Sicca Syndrom

Brennende Augen am Monitor

Eva Tinsobin, 3. Mai 2010, 15:45
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    foto: otto schmut

    Univ.-Prof. Mag. Dr. phil. Otto Schmut forscht als Biochemiker in den Laboratorien der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz und erhielt 2000 den Sicca-Forschungspreis des Berufsverbands Deutscher Augenärzte.

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    foto: a. j. griesmayr/tears4you

    Mag. Griesmayr war in seiner Jugend selbst mit trockenen Augen konfrontiert und möchte mit Tears4You "eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen mit trockenen Augen im deutschsprachigen Raum" etablieren.

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    foto: apa/friso gentsch

    Die Zunahme von Bildschirmarbeit und Klimaanlagen, verstärkte ultraviolette Strahlung, bodennahes Ozon oder Autoabgase führen zur Entstehung des "umweltindizierten" Trockenen Auges.

Immer mehr Menschen leiden unter dem "Office-Eye-Syndrom": Augenbrennen, Trockenheit und Fremdkörpergefühl bei der Arbeit am Bildschirm

"Tage mit zwölf Stunden am Monitor sind keine Seltenheit", berichtet Elektronikstudent Wolfgang H. Insbesondere wenn sich mehrere Tage intensiver Bildschirmarbeit aneinander reihen, bekommt er das deutlich zu spüren. Das Spektrum der Beschwerden, unter denen H. leidet, reicht von geröteten Augen über das Gefühl von Trockenheit und Kratzen bis zu erhöhter Kurzsichtigkeit. "Das Befeuchten der Augen mit Wasser oder intensives Blinzeln verbessern die Situation nicht. Nur einige Tage ohne Bildschirmarbeit tragen zur Regeneration bei."

Das Office-Eye-Syndrom

"Wenn bei langem, eintönigem und angestrengtem Schauen die Augen trocken werden, kann das sogenannte Office Eye-Syndrom dahinter stecken", erklärt Otto Schmut, Biochemiker an der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz. Das Office Eye-Syndrom fällt in das Krankheitsbild "Trockenes Auge" oder "Sicca Syndrom" (lat. "trocken"). Grundsätzlich lassen sich mehrere Auslöser unterscheiden: eine zu geringe Produktion, eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit, oder aber ein verminderter Lidschlag. Die jeweiligen Ursachen sind vielfältig. Diabetes, Allergien oder Schilddrüsenerkrankungen könne ebenso trockene Augen verursachen, wie die Einnahme diverser Medikamente.

Reduzierte Blinzelfrequenz

Bei allen Tätigkeiten, die einen konzentrierten Blick auf eine Stelle erfordern, wie beim Lesen, Fernsehen oder bei der Arbeit am Monitor, reduziert sich die Blinzelfrequenz. "Dadurch ist die 'Scheibenwischerfunktion' der Lider zur Verteilung des Tränenfilms unzureichend", erklärt Schmut den Entstehungsprozess des Office Eye-Syndroms. Der verbrauchte Tränenfilm wird langsamer abtransportiert, neue, frische Tränen nur dürftig verteilt. Darüber hinaus spielt sich die Arbeit vor dem Bildschirm meist in trockenen und klimatisierten Büros ab, was zu einer rascheren Verdunstung des Tränenfilms beiträgt. Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren entstehen an der Augenoberfläche schlecht befeuchtete Stellen, die sich als Brennen, Trockenheit, Juckreiz, Rötung und einem Fremdkörpergefühl präsentieren.

Immer mehr Betroffene

Diese Symptome sind nicht nur unangenehm, sondern beeinträchtigen die Lebensqualität derer, die darunter leiden. Otto Schmut: "Die Anzahl der Betroffenen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und mittlerweile soll jeder zweite bis dritte Patient, der einen Augenarzt aufsucht, über Beschwerden im Bereich Trockenes Augen klagen." Der Experte macht eine Reihe von Gründen dafür verantwortlich: Die Zunahme von Bildschirmarbeit und die steigende Verwendung von Klimaanlagen und die verstärkte ultraviolette Strahlung. Bodennahes Ozon oder Autoabgase führen zur Entstehung des sogenannten "umweltinduzierten" Trockenen Auges.

Ob es sich nun um ein umweltinduziertes Trockenes Auge, ein Office Eye-Syndrom oder eine andere Form des Trockenen Auges handelt, die Diagnose erfolgt in der Augenarztpraxis oder in einer Klinik mit Spezialambulanz und angeschlossenem Speziallabor. Schmut über die gängigen Untersuchungsmethoden: "Der seit über hundert Jahren angewandte Schirmer-Test sagt etwas über die Menge der Tränenflüssigkeit aus, die das Auge produziert. Die Break up time (BUT) etwas über die Qualität des Tränenfilms und wie lange dieser die Augenoberfläche benetzen kann."

"Praktisch keine Heilung"

So komplex die Ursachen des Trockenen Auges, so verschieden die möglichen Therapieansätze: von künstlichen Tränenersatzstoffen oder Medikamenten, über eine Änderung des Lebensstils bis hin zu chirurgischen Sanierungen zur besseren Verteilung des Tränenfilms beziehungsweise  Wiederherstellung der Augenoberfläche. Eine Diplomarbeit an der Medizinischen Universität Graz widmet sich der Erfassung der Tränenersatzmittel, "doch bei ihrer Fertigstellung ist sie bereits überholt, da monatlich neue Präparate am Markt auftauchen", erzählt Schmut.

Auch die Korrektur von Fehlsichtigkeit habe einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und die Beschwerden des Sicca-Syndroms, weiß Schmut, "aber wenn das Trockene Auge einmal chronisch geworden ist, gibt es praktisch keine Heilung mehr."

Selbsthilfe

Um ratlosen Patient zu helfen, hat A. J. Griesmayr die Initiative Tears4You ins Leben gerufen: "Wir wollen eine verlässliche und unabhängige Anlaufstelle für Menschen mit Trockenen Augen sein." Der Weg zum Ziel besteht in der gemeinsamen Produktion von Informationsvideos mit Augenärzten, oder im Erstellen einer Empfehlungsliste von Augenärzten, die sich auf das Trockene Auge spezialisiert haben. "Darüber hinaus versuchen wir Anstöße zu geben, die allgemeinen Rahmenbedingungen zu verbessern, indem wir etwa das Feedback von Betroffenen an die Augenärzte weitergeben, diese bei einer patientenfreundlichen Behandlung unterstützen und alle Akteure bei ihren Bemühungen rund um das trockene Auge in die Kommunikation einbinden.

Eigeninitiative

Damit das Trockene Auge nicht chronisch wird, empiehlt Griesmayr Betroffenen ihre Augen mit folgenden Maßnahmen konsequent zu entlasten und zu schützen:

  • Regelmäßige Pausen: bewusst vom Bildschirm wegschauen und die Augen entlasten, Spaziergänge etc.
  • Blinzelübungen und Augenpausen
  • Sitzen in Durchzugsräumen vermeiden
  • Gut lüften und für ausreichend Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit sorgen. Die Verwendung von Klimaanlagen und Heizungen reduzieren.
  • Zur Bildschirmeinstellung: Den Monitor so positionieren, so dass man leicht auf ihn herabblickt und die Monitorauflösung hoch genug einstellen. Ein Blenden des Bildschirms durch Lichtquellen vermeiden, dabei aber auf ausreichend Raumlicht achten.
  • Bei häufigen Symptomen helfen spezielle Brillen, die eine Art Feuchtigkeitskammer erzeugen, sogenannte "goggles".

Otto Schmut empfiehlt, nicht nur starr auf den Bildschirm zu blicken: "Wir haben an der Universität auch ein Computerprogramm entwickelt, das den Menschen optisch oder akustisch daran erinnert, zu blinzeln." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 4.5.2010)

Informationen:

Andreas Wedrich, Otto Schmut und Dieter F. Rabensteiner: "Trockenes Auge. Alles zum Sicca-Syndrom". Verlagshaus der Ärzte, März 2009.

Tears4You ist eine gemeinnützige Patienteninitiative rund um das trockene Auge.

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14 Postings
Rob Edge
00
Warum soll man immer gleich.....

.... Medikamente und künstliche Augenflüssigkeitspäparate verwenden wenn es auch was Natürliches gibt was Linderung verschafft. Ich kenn einige denen eine Augenbehandlung mit Jodsole sehr gut geholfen hat.

http://www.badhall.com/heilquell... -auge.html

high speed dirt
00
kommt das nur mir so vor,

oder ist das Dauerarbeiten an einem Flatscreen spürbar anstrengender als an einem 100Hz Crt ?

Der Seppl
 
00

Eigentlich hab ich nur gegenteilige Erfahrungen gemacht. Bei so gut wie allen CRT musste ich die Helligkeit immer sehr hoch Einstellen, damit halbwegs eine Bildqualität dabei rauskam.

Die TFT kann ich generell dunkler betreiben.

Was ich schon immer gemacht habe, ist die weiße Hintergrundfarbe von Fenstern auf ein Grau einzustellen, wirkt wesentlich weniger grell (geht halt nur in der klassischen Ansicht und nicht im Klicki-Bunti Kaugummiautomatenstil von XP/Vista/7)

Ich gib mir immer selber ein paar Grüne!
00

Die klassische Ansicht ist aber auch immer die beste fürs Auge!

heliopolis
01

Also ich hab meine Augen noch nicht brennen gesehen, und wenn schon, dann löscht es sich immer gleich mit der Augenflüssigkeit.

Wastl Steinbeisser
08
Frage an die Experten

ich schlafe aus Sicherheitsgründen immer mit einem offenen Auge - ist das auf Dauer schädlich?

Michael Jack Dundee
 
00

Offene Augen beim Schlafen trocknen auch aus. So meine Erfahrung. Zum Glück passiert mir das selten.

Scott Bold
10

Wie machst du denn das? Und warum machst du das? Zu viele Thriller gesehen? (sorry, falls dein Beitrag ernst gemeint ist)

ChesneyB
00

Ist zwar lustig gemeint, aber das kann echt ein Problem werden. Es gibt Leute, bei denen die Augen im Schlaf nicht ganz zu sind. Und die können dann austrocknen (weil man im Schlaf ja nicht blinzelt), was wiederum zu Entzündungen führen kann.
Abhilfe schafft z.B. eine Augenbinde, die dafür sorgt, daß die Augen zu bleiben, oder ein Feuchtigkeitsgel, das man Abends in die Augen gibt.

Chocoholic
02
Ganz wichtig! Hintergrundhelligkeit und Bildschirmhelligkeit sollten nicht zu unterschiedlich sein.

Viele junge glauben, sie koennten sich im dunklen Zimmer mit hellem Bildschirm am Besten konzentrieren. Das ist aber nur kurzfristig moeglich und ausserdem fuer die Augen extrem anstrengend.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie sehr konzentrierte Bildschirmarbeit (man vergisst ja die Augen Pausen) die Augen in Anspruch nehmen kann.

Schuld sind auch falsch montierte Beleuchtungskoerper ueber den Arbeitsflaechen (mit Blendschutz versehen und in der richtigen Lichtqualitaet), falsch aufgestellte Bildschirme (die sollten 90 Grad zum Fenster haben), nicht zu nahe am Bildschirm sitzend, etc etc etc. alles wuerde natuerlich Zeit und Geld kosten, es zu beruecksichtigen, das ersparen sich die meisten Firmen UND Menschen....

twertwert
02
Stimme zu...

... wenn man die Zeit bedenkt, die viele Menschen, sei es arbeitsmäßig oder in der Freizeit, vor dem Computer verbringen, geschieht da viel zu wenig in Richtung Aufklärung was (ernsthafte und weitreichende) Gesundheitsschäden betrifft.

Damit meine ich nicht in erster Linie die Augen.

Marc WITKOWSKI
01
Praeventivkräfte fragen!

Habt Ihr in Eurer Firma keinen Arbeitsmediziner (wurde früher auch "Betriebsarzt" bezeichnet) oder Sicherheitstechniker?
Beide können beraten, Hilfestellung geben und ggf. auch gleich die richtige Bildschirmposition einstellen!

Chocoholic
00
Sie sind wohl im Traeumeland gelandet? Betriebsarzt?????

Sicherheitstechniker????

Darf ich Sie informieren, dass viele Angestellten in Kleinfirmen oder Familienbetrieben oder als Selbststaendige von zu Hause arbeiten.

Zusaetzlich habe ich noch keinen Betriebsarzt gekannt, der die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz gekannt hat, noch kann man fuer die richtige Sitzhaltung eine 0815 Berechnung durchfuehren, weil es fuer alle unterschiedlich ist, und der Betriebsarzt kann auch nicht neben jedem Schreibtisch stehen und falls sich der Arbeitende zu sehr in seine Arbeit vertieft, ihn dazu ermahnen, sich wieder weiter nach hinten zu lehnen.
Es muesste Sache der Inneneinrichter sein, alles richtig zu machen, aber dann werden Tische verrueckt und schon passt es nicht mehr.
Aber lieb, ihr Kommentar.

Mag Filip
03
Wir haben einen bzw. mehrere Mediziner und

machen auch HSE-Begehungen, und, und, und...
nützt alles nix, wenn
- Budgetphasen
- Planungen
- wasweisichdennwasnochsoooowichtiges

es zu erledigen gilt und die Leute von Morgens bis spät in der Nacht vor der Glotze verbringen...

* seufz *

da wird man ja schräg angesehen, wenn aus der Reihe getanzt wird.

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