Ändern oder abschaffen

25. April 2010, 18:59

Jetzt ist es Zeit, das Präsidentenamt und das Wahlrecht zu reformieren

Dieses Votum fiel deutlich aus: Jeder zweite Wahlberechtigte hat sich dafür entschieden, nicht an der Bundespräsidentenwahl teilzunehmen. Die meisten mit der Begründung, es werde ohnehin Heinz Fischer. Mitschuld an dieser niedrigen Wahlbeteiligung sind Grüne und ÖVP, die - wie auch das BZÖ - keine Kandidaten aufgestellt haben. Die ÖVP-Spitze hat mit ihren Aufrufen, weiß zu wählen, ihr übriges dazu beigetragen.

Da auch die FP-Kandidatin Barbara Rosenkranz nicht einmal annähernd die angepeilten 35 Prozent erreicht hat, sollte das Fernbleiben der Wähler eine Aufforderung an alle Parteien sein, das Wahlrecht zu ändern - statt gegenseitiger Schuldzuweisungen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um offen über alles zu diskutieren: von der Amtsausübung bis zur Abschaffung. Das Nachbarland Schweiz kommt ohne Staatsoberhaupt aus. Der Bundespräsident wechselt jährlich, die Bundesversammlung wählt jedes Jahr einen anderen Bundesrat, der dann als Primus inter Pares agiert und das macht, was auch bei uns die Herren in der Hofburg zu tun pflegen: Ansprachen zu Neujahr und am Nationalfeiertag zu halten und das Land bei Besuchen im Ausland zu vertreten.

Da in einer nunmehr kleinen Republik, in der die Hofburg überdimensioniert erscheint und sogar Kabarettisten in der Rolle des "Ersatz-Kaisers" zugejubelt wird, ein solcher Vorschlag derzeit wenig Chance auf Realisierung hat, bleibt nur, die Wahlmodalitäten zu ändern. Eine Lehre aus dem Wahlkampf und dem hohen Nicht-Wähleranteil: Keine Wiederwahlmöglichkeit. Fischer selbst hat stattdessen eine Amtsperiode von acht Jahren vorgeschlagen, was im internationalen Vergleich lange ist. In den meisten Ländern amtiert ein Präsident fünf Jahre. Ein häufigerer Wechsel könnte mehr Schwung in die Hofburg bringen. Für die Volkswahl spricht, dass nicht Parteien, sondern die Wähler direkt entscheiden.

Man darf gespannt sein, ob der wiedergewählte Bundespräsident Heinz Fischer seine Ankündigung, in der zweiten Amtszeit werde er deutlicher werden, tatsächlich umsetzt. Er könnte sehr viel deutlicher werden. Die Macht des Wortes haben deutsche Bundespräsidenten, die viel weniger Befugnisse als ihre österreichischen Kollegen haben, stärker genutzt: Richard von Weizsäckers Aussagen hatte außen- wie innenpolitisch Gewicht, Roman Herzog rief in seiner ersten Berliner Rede 1997 dazu auf, dass endlich ein Ruck durch das Land gehen müsse. Auch Horst Köhler treibt die Regierung immer wieder zu Reformen an. Von Heinz Fischer war höchstens ein leichtes Antippen zu verspüren.

Durch die große Koalition befindet sich das Land in einer großen Lähmung. Bis zu den nächsten Landtagswahlen in der Steiermark und Wien im Herbst steht die reale Politik still, erst dann kommen die Steuererhöhungswahrheiten von SP und VP ans Licht.

Die Zeit sollte genutzt werden, das Wahlrecht insgesamt zu reformieren und gleichzeitig die Vorschläge der OSZE-Wahlbeobachter, die die mangelnde Transparenz bei Parteispenden in Österreich kritisch sehen, aufzugreifen: Nicht nur über das Präsidentenamt, sondern auch über die Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers und die verschiedenen Modelle eines Mehrheitswahlsystems sollte ohne Tabus diskutiert werden. Wenn, wie bei der Präsidentschaftswahl, so viele den Eindruck haben, es bleibe ohnehin alles beim Alten, dann werden immer mehr bei Wahlen zu Hause bleiben. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.4.2010)

Kommentar posten
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Martina Ploier
 
00
28.4.2010, 09:52
Ändern des Wahlvorgangs

Wenn es so unattraktiv ist, gegen einen amtierenden Präsidenten anzutreten, eine Verlängerung der Amtsperiode aber auch nicht gewünscht wird, gäbe es noch einen anderen Ausweg aus diesem Dilemma: Abhaltung einer Volksabstimmung über den Präsidenten nach sechs Jahren. Wird er bestätigt, darf er eine zweite Amtszeit bleiben, wenn nicht, gibt es Neuwahlen mit neuen Kandidaten. Das würde natürlich eine Verfassungsänderung in kleinem Rahmen bedeuten, aber diese wurde schon für ganz andere Dinge verändert.

logophon
00
27.4.2010, 22:14
Habemus HBP! , aber eine Wahl hat viele Funktionen

1. Diese Wahl hat der Kronen-Zeitung und Dichand eine niederschmetternde Niederlage gebracht und
2. bewiesen, dass es Cato + Krone nicht möglich ist, das Wählerverhalten und Wahlergebnis wesentlich zu beeinflussen. (Da bleibt ihm nur noch die Flucht in die geistige Verwirrung (s. Rau).
3. Diese Wahl hat der FPÖ und Strache die größte Niederlage beschert, die er je erlebt hat! Jedenfalls wird es Auswirkungen auf die folgenden Wahlen haben!
4. Diese Wahl hat eine Diskussion über Themen gebracht, welche bei NR-Wahlen üblicherweise untergeordnet sind (die Shoa, Religion) und der Wähler hat klar entschieden!

BP-Wahl: PRÄDIKAT WERTVOLL

Die Institution des BP in Ö ist zur Gewaltenteilung unverzichtbar und wenn durchsetzbar, zu verstärken!

THE MGT.
01
27.4.2010, 16:32

Eine Justiz, die dort, wo es drauf ankäme (Politik, Finanz und dem Graubereich, der sie verbindet), nichts tut, einfach die Arbeit verweigert und Verfahren verschleppt. Dafür werden ein paar Tierschützer über Jahre wie Staatsfeinde behandelt.

Eine Migrationspolitik, die sich darin erschöpft Menschen zu schickanieren wo es nur geht und als Sündenböcke zu mißbrauchen, um von tatsächlichen Problemen abzulenken.

Eine Bildungspolitik, die von standesvertretenden Betonschädeln blockiert und dem Wissenschaftsministerium als Vorzimmer von Industrielobbys mißbraucht wird.

Totalblockade in Sachen Verwaltungsreform, damit ein paar Landespolitiker Steuergeld verteilen können.

DAS sind ein paar der Probleme im Land. Die BP-Wahl ist dagegen egal.

leitfaden
01
27.4.2010, 14:45
was ist eigentlich geschehen?

ein unumstritten starker amtsträger einer großen trat zur wiederwahl an und die zweite große partei stellte - aus angst, ihre wahlerfolgsserie zu beschädigen - keinen mitbewerber auf.

die österreicher nahmen das zur kenntnis und fuhren bei schönem wetter lieber ins grüne als wählen zu gehen.

die chefredaktionen und herausgeber des landes versuchen jetzt relativ verzweifelt, aus dem zusammentreffen von politischer faulheit der övp und pragmatik der österreicher eine kleine staatskrise zu machen.

wofür nun aber überhaupt kein anlass besteht. weder ist das amt beschädigt noch die person diskreditiert oder die wahl irgendwie problematisch.

frau f.-s.: in staatskunde nicht genügend, setzen.

mike sierra
01
27.4.2010, 12:08
So ein Schwachsinn

In den USA werden Präsidenten mit ähnlich niedriger Wahlbeteiligung selbst bei der ersten Wahl (2000: 51,30 %) gewählt. Niemand zweifelt an deren Legitimität:
Wenn US-Präsidenten eine Invasion befehlen, findet sie statt. Alle US-Präsidenten bekommen die Atomwaffen-Codes.

affdsewrq
03
26.4.2010, 19:47
Schaffen wir den Nationalrat ab

weil die Wahlbeteiligung auch da bisher sank.

Christiane Amanpour
 
03
26.4.2010, 19:33
Österreich hat sicher ein Problem mit der Politik. Es hat aber auch ein Problem mit dem Journalismus - und zwar ein großes

Heute haben sich DREI Zeitungschefs für die Abschaffung des Bundespräsidentenamts ausgesprochen.

Fr. Föderl-Schmidt ist noch die sanfteste: Sie will wenigstens eine Diskussion darüber. Der Chefredakteur der Presse schnalzt in sein Blatt, dass das höchste Amt im Staat "noch nicht genug beschädigt" sei. Der greise Krone-Herausgeber will das Ergebnis vom Vortag nicht akzeptieren & fantasiert von einer Volksabstimmung.

Eine Abstimmung HAT stattgefunden - und zwar gestern mit eindeutigem Ergebnis.

Frau Föderl-Schmid ist - wie viele denkende Menschen mit ihr - mit der großkoalitionären Trägheit unzufrieden. Die Neigung zu Koalitionen ist eine Folge des Verhältniswahlrechts.

Das sollte diskutiert werden, bevor man Wichtiges abschafft.

Fritz Wunderlich
10
27.4.2010, 09:29

für die abschaffung der chefredakteure, lasst gleich konrad und dichand vor die kamera
hoppla, beim standard hat ja die erste das sagen

perau1
 
00
29.4.2010, 21:35

???????
haben sie die artikel gelesen, die ihre vorposterin meint? wohl kaum, den sonst könnten sie nicht so "argumentieren".
zwischen den artikeln von fleischhacker u.dichand auf der einen seite und foederl-schmid liegen welten. allerdings muss man sie ohne parteibrille lesen.
man merkt beim standard, dass er weder mit dichand noch mit raiffeisen zu tun hat.

Kontra
11
26.4.2010, 19:00
Also, was das Amt des BP betrifft, bin ich völlig entspannt.

das kann so bleiben wie es ist, theoretisch könnte man (wie in Deutschland) die Wahl durch die Bundesversammlung überlegen, aber es ist mir kein Anliegen. Dieses Geseiere wegen der geringen Wahlbeteiligung halte ich für absurd. Fischer hat die Wahl gewonnen, nicht weil er so gut war, sondern weil seine Konkurenz einfach inferior war.

Abschaffen sollte man die Bundesländer. Deren völlig unnötige Existenz deren einziger Zweck es ist den Hofstaat für exzentrische Landeshauptleute zu schaffen kosten wirklich Geld.

frank franki
12
26.4.2010, 19:25

wenn ich die bundesländer abschaffe, bekomme ich einen verwaltungsmoloch in wien, der mitnichten billiger sein wird.

besser wäre es den ländern die steuerhoheit zu geben, damit sie lernen sparsamer zu werden.
+ das ganze mit direkten mitbestimmungsmöglichkeiten a la schweiz, dann könnte man sich tatsächlich den bp & bundesrat etc sparen...

perau1
 
00
29.4.2010, 21:59

genau, die länder stärker machen und dafür den einzigen, der nur durch das volk gewählt wird und der daher die höchsten kompetenzen hat (die hoffentlich kein BP je einsetzen muss) abschaffen.
am besten, man gibt dem NR und der regierung die kompetenzen des BP, damit sie sich bei bedarf selbst auflösen kann.
übrigends kostet die BP-wahl den steuerzahlerInnen keinen cent, weil es dafür keine wahlkampfkosten-rückerstattung gibt. der jetzige und kommende BP ist besonders günstig, den er bekommt nur die aufzahlung von seiner pension als NR etc. auf das BP-gehalt.

frank franki
00
29.4.2010, 22:04

langweilige polemik...

Mens Sana
00
26.4.2010, 18:58
EINSPRUCH

eine Lösung analog CH macht nur dann einen Sinn, wenn auch die Voraussetzungen dafür geschaffen sind:
1. Konzentration der Ministerien auf die tatsächlich wesentlichen, d.s. Finanzen, Innen, Aussen, Soziales, Justiz, Wissenschaft und Wirtschaft.
2. Sämtliche anderen Ressorts können den oben genannten locker zugeordnet werden.
3. Massive Verwaltungsreform - Verkleinerung der Landtage, Abschaffung der BHs etc.

Solange 1-3 nicht realisiert ist, geht das typisch österreichische Herumgeeiere fröhlich weiter - mit allen voraussehbaren Fehlentwicklungen.

sestrelevante
20
26.4.2010, 18:54
Eine Volksabstimung zur abschaffung und das sofort ,,

Queen of Sheba
 
02
26.4.2010, 18:54
Wer sich auf die Bühne Kelsens begibt, sollte auch das nötige Format haben.

refe1
10
26.4.2010, 18:51

BP abschaffen, unnötige ausgabe usw

leitfaden
00
27.4.2010, 14:46

verfassung lesen, geschichte lernen. bei ihnen allerdings vielleicht vergebens.

Fritz Wunderlich
00
26.4.2010, 18:30

der brave heinzi hat auch die verlängerung der parlamentsperiode abgenickt

derfalke
52
26.4.2010, 18:01
Dieses Amt sollte abgeschafft werden.

Niemand braucht in Österreich wirklich einen Präsidenten in der Hofburg, der nichts bewirkt, aber mit seinem Apparat enorm viele Steuergelder verschlingt.

In St. Anton am Arlberg betrug die Wahlbeteiligung nur noch 22,8 Prozent, das sagt eigentlich alles.

Hannes Kartnig
01
26.4.2010, 18:03
wer braucht st. anton?

Slatin Pascha
01
26.4.2010, 17:53

Jeden Tag eine Neuwahl, das ist die Devise.
Der senile Greis in der Muthgasse fordert schon einen Tag nach der Wahl eine Volksabstimmung über die Wahl von Dr. Heinz Fischer. Krone Seite 3:CATO.
Als ob diese Diffamierungskampagne nicht genug war.
Ein schlechter Verlierer!

Miss Deutung
21
26.4.2010, 17:48

Meine Vorschläge zur Wahlreform:

* Volljährigkeit und aktive Wahlberechtigung erst mit 21
* Landtagswahlen (und Landtage) abschaffen
* passives Wahlrecht auf 70 begrenzen
* Wahlpflicht wieder einführen und Verstöße endlich sanktionieren

Ahenobarbus
00
26.4.2010, 19:11

Es gibt keinen sachlichen Grund das passive Wahlrecht auf 70 Jahre zu beschränken - dies wäre mE Altersdiskriminierung. In Italien wäre ein 70jähriger als Präsident ein richtiger Jungspund, und die sind mit ihren 80+ Staatsoberhäuptern in den meisten Fällen nicht so schlecht gefahren.

Miss Deutung
10
26.4.2010, 21:01

Welchen "sachlichen" Grund gibt es, das passive Wahlrecht für den BP erst mit 35 beginnen zu lassen?
Das ist ein Alter, ab welchem man schon wieder abbaut (ja, ich weiß wovon ich rede).

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