Barkat weist bei US-Besuch Forderungen nach Baustopp zurück - Kritik an den USA
Washington - Der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, hat bei
einem US-Besuch auf die Fortsetzung des israelischen Siedlungsbaus in
Ostjerusalem gepocht. Auf die Frage, ob Israel gemäß der Aufforderung von
US-Präsident Barack Obama einen Siedlungsstopp in Ostjerusalem zumindest bis zur
Aufnahme neuer Friedensverhandlungen mit den Palästinensern beschließen werde,
sagte Barkat am Dienstag (Ortszeit) vor Journalisten in Washington: "Die Antwort
ist nein, ein klares Nein."
"Man kann nicht eine dynamische, lebhafte Stadt, besonders nicht Jerusalem,
aufhalten", fügte der Bürgermeister hinzu. Eine Einstellung des jüdischen
Siedlungsbaus würde nur dazu führen, dass Juden die Stadt verließen und dann
Araber illegal Häuser errichten würden.
In Jerusalem müsse sowohl für Juden als auch für die arabischstämmige
Bevölkerung gebaut werden, sagte Barkat. Wenn Israel den Palästinensern aber die
Kontrolle in Ostjerusalem überlasse, würden diese ein "trojanisches Pferd" gegen
die Juden in die Stadt bringen. Barkats Ziel ist es nach eigenen Angaben, dass
sich Jerusalems Bevölkerung weiterhin aus 65 Prozent Juden und 35 Prozent
Palästinensern zusammensetzt.
Kritik an US-Regierung
An der US-Regierung übte Barkat deutliche Kritik. Die offenen Vorwürfe des
Verbündeten nach der israelischen Ankündigung, weitere 1.600 Wohnungen in
Ostjerusalem zu bauen, seien wie "zwei Schläge ins Gesicht" gewesen. "Es dauert
eine Weile, sich von so einem Angriff eines guten Freundes wie der US-Regierung
zu erholen", sagte Barkat. Mittlerweile hätten sich die Wogen jedoch geglättet.
Washington hatte es als Affront empfunden, dass Israel ausgerechnet während
eines Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden Anfang März den Bau der neuen
Wohnungen in Ostjerusalem angekündigt hatte.
Barkat wollte am Mittwoch mit Vertretern des US-Außenministeriums
zusammentreffen. Zeitgleich hielt sich der israelische Verteidigungsminister
Ehud Barak zu einem Besuch in den USA auf. (APA)