Im Mai starten die Präsentationen der Expo 2010 - Einige Länder, auch Österreich, wollen auch mit virtuellen Pavillons auffallen
Wenn Kaiserin Sisi, Dirndl-Model Anna und der gute, alte Amadeus in verschneite Berge und sonnendurchflutete Wälder führen und von Gewässern mit Trinkwasserqualität und den 1441 Zimmern des Schlosses Schönbrunn erzählen, wahlweise auf Chinesisch, dann ist es wieder so weit: Österreich inszeniert sich für Märkte im fernen Ausland. Und wenn die Werbe-Kaiserin zum Videoavatar mutiert und sich Wissenshappen als "Artefakte" am Bildschirm verstecken, ist die Österreich-Werbung auch in der informationsgesellschaftlichen Gegenwart angekommen.
"Expierencing
Pavillons"
Anlässlich der Expo 2010 in Schanghai zieht aber nicht nur Österreich alle virtuellen Register: Die Organisatoren der Weltausstellung stellten den Teilnehmerländern frei, neben dem üblichen Internetauftritt sogenannte "Expierencing Pavillons" im Internet anzufertigen, die die aufwändigen Inszenierungen der Schanghaier Messebauten in die Weiten des Internets tragen. 28 der mehr als 240 Teilnehmerstaaten- und Organisationen griffen die Anregung auf und ließen ihre Pavillons als interaktive Erfahrungsräume im Internet professionell umsetzen, um Unternehmen, die Kontakte in China und der Welt knüpfen wollen, mit dem entsprechenden Image einer kulturell reichhaltigen Herkunft zu grundieren.
Im Ringen um Aufmerksamkeit muss sich die Österreich-Inszenierung, die bereits online verfügbar ist, ab Mai weltweiter Konkurrenz stellen. Der aufwändige, bereits abrufbare Online-Pavillon der chinesischen Provinz Guizhou erinnert etwa an die in Fernost beliebten Online-Spielewelten. Frankreich wirbt auch mit einem kompletten 3-D-Nachbau.
"Spielerische Wissensvermittlung"
In Österreich bekam das im vierten Wiener Bezirk beheimatete IT-Studio Ovos den Zuschlag für den virtuellen Pavillon. Dreieinhalb Monate wurde unter Hochdruck an der "spielerischen Wissensvermittlung" gearbeitet, wie Ovos-Chef Jörg Hofstätter das Projekt im Standard-Gespräch beschreibt. Das Ergebnis ist nun einsehbar (siehe Webtipp).
Die Aufgabe des in Flash programmierten Auftritts sieht Hofstätter darin, den "Grundriss des Pavillons in ein virtuelles Navigationssystem zu übersetzen". Was nicht heißen müsse, reale Räume als 3-D-Abbild nachzubauen. Ausgangspunkt ist zwar auch ein 3-D-Außenmodell der Pavillonarchitektur (siehe Bild unten), ein futuristisches Navigationssystem und erwähnte Promi-Avatare führen aber zu audiovisuellen Collagen, die versuchen, mit einprägsamer Atmosphäre Erinnerungswerte zu schaffen.
Zufrieden
In Österreichs Expo-Büro in Schanghai gibt man sich äußerst zufrieden mit der Umsetzung des virtuellen Pavillons. Für die aufwändigen Internetauftritte werden hohe Reichweiten, vor allem in China, erwartet.
Zur Messe in Schanghai sollen 70 Millionen Besucher kommen, zwei bis drei Millionen in den Österreich-Pavillon. Für dessen Bau betrug das Auftragsvolumen 5,5 Millionen Euro, zwei Prozent davon flossen in die Inszenierung im Internet. (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe, 27.4.2010)