Ich bin dann Malta und höre Ghana - Dazu gibt's billigstes Bier, interessanten Kaffee, aber vor allem lustige Häppchen - Auch Asche von der Leber kann Rückflüge vereiteln
Ich bin dann Malta, erst auf Gozo, dann auf der Hauptinsel. Eine Reise-Reise, wir wir Journalisten sagen, wenn uns Fremdenverkehrsorganisationen, Hoteliers, Restaurants, Reisebüros, Fluglinien und am besten alle gemeinsam einladen, auf dass wir etwas über die jeweilige Destination schreiben. Der Ehrenkodex der österreichischen Presse verlangt, dass wir dann dem Leser mitteilen, dass wir eingeladen waren, was hiermit jedenfalls für diese Reise-Reise erledigt wäre.
Behaarte Dusche
Wir (also eine Handvoll Journalisten) waren drei Nächte auf Gozo (sehr relaxed, sehr nett, im Kempinski) und eine Nacht im Westin in Valetta (bis auf meine auch nach Beschwerde sehr behaarte Dusche auch schwer okay, aber ich will nicht undankbar sein, ich hatte ja noch ein zweites Badezimmer).
Mich interessiert ja vor allem lokale Küche, am liebsten natürlich lokale, eher ausgefranste Küche. Das Interesse kollidiert natürlich ein bisschen mit der Ambition von Tourismusorganisationen, nach Möglichkeit in die vermutlich besten Lokale zu gehen. Wir waren also bei einem Italiener in Victoria, sehr, sehr ordentliche Weinkarte, ich da halt gerade auf Ramadan, aber dafür kann das Lokal ja nichts.
Da rollt der Schweinebauch
Die Bistecca Fiorentina sehr, sehr super, manchen Menschen mit ausführlicher Italienerfahrung am Tisch halt zu blutig, mir natürlich nicht. Aber ich profitierte ohnehin (wie der ganze Tisch) nur von der gewaltigen Größe dieses T-Bones. Ich hatte eine lokale Fischsuppe entdeckt und einen gerollten Schweinebauch, der auch einen sehr lokal klingenden Eindruck machte. Kann ich also entspannt empfehlen: It-Tmun, obacht, Google warnt. die Website könnte "meinen Computer beschädigen". Mein Magen hat's jedenfalls gut vertragen.
Es geht natürlich noch ein bisserl einfacher und lokaler. Rikardu auf der Burg von Victoria. Lagebedingt natürlich mit hoher Touristendichte. Schmurgelt äußerst anständiges Kaninchen, vor seiner starken Dezimierung offenbar eine Art Landesgericht, soviel gibt's ja auch nicht auf diesen schon Ewigkeiten weitgehend gerodeten Inseln. Regionale Vorspeisenteller liefern örtlichen Ziegenkäse, Oliven, Kapern, feine getrocknete und frische Paradeiser und mit etwas Glück (oder Nachdruck beim Ordern) auch Pastizzi - Blätterteigtaschen mit Ziegenkäse oder Erbsenpüree, schon ganz anständig. (Ta' Rikardu,
Triq il-Fosos, Victoria, Insel Gozo, Malta 00356 2155
5953)
Mogelpackung
Kaninchen hatten wir auch im Porto Vecchio am gozitanischen Hafen, auch gar nicht übel und jedenfalls klar erfreulicher als die ziemlich langweiligen Spinat-Penne mit Dosenshrimps davor. Ich hab die Karte nicht fotografiert, aber die Ankündigung der Meerestiereinlage auf meinen Teigwaren klang mir mondäner. Meiner Tischnachbarin ging's aber ähnlich mit den versprochenen Kürbisblüten im Risotto. Musste ihr doch klar sein, dass der Kürbis um diese Jahreszeit nicht blüht, hörten wir - der Risotto fehlte dann aber auch anständigerweise auf der Rechnung.
Nicht falsch ist auch Fisch direkt am Meer (die vordersten Plätze mittags mit Spritzwassergarantie, wer's mag) in der Bucht von Masalaforn, in einem Lokal mit dem schönen Namen Il-Kartell (habe nicht erfragt, woher der kommt, sorry).
Schnecken mit Musik
Aber wo bleiben nun die musikalischen Schnecken? Ich wollte eigentlich traditionelle Musik (nein, ich frage nicht immer nach Essen!). Unsere kundige Führerin schipperte uns Sonntagvormittag in den Bocci-Club auf Malta, gleich unter Valetta. Also: Bocci-Club, Mini-Hütte, ein paar Tische, vorne drei Herren an der Gitarre plus vier Herren, die sich nacheinander singend veräppeln, wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe. Klingt sehr, sehr schräg. Sehens-, hörens- und essenswert.
Und wer hier im Bocci-Club Getränke ordert - ein paar Bier, ein bisschen, nun, interessanten Kaffee und Wasser gibt's für schlanke drei Euro -, der bekommt auch gleich Häppchen auf Haus serviert. Schnecken zum Beispiel, mit einer dicken, dunklen Sauce. Sehr nett, wirklich. Bestätigt auch ein Kollege, den ich praktisch in die Fühlerlehre nehmen und ihn zu den ersten Schnecken seines Lebens motivieren konnte. Oder auch durchaus anständige, grobe Wurst, mit dicker, dunkler, diesmal currylastiger Sauce. Auch nicht übel.
Hungriger Fahrer
Und wäre da nicht unser fröhlicher maltesischer Fahrer gewesen, der sich ohne große Scheu an unseren Tisch hockte und die Häppchen unverzüglich verputzte, die ich nicht rechtzeitig an mich reißen konnte - ich hätte glatt nichts mehr runtergekriegt bei dem teuren Italiener oben in Valetta.
Die Asche der Leber
Das hätte mir eine gründlich verbrannte Leber erspart. Aber auch den Beweis, dass nicht nur die Asche übermütiger isländischer Vulkane Rückflüge ernsthaft gefährdet. Der zweite Leberversuch verzögerte auch alle anderen Speisen am Tisch gewaltig, dass es da noch richtig eng wurde. Aber eben nur eng. Für überraschende Urlaubsverlängerungen ist die Bestellung von Kaninchenleber eher unzuverlässig.
PS, für meinen nächsten Malta-Trip: Wohin geht Mariella privat essen? Für Kaninchen (Fenkata also) ins L'Iingliz oder Il Barri in Mgarr (spricht man, glaub ich, Dscharr aus). Auch Charlies Inn in Salina empfiehlt sie. Ich bin dann bald mal da, hoff ich, und berichte. Bleiben Sie dran.
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.