Österreich bei Steuerung der Unis Europa-Schlusslicht

26. April 2010, 15:56

Forscherin: Fehlen von Zugangsregelungen und Studienplatzbewirtschaftung "krasse Ausnahme" - In Österreich keine systematische Governance im Bildungsbereich

Wien - Mit dem Fehlen von Zugangsregelungen und Studienplatzbewirtschaftung an den Universitäten ist Österreich in Europa eine "krasse Ausnahme", sagte Sigrun Nickel vom deutschen Centre for Higher Education Development (CHE) bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Forschungsgemeinschaft am Montag in Wien. Österreich landete damit bei einer noch nicht veröffentlichten Studie, bei der die Steuerung von Hochschulsystemen in 33 europäischen Ländern untersucht wurde, an letzter Stelle.

Wie Governance - so der Fachbegriff für die Steuerung von Prozessen durch die Politik, aber auch einzelne Institutionen wie (Hoch-)Schulen - an Österreichs Schulen und Hochschulen funktioniert, wird noch bis morgen bei einem Workshop der Arge Bildung und Ausbildung der Forschungsgemeinschaft untersucht.

Bildungsstandards als "Bluff"

Ein Beispiele für Governance sind etwa die Bildungsstandards. Diese sollen dafür sorgen, dass den Schülern auch tatsächlich jene Kompetenzen vermittelt werden, die im Lehrplan stehen. Immerhin, so der Soziologe Manfred Prisching von der Uni Graz, laufe etwa nur ein Drittel der Matura nach den Spielregeln des Ministeriums ab, "der Rest ist Bluff". Governance soll dafür sorgen, dass trotz möglicher Verweigerung der Akteure oder des Versuchs, die Regeln zu unterlaufen, am Ende des Prozesses "herauskommt, was wir wollen". Die Haltung der EU bei der Quote für das Medizinstudium sei etwa "ein klassischer Fall von Nicht-Governance".

Abstimmung am Hochschulsektor gefordert

Auch die Tatsache, dass in Österreich nach der Volksschule Kinder für die AHS "selektioniert" werden, während beim Uni-Zugang Noten keine Rolle spielen, zeigt aus Sicht der Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Uni Wien das "Fehlen von systematischer Governance auf politischer Ebene". Die Experten forderten daher, dass Governance von Schule und Hochschule vernetzt und koordiniert wird. Auch die verschiedenen Akteure im Hochschulsektor - Unis, Fachhochschulen (FH) und Pädagogische Hochschulen (PH) - müssten sich untereinander abstimmen. Schließlich, so Spiel, erzeugen etwa die Zugangsbeschränkungen an den FH Wechselwirkungen, da abgewiesene Kandidaten dann an eine Unis studieren gehen.

In einem System autonomer Hochschulen ist es laut Prisching "sehr fraglich", was die Politik an Steuerung - etwa im Rahmen des angekündigten Hochschulplans - zustande bringen wird. Die Leistungsvereinbarungen, bei denen das Wissenschaftsministerium und die einzelnen Rektoren über Budget und Verpflichtungen der Unis verhandeln, sind aus Prischings Sicht kein gutes Steuerungsinstrument. "Wenn ich mit Geld steuern will, muss ich große Brocken hergeben." Und, so Spiel, auch die Verringerung der "Hungerleiderbudgets" hätte kaum Auswirkung, weil diese zu einem großen Teil an den laufenden Betrieb gebunden seien. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 26
1 2
pike bishop
00
28.4.2010, 17:40

Vielleicht sollte man auf diesen letzten Platz ja stolz sein (wenn auf der Uni nicht so Gestalten wie der Winkler das Sagen hätten).

Queen of Sheba
 
00
28.4.2010, 12:29
"Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei."

student05
21
28.4.2010, 00:03
Schon befremdlich die Meinungen in diesem Forum

Da wird endlich mal eine externe Quelle zitiert, die sicherlich keine politischen Interessengemeinschaften in Ö angehört und was tut das ideologisch wohl erzogene Publikum - es schimpft auf Governance und die bösen Kapitalisten.
Es bleibt zwar ein Faktum, dass unsere Unis unterfinanziert sind (vor allem die technisch / naturwissenschaftlichen Fakultäten - deren Absolventen sind dann übrigens auch die, die arbeitslosen Sozialpädagogen mit ihren Steuern unterstützen), aber dass mittelweile jeder Dödel (Matura = "Bluff") ders ins Gym geschafft hat, ein Wohlfühlstudium beginnen (und oft nicht beenden) kann überfordert selbst das leistungsfähigste Bildungssystem. Daher sind Aufnahmetests an den Unis nötig.

 
00
Internationationale Spitzenforschung und -Lehre kann nur durch international erfahrenen Manager global positioniert werden.

Dem stimme ich inhaltlich zu. Wir brauchen Konzepte, die u.a. Aufnahmenpruefungen an Unis/FHs vorsehen. Wir brauchen vergleichbare Matura-Ergebnisse, welche - auch um die Leistungen der Lehre an Schulen darzustellen - zentral gesteuert werden soll (Diese 30% Bluff schockieren zwar. Wenn wir uns ehrlich sind, waren sie aber keine Ueberraschung...). Wir brauchen Qualitaet an den FHs und Unis, welche nicht nur durch mehr Geld sondern auch durch mehr Transparenz gewaehrleistet werden kann. Wir brauchen mehr Autonomie an FHs/Unis inkl eines ordentlichen UniManagements: internationationale Spitzenforschung und -Lehre kann nur durch international erfahrenen Manager global positioniert werden.

smea_gol
11
28.4.2010, 15:52

hmm, nachdem ich ihren post gelesen habe, weiß ich, dass es gar nicht genug sozialpädagogen geben kann

tatsaechlich
11
28.4.2010, 00:32
warum sollte die Quelle keiner Interessensgemeinschaft angehören?

An dir zeigt sich leider mal wieder dass u.a. in NaWi Studien(denen du wohl angehörst)wissenschaftstheoretische Grundlagen in den Lehrplänen sträflich vernachlässigt werden - was nicht immer so war,siehe Einstein oder Niels Bohr sowie eine Reihe anderer NaWis anfang des 20. Jahrhunderts,die den Mythos politisch interessenloser Forschung auch für die NaWi selbst schon verabschiedet haben - es ist nicht verständlich warum das che mit dem Predigen von Wunderheilmittel bei Betreten Österreichs aufhören sollte.Ansonsten wünsch ich dir Leistungsträger noch ein schönes Leben voll vorauseilendem Gehorsam(zb Studienwahl - wenn dein Studium keins zum Wohlfühlen ist bist du selber schuld),wir erkämpfen uns die soziale Hängematte für allle schon noch.

Freigeist78
00
28.4.2010, 08:34
Unsinn

Die Unis sind generell unterfinanziert, aber die größte Lücke gibt es bei den Geisteswissenschaften. Das sage ich als Naturwissenschaftler.

"Externe Quellen" verbreiten immer nur die ideologiefreie Wahrheit? *lol* Das ist schon eine sehr einfache Welt in der Sie leben.

Sarang He
11
27.4.2010, 22:40
Unter der Bezeichnung "Governance" versuchen lediglich Bürokraten die "zentrale Planwirtschaft" unter anderem Namen zu verkaufen

sowas nennt man "kaschieren von fachlicher Inkompetenz durch Detailplanung"

smea_gol
12
27.4.2010, 08:49

Governance.
soso.
also wird uns wieder einmal ein schön klingender Begriff vorgelegt, um uns zu zeigen, dass nur zugangsregeln und studiengebühren der pfad ins paradies sind.

was für eine perverse welt.
und einmal mehr sollten wir dafür eintreten, dass die unis nicht nach österreichischem provisoriums-weg beschränkt werden und unterfinanziert bleiben, sondern unbeschränkt werden, und dafür mit ausreichender finanzierung ausgestattet werden.

komisch 825 mio griechenlandhilfe - kein problem
2 milliarden hyp kärnten - kein problem
etc.etc.
aber für die wissenschaft und bildung werden uns 100 mio für viel vorgegaukelt. (abgesehen davon, dass man zuerst wegnimmt um dann wieder "großzügig" zu geben.)
das firmiert unter "armselig".

tatsaechlich
03
27.4.2010, 01:49
soso...

"Governance soll dafür sorgen, dass trotz möglicher Verweigerung der Akteure oder des Versuchs, die Regeln zu unterlaufen, am Ende des Prozesses "herauskommt, was wir wollen"."

?
In Nordkorea weiß ich wenigstens, dass rauskommt was der große Führer will (bloß bei seinem Friseur hat der wohl eine ganze Menge "governance" nötig).
Hier aber gibts governance, selbst wenn sich alle verweigern und niemand das Trumm will, kommt raus, was "wir" wollen...
Entweder erfülle ich das Studentenklischee und komme morgens nur Restfett ins Neue Institutsgebäude, oder aber der Eindruck, dass dort irgendwas von "Die Forschung und ihre Lehre sind frei" im Stiegenhaus steht. Die meinen sogar es stünde in der Verfassung!

Radio Eriwan
02
27.4.2010, 13:35
Sagen wir halt Governance

zum autoritären Zentralismus, damit niemand was merkt.

Dante Alighieri
16
27.4.2010, 01:01

CHE ist ein Lobbyingverein für kommerzialisierte Unibildung. Finanziert hauptsächlich von Konzernen. Insofern: kann man leider nicht ernstnehmen.

FloW ERlebnis
04
26.4.2010, 23:41
Mich widert diese willfährige und forcierte PRopagandaarbeit...


auch im "Standard" zugunsten der ökonomisrten (Hochschul)Bildung schon dermaßen an! Auch wenn's in vielen Fällen "nur" die Agenturmeldungen sind, die die PRopaganda-Aussendungen der dahinterstehenden Lobbys verbreiten.

In diesem Fall: Das CHE ist im Grunde eine PR-Agentur der Bertelsmann-Stiftung, die die durchökonomisierung der Bildung anstrebt.

Siehe unter anderem
http://www.nachdenkseiten.de/?p=5294

http://de.wikipedia.org/wiki/Cent... ung#Kritik

http://de.wikipedia.org/wiki/Bert... ung#Kritik

R.U.GAY
01
27.4.2010, 19:11
Immer gut zu wissen, woher der Wind weht...

Wenn man sich den Wikipedia-Artikel mit angegeben Quellen durch liest, dann erscheinen die Aussagen der werten Dame in ganz anderem Licht.

potz
13
26.4.2010, 17:07

Das CHE hat mit Hochschulbildung ca. soviel am Hut wie der liebe Leitl.

'Studienplatzbewirtschaftung' Das sind ja UDSSR Konzepte, die da aufgewärmt werden. Sicher ein guter weg zur mittelmäßigen Unauffälligkeit.

Fortiter In Re
12
26.4.2010, 22:17
Genau: Großbritannien und die Niederlande...

... direkte Nachfolgestaaten der UdSSR. Und hochschulmäßig sowas von am Sand...

Aber wir in Österreich, wir wissen wie ma's macht, weu mir san mir, gö, potz(blitz)?

Der Kreter
 
21
27.4.2010, 16:32

Zumindest was die Zustände an den öffentlichen Schulen in GB anbelangt, seit diese sich einer regelmäßigen Bewertung durch standardisierte Tests unterwerfen müssen, haben Sie gar nicht so unrecht.
Der vorgeblich "freie Markt" produziert im seiner Ausprägung in Form des "Dritten Weges" tatsächlich so etwas wie Bildungsstalinismus - Überwachung, Gängelung und Vorliebnehmenmüssen mit minderwertigen Diensteistungen für die meisten, Luxus für wenige. Inklusive Vergabe steuerfinanzierter Pfründe an Private, welche ehemals öffentliche Dienstleistungen übernehmen oder neuerfundene (wie z.B. Design und Durchführung von standardisierten Tests) anbieten.

Und GBs Universitäten befinden sich nach 30 Jahren Neoliberalismus ebenfalls im Abstieg.

student05
02
28.4.2010, 00:15

Genau GB Unis sind auf dem ABSTIEG?? Schon mal was von Oxford, Cambridge, der LSE, London Business School, Imperial College gehört??
Die haben nicht nur einen weitaus besseren Ruf als alle Unis in Ö zusammen, sie sind einfach auch viel besser was Studienumgebung, Forschung, Qualität der Lehre betrifft. Und da hab ich noch gar nicht von Unis wie: Edinburgh University, Aberdeen University, Warwick University, etc gesprochen, die ebenfalls sehr gut dastehen.

Der Kreter
 
00
28.4.2010, 09:16
Ja, GBs Universitäten befinden sich auf dem Abstieg, wie generell alle Universitäten,

die wissenschaftliche Qualität auf dem Altar der Marktorientierung opfern, mittlerweile also die meisten. GB hat in Europa hier allerdings etwas Vorsprung, da die neoliberalen Reformen dort ja bereits in den 80ern einsetzten.

Zweifelsohne gibt es in GB immer noch sehr gute - im Neusprech: exzellente - Universitäten und Institute, keine Frage. Universitäten sind ja auch eher träge Institutionen, die sich nicht von heute auf morgen ändern - also auch nicht zerstören - lassen. Auch wenn der Schaden bereits beträchtlich ist und man nur mehr von der Substanz lebt, läßt sich die Fassade durchaus noch einige Zeit aufrecht erhalten.

Siehe
http://www.lambdassociates.org/Blog/decline.htm

Auch interessant
The University in Ruins, von Bill Readings

Josef Handt
00
27.4.2010, 09:36

Uijegerl, nur bitte ja keine Vergleiche! Noch dazu mit dem Ausland! Sonst kaemen wir ja etwa noch zu inhaltlichen Aussagen. Besser an die offizielle Linie halten: Konzerne sind boese, Bildung muss zweckfrei sein, je mehr Studierende das individuelle Diplomstudium Theaterwissenschaften-Psychologie-Volkswirtschafts studieren desto besser funktioniert Demokratie und Bildung in Oesterreich (Betonung liegt auf studieren; zu erwarten dass die auch abschliessen waere schon kapitalistitsch-imperialistisch-amerikanischer Erfolgsfetisch).

tatsaechlich
01
27.4.2010, 17:35
die Verteilung

von Gütern und Leistungen nach marktwirtschaftlichen Prinzipien ist per se undemokratisch - Bildung jedoch als öffentliches Gut (zumindest das sollte ja doch wohl noch drin sein, oder?) sollte tatsächlich nicht von Konzernen dominiert werden. Was Studienpläne et cetera angeht ist "zweckfreiheit" klar ein bildungsbürgerlicher Mythos, aber dann gleich "die Wirtschaft" entscheiden zu lassen, was wie in Bildungseinrichtingungen passiert ist wohl die größere Katastrophe. Und ja, auch für "Demokratie und Bildung".
Im übrigen ist deinem Beitrag nicht die geringste argumentative Substanz zu entnehmen. Polemische Pöblei ersetzt keinen Standpunkt.

student05
00
28.4.2010, 00:27

Bildung wird auch nicht von den bösen Konzernen "verteilt" sondern kann sehr leicht in Ö genossen werden, der sie anstrebt und das dadurch zu erkennen gibt, dass er / sie sich wenigstens ein bissl interessiert / anstrengt.
Wie oft soll man das denn noch erklären: Warum zur Hölle soll ein Soziologiestudent den Anspruch haben, der Staat solle ihm sein gesamtes Studium und vermutlich auch noch die anschliessende Arbeitslosigkeit zu finanzieren? Ein Mädchen, das keinen Ausbildungsplatz als Friseuse findet (oder Tischler), kann auch nicht einfach zum Staat gelaufen kommen und sagen, so jetzt zahl mir meine Ausbildung und ausserdem wenn ich dann (was wahrscheinlich ist) meine Arbeitslosenversicherung. DAS wäre asozial...

potz
00
30.4.2010, 22:38
Die Antwort ist einfach:

gegeben das bisher zur Schau gestellte Kompetenzlevel 'des Staates' und seiner Ressortleiter scheint es extrem unwahrscheinlich, dass dieselben vorhersagen koennen, welche Studienrichtungen in 3 Jahren 'was bringen'.

(es gibt auch bessere Antworten, aber die sind zu komplex fürs Forum, fuerchte ich)

Der Kreter
 
00
28.4.2010, 16:26
Ihre "Argumentation" ist etwas inkohärent.

Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung. Durch ein Soziologiestudium allein erwirbt man keinen Anspruch auf diese Leistung, nur durch vorhergehende Einzahlungen.

Der Staat zahlt im übrigen jedem eine Ausbildung. Öffentliche Volksschulen, Berufschulen, AHS und BHS sind kostenfrei. Und das ist gut so.

Der Kreter
 
00
27.4.2010, 16:07
Die Ironisierung der Wahrheit

(in Verbindung mit 2-3 kleinen Überteibungen und Zuspitzungen) macht diese nicht weniger wahr.

Und daß die "offizielle" Linie eine ganz andere ist, wissen Sie wohl so gut wie ich (oder wollen Sie hier tatsächlich das Märchen vom entsetzlichen Linksruck der veröffentlichten Meinung während der letzen Jahre erzählen?).

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