Experten

Nur Schuldenerlass kann Griechenland retten

Andreas Schnauder, 27. April 2010, 18:22

Eine Entschuldung Griechenlands, "Haircut", gilt Experten, Investoren und deutschen Parteien angesichts der gewaltigen Schulden als unausweichlich

IWF und Eurozone zahlen, und dann ist der griechische Patient über den Berg. Seit Wochen basteln Europäische Union und Internationaler Währungsfonds an diesem Programm, das sich freilich zusehends als unzureichend erweist. Die 45 Milliarden Euro, die von den Partnern an Kredithilfe nach Athen fließen sollen, werden das Schuldenproblem des Landes nicht lösen, so der Tenor von Investoren und Experten.

"Ohne Umschuldung wird es nicht gehen", meint etwa der in Oxford tätige Wirtschaftsprofessor Clemens Fuest. Er setzt dabei auf einen Vergleich mit internationalen Gläubigern, ein einseitiger Zahlungsstopp würde hingegen zu neuerlichen Turbulenzen an den Finanzmärkten führen. "Dann würden Portugal und andere Länder mit hoher Verschuldung die Zeche bezahlen", erklärt Fuest im Gespräch mit dem Standard.

Ein Haircut, wie ein Schuldenschnitt im Fachjargon genannt wird, käme in der Mitte der Sitzung. Vor dem Schneiden wird in der Regel zum Shampoo gegriffen: Griechenland erhält Hilfe von IWF und Eurozone und verpflichtet sich zu einem strengen Sparkurs und - was derzeit kaum beachtet wird - zu einer Balance im Außenhandel, in dem zur Zeit ein Loch von zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts klafft. Dieser Schritt funktioniert nur, indem die Wirtschaft mit sinkenden Löhnen international wettbewerbsfähig wird. Mit der Zäsur beim öffentlichen Haushalt und im Außenhandel wird quasi das Fundament für einen Neuanfang gelegt.

Umschuldungen wären dabei in verschiedenen Formen denkbar - häufige Varianten sind Fristenverlängerung und niedrigere Zinsen. Doch die Experten sind sich einig, dass im Fall Griechenlands nur ein echter Haircut in Form einer Reduktion der Forderungen helfen kann. Davon geht auch Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup, in einem neuen Bericht aus: Er rechnet in einem Worst Case mit einer Herabsetzung des Obligos um 30 Prozent, wahrscheinlicher seien 20 Prozent.

Glimpflich

Damit kämen die Geldgeber noch glimpflich davon: Laut Ratingagentur Moody's lag der Abschlag bei 13 staatlichen Zahlungsausfällen zwischen 1998 und 2008 im Durchschnitt bei 50 Prozent. Dass der Rettungseinsatz des IWF kein Hindernis für einen Zahlungsverzug ist, darauf hat erst kürzlich Starökonom Kenneth Rogoff verwiesen. "Der berühmteste Fall ist der von Argentinien 2002, doch es gibt noch andere aktuelle Beispiele, darunter Indonesien, Uruguay und die Dominikanische Republik", schrieb er im Standard.

Das Thema Umschuldung hat sich an den Märkten bereits durchgesetzt, wie die Zinsentwicklung zeigt. Hatte der Rettungsschirm von Eurozone und IWF ursprünglich für Entspannung gesorgt, verdoppelten sich die Kosten für die Bedienung von Staatsanleihen in den letzten Tagen auf den internationalen Rekordwert von 15 Prozent. Dass kurzfristige Papiere höher rentieren als langfristige gilt an den Rentenmärkten als Indiz für einen drohenden Ausfall.

Kein Wunder: Selbst bei einer Entschuldung um 75 Prozent müsste Griechenland laut Berechnungen von Barclays Capital exklusive Zinsen Budgetüberschüsse erwirtschaften, um langfristig die Verschuldung wieder in Richtung 60 Prozent des BIPs zu drücken. Allerdings gehen sowohl Barclays als auch Goldman Sachs davon aus, dass ein Forderungsverzicht nicht unmittelbar auf der Tagesordnung steht. Zuerst soll Griechenland zeigen, welchen Beitrag es zu leisten imstande ist.

150 Milliarden Hilfe?

Ohne Haircut müssten IWF und Eurozone wohl die gesamte Refinanzierung stemmen und in den nächsten drei Jahren 150 Mrd. Euro nach Athen tragen, meint Goldman-Sachs-Volkswirt Erik Nielsen. Nachsatz: "Das ist trotz des derzeit großzügigen Umfelds außer Reichweite." Trotz aller Dementis der EU hat die Diskussion über eine Entschuldung auch die politische Ebene erreicht. In Deutschland sprechen sich sowohl CDU/CSU-Fraktion und FDP als auch SPD und Linke für einen Beitrag privater Gläubiger aus. Zu den Vorschlägen zählt u. a., dass die angepeilten Kredithilfen vorrangig vor den Altschulden bedient werden. Freilich gibt es auch massive Zweifel an einer Restrukturierung. Den größten Anteil müssten griechische Banken schultern, der Ausfall wäre wohl nicht verkraftbar. Und der Blutzoll ausländischer Institute könnte so hoch sein, dass neuerlich der Staat einspringen müsste. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 156
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carbonara
01
28.4.2010, 15:45
Schuldenerlass ?

.....ok.

Aber bitte von den DERZEITIGEN Gläubigern; diese haben ja auch die höheren Zinsen (für höheres Risiko) erhalten.

Vermutlich läuft alles auf eine Umschuldung hinaus.

Die derzeitigen Gläubiger (Banken, Versicherungen...) werden "out-gebailed", die Schulden auf die neuen Gläubiger (AKA Steuerzahler - also auf uns) übertragen.

Klaus Woltron
00
28.4.2010, 15:33
...wenn man sich an einer Firma beteiligt....

und Haftungen für sie übernimmt, sollte man vorher eine due diligence oder, zumindest, eine aktuelle Bilanz verlangen. Uns hat man an Griechenland zwangsbeteiligt, unsere Geschäftsführer haben nicht gemäß den Regeln sorgfältiger Kaufleute gehandelt. Letztere wären jetzt in der Krida und im Tschumpas. Unsere genießen das Leben und Immunität. Es kommt auch noch etliches nach, aus den Bruchbuden, an deren Mißwirtschaft wir uns auch beteiligt haben - mit Haut und Haar. Die Banker lachen sich, abgesichert durch uns nützliche Idioten, ins duftende Fäustchen.

nouriel roubini
00
28.4.2010, 18:42


ihnen kann das aber egal sein, da sie sicher an dem system verdienen, sprich mehr geld kassieren als zinsen in's system zahlen zu müssen.

jacques05
01
28.4.2010, 15:12
die wolken ziehen auf...

jetzt müssen die kleinen leute wieder sparen, die zeche bezahlen, für die, die selbst noch in einer internatioanlen finanzkrise verdienen.
indem sie auf den bankrott wetten.
und das wirklich bizarre, viele leute meinen, man sollte gr aus der eu ausschließen, oder gr sollte "privatisiert" werden.
niemand denkt aber daran, dass man jene zur kasse bittet, die dieses disaster anrichteten.
die banken, die spekulanten, die konzernmanager.
und die aktionäre.
alle saldi auf null, aktienhandel aussetzen, neue regeln einführen, banken und großkonzerne verstaatlichen, die manager enteignen, samt anhang,
pfänden bis zum existenzminimum.

Igor Gassner
00
28.4.2010, 15:24
Nun das ist der Grund wieso am Ende immer die Kugeln sprechen

denn wie soll man die bezahlen lassen die verantwortlich sind ?

jacques05
00
29.4.2010, 18:42
es heißt zwar, wäre die demokratie demokratisch,...

wäre sie längst verboten.
fragt sich nur, wer sie verbieten kann, wer sie ent-
stellt bis zur unkenntlichkeit.
durch kugeln kommt keine demokratie.
aber durch den glauben, den willen, die standhaftigkeit,
dem bemühen jedes einzelnen, ein wenig weniger arschloch und duckmäuser zu sein.
dann und nur dann, werden die bürger in der wahlzelle die demokratie, den rechtsstaat erzwingen.
die kugeln werden dann zwar folgen, von denen,
die alles zu verlieren haben, den jetzt herrschenden.
doch sie können nicht das volk erschießen.
wenngleich sie es versuchen werden.

nouriel roubini
00
28.4.2010, 18:43


indem man die verträge schon entsprechend aufsetzt
dann kann sich nicht herausgeredet werden

Ybes
00
28.4.2010, 14:42
Der Kaufmann von Venedig lässt grüßen

al stroh
 
01
28.4.2010, 14:38
Not too big to fail

hat gestern der Chef von Goldman Sachs Blankfein von seiner Firma gesagt. Er ist zumindest öffentlich der Meinung, dass Goldman Sachs nicht so ein Riese sei, der den Staat mit in den Abgrund ziehen würde. Vielleicht findet sich auch einmal bei uns ein Politiker, der nicht auswärts bei den Banken denken läßt. Wenn uns die Banken papierln, dann muß ihnen der Laden wegen staatspolitischer Notwendigkeiten abgenommen werden. Und zwar Ruck Zuck mit Notgesetzen, die unsere dösigen Parlamentarier in 24 Stunden durchdrücken inklusive allfälliger Verfassungsänderungen. Mir reicht's schön langsam, dass wir ununterbrochen in Geiselhaft der Banken gehalten werden.

McOrlando
00
28.4.2010, 14:12
Alternative: Verkauf von Hohheitsgebiet

Was spricht dagegen, dass Griechenland Teile seines Staatsgebietes verkauft. Insbesondere fallen mir das die Inseln direkt vor der türkischen Küste ein (Lesbos, Kos, Rhodos & Co) und als potentieller Käufer die Türkei.
Der Verkauf von Hoheheitsgebiet gegen Geld hat sich in der Vght. oft gut funktioniert (z.B. Luisiana-Purchase zur Finanzierung von Napoleon), hätte hier den Vorteil dass es den 'normalen' Griechen vermutlich im Stolz trifft (im Gegensatz zu einer 'kostenlosen' Entschuldung) und so weder die Griechen noch andere Staaten dazu verlockt sich allzu sehr zu verschulden und dann laut nach Subventionen zu schreien.
Die Ermittlung eines fairen Kaufpreises ist bei nur einem potentiellen Käufer sicherlich wohl machbar (UNO/EU Kontrolle

nouriel roubini
00
28.4.2010, 18:45


durch einmalverkauf bessert sich nix. siehe grasser 0-defizit

dusk
00
28.4.2010, 18:31
könnte funktionieren

werden die Griechen aber nie mitmachen vorher gehen die in Konkurs und stürzen die Weltwirtschaft in ein richtig tiefe Rezession.

mr. rejpl
00
28.4.2010, 17:29
ergibt: KRIEG.

100pro

Lalai Dama
00
28.4.2010, 13:58
Kopfwäsche für Griechen

Ein Zahlungsstopp sollte zuallererst bei in Griechenland gezeichneten Staatsanleihen ansetzen!

Warum sollen jene Gläubiger, die nichts von der griechischen Misswirtschaft gehabt haben zuerst geschoren werden?

nouriel roubini
00
28.4.2010, 18:47


weil sie sooo geil auf die zinsen sind/waren. dieses krebssystem funkt nie jeder weiß es und gibt es öffentlich aber nicht zu, geschweige denn es wird thematisiert.

Etsch
00
28.4.2010, 15:16
Weil...

... alle die Griechische Staatsanleihen gekauft haben aufgrund des höheren Kreditrisikos auch mehr Zinsen bekommen haben. Jeder der Anleihen kauft geht ein kalkuliertes Risiko ein und darf sich nicht beschweren wenn das Geld nicht mehr zurückkommt.

Ro_bert
00
28.4.2010, 13:52

Mir ist grundsaetzlich nicht klar warum Staatsschulden die Regel und nicht die Ausnahme sind.
Die Regierungen sollen in der Zeit fuer die sie gewaehlt sind was gscheites machen und nicht das Geld zukuenftiger Generationen verschwenden.

lessismore
00
28.4.2010, 13:59

Die zukünftigen Generationen erben die Anleihen, oder etwa nicht?

Ludmilla von Country de la Musica
00
28.4.2010, 13:50
"Dieser Schritt funktioniert nur, indem die Wirtschaft mit sinkenden Löhnen international wettbewerbsfähig wird."

http://menschenblog.blogsport.de/2010/04/2... hrichtung/

Wiener Meinung
00
28.4.2010, 13:38
jahrzehntelange immer schlimmere Schuldenpolitk

zum Vorteile der Betreiber und deren Steigbügelhaltern

Spekulation radikal abstellen

Spekulanten die schwere Schäden verursacht haben zur Verantwortung ziehen

Schulden asu Spekulationsgewinnen nicht zurückzahlen

Profiteure an den Pranger Durchgriff auf deren Spekulationsvermögen

Sosnt werden wir die MAsse der kleien Leute alle untergehen

Kohlhaas1
32
28.4.2010, 13:15
Ich halte es für erforderlich, daß Griechenland und andere NICHT gestützt werden.

Immerhin drückt das auf den Euro.
Eine stärkere Inflation des Euro hat mehrere Vorteile:
1. Europrudokte werden im Ausland leistbarer.
2. Chinaprodukte werden in Euroland teurer, was der heimischen Industrie hilft.
3. Das ist das Wichtigste: die Schulden werden mit der Inflation immer kleiner und das gilt auch für Private.

Alles in Allem solte man die Griechen noch eine Weile hungern lassen und nur dann helfen wenn eine Hyperinflation oder ein totaler Börsencrash erfolgt ist. Prophylaktisches Helfen ist kontraproduktiv und hat keinen erzieherischen Wert.

Etsch
00
28.4.2010, 15:23
Hyperinflation in nur einem Euroland?

Inflation ist immer ein monetäres Phänomen. D.h. es geht nicht dass nur ein Land im Euroraum Hyperinflation hat und die anderen nicht. Der Grund von Inflation ist dass Geld immer wertloser wird und dadurch in Folge Güter (nominal) teurer.

Hinsichtlich der positiven Seiten eines schwachen Euros bin ich einer Meinung mit Ihnen, jedoch muss man aufpassen dass kein Entwertngswettbewerb zwischen den Währungen entsteht, denn das würde zu einer Weltweiten (Hyper-)Inflation führen.

Kohlhaas1
00
28.4.2010, 16:26
Das kann ohne weiteres sein. Immerhin inflationiert der Euro in jedem Land anders

Im Übrigen macht das auch der Dollar in USA.
Die Güter werden teurer ja, aber die Löhne ziehen im Inflationsausgleich immer wieder nach. Gefährlich wird´s wenn , wie es in Griechenland erforderlich ist, kein Inflationsausgleich betrieben werden kann.
Ab einem gewissen Punkt muß man die Griechen in kleinem Ausmass kreditieren, da dort ansonst der komplette Markt einbricht . Die drohende Hyperinflation war im Übrigen auch nicht auf Griechenland allein gemünzt. Das wird uns drohen wenn alle jene Länder die obwohl unreif dafür den Euro einführten, nacheinander Probleme bekommen und das sind ziemliche Brocken. (Portugal, Spanien, Italien, Griechenland)

jacques05
00
28.4.2010, 15:18
ja freilich, und das volk, welches aufsteht,...

das erschießt man, da hat gr ja schon erfahrung.
das können sie in öl praktizieren, in d, e, i, gr, eigentlich überall, geht das nicht durch, bürgerkrieg mit
zigtausenden toten, schwerste verwüstungen und plünderungen, lynchjustiz, warlords, zusammenbruch des öffentlichen lebens samt infrastruktur, justiz, militär.
das faustrecht.
meinen sie das?

Kohlhaas1
00
28.4.2010, 16:16
Du hast eine überaktive Phantasie.

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