Energieabgabe 1996

Großzügige Ausnahmen machen Energiesteuer nutzlos

Johanna Ruzicka, 25. April 2010, 17:59
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    foto: apa/techt

    Energieintensive Unternehmen, wie hier die Drahterzeugung der Voestalpine, sollten durch die Energieabgabe zu Energieeffizienz erzogen werden. Die Ergebnisse sind bescheiden.

Die Ökologisierung des Steuer­systems wird nun nicht zum ersten Mal versucht

Die Ökologisierung des Steuersystems wird nicht zum ersten Mal versucht. Schon 1996 wurde eine Energieabgabe eingeführt. Diese ist jedoch so löchrig, dass Unternehmen 40 Prozent wieder refundiert wird.

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Wien - Während die Koalitionspartner über eine Ökologisierung des Steuersystems uneinig sind, haben bestehenden Öko-Elemente - Stichworte Energie- und Ökostromabgabe - durchaus das Potenzial, sich zu einem handfesten Krach in der Regierung zu entwickeln. "Wir meinen, dass die Konsumenten nicht weiter für die Beitragsausfälle der energieintensiven Industrie einspringen werden", erklärt AK-Energieexpertin Dorothea Herzele dem STANDARD.

Derzeit wird darüber nachgedacht, wie Ökostrom- und Energieabgabe, eventuell in einem Aufwasch, so umgestaltet werden können, dass sie einerseits EU-konform sind und andererseits auch einen ökologischen Lenkungseffekt haben.

Bei beiden bestehenden Abgaben ist nämlich von einem Lenkungseffekt hin zu mehr Energieeffizienz oder sparsamerem Einsatz fossiler Energien dank großzügiger Refundierungen an die Unternehmen nichts zu merken, wie der Rechnungshof mittlerweile mehrfach kritisiert hat.

Energieabgabe rückvergütet

Dies trifft insbesondere auf die Energieabgabe (Elektrizitäts-, Erdgas- und Kohleabgabe) zu, die 1996 eingeführt wurde und schon damals das Ziel von Ökologisierung und Budgetsicherung hatte. Davon ist nicht viel übriggeblieben. Über die Jahre wurde der Kreis an Firmen, die zu einer Teilrefundierung der Energieabgabe berechtigt sind, laufend erweitert. Mittlerweile wurden rund 40 Prozent der Einnahmen aus der Energieabgabe, die 2008 in Summe fast 1,3 Milliarden Euro ausmachte, wieder zurückgegeben.

Um dieses schnelle Körberlgeld haben sich zuletzt österreichweit 12.411 Firmen angestellt, die so teilweise saftige Steuerrückvergütungen lukrieren konnten: Ein Wiener Unternehmen hat beispielsweise fast 130.000 Euro rückerstattet bekommen. Die grüne Abgeordnete Gabriele Moser kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die Refundierung ohne entsprechende Kontrollen durchgeführt wird. Zuletzt wurden von der Finanz lediglich knapp 130 Anträge auf Rückvergütung eingehender geprüft.

Neues Ökostromgesetz

Auch bei der Ökoabgabe besteht Handlungsbedarf. Wie berichtet, war die Deckelung für die energieintensive Industrie selbst der EU-Kommission zu großzügig. Deshalb ließ sich die Kommission mit der Genehmigung des mehrfach novellierten Ökostromgesetzes zuerst viel Zeit und stimmte dann nur einer interimistischen Lösung zu.

Bis Ende 2010 muss nun ein neues Ökostromgesetz formuliert werden, das einen Aufbringungsmechanismus beinhaltet, der treffender ist. Eine elegante Lösung wäre es, die Ökostromfinanzierung ähnlich wie die Energieabgabe zu gestalten, heißt es nun - allerdings mit weniger großzügigen Ausnahmen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.4.2010)

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10 Postings
Zophopas
10
26.4.2010, 12:30
Egal wie sie es machen,

Solange das Geld, das durch Ökostromgesetze oder Energieabgaben oder wie auch immer man das nennen will hereinkommt, zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet wird, anstatt das Geld in den Umweltsektor zu investieren, bringen solche Maßnahmen auch nix.

naihoit
03
26.4.2010, 09:45
Solange ich von 2-4 Uhr früh auf der Straße Zeitung lesen kann und das auf Kosten der Allgemeinheit

möchte ich solche Überlegungen nicht hören,
und all die gescheiten öffentlichkeitswirksamen Meldungen in Bezug auf Energiesparen schon gar nicht.
Und, solange bei uns um 08.00 Uhr die Straßenbeleuchtung brennt, sobald sich da ein Bisserl ein Nebel zeigt, müssen wir -meine ich halt- darüber nicht einmal reden.

nodiesop
00
26.4.2010, 12:47
normalerweise sind in jeder Straßenlaterne zwei Neonröhren drin

von denen eine ab 23 Uhr abgedreht wird - also eine Halbierung der Kosten...

ich würde es sehr begrüssen, wenn wenigstens jede zweite Laterne generell in der Nacht abgedreht wird - dadurch wird auch die Schlafqualität besser...

in einigen Seitengassen fällt bei uns im 13. auch öfter das Licht ganz aus... sehr angenehm muß ich sagen...

her wig
02
26.4.2010, 08:14

So schafft man Beschäftigung auf Seiten der Bürokratie und der Firmen, dazu kommt noch dass sich Firmen vom Staat ein "schnelles Körberlgeld" holen können. Ich sehe nur Vorteile.

Solaris
02
26.4.2010, 05:04

Typische österreichische Inkonsequenz.

Sobald eine Maßnahme wirksam wird (das merkt man zB daran, dass sie jenen weh tut, denen sie wehtun soll), wird sie durchlöchert. Man will es sich ja mit niemandem verscherzen.

Womit haben wir diese kleinmütigen, kurzsichtigen Kasperl verdient, die uns regieren?

PS: Ich weiß, dass es nicht sinnvoll wäre, energieintensive Industrie über die Grenze zu vertreiben. Doch in solchen Fällen muss Wettbewerbsverzerrungen eben auf eine andere Weise entgegengewirkt werden, statt einfach nur feige zurückzurudern.

natoll
09
25.4.2010, 18:53

eine wahrlich österr. övp-lösung. man nehme von allen und gebe an einige wenige zurück.

Ava Tar
00
25.4.2010, 22:22

so hat das Ludwig XVI auch lange gemacht

Duke_Nukem
00
26.4.2010, 10:13
aber wehe, wehe wenn ich an das Ende sehe

also dem Ludwig XVI hat das aber nicht gut getan :-)

Linus Tintifax
00
26.4.2010, 11:45
vive la revolution!

die franz. rev. hätte eh eine renaissance verdient ;-)

nodiesop
04
25.4.2010, 20:19
und das hat der dicke Pröll jetzt schon wieder vor

er versucht uns für blöd zu verkaufen - man kann nur hoffen, daß sich Faymann dessen besinnt, daß er eigentlich Vertreter der Mehrheit ist.

damit könnt er auch endlich sein schwaches Image los werden, wenn er endlich auf den Tisch haut...

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