Auf Pelzproduktverkauf zu verzichten sei für ihn nie infrage gekommen, sagte der Geschäftsführer der Firma Kleider Bauer
Wiener Neustadt - Peter Graf, Geschäftsführer der Textilfirmen Kleider Bauer, Otto Graf und Hämmerle, lässt sich nicht beirren. Die Nähe der 13 Beschuldigten steckt er locker weg - und ihre indignierten, zornigen Blicke ebenso, wenn er sich aus dem Zeugenstand vorbei an den unter Anklage stehenden Tierschützern zu Richterin Sonja Arleth schlängelt, um ihr als Beweisstück eine weitere Droh-E-Mail oder Bekennerschreiben auszuhändigen.
Denn der schlanke, grauhaarige 50-jährige Mann im gutsitzenden schwarzen Anzug hat zum Thema des Verhandlungstages - die Antipelzkampagne gegen Kleider Bauer - eine kompromisslose Haltung: "Angesichts der Bedrohung, die wir über uns ergehen lassen mussten, würde ich jeden Pelzmantel ins Schaufenster heben", sagt er auf eine Frage Arleths hin.
Aufgrund dessen dachten er und sein Bruder Werner Graf zu keinem Zeitpunkt der ab Mai 2006 eskalierenden Ereignisse daran, mit den Antipelzaktivisten ins Gespräch zu kommen. Dachten nicht daran, ihren Forderungen nachzugeben, wie es nach zwei Jahren Antipelzkampagne - und wohl auch angesichts der sinkenden Akzeptanz von Pelzprodukten unter Kunden - zum Beispiel die deutsche Textilkette P & C tat. Denn mit Kampagnen von Tierschützern gegen Pelzfarmen und Pelzhandel haben Bekleidungsfirmen nunmehr seit den 1970er-Jahren zu kämpfen.
"Wir haben dem nicht entsprochen", sagt Peter Graf an diesem Verhandlungstag mehrmals. "Nicht entsprochen" habe Kleider Bauer dem Initialschreiben der Antipelzaktivisten, in dem eine "im Herbst 2006 beginnende große Kampagne" angekündigt und ein Ultimatum gestellt wurde. "Nicht entsprochen" habe man auch den in triumphierend-pubertierendem Ton gehaltenen Folgeschreiben und E-Mails, den Demos samt Schaufensterverhängungen, den Run-ins, Home-Demos, Privatautobeschmierungen, und Buttersäureanschlägen, die laut Peter Graf rund eine halbe Million Euro Schaden angerichtet haben. Eine Summe, deren Höhe vom Verein gegen Tierfabriken bezweifelt wird.
Vorsprache beim Minister
Stattdessen wandten sich die Grafs an den Innenminister. In der Folge wurde die Soko Bekleidung gegründet, die die weitreichenden Ermittlungen wegen Bildung einer kriminellen Organisation nach Paragraf 278 a startete. Laut den Verteidigern hatte keiner der jetzt Beschuldigten mit den Sachbeschädigungen zu tun.
Gespannt war am Dienstag auch die Stimmung vor dem Gerichtssaal. Dort stand rund ein Dutzend Unterstützer, Freunde und Verwandte der Beschuldigten - vor verschlossener Tür: Sie hatten keine Platzkarten mehr ergattert, an deren Besitz seit Montag der Einlass zum Prozess gebunden ist. Wer eine Karte haben möchte, muss seinen Ausweis zeigen. Im Saal wiederum saßen rund zwanzig junge Männer, Polizeischüler, wie es hieß. Ob sie mit oder ohne Platzkarte ausgestattet waren, blieb unklar.
Als der Vater eines Beschuldigten wegen Überfüllung nicht eintreten durfte, verließen zwei Angeklagte den Raum. Lautes Palaver, Mahnrufe vom Richterinnentisch. Nach wenigen Minuten wurde die Verhandlung fortgesetzt. Doch für den Justizsprecher der Grünen, Albert Steinhauser, ist die selektive Einlasspolitik aufklärungsbedürftig. Die Öffentlichkeit im Gerichtssaal habe eine "kontrollierende Funktion", meinte er und kündigte eine parlamentarische Anfrage an. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 28. April 2010)