Finanzierung von Internet-Angeboten ein zentrales Thema beim European Newspaper Congress - iPad ein Hoffnungsträger, aber auch Zensurvorwürfe gegenüber Apple
Die Finanzierung des Journalismus ist in Zeiten des Internets ein schwieriges Unterfangen, aber möglich - dieser Befund war beim heurigen European Newspaper Congress am Montag in Wien zu vernehmen. "Paid Content funktioniert", stellte etwa Romanus Otte, General Manager der deutschen "Welt online", fest. Zumindest junge Nutzer sind für den deutschen Journalisten Florian Treiß ein "Hoffnungsschimmer", denn hier gebe es immerhin Zahlungsbereitschaft für Anwendungen. Großes Thema war auch Apples iPad, von dem sich manche nicht weniger als die Rettung der Verlagsindustrie erhoffen.
"Die Nutzer sind es gewohnt, im Web alles gratis zu bekommen. Es wird schwierig, das umzustellen", meinte Treiß. Er sieht aber einen Hoffnungsschimmer, denn junge Internetnutzer würden zumindest über eine Zahlungsbereitschaft für virtuelle Güter in Spielen oder Netzwerken verfügen. Beispiele für Bezahlmodelle gebe es einige. So bieten etwa das "Hamburger Abendblatt" oder die "Berliner Morgenpost" eine Gratis-Beigabe zum Print-Abo an. Denkbar seien auch das klassische Abonnement im Netz, Einmalzahlungen bzw. Micropayment oder auch "Pay-as-you-wish"-Modelle. Stiftungs-/Spendenfinanzierung sowie Dienstleistungen führte Treiß weiter an.
"Syndication"
Unter dem Begriff Syndication wird der Weiterverkauf von Inhalten verstanden, und unter dem Schlagwort Freemium wird ein Teil des Angebots kostenlos geboten, während für einen Premium-Bereich bezahlt werden muss. Manche Medienmanager treten für den Einzelverkauf von Artikeln, Ressorts oder Rubriken ein. Auch Kombi-Modelle aus Einzelverkauf, "Tagestickets" und Abonnements seien im Einsatz.
Große Hoffnungen setzen die Verlage in die Tablet-Rechner. So verwies Treiß auf die Aussage des Springer-Chefs Mathias Döpfner, der vor wenigen Tagen erklärt habe, man sollte Apple-Konzernchef Steve Jobs täglich dafür danken, dass er mit dem Gerät iPad die Verlagsindustrie rettet. Apple sei allerdings auch mit Zensur-Vorwürfen konfrontiert, denn das Unternehmen entscheide darüber, was sich im Angebot seines App-Stores findet, so Treiß. Manche würden auch davon ausgehen, dass diese Innovation nicht alle Rückgänge auffangen könnten. Man sollte die Erwartungen jedenfalls nicht zu hoch stecken.
Zahlungsbereitschaft
Otte war durchwegs optimistisch: "Paid content funktioniert. Es gibt die Zahlungsbereitschaft. Erfolgsfaktoren sind wertige Inhalte und Dienste, nicht unbedingt Exklusives, starke Marken und vor allem einfache Bezahlsysteme. Das ist entscheidend." Der "Welt"-Manager mahnte aber ein: "Paid Content ist kein Thema für die Bilanzen im Jahr 2010, sondern es geht um den mittel- bis langfristigen Aufbau einer dritten Säule für ein Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus im Internet." Die "Welt" zumindest verliere im Internet keine Leser, ganz im Gegenteil. Mit dem Online-Angebot erreiche man viel mehr Menschen als mit dem Print-Produkt: "Die Herausforderung ist also nicht die Reichweite, sondern die Monetarisierung." Otte erklärte weiters: "Wir sind an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Die Verluste im Print werden durch Online aber noch nicht aufgefangen."
Stefan Weigel von Gruner und Jahr berichtete über die Zusammenlegung seiner Wirtschaftsredaktionen. Die Kosten, Personalstruktur, Kooperation, Marketing, aber vor allem die Themenvielfalt führte er als Vorteile an. Nachteilig jedoch seien der enorme Aufwand bei der Umsetzung und die große psychische Belastung durch die Kündigungen bei den Standort-Auflösungen gewesen. (APA)