Rechnungshof

Milliardenverlust in Niederösterreich

Renate Graber, 26. April 2010, 21:50
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    grafik: der standard

Land unter in Niederösterreichs Finanzen: Risikopotenzial zu wenig beachtet - Wohnbauförderung verspekuliert

Ein Rohbericht des Rechnungshofs zerzaust die Veranlagungsgeschäfte Niederösterreichs. Die Fonds büßten eine Milliarde an Wert ein, das Land ließ sich fast doppelt so viel auszahlen, wie erwirtschaftet wurde.

***

Wien - Der Rechnungshof-Rohbericht umfasst schlanke 73 Seiten - Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka und Landeshauptmann Erwin Pröll (beide ÖVP) macht er freilich alles andere als einen schlanken Fuß. Thema des (auch im Land) unter strengstem Verschluss gehaltenen Berichts, der dem STANDARD vorliegt, sind die Veranlagungen des Landes aus dem Verwertungserlös seiner Wohnbauförderungsdarlehen und anderer Beteiligungen.

Was der Rechnungshof darin für 2002 bis 2008 hart und herzlos konstatiert:"Die Performance der für das Land veranlagten Gelder unterschritt den ... Auszahlungsbedarf für das Land um knapp eine Milliarde Euro ... Der Veranlagungsgesellschaft Fibeg gelang es damit nicht, die vertraglich festgelegten Ausschüttungen an das Land NÖ rein aus den erwirtschaftetenErträgen zu leisten, ohne auf das bestehende Kapital zurückgreifen zu müssen."

Soll heißen: Von den 4,39 Milliarden Euro, die Niederösterreich aus dem Verkauf des Familiensilbers erlöst hat, fehlen 996,79 Mio. Euro (Ende 2008).

Die Auszahlungen ans Land (862 Mio. Euro) haben die Erträge von 487 Mio. Euro um satte 375 Mio. Euro überschritten und die Substanz des Vermögens, das in den vier Niederösterreich-Fonds eingelagert wurde, kräftig angegriffen. Wobei sich das Land um rund 60 Mio.Euro mehr geben ließ, als in den Verträgen als "Mindestauszahlung" festgeschrieben ist. "Damit konnte auch ein Vorgriff auf zukünftige Erträge bzw. auf die Substanz erfolgen", beschreiben das die Prüfer vom Rechnungshof (RH) - und kritisieren, dass man so "weit über die Vorgaben des Landtagsbeschlusses hinaus gegangen" sei.

Die Entwicklung der vier Fonds ist trist. Die Fonds I und II waren laut RH zwar im Schnitt positiv, Fonds III (gibt es seit 2005) und IV (ab 2007) aber bislang immer unter Wasser. Mit einer Ausnahme lagen alle "deutlich" unter den Renditen der Pensionskassen. Die vom Land angestrebte fünf Prozent Zielrendite haben aber sogar die zwei positiven Fonds "deutlich verfehlt". Fonds III und IV konnten per Ende 2008 "selbst unter Hinzurechnung der Ausschüttungen das strategische Ziel des Kapitalerhalts nicht erreichen", liest man im Rohbericht.

Ein Land im Alleingang

Auch was die (im Juli 2009 erneuerten) Veranlagungsbestimmungen betrifft, sparen die staatlichen Kontrollore nicht mit Kritik an den Niederösterreichern. Ab 2003 wurde der Asstet-Mix (60 Prozent Anleihen, 40 Prozent Aktien) zugunsten riskanterer Alternativen Investments geändert - damit "entfernte sich die Fibeg weit von den Beschlüssen" im Land, "ohne die Entscheidungsorgane des Landes in Kenntnis zu setzen". (Zur Erklärung: Die Fibeg verwaltet die Vermögen, gemanagt werden die Fonds von Investment-Gesellschaften wie Aurelius Capital; DER STANDARD hat berichtet). Im Herbst 2005 genehmigte der Fibeg-Aufsichtsrat "unter Ertragsdruck" stehend einen 38-Prozent-Anteil von alternativen Investments, der flugs (nämlich bereits Ende 2006) realisiert wurde. Ein Anteil, den der RH "für ein Veranlagungsportfolio der öffentlichen Hand als zu hoch" einstufte; umso mehr als er diesbezüglich bereits früher zu "besonderer Vorsicht" gemahnt hatte.

Nach der Lehman Pleite am 15. September 2008 herrschte bei der Fibeg und der von ihr engagierten Managern Hektik. Vom 24. September bis 17. Dezember verkaufte die Fibeg Hedgefonds, Aktien, strukturierte Produkte um in Summe 936 Mio. Euro und begann im Oktober Risiko abzusichern.Das goutiert der RH zwar, "bemängelt" aber die Reaktionszeit von "mehr als einer bis zu drei Wochen". Vorsichtig gerechnet habe die "verspätete Reaktion" das Land 50 Mio. Euro gekostet. Man empfehle einen "Notfallplan".

Trotz der Abverkäufe saß die Fibeg Ende 2008 immer noch auf 794 Mio. Euro an "unverkäuflichen oder schwer bewertbaren" alternativen Investments - stolze 22 Prozent der Veranlagungen.

An dieser Stelle treffen Interessierte auf Bekannte aus der Causa Hypo Investmentbank AG, die wegen Finanzierungen von irischen Spezialvehikeln Probleme mit der Aufsicht hat. Die Problemprodukte der Niederösterreicher stecken in Vehikeln wie Augustus, Carolus und Cetium. Diese Fonds seien gegründet worden, um "ähnliche Fonds" der Fibeg, die 2007 abzustürzen begannen, "aufzufangen", sagt der RH. Die Fibeg bezifferte das darin schlummernde Verlustpotenzial mit 40,5 Mio. Euro; sollte sich die Wirtschaft 2010 nicht erholen, "könnten sich die maximal zu erwartenden Verluste aber deutlich erhöhen", erklärt dagegen der RH.

Die komplizierte Struktur der involvierten Gesellschaften (Stiftungen, Fonds auf den Caymans u. ä.) gefällt den Prüfern nicht: "Die personellen und organisatorischen Verflechtungen und sonstige Abhängigkeiten lassen die klare Gewaltenteilung zwischen dem Management und der Durchführung der Geschäfte nicht mehr zu und widersprechen den 'Good-Governance'-Vorstellungen".

Die Landesregierung in St. Pölten hat inzwischen ihre Anmerkungen zum Bericht an den Rechnungshof übermittelt. Der wird sie nun in seinen Endbericht einarbeiten. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1270
der_kleine_pariser
 
05
Niederösterreich und sein KimJogPröll

der umgang mit diesem artikel zeigt mit welcher macht giebelkreuz und ÖVP ausgestattet sind (übrigens auch bei anderen NÖ-online-medien und themen)

ich verfolge z.B. in den niederösterreichischen online-medien die diskussion über die regionalbahnen.

da erscheint ein Artikel zb. über die Aktivitäten der YEG und Veolia und drei Tage später ist er schon weg.

ich lebe seit vielen jahren im Ausland und bin seither überzeugt, dass Demokratie im Sinne von Förderung aktiver Bürger und deren Aktivitäten und Anliegen durch die offizielle Regionalpolitik in österreich gar nicht so schlecht funktionieren. nur Niederösterreich ist da wirklich die sehr traurige ausnahme, da wird alles, was nicht auf Linie von KimJongPröll ist, niedergewalzt.

A Voice
06
30.4.2010, 13:56
Ich bin ja gespannt

ob sich die Leute bei der nächsten Landtagswahl noch erinnern. Das wäre der Moment, Pröll und Co abzuwatschen.

Michl52
00
20.8.2010, 07:12
Die Fakten waren zum Zeitpunkt der letzten Landtagswahl schon bekannt.

Das Ergebnis der letzten Landtagswahl in NÖ ist auch Faktum.
Leider.

The Unpockable
00
22.7.2010, 16:53

bin selber niederösterreicher und glauben sie mir, das wissen nichtmal 3%
dafür sieht man in jeder ausgabe der NÖN herrn pröll auf jeder zweiten seite mit schmalzfresse etwas gutes tun.
von dieser sauerei steht kein sterbenswörtchen

Rene Obermeyer
03

wie denn, die bekommen das ja gar nicht mit

gabi stockmann
 
01

bestimmt nicht...das kurzzeitgedächtnis den durchschnitts-niederösterreichers ist schwach

A Voice
02
30.4.2010, 13:52
Durch Bericht über die Grünen

wieder gut auffindbar.
Da scheint's prinzipiell irgendwieim Konzept zu hapern. Die Siemens-Artikel verschwinden iA auch sehr rasch - und da wäre es die andere Farbe ...

ulli52
 
02
30.4.2010, 13:48
husch husch

plötzlich war er weg, jetzt ist er wieder irgendwie da
------
was alles so mit artikeln passiert...
;-)

haus?
012
29.4.2010, 20:58

wie kann dieser artikel bei den top 5 artikeln mit meisten posts nicht vorkommen? standard ist doch angeblich unabhängig.. traurig.. eine traurige zeit für österreich in der so offensichtlich zensuriert wird..

il nerd
02
29.4.2010, 19:32
... rauf auf

wiki leak mit den artikeln, bald sind sie sonst alle weg ...

baby jane hudson
00
29.4.2010, 21:23
hab probiert den artikel auf fb zu teilen

geht beim 5. mal auch nicht!

Rene Obermeyer
01
30.4.2010, 00:53

ich kenne mich mit facebook nicht aus ;)
aber vielleicht ist es auch besser wenn es nicht geht, man darf nicht vergessen wer in Österreich justiz und innenminister ist
Wer weiß wie schnell da jemand an der Haustür klopft :(

baby jane hudson
00
29.4.2010, 20:53
unglaublich!

valtheWU
03
29.4.2010, 14:07
auch chronologisch gesehen

ist dieser artikel im Wirtschaftresort verschwunden!

28.04.2010 11:02
Hintergrund
Wenn ein Staat Pleite geht
46 Postings

hier sollte er stehen <--------------------missing!

26.04.2010 09:31
Aufgelesen: Blinder darf nicht ins Restaurant
30 Postings

23.04.2010
Anders gefragt: RH-Chef Josef Moser

silent_trust
 
020
29.4.2010, 06:08
Ich möcht da ja keine Verschwörungstheorien fördern,

aber das alle Artikel zu diesem Thema in allen Onlinezeitungen, die ich besuche, entweder gelöscht oder sehr gut versteckt wurden, macht schon sehr nachdenklich!

Rigglerobber
02
29.4.2010, 16:51

in der Pröll-Belangsendung "NÖ heute" sucht man vergeblich nach nur einem Piep zu diesem Thema und der ORF online bringt einen skurril verschwurbelten Artikel, wo nur in einem Nebensatz in der Mitte erwähnt wird, worum es eigentlich geht: http://noe.orf.at/stories/439069/

In der NÖ Landesregierung werden einstweilen die Aktenvernichter heißlaufen und Vorratspackungen an schwarzen Eddings geleert werden ;-)

Klaus Bergmaier
02
29.4.2010, 10:17
Es belibt uns nichts anderes übrig, als den Link hierher auf Facebook immer wieder zu teilen.

Rene Obermeyer
00
29.4.2010, 18:53

oder den gesamten artikel zu kopieren, und quellen samt des Erstellers angeben, verlinken natürlich auch

Nope
010
28.4.2010, 23:03

Die Kollegen vom Kurier haben das auch sehr elegant gelöst: http://kurier.at/nachricht... 997425.php

... ein Schelm, wer Böses dabei denkt :-)

frei raum
03
29.4.2010, 10:49
Zensur wie in China

eine FRECHHEIT!

Tschebetto
09
28.4.2010, 15:56
wenn man im Hauptbereich Wirtschaft...

...sich die TOP5 der gelesenen und gepostenen Artikel ansieht stellt man fest, dass dieser Artikel ebenfalls nicht aufscheint. Noch offensichtlicher gehts ja schon fast nicht mehr!

Tschebetto
00
28.4.2010, 16:11

hab nur auf die 1400 Posts geschaut...scheint ja doch auf aber mit knappen 300 Posts?!

Tschebetto
00
29.4.2010, 08:58
jetzt ist er wirklich weg!

diego71
015
28.4.2010, 13:50

Bitte ebenfalls um Stellungnahme der Standard Redaktion, warum so ein politisch brisanter Artikel nicht mehr auf der Startseite zu finden ist!!!

wayne04
06
28.4.2010, 12:26
na sowas,

der Artikel war einen halben Tag auf der Hauptseite,
und einen halben Tag unter der Rubrik Wirtschaft (hier eher Schwer zu finden).

Hat mittlerweile ca. 1400 Komentare, was ja eigentlich ein guter Indikator ist für die Brisanz dieses Artikels.

Und nun ist der Artikel, 1 1/2 Tage nach Veröffentlichung komplett verschwunden. Man muss explitzit danach suchen.

Tja, was soll man sich da denken.

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