Wahlbeteiligung: Auch Fischer selbst ist schuld

25. April 2010, 19:34

Die neue Amtszeit wird von Anfang an durch Diskussionen um die Länge der Amtszeit und um den Wahlmodus belastet sein

Die zweite Amtszeit des wiedergewählten Bundespräsidenten Heinz Fischer wird vermutlich noch ruhiger ablaufen als die erste. Denn die Zustimmung ist zwar hoch, aber sie ist nicht von der Mehrheit der Wahlberechtigten getragen.

Die katastrophal niedrige Wahlbeteiligung wurde durch die Weißwählkampagne der ÖVP noch forciert. Leider aber muss gesagt werden, dass Heinz Fischer dagegen kein Rezept fand. Und auch im Wahlkampf selbst immer wieder schwammig war oder seltsame Entscheidungen traf. Einige Beispiele.

Fischer ist als die Stimme der geltenden Gesetze aufgetreten. In jeder auch nur etwas umstrittenen Frage der Innenpolitik hat er sich auf die juristische Landschaft der Republik zurückgezogen - in der Minarettfrage (die ihm in ATV gestellt wurde) sogar auf das Baurecht.

Deshalb konnte er auch ganz unverfroren Wahlhilfe für den burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl betreiben. Als Oberbefehlshaber des Bundesheeres unterstützt er die Patrouillen im Grenzraum, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nähren.

Die Bedenken der Verfassungsrechtler teilt der Verfassungsexperte Fischer in diesem Fall nicht. Da nützt er einerseits den Spielraum der Interpretation. Andererseits möchte er nicht anecken: Hans Niessl gilt jetzt schon als Nachfolgekandidat der SPÖ für Fischer 2016.

Mindestens 22 Millionen, eher über 30, kostet das pro Jahr. Weshalb sich Fischer in nächster Zeit bei kritischen Beobachtern schwer tun wird, sie von der Glaubwürdigkeit etwaiger Sparappelle zu überzeugen.

Dasselbe gilt für die von ihm zu Recht als Wahlargument genannte internationale Erfahrung. Die hat er tatsächlich. Aber er sollte sich in Hinkunft keinen so peinlichen Schnitzer mehr leisten wie die Absage der Teilnahme an den Begräbnisfeierlichkeiten für den verunglückten polnischen Präsidenten in Krakau.

Gerade der Bundespräsident hätte den Zug oder das bequeme große Auto nehmen können, um an den Ort der Beisetzung zu gelangen. Die Ausrede mit dem Dienstrecht (zu lange Fahrzeit für den Chauffeur) gilt ebenso wenig, wie das Auftreten Fischers in der Pressestunde des ORF-Fernsehen. Die wurde nämlich schon am Freitag aufgezeichnet, war also nicht aktuell.

Österreich hat durch die Absenz der Spitzenpolitiker insgesamt keine gute Figur gemacht und gleichzeitig ignoriert, was die Russen mittlerweile perfekt beherrschen: In der Geschichte zu lesen. Einerseits weil Krakau als westlichste Stadt Galiziens einmal zum österreichischen Herrschaftsgebiet gehört hat, andererseits, weil dereinst ein Polenkönig, Sobieski, Wien vor der Eroberung durch die Türken gerettet hat. Aber solche Aspekte werden angesichts der Oberflächlichkeit politischer Debatten in Österreich ohnehin selten diskutiert.

Die neue Amtszeit wird von Anfang an durch Diskussionen um die Länge der Amtszeit und um den Wahlmodus belastet sein. Auch in Form von medial hochgespielte Scheindebatten: Volkswahl oder Wahl durch die Bundesversammlung. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 26.4.2010)

Kommentar posten
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Posten schadet der Gesundheit
01
26.4.2010, 19:37
Anlassgesetzgebung ist sinnlos

sechs jahre Amtszeit sind lang genug, eine zweite Amtszeit ist sinnvoll. wenn der amtierende Präsident seinen job schlecht gemacht hätte wäre eine wiederwahl unwahrscheinlich gewesen. der präsident ist für krisensituationen unabdingbar, das wir diese nicht hatten ist erfreulich. ein gut bezahlter staatsdiener mehr fällt sicherlich nicht ins gewicht!

rotes gfries
00
26.4.2010, 18:02

der standard ist kein qualitätsmedium ... und stellt dies tag für tag unter beweis

sturmwind
00
26.4.2010, 18:01
Die neue Amtszeit wird von Anfang an durch Diskussionen um die Länge der Amtszeit und um den Wahlmodus belastet sein

Schwachsinn. In 1 Monat redet kein Mensch mehr drüber - spätestens nach der Wien-Wahl.

miriam7
24
26.4.2010, 16:05
so peinlichen Schnitzer mehr leisten wie die Absage der Teilnahme an den Begräbnisfeierlichkeiten für den verunglückten polnischen Präsidenten in Krakau.

Peinlicher Schnitzer???

Der verstorbene polnische Präsident war ein Nationalist, der unbedingt in die EU wollte, um dann ganz Europa zu erpressen.
In diesem abgestürzten Flugzeug saß, wie die Polen so schön sagen, die "Elite" des nationalistischen Polen, um an einer "Trauerfeier" teilzunehmen, wo ich gar nicht wissen will, was sie dort nicht alles von sich gegeben hätten. Und wenn dieser Präsident - aller Wahrscheinlichkeit nach - nicht gemeint hätte, von den Russen lass ich mir gar nichts vorschreiben, wäre der Flieger woanders gelandet und das ganze Unglück wäre wahrscheinlich nicht passiert.

Man muss nicht jedem Toten Krokodilstränen nachwerfen.

Mag Filip
10
26.4.2010, 17:02
na, na, na...

Sie schreiben da schon sehr viel Stuss z'samm!

Dormouse
01
26.4.2010, 15:11

stimmt, herr fischer ist selbst schuld, er ist halt eine zu gute wahl...nein, im ernst, die wahlbeiteilugung sinkt sicher allgemein, das hat nicht mit dem präsidentenamt zu tun, bei den nationalratswahlen schauts auch nicht besser aus - sollen wir sie abschaffen?! bei dieser wahl war das hauptporblem dass keine (ernstzunehmende) konkurrenz vorhanden war: wollte man fischer nicht - es gab nicht wirklich eine bessere alternative, wollte man ihn schon - es gab keinen gegner, den mann hätte verhindern müssen...jaja frau rosenkranz, aber ob man wegen der das schöne wetter sausen lässt und zur wahl geht?!

mfg

Henry Flower
04
26.4.2010, 15:09
Ich find's schade, das von den professionellen Besserwissern (Sperl, Thurnher A., Rau, Filzmaier, Öllinger, Mayer, Menasse, Misik und und und) niemand angetreten ist.

Die Intelligenz jenseits von Schwarzblau produziert so eine Riesenmenge an Vorschlägen, wie die Republik zu verbessern wäre; vieles davon sehr lesenswert; aber Initiativen zur Umsetzung oder gar der Mut, dass jemand seine Füße dorthinstellt, wo seine Worte hingewiesen haben, gibt es so gut wie nie.

Kritifaxe
00
26.4.2010, 15:47
tolle Antwort


angesichts der schwarzen Reflexion zum Weiswählen..

flor12
30
26.4.2010, 14:14
-

sehr guter kommentar.

systemfehler1
01
26.4.2010, 13:46
Latürnich ist der Fischer schuld.

Und die Roten überhaupt!
Das geht ja nicht an, dass der konservative Sperling akzeptiert, dass die Schwarzen halt lieber weiß und gar nicht gewählt haben. Da prack ma halt wieder irgendwie auf die Roten hin.
Wozu hat man im Standard sein Schmollwinkerl, wenn nicht dazu?
Der Gipfel journalistischer Dummheit, allerdings nicht vom Sperl geschrieben: Die Behauptung, die Roten hätten ihre Wähler wieder einmal nicht mobilisieren können.
Geht´s noch?

kfd
00
26.4.2010, 18:59
Sperl konservativ

Dass ich nicht lach !

Chien de Pique
10
26.4.2010, 13:42
Keine Angst, die Verlängerung der Amtszeit kommt, ganz ohne Diskussion, über Nacht (wie jene der Legislaturperiode), zu einem Zeitpunkt, wo schon kein Bürger mehr an das Debakel dieser Wahl denkt. Die Parteien sind sich ja bereits ziemlich einig

(sind es, no na, ja immer, wenn es um die Umverteilung von Geld oder Macht vom Volk zu ihnen geht).
Wer Fischer unterstützte und wählte, oder der Wahl fernblieb, hat die Politiker aktiv ermächtigt, die Demokratie weiter abzubauen.
Ein Aufschrei hätte in Medien und Volk erklingen müssen, als er mit diesem unsäglichen Vorschlag an die Parteien herantrat, er blieb aber, wie bei der Verlängerung der Legislaturperiode, vollkommen aus - der Souverän will es also so und würde wohl auch noch weitreichenderen Einschränkungen dankbar applaudieren. Die Politiker erklären uns, dass einzig die indirekte Demokratie (mit möglichst seltenen Wahlen, kosten ja Geld und behindern das Regieren) eine gute Demokratie ist - also wird es wohl stimmen.

systemfehler1
12
26.4.2010, 13:52
Ich zitiere Sie:

Wer Fischer unterstützte und wählte, oder der Wahl fernblieb, hat die Politiker aktiv ermächtigt, die Demokratie weiter abzubauen.


Geht´s eh noch?
Sonst sind Sie ja ganz vernünftig im Argumentieren, aber zu behaupten, dass Fischer-Wähler helfen die Demokratie weiter abzubauen, ist wohl eine ziemlich niese Feststellung.
Entgrünen sie sich wieder ein bisserl......

Chien de Pique
00
26.4.2010, 15:01

Die Verlängerung auf acht Jahre war Fischers Vorschlag, so ziemlich der einzige eigenständige, den man ihn sechs Jahren von ihm vernommen hat. Wie meinen Sie, sollte da kein Zusammenhang bestehen?
Unendlich schlimmer und verantwortungsloser haben natürlich die NichtwählerInnen gehandelt, diese targen die eigentliche Schuld. Aber es hätte, sollte man meinen, jedem klar sein müssen, dass man jemandem, der solche Projekte initiiert, als Demokrat keinesfalls seine Stimme geben darf.

Chien de Pique
00
26.4.2010, 15:08
Sorry, "in sechs Jahren". Mein übergroßer Ärger über diese Chuzpe der Politik beeinträchtigt offenbar meine Tipp- und Rechtschreibfähigkeiten.

Wenn Weißwählen oder Gehring-Wählen angeblich eine Stimme für Rosenkranz war und ein Verrat an der Demokratie (wie die Fischer-JüngerInnen sich das logisch hinkonstruiert haben), ist Fischer-Wählen wohl ganz eindeutig (auch) eine Stimme für Fischers unmittelbar vor der Wahl vorgestelltes persönliches Projekt "sechs Jahre sind nicht genug". Wo sehen Sie da den fehlenden argumentativen Zusammenhang?

Da er selbst nicht von den acht Jahren profitiert, muss ihn wohl latente Demokratiefeindlichkeit zu diesem Vorschlag motiviert haben, anders kann ich es mir einfach nicht erklären.

Quasis Herr Karl
02
26.4.2010, 13:32
Herr Sperl, die Sobieskiwuchtel war ein stichhaltiges

Argument weshalb UHBP die Beisetzung keinen Fall hätte verabsäumen sollen. Den Rest der Wuchtelbackform,lassen sie sich ihn gut schmecken.

 
00
26.4.2010, 13:12
Mann, das tut Ihnen aber weh, Herr Zensor, wenn jemand schreibt, ihr geliebetr HBP hat 60 Prrozent der Bevölkerung nicht hinter sich.

Da werden bis jetzt schon 6 andere postings als Schutzwall vorgezogen, weil Sie's sonst nicht aushalten. Oder haben's in ihrer Wut das posting eh schon elektronisch zerbombt?

fritz101
00
27.4.2010, 00:05
Nicht ...

... so ungeduldig sein. Man mußte wahrscheinlich erst einmal schlucken und versuchen die Dummheit des Arguments zu verdauen :-)
Ned bös sein, aber wirklich gscheit wars echt nicht, oder??

Henry Flower
15
26.4.2010, 12:59
Hr Sperl,

alles schön und gut, aber Fischer hat im Vergleich zu 2004 ein sehr gutes Ergebnis geholt.

Das Problem ist, dass die Hälfte der Wählerinnen einer großen Partei zu Hause geblieben sind oder ungültig gewählt haben, weil diese Partei eine pubertäre Kultur des schlechten "Verlierens" feiert.

Die weiteren Umstände waren eine Wahl ohne echten Gegner und schönes Wetter am Wahltag.

 
23
26.4.2010, 12:54
Er hat 60 Prozent der Bevölkerung nicht hinter sich

Er tut das, was er sein ganzes Leben gemacht hat, er vertritt seine Sozis, die ihm mehrheitlich immer auf schöne Posten gesetzt haben. das haben sie auch diesmal getan. Selbst die Kiste Kreide, die sich Fayman und Fischer wegen des Mengenrabbats gemeinsam gekauft haben, kann das triumphierende G'schau der Sozis nicht aus der Welt schaffen. Augen erkennen manches, was den Ohren nicht zu Ohren kommt. Zum Beispiel die triumphalistischen postings der Sozis hier im Standard.
Er bleibt auch in den nächsten sechs Jahren der Präsident der Sozis, wird Fayman ab und zu hilfreich zur Seite springen, die Schwarzen kritisieren und wird vom Rest der Bevölkerung ignoriert oder nolens volens geduldet werden.

fritz101
00
27.4.2010, 00:20
oje..

da ist ein Posting verloren gegangen. :-))
Also noch einmal. Dreiviertelmehrheit, basta.
Vergleich: im Fußball gewinnt man sogar mit eins zu null...
Das verstehn doch alle, oder?

fritz101
00
27.4.2010, 00:03
HALLOOOO!!!!

ER HAT FAST EINE DREIVIERTELMEHRHEIT DER WÄHLER HINTER SICH!
Wer etwas vom Fußball versteht, weiß: wer zum Schluß mehr Tore hat, hat gewonnen.
Nur Journalisten von "Qualitätszeitungen" und Vizekanzler verstehen das nicht so ganz. Das setzt deutliche Signale im Hinblick auf deren Qualifikation!
Ja, und auch VP Klientel versteht das nicht wirklich.
Bei Schüssel hat es ja auch geheißen, er würde als Verlierer in die Opposition gehen, was ja auch seine eigenen Wähler wollten. Herausgekommen ist dann ein Kanzler. Soviel zur Interpretation von Wahlergebnissen.
Danach haben uns Sperls, Rauschers, Fleischhackers und Co erklärt, wir hätten eine große Koalition gewählt unter Faymann- wer kennt jemanden, der das gewählt hat??
Ich warte auf Kohl :-))

Club-der-dichten-Toten
01
26.4.2010, 16:19

Tja, dann hätte der Rest der Bevölkerung halt etwas tu sollen.

Ich bin beileibe kein wirklich großer Freund vom Fischer, aber er war von den drei die einzige Wahl. Das Jammern "es gäbe keinen geeigneten Kandidaten" hallte ja unverhört bei der ÖVP. An ihr lag es, einen entsprechenden Kandidaten ins Rennen zu schicken, reine parteitaktische Überlegungen ("wir wollen keine "Niederlage erleben") haben das verhindert.

Das jetzt dem Fischer oder der SPÖ ankreiden zu wollen ist schon ziemlich paradox.

Wer nicht wählen will oder wollte, der ist mit dem Ergebnis halt zufrieden oder es ist ihm wurscht. So einfach ist das.

wien 1220
 
01
26.4.2010, 12:53
Ein ewiger Widerspruch

Sich einerseits darüber zu beklagen, dass die Politiker viel zu schleimig sind und sich kantige Aussagen nicht trauen und dann andererseits sich darüber zu beschweren, dass ein Politiker (hier halt Fischer) nicht meine Meinung vertritt, bzw. nicht das sagt, was ich gerne hören würde, ist leider sehr typisch für die schreibend Zunft geworden (egal ob Profi oder Amateur).

PS: Daran, dass es nur diese Auswahl gab, ist keiner der 3 angetretenen Kandidaten schuld. Es wäre jedem (sogar einem Journalisten) frei gestanden, sich selbst oder einen anderen zu nominieren.

E_Rybin
02
26.4.2010, 12:15
das die Hälfte der Bevölkerung zu blöd, zu gelangweilt oder zu faul zum wählen sind ist wohl nicht Fischers Schuld...

eher von sinnlosen Kommentaren wie obigen...

Kommentar posten
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