Raiffeisen suchte schon in Deutschland und fand doch einen Wiener - Bisher managte Brandstätter TV-Sender, moderierte und beriet - auch Hypo Niederösterreich - Er folgt Chefredakteur Kotanko nach
Wenn es ernst wird, kommt der mächtige Raiffeisen-Boss Christian Konrad selbst in seine Redaktionen. 2000 etwa versicherte er den etwas verdutzten "profil"-Redakteuren eindringlich, das Magazin werde es trotz "Format" noch lange geben. Wenig später war "profil" zu Format in die Verlagsgruppe News fusioniert.
Montagnachmittag wurde Konrad gleich konkret: Christoph Kotanko muss die "Kurier"-Chefredaktion mit August für Helmut Brandstätter räumen, tat der Raiffeisen-Generalanwalt den Belegschaftsvertretern kund. Headhunter hatten in Deutschland gesucht, gefunden wurde denn doch ein Wiener.
Brandstätter leitete den Report des ORF unter Gerhard Zeiler. Für Time Warner und Holtzbrinck führte er ab 1997 den deutschen Nachrichtensender n-tv. Als Zeiler, inzwischen RTL-Boss, n-tv 2003 übernahm, ging Brandstätter. Den Kanal restrukturiert habe schon er, sagt Brandstätter.
Er beteiligte sich an Puls TV und führte den Wiener Stadtsender als Lokalnachrichtenkanal. Wenige Monate nach dem Start verließ er auch dieses Projekt. Inzwischen gehört der Kanal ProSiebenSat.1 und läuft als österreichweiter Kanal recht rund.
Potenzieller ORF-General
Brandstätter wird stets als potenzieller ORF-General gehandelt. 2006 bewarb er sich, Alexander Wrabetz sammelte mehr Couleurs. 2005 gründete er seine Beratungs- und Kommunikationsagentur BBC, an der sich 2009 die PR-Profis Wolfgang Rosam und Dietmar Ecker sowie eine Düsseldorfer Agentur beteiligten. Brandstätter will seine 51 Prozent bis zum Dienstantritt verkaufen.
Brandstätter moderierte Veranstaltungen von Telekom bis VP Niederösterreich, coachte die Erzdiözese Wien zu den Missbrauchsfällen. Entgegen APA-Infos beriet er nicht die Opferschutzkommission. Mitglied dort ist Ulla Konrad, Präsidentin des Psychologinnenverbands und Tochter von Christian Konrad.
Brandstätter beriet auch Niederösterreichs Hypo Investmentbank, gegen deren Manager die Justiz wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ermittelt - es gilt die Unschuldsvermutung. Brandstätter war ab Jänner Vorstand der Privatstiftung eines der Hypo-Vermögensverwalter.
Kotanko kümmert sich um Digital-Ausgaben
Brandstätter stehe für "Erneuerung und Fortsetzung des Qualitätskurses", sagte Konrad der Redaktion. Der "Kurier" laboriert traditionell an seiner Zwischenposition zwischen Breite und Qualität. Zeitungserfahrung ist für Brandstätter nicht dokumentiert.
Christoph Kotanko, bisher Chefredakteur, soll sich "Kurier"-Ausgaben für digitale Lesegeräte widmen. (fid, gra, DER STANDARD; Printausgabe, 27.4.2010)
Die bisherigen Chefredakteure des "Kurier":
Ab Oktober 1954 Hans Dichand
Oktober 1958 Hugo Portisch
November 1967 Eberhard Strohal
April 1973 Hubert Feichtlbauer
Oktober 1975 Gerd Bacher
November 1975 Karl Löbl
Jänner 1979 Gerd Leitgeb
Jänner 1986 Günther Weissig
September 1988 Franz Ferdinand Wolf
März 1993 Peter Rabl
November 2003 Peter Rabl (Chefredakteur)
Oktober 2005 Christoph Kotanko
August 2010 Helmut Brandstätter (APA)