Gedenken an armenier-massaker

Gescheiterte Normalisierung

25. April 2010, 19:21

Mit der Benennung des Genozids würde der US-Präsident nicht nur das Verhältnis zur Türkei ruinieren, sondern auch den Versuch der Normalisierung zwischen Ankara und Eriwan

Barack Obama hat das "G-Wort" nicht ausgesprochen, er hat nicht einmal eine Rede gehalten. Zum 95. Jahrestags des Beginns des Genozids an den Armeniern ist der US-Präsident zur Wochenenderholung in die Blauen Berge gefahren. Freilich: Die Erklärung, die das Weiße Haus am Samstag zu den Massakern als einem der "schlimmsten Gräuel des 20. Jahrhunderts" veröffentlichte, ist so deutlich, dass jeder, der will, versteht. Obama spricht von einem Völkermord. Und mindestens zwei Jahre bleiben ihm ja noch, um sein Wahlkampfversprechen wahrzumachen, als erster US-Präsident den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich anzuerkennen.

Die Wahrheit ist: Für einen solchen Schritt ist die Zeit denkbar ungünstig. Mit der Benennung des Genozids würde der US-Präsident jetzt nicht nur das Verhältnis zur Türkei ruinieren, sondern auch den Versuch der Normalisierung zwischen Ankara und Eriwan ganz zunichtemachen.

Mangelnder politischer Mut, unzureichendes Engagement der Europäer, das ewige Kalkül mit Gas und Öl haben einen Neubeginn zwischen Türken und Armeniern erst einmal scheitern lassen. Das ist das Thema, nicht das Warten auf das "G-Wort" . Als uneingeladene dritte Partei hat es das autoritär regierte, mit Armenien verfeindete Aserbaidschan dank Energieressourcen geschafft, die Bedingungen für eine Ratifizierung der Normalisierungsprotokolle zu diktieren. Das ist der eigentliche Skandal. (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe 26.4.2010)

Kommentar posten
18 Postings
Sahin A.
10
27.4.2010, 16:40
Herr Markus Bernath

"Die Erklärung, die das Weiße Haus am Samstag zu den Massakern als einem der "schlimmsten Gräuel des 20. Jahrhunderts" veröffentlichte, ist so deutlich, dass jeder, der will, versteht. Obama spricht von einem Völkermord."

Die Erklärung ist so eindeutig, dass Mister Obama glatt vergessen hat das Wort "Völkermord" einzubauen.

Wahrlich tolle journalistische Arbeit die Sie da praktizieren.

Mfg

Gendo
10
28.4.2010, 08:27

Uhh da Freud er sich schon über das nicht Nennung eines Wortes!
Einer der schlimmsten Gräul ist ja nichts.....

Sahin A.
20
28.4.2010, 13:17
Es ist immerhin kein Völkermord

Gendo
10
29.4.2010, 11:53

Nur zum Mitschreiben: ein Tisch bleibt ein Tisch auch wenn man ihn Konstrukt zur Ablage von Dingen nennen will. So bleibt der Völkermord an den Armeniern auch ein Völkermord!

Sahin A.
10
29.4.2010, 13:05
Wow, welch weltbewegender Vergleich.

Gendo
10
29.4.2010, 18:20

Nun ja manche Verstehen es gleich anderen muß man es etwas einfacher machen (wobei hier woll eher das wollen als das können das Problem darstellt, was im Grunde aber schlimmer ist!).

senfspender
21
26.4.2010, 16:44
Die Türkei...

...ist ein selbsterklärter "Heldenstaat", der aus eigenem
Verständnis nie etwas "Böses" getan hat. In einem solchen Land hat eine ausgewogene Aufarbeitung der Geschichte keine Chance. Allerdings sieht man dies außerhalb der Türkei etwas anders, auch wenn es wegen der Überempfindlichkeit der Türken aus diplomatischen Gründen kaum offen ausgesperochen wird.

mehmetali erbil
00
24.5.2010, 15:30
Die Türkei ist kein Heldenstaat ...

... die Türkei ist der Staat überhaupt. Gebt uns die Krone der Welt.

Plaats van Samenkomst
00
26.4.2010, 15:07
"Gedenken an" geht nicht.

Anatolix
21
26.4.2010, 10:05
@admin

warum darf ich hier nichts zu aserbaidschan posten. ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mich aufklären würden.

Faktor I
21
26.4.2010, 07:28
Erstaunlich 2.

Offenbar habe ich meinem Posting einen Begriff verwendet, der ... war. Ging es um die Tatsache, daß wir hier nicht von einer Aktion von Einzelpersonen sprechen, sondern von einer organisierten Aktion eines Staates, der der Vorgängerstaat eines anderen ist??? (Womit dann der offenbar bedenkliche Name des Staates nicht genannt wird).

capoeira17
 
23
26.4.2010, 12:03
haben die Armenier

nichts zu tun ausser das ganze Jahr auf den amerikansichen Präsidenten einzureden, dass er die Geschehnisse als Genozid einstufen soll!!??

Was bringt das?

mehmetali erbil
00
16.5.2010, 13:37
Na ...

... so wie es aussieht bringt es nichts. Schwache Lobby, schlechtes Marketing.

Faktor I
14
26.4.2010, 07:13
Bezeichnend

Es ist für mich sehr bezeichnend, daß zu diesem Anlaß dieselben Leute, die sonst (zu Recht, um das vorwegzunehmen) Erinnerungskultur einmahnen, hier sehr still sind. Weil es hier um den Vorläufer der heutigen Türkei geht, der (organisiert) und als Staat ein Verbrechen begannen hat? Weil man den Deutschen oder Nazis keine Schuld geben kann?? Schade. Also sind Opfer unterschiedlich viel wert?

Anatolix
64
26.4.2010, 07:00
Ich muss Sie leider korrigieren

Obama spricht nicht von einem Völkermord. Er spricht von Greueltaten, Greueltaten haben vorher armenisch stämmige, christliche Staatsbürger des osmanischen Reiches an ihren muslimischen Landsleuten und Nachbarn auch verübt.

Im Exil
00
30.4.2010, 14:24
geschichtsrevisionismus

ist ein tolles hobby

mehmetali erbil
14
25.4.2010, 20:33
Ja warum sollte...

.. der Obama das auch tun??

"Die Erklärung, die das Weiße Haus am Samstag zu den Massakern als einem der "schlimmsten Gräuel des 20. Jahrhunderts" veröffentlichte, ist so deutlich, dass jeder, der will, versteht. Obama spricht von einem Völkermord. Und mindestens zwei Jahre bleiben ihm ja noch, um sein Wahlkampfversprechen wahrzumachen, als erster US-Präsident den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich anzuerkennen. "

Er wird so etwas nicht tun. Und warum soll das so deutlich sein? Deutlich wäre es doch wenn er dieses Wort aussprechen würde.

mehmetali erbil
00
16.5.2010, 13:39
Der Obama ...

... ist ein guter Mann.

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