4.2010, 12:04

na die besorgungen des täglichen lebens mit tausenden gleichgesinnten im rucksack über saumpfade nach hause zu tragen stell ich mir auch nicht so toll vor.

ist schon gut so. und nein, ich hab nicht mal ein auto.

Stalker Tarkov
04
28.4.2010, 22:50
"gepflegte Natur"

Natürlich! Denn die Gstettn macht uns Angst. Bloss keine Feldhamster, Rebhühner, Kaninchen, etc. und vor allem diverse Wildpflanzen. Drängen wir die Rückeroberung der wenigen Nischen in der Stadt schnell wieder zurück.

Dungeon
210
28.4.2010, 22:01
Stadtautobahn?

tendenzielle Berichterstattung?

Egal ob man dafür oder dagegen ist. Eine Stadtautobahn wäre das sicherlich nicht. Weder theoretisch noch in der Praxis.

Stephan Weinberger
02
29.4.2010, 02:50

Naja, wie schätzen sie das Verkehrsaufkommen auf einer Direktverbindung Tangente-Ostautobahn ein? Da werden wohl deutlich mehr als ein paar hundert Fahrzeuge/Stunde fahren (sonst würde ja nicht 4-spurig geplant werden).

Dungeon
00
29.4.2010, 13:52
ganz einfach:

südosttangente: zwischen knoten prater und handelskai ~180 k fahrzeuge am tag

die geplante straße: selbst bei voller auslastung, dank ampeln und 50er zone max: 40k fahrzeuge am tag - mehr geht technisch einfach nicht.

wer diesen weg fährt wird über die a23 und die a4 fahren. weil man da auch bei stau sicherlich schneller ist. die straße ist eher für die lokale erschließung gedacht und durch viele ampeln eher unatraktiv. wozu man sie allerdings 4 spurig ausbauen muss weiß ich auch nicht. vermutlich würde da aufweitungen an den ampeln reichen.

FJP1
00
13.7.2010, 09:42
Parkplätze natürlich

Schaut man sich neu gebaute Straßen in Wien an (zwei Fahrspuren in jede Richtung) sind je eine Fahrspur pro Richtung sehr bald als Parkstreifen genutzt, da die Baurodnung für Wien keine genügende Anzahl von Garagenplätzen pro Bau vorschreibt (egal ob Wohnbau oder Bürohaus). Wo ursprünglich der Verkehr auf vier Fahrspuren abgewickelt wurde, drängen sich die Autos jetzt auf zwei Fahrspuren und durch bl.de Ampelschaltungen wird noch ein künstlicher Stau verursacht. Die Straßen braucht man ganz einfach um eine verkorkste Bauordnung vertuschen zu kiönnen

Florian Hauser1
 
13
29.4.2010, 15:40
Es braucht auch keine 40k Fahrtzeuge für eine lokale Erschließungsstrasse

Für eine lokale Erschließungstrase (wie im Mehrwert Simmering erwähnt) braucht es keine Strasse mit 4 Spuren (ca. 40.000 KfZ/Tag) und auch keine 2-spurige mit Aufweitungen + separaten Abbiegespuren (ca. 30.000 KfZ/Tag).

Im Gräzel gibt es im Endausbau max. 2000 Wohnungen und maximal etwa 4000 Arbeitsplätze. Selbst ohne öfentliche erschießung braucht es da keine so große Strasse - in Anbetracht der hochwertigen Erschlissung durch öffentliche Verkehrsmittel (2 U3 Stationen im Gebiet) reicht eine einfache 2-spurige Strasse ohne Aufweitungen, ohne separate Abbiegespuren.

Alles was darüber hinausgeht zieht mittelfristig zusätzlichen Verkehr (Durchzugsverkkehr) in das Gebiet - und genau dagegen wehren wir uns.

. g.bac
00
29.4.2010, 20:38
durchzug von wo nach wo?

das einer bei der simmeringer haide runterfährt um bei st. marx aufzufahren um sich die autobahn zu ersparen ist ja nicht wirklich realistisch. er umweg wäre viel zu mühsam.

moonlight
02
30.4.2010, 13:10
Billiger Abstecher

Bei St. Marx runter und durchs Wohngebiet ohne LkW-Maut zum Industriegebiet Simmeringer Haide oder umgekehrt. Macht durchaus Sinn für Speditionen

Florian Hauser1
 
01
30.4.2010, 13:24
Noch mehr Sinn macht es in die Gegenrichtung

Von der DHL (Gewerbegebiet Simmeringer Haide Richtung A2/Süden spart man sich gleich 8 km Maut - bei -zig LKWs pro Tag macht das schon einen Sinn.

Zeitlich wird es sich in etwa die Waage halten - macht für den Spediteur also durchaus Sinn durchs Wohngebiet zu fahren.

BraS
 
02
29.4.2010, 10:32

in der Verbindung A22 - A4 wird der Verkehr im Normalfall ca. 0 betragen. Dazu ist die geplante B228 mit ihren Rampen und Ampelkreuzungen viel zu unattraktiv.
Das wird bestenfalls dann, wenn eine der beiden unfallbedingt gesperrt ist geben.
Ansonst dient die Straße dem Ziel-/Quellverkehr - u.a. derer, die in der Gegend wohnen.

Florian Hauser1
 
10
30.4.2010, 08:51
durchzug

Für LKWs aus dem Gewerbegebiet Simmeringer Haide ist es eine zeitneutrale und mautsparende Alternative zur A4/A23.

Für Verkehr aus dem Zentrum Simmering zur A23 (der ursprünglich über die jetzt gesperrte Ausfahrt Simmering geplant war) ist es auch eine interessante Alternative zur Trasse Simmeringer Hauptstrasse / Litfaßstrasse / Baumgasse / Franzosengraben

BraS
 
00

also für den Quell-/Zielverkehr. Das macht ja auch Sinn, diesen möglichst direkt zu führen.
Das sind aber keine Beispiele für die Durchfahrt A23-A4 u.u.

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