Wiener Mordfall Israilov

Tschetscheniens Präsident Kadyrow als Drahtzieher

27. April 2010 14:03

Laut Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung steht Präsident im Hintergrund

Wien - Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) sieht in Tschetscheniens Präsidenten Ramsan Kadyrow den Drahtzieher hinter dem Mord an Umar Israilov in Wien. Einen entsprechenden Bericht der Wiener Wochenzeitung "Falter" bestätigte Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft (StA) Wien: "In dem Bericht steht, dass das LVT den Schluss zieht, dass Kadyrow im Hintergrund steht."

Entführung geplant

Der 27-jährige tschetschenische Flüchtling Israilov war am 13. Jänner 2009 nach einer Verfolgungsjagd von zwei Männern in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen worden. Die Anschuldigungen gegen den tschetschenischen Präsidenten hätten sich "aufgrund von Indizien" ergeben, erklärte Jarosch. Der vor rund zwei Wochen fertiggestellte LVT-Abschlussbericht gehe davon aus, dass Kadyrow den 27-Jährigen kidnappen und nicht tötet lassen wollte.

"Das LVT zieht den Schluss, dass er den Auftrag erteilt hat - zur Entführung", sagte Jarosch. "Es scheint so zu sein, dass eine Entführung geplant war und kein Mord. Der hat sich ja erst entwickelt, weil die Entführung schiefging." Dass Kadyrow einem tschetschenischen Geheimagenten im Juni 2008 persönlich einen "definitiven Tötungsauftrag erteilt" haben soll, wies der Sprecher zurück.

Tschetschenischer Nachrichtendienst in Wien

Bestätigt wurde der "Falter"-Bericht hinsichtlich der möglichen Existenz eines geheimen militärischen Nachrichtendienstes der tschetschenischen Regierung in Wien. "Laut Bericht gibt es den Verdacht, dass es einen geheimdienstlichen Nachrichtendienst in Österreich gab", erklärte Jarosch, der zum Wirkungszeitraum keine näheren Angaben machen konnte. Gemäß dem "Falter" war es das Ziel des "Kommandotruppe Österreich" genannten Dienstes, Informationen über Asylwerber in Österreich zu sammeln, um diese entführen bzw. töten zu können.

Thema sei in dem Bericht einmal mehr der abgelehnte Personenschutz für Israilov, der sich bedroht gefühlt habe, berichtete der "Falter". Nun stehe fest, dass der 27-Jährige wochenlang ausspioniert worden sei. Jarosch konnte dies nicht bestätigen. Dass die Tat geplant war und Israilov beobachtet wurde, sei jedoch logisch, meinte er.

Anklage gegen drei Tschetschenen in Vorbereitung

Die StA bereitet derzeit die Anklage gegen drei in U-Haft sitzende Tschetschenen vor. Turpal Ali J. wird beschuldigte, bei der Tat dabei gewesen zu sein und den Israilov gemeinsam mit dem mutmaßlichen Todesschützen verfolgt zu haben. Geschossen haben soll ausschließlich der noch flüchtige Komplize, der den Behörden namentlich bekannt ist. Verdächtig sind weiters der mutmaßliche Fluchtwagenfahrer Otto K., der laut Jarosch als Kadyrows direkter Kontaktmann gilt, sowie ein weiterer Landsmann Israilovs als Beitragstäter. Auch weitere Tschetschenen würden von der Polizei belastet, so der "Falter".

Telefonat mit Vertrautem Kadyrows

Unmittelbar nach dem Mord gab es laut StA ein Telefonat zwischen einem der U-Häftlinge und einem Mann in Tschetschenien, der einen Ruf als rechte Hand Kadyrows genießt. Der Präsident wurde von Beginn an mit dem Mord in Verbindung gebracht, da er Israilov auf eine kolportierte Todesliste gesetzt haben soll. Das Mordopfer hatte laut seiner Familie eine Anzeige bei der russischen Staatsanwaltschaft sowie eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gegen Russland wegen Folterungen und Verbrechen unter dem Kommando Kadyrows eingereicht. Israilov sei früher zur Arbeit für Kadyrow gezwungen worden, hieß es.

Dass Kadyrow nun von der Wiener Polizei zur "Aufenthaltsermittlung" ausgeschrieben werde, bestätigte Jarosch nicht. Die Polizei mache so etwas nur im Auftrag der Staatsanwaltschaft, hieß es bei der Exekutive. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2
El Chó
28.04.2010 12:30
Das heißt also, Frau Fekter tritt endlich zurück...?

Achso, da habe ich ja der ÖVP einen Rest an Anstand unterstellt... mein Fehler!

Eliaine
28.04.2010 12:25
Frau Fekter

freut sich, dass die Tierschützer-Kriminalität zurückgegangen ist.
Nach diesem durchschlagenden Erfolg des Mafiaparagraphen wird sie wohl nicht so bald zurücktreten!

Eliaine
28.04.2010 12:12
Schande und Schuld

Dass ein Mensch, der Kadyrow vor dem Menschenrechtsgerichtshof angeklagt hat,bei uns keinen Schutz bekommt,zeigt, wie wenig Bewußtheit es von der Welt "außerhalb unsrerer vier Wände" gibt.
Geradzu eine Einladung für Spionage und Kriminalität bis hin zum politischen Mord.Ganz abgesehen von einer unerhörten menschenrechtlichen Schieflage.
Frau Fekter erschöpft sich lediglich an boshaften Bemerkungen und zweifelhaften Regelungen, darüber hinaus scheint ihr alles zu entgleiten.
Und was verspricht sich Herr Putin davon, einen Sadisten und Folterer als Bollwerk gegen die tschetschenische Rebellion einzusetzen?

es ist das höchste der gefühle
28.04.2010 11:46
wenn putin wollte würde der seine mutter im schlaf erwürgen!

Barbarossa di Roma
28.04.2010 10:48
hab das gefühl der ist aus einem james bond film herausgehüpft mit seiner goldenen pistole

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
28.04.2010 07:14
Fektersche Einschätzung


Tschetschenen? Geheimdienst? In Österreich?
Nie und nimmer!

Personenschutz? Wozu?

Gefahr geht von Asylwerbern aus! Sind kriminell, stellen hohes Sicherheitsrisiko dar! Gehören alle eingesperrt!

Oh, was für eine taube Nuss...

Vierter Mann
28.04.2010 08:22

Nicht nur von Asylwerbern. Mindestens zwei der Tatbeteiligten waren bereits anerkannte Flüchtlinge.

Yes we try
28.04.2010 02:11

Nicht einmal in totalen Trash-Movies kommen Gestalten wie Kadyrow als "Präsidenten" vor, hier schlägt die Wirklichkeit wieder einmal das schlechteste Drehbuch!

hexe caracas
27.04.2010 20:59
machen wir uns nichts vor

und tun wir als ob...

Karl Labruni
27.04.2010 20:19
Im Standard werden jene, die in Tschetschenien...

... Kadyrow (und somit die politische Führung) bekämpfen, Terroristen genannt - wenns Putins Propagandamaschinerie so vorgibt.

Ex-Muslim
28.04.2010 13:51

Befürworter der Scharia sind für dich was?
Macht die Diktatur nicht besser, aber die Islamisten legitimieren sie.

J. R.
27.04.2010 19:21

Interessantes Wording des Hr. Jarosch. Er sprach von Mord, etwas später von misslungener Entführung. Am Ende des Interview hieß es nur noch Entführung. Gegen einen Präsidenten von Putins Gnaden wird unsere „unerschrockene“ Justiz wohl keine Anklage erheben.

NONE
27.04.2010 19:15

Das ist kein "Präsident".

Das ist der durch Putin installierte Mörder.

Man braucht hier gar nichts schönreden, in einer normalen Gesellschaft wäre Kadyrow im Gefängnis.

In Russland dient er Putin und bleibt an der Macht.

Widerlich.

Pro Freistaat Kärnten!
 
27.04.2010 22:13
soweit ich mich entsinne,

bin ich nicht immer deiner meinung.

hier stimme ich dir uneingeschränkt zu.

max meier562
 
27.04.2010 21:44
die ganze russenregierung

ist eine terrorbande die das land mit militaer, geheimdienst plus mord und todschlag regiert. der oberboss von denen wurde ja gerade in OE empfangen wie passt das ?

tipp ex
27.04.2010 20:50
Re: In einer normalen Gesellschaft ....

In einer normalen Gesellschaft wäre auch Scheuch schon längst im Gefängnis.

El Chó
28.04.2010 12:24

...und Grasser... und Meischberger... und Westenthaler.

Raphael Hythlodeus
27.04.2010 20:00
in einer normalen gesellschaft wär so mancher im gefängnis, da braucht man gar nicht nach tschetschenien schauen, da könnt ma hierzulande mal anfangen.

Pro Freistaat Kärnten!
 
27.04.2010 22:14
verbring mal ein paar monate

in tschetschenien.

dann reden wir weiter über deinen zynischen vergleich.

Cassidorus
 
27.04.2010 22:30
Stimmt, aber davor kasteln wir mal

die Scheuchs, den Kulterer, den Dörfler und den T.Berlin ein, damit sich der Elsner nicht einsam fühlt.

MartinB
28.04.2010 10:04

und das unschuldsvermutungslamm karliheinzi

GTV916
 
27.04.2010 18:40
Ich nehme an...

daß die Innenministerin Tschetschenien als "sicheres Drittland" betrachtet ?

Desaster
28.04.2010 00:59

Jedenfalls sind Polen, die Sowakei oder Ungarn für Tschetschenen weit sicherer als Österreich.
Die Konzentration gut integrierter tschetschenischer Killerkommandos ist in Österreich am höchsten.

Der Rathausmann
27.04.2010 19:13
Warum soll sie das nicht annehmen?

Die Mafiosis sind nirgends sicherer als dort!

Simplicius Simplicissimus
27.04.2010 19:22
Und ...

... in Grinzing ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.