Sheriff-Spiele im Minimundus Sowjetunion

27. April 2010, 18:14
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    foto: wölfl

    Lenin-Büste in der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol vor dem "Haus der Sowjets". Die Innenstadt wirkt wie ein Themenpark, in dem Touristen die Sowjetunion nähergebracht werden soll.

Seit 1992 gibt es das stabilisierte "De-facto-Regime" Transnistrien. In dem von Moldau abgespaltenen Landesteil leben Menschen mit komplizierten Identitätsentwürfen

Nur ein Fußballclub eint sie.

***

Lenin will fliegen lernen. Mit wehendem Mantel aus rotem Stein sieht er zu, wie die Jugendlichen vom "Gymnasium Vier" den Boulevard 25. Oktober hinunterlaufen. Helle Frauenstimmen, sowjetische Animiermusik aus den Siebzigerjahren beschallt Tiraspol, die Hauptstadt von Transnistrien. Das nationale Radio lädt zu einer Zeitreise ein: einmal zurück in die Sowjetunion.

Transnistriens ewiger Präsident Viktor Smirnov schüttelt auf einem vergilbten Plakat seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew die Hand. Der lächelt verlegen. "Nur in der Einigkeit mit Russland sind wir stark" , steht da. Die Pensionen der Transnistrier werden von Moskau bezahlt. Auf dem Wappen der Pseudorepublik prangen Weintrauben, Getreide, Wasser, die Sonne, der Sowjetstern und Hammer und Sichel. Gas und Öl werden von Moskau garantiert. Da ist es zweitrangig, dass man nicht einmal eine Grenze mit Russland hat und die Vorhut von einem Imperium spielt, das es längst nicht mehr gibt.

Die Innenstadt Tiraspols ist gesperrt, bis zum "Haus der Sowjets" mit dem schwarzen Lenin davor, der noch finsterer schaut als der Rote. Überall stehen Polizisten mit Kappen, die so hoch sind, als sollten sie nicht nur die Männer größer wirken lassen, sondern auch den Staat, den sie repräsentieren. Transnistrien hat 550.000 Einwohner, ist etwa so groß wie das Burgenland und schaut auch ein wenig so aus. 1992 hat sich der russisch-dominierte Streifen der Exsowjetrepublik Moldau in einem blutigen Konflikt abgetrennt.

Sheriff statt Lenin

An dem Panzer, der an diesen Konflikt erinnert, stöckeln Frauen in hautengen "stonewashed" Jeans vorbei. Die Läufer vom Verteidigungsministerium holen gerade jene von der Textilfirma Tirotex ein. Tirotex gehört zu der Sheriff Holding, dem größten Arbeitgeber. Zu dem Konzern gehören die Likörfabrik Kvint, das Tele-Unternehmen IDC, der Privat-Kanal TSW, die Sheriff-Tankstellen und Supermärkte. Oligarch Viktor Gushan - er war Polizist: deshalb der Name "Sheriff" - ist der Mann der Zukunft. Die Partei hinter ihm heißt Obnovlenije (Erneuerung) und gewann die Kommunalwahlen im März. Wenn Transnistrien ein Staat wäre, würde man wohl von "state capture" sprechen.

Buben mit dem aktuellen transnistrischen Haarschnitt - einer Igelfrisur - brüllen von der Tribüne: "Sheriff ist unbesiegbar! Wir werden dich nie verraten!" , so als ginge es darum, das Vaterland zu verteidigen. Sheriff gehört auch das Fußballstadium und der Club FC Sheriff. Heute spielt Sheriff gegen den moldauischen Club Balti.

Jana steht auf den Mittelfeldspieler Wilfried Balima. Für viele hier ist der Mann aus Burkina Faso ein transnistrisches Idol. Da es Transnistrien aber offiziell nicht gibt, dürfen FC-Sheriff-Spieler nur gegen Ausländer antreten, wenn sie in Moldaus Nationalteam mitspielen. In diesem Fall hält Jana sogar zu dem Land, dessen Staatsbürgerin sie nicht sein möchte. Die Friseurin in den schwarzen Leggins fährt nur nach Moldau, um sich einen Pass machen zu lassen. "Denn mit einem transnistrischen Pass kommst du nicht weit." Seit fast zwanzig Jahren gibt es keine Bewegung im Transnistrien-Konflikt. Politiker beider Seiten beharren auf den Maximalforderungen.

Jana würde lieber zu Russland gehören, "weil die russischen Soldaten hier wenigstens den Frieden bewahren" . Von einem Krieg ist allerdings nichts zu bemerken. Die moldauischen Spieler laufen so lustlos über den Rasen wie die schwarz-gelben Sheriffs. Adrian möchte seinen echten Namen nicht verraten. "Ich bin Moldauer" , sagt der 15-Jährige. "Meine Muttersprache ist Moldauisch, und Transnistrien ist kein russischer Boden." In der EU war er noch nie. Dennoch fühlt er sich dem Westen zugehörig.

Es ist nicht nur der Dnjestr, der hier die Grenze bildet, die oft mitten durch die Menschen verläuft. Die russlandaffinen Transnistrier fürchten die Dominanz der prorumänischen Moldauer. Die Moldauer fühlen sich um ihr Territorium betrogen.

Wenn Moldau gegen Russland spielt, dann ist Lena mit ganzem Herzen Moldauerin. "Aber wenn wir Transnistrier gegen die Moldauer spielen, bin ich natürlich für Transnistrien" , sagt die 25-Jährige. "Ich bin eine Mischung. Und Transnistrierin zu sein, vereinigt alles. Wir sprechen Russisch mit Akzent und fragen auf Moldauisch: Ce faci? - Was machst du?" Der FC Sheriff hat mittlerweile gewonnen. Die Cheerleaders lassen ihre goldenen Pompons fallen. Die Buben brüllen nicht mehr. Der Sheriff-Stern glänzt im Abendlicht.

Lena hat Freunde in Moldau, weil sie in einer Sommerschule war, die von der Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA) unterstützt wird, in der sich Studenten beider Seiten treffen. Sie will aber, dass alles so bleibt. "Wir sind lieber unabhängig, als dass wir uns in einem Größeren verlieren" , sagt die Studentin aus dem Niemandsland.

Lena gehört einer Generation an, die den Krieg nur aus Kindheitsbildern von Flugzeugen in der Luft, einem Sommer bei Verwandten in der Ukraine und nervösen Eltern kennt. Wie viele von diesseits und jenseits des Dnjestrs ist sie zu jung für eine gemeinsame Vergangenheit. Und wohl für eine gemeinsame Zukunft. (Adelheid Wölfl aus Tiraspol, DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2010)

Kommentar posten
17 Postings
Zala Manda
00
Molwanien

ist immer und überall

..|..
02
30.4.2010, 20:03
Im Gegensatz zum Kosovo

muss dieser Möchte-Gern-Staat nicht von unseren Steuergeldern am Leben erhalten werden.

www.stattnetz.de
00
21.10.2011, 08:53

deshalb macht sich auch Frau Wölfl über Pridnestrowien lustig.
Sie kann nur von den Vereinten Nationen nicht anerkannte Nichtstaaten wie das Kosovo gutfinden, da dort gehörig Steuergelder aus dem Westen verpulvert werden, für die man jede Menge Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser in der EU bauen und betreiben könnte.
Der Charakter der Wölfl ist kein sozial konstruktiver.

JeanPaulGaultier
11
29.4.2010, 11:10
Moldawien = rumänisches Territorium !

Die Moldauer wollen wieder den Anschluss an Rumänien, was auch verständlich ist, denn immerhin gehörte Moldau (Moldawien) vor einigen Jahrzehnten noch zu Rumänien und ist somit in "Wirklichkeit" rumänisches Gebiet !

Der gleichen Meinung bin ich jedoch auch vom Kosovo !
Kosovo war immer serbisches Territorium. Wie nehmen sich die Kosoveraner das Recht einen neuen Staat ausrufen?
Wie nehmen sich die Israelis das Recht in ein für ihnen fremdes Gebiet einzudringen und es unter ihrem "Kommando" zu nehmen ?
Das ist das selbe wie wenn ich jetzt zu meinem Nachbarn gehe und sage: "Dein Garten gehört jetzt mir..."

DuesselDoofer
00
die Molwanier wollen zu Muränien, weil....

das von der EU durchgefüttert wird.

wegen nix anderem.

Träume sind Schäume.
00
28.4.2010, 16:59
Wenn man in 1000 Jahren archeologische Ausgrabungen tätigt

Wird man sich die Frage stellen:

Ist dieser Lenin so eine Art Gottheit.
Immerhin findet man sein standardisiertes Monumentstandbild überall.

Ob dann die Leiche seiner Heiligkeit endlich verwehst sein wird, wie lange halten Mumien denn so?

Der_Klingone
03
28.4.2010, 09:53
Diese komplizierten ...

... Identitätsentwürfe sind ein Produkt der Kleinstaaterei die im Osten/Südosten um sich gegriffen hat. Und leider auch ein sehr gefährliches Produkt.

Der Pfad weg von den Bundesstaaten und hin zu den ethnischen Ministaaten mit oftmals großen Minderheiten ist nun 'mal ein Pulverfaß.

Mazedonien, Montenegro oder sogar die Ukraine mit ihren zwei großen Bevöklerungsgruppen haben da einen schweren Weg vor sich.

hobby tirolerin
00
28.4.2010, 08:44
ef3000
01
28.4.2010, 00:25
Fußballstadium ?

wtf?

lb. standard...des kömma aber besser...

mitrovic dejan
610
27.4.2010, 19:49
Grüsse von ADA Agentur aus Österreich

Adelheid Wolf sollte sich eigentlich schämen.
Es gibts kaum ein Bericht in Den sie nicht Jurnalistische Unanpengikheit bewährt.
versteckte Politische Sensuchte kann mann gut Rauslässen.
Ich wahr in Transnistrien.
Und das was Frau Wolf schreibt ist einfach eine Lüge.
Ein Transnistrier Fühlt sich Überhaubt nicht als Moldavier.
Nicht im Geringstens.
Ich wahr daswegen Vor Gericht soga in Chisinau.

neusiedlersee
43
28.4.2010, 13:09
ostfolklore

dieser bericht erinnert ein wenig an "ostfolklore".
er sagt nicht annähernd aus was tasächlich in transnistrien los ist.
transnistrien steht für eine nicht existierende rechststaatlichkeit, für unbeschreibliche armut, (wer nur irgendwie kann, haut ab), es ist dzt. ein hauptverkehrsweg für frauen- und drogenhandel, kurz- ein mafiotisches, künstlich von russland aufrechterhaltenes territorium um deren interessen (nicht legal) durchzusetzen.
verehrter herr mitrovic, ob sie sich nun als moldauer oder als russe oder als transnistrier fühlen ist ihre persönliche angelegenheit.
ihre schuldzuweisungen sind völlig unangebracht.

John Denver
80
28.4.2010, 07:53
deutsche Sprache - schwere Sprache!

zuerst denken dann posten!

EquinoxOmega
02
27.4.2010, 22:53

Die Lage in Transnistrien ist viel komplizierter als sie, sie darstellen. Es stimmt, dass sich die russisch- und ukranischsprachigen Transnistrier nicht als Moldauer fühlen und mittlerweile sind sind auch deutlich in der Mehrheit, da auf Grund von Diskrimination bereits viele rumänischsprachigen Moldauer nach Moldau(Kernland) abgewandert sind. Als ich letzten Sommer in Moldau und auch in Transnistrien war, war die russische Dominanz in dieser Region stark zu spüren, ebenso wie autoritäre Regierung im Sowjet/Neurussen-Stil. Der Grenzübertritt nach Transnistrien war kurz gesagt auch sehr abenteuerlich. Zumindest in der Hauptstadt wirkt das Land überraschend modern (Ampeln mit LEDs), doch am Land ist es tiefste Provinz.

Gerhard1967
29
27.4.2010, 21:58
Unanpengikheit ...

... bis jetzt Ihre Meisterleistung

Liebe Grüße

berti russell
01
28.4.2010, 13:04

ist doch wurscht, oder?

dacko
00
29.4.2010, 15:46

Nein! Hier darf man nur posten wenn man den Einbürgerungstest bestanden hat.

Diversion
42
27.4.2010, 20:16
wow sie kennen -alle- Transnistrier?

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