Mottaki in Wien

"Mein Freund, Herr Spindelegger"

Julia Raabe, 25. April 2010 19:00
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    Foto: apa/hopi-media/bernhard j. holzner

    Außenminister Spindelegger (re.) wünscht sich Bewegung im Atomstreit und die Vermeidung von Sanktionen, Manuchehr Mottaki ist sich dagegen keines iranischen Fehlverhaltens
    bewusst.

Der iranische Chefdiplomat Mottaki hatte bei seinem Wien-Besuch viel Lob für Österreich, aber keine neuen Vorschläge im Atomstreit im Gepäck

 Außenminister Spindelegger sprach von "Neuerungen".

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Wien - Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki war sichtlich um einen harmonischen Auftritt mit seinem österreichischen Amtskollegen bemüht. Das Treffen mit dem "verehrten Außenminister" Michael Spindelegger am Sonntag sei "sehr, sehr freundlich und sehr freundschaftlich" gewesen, schwärmte der umstrittene Gast im Presseraum des Außenministeriums neben dem versteinert dreinblickenden Wiener Minister. Für Mottaki überhaupt "mein Freund, Herr Spindelegger".

Dieser hatte ihm nach eigenen Worten bei dem vorangegangenen Gespräch gerade erläutert, dass die Uno im Atomstreit neue Sanktionen verhängen werde, wenn der Iran keinen Vorstoß unternehme. Der "Zug in Richtung Sanktionen" sei "nur aufzuhalten, wenn es zu einer wirklichen Bewegung kommt", betonte Spindelegger. Vom Iran erwarte man sich Kooperationsbereitschaft und einen konkreten Vorschlag. Und: "Ich würde mir wünschen, dass Bewegung in die Sache kommt, so dass es gar nicht so weit kommt, dass Sanktionen verhängt werden."

Daran arbeiten die USA derzeit mit Hochdruck, ebenso ihre europäischen Verbündeten Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Deshalb hatte es von amerikanischer Seite im Vorfeld Kritik an Spindeleggers Gespräch mit Mottaki gegeben. Der Zeitpunkt sei ungünstig, das Treffen nicht zielführend. In einem Telefongespräch mit Hillary Clinton habe es "keinerlei Anzeichen" für eine Kritik an Österreich gegeben, versicherte dagegen der Minister.

Mottaki wischte die Drohung mit Sanktionen mit der Bemerkung vom Tisch, der Iran habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Vorwürfe mangelnder Kooperationsbereitschaft seien unbegründet, die Strafmaßnahmen "ungerecht und nicht richtig" . Ein Hauptziel des Gesprächs für ihn: das Mitgliedsland im Sicherheitsrat an seine "sehr große Verantwortung" zu erinnern, die es beachten möge.

Über einen neuen iranischen Vorschlag sagte Mottaki nichts, dafür aber Spindelegger, wenn auch ohne Details zu nennen. "Es gibt einige Neuerungen", sagte der Minister vage. Aber: "Für eine Bewertung ist es noch zu früh." Er werde jedenfalls seine EU-Kollegen beim Außenministerrat in Luxemburg am (heutigen) Montag über das Treffen informieren.

Im Mittelpunkt der Bemühungen um einen Kompromiss im Atomstreit steht ein Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde, niedrig angereichertes Uran aus dem Iran im Ausland weiterzuverarbeiten, weil Teheran Brennstoff für einen Forschungsreaktor braucht. Darüber sprach Mottaki am Sonntagvormittag mit IAEO-Chef Yukiya Amano. Die IAEO teilte anschließend lediglich mit, das Gespräch habe in einer "geschäftsmäßigen Atmosphäre" stattgefunden.

Ob er denn inzwischen etwas mehr über den Holocaust gelernt habe oder ihn immer noch für ein Hirngespinst halte, wollte ein israelischer Journalist noch von Mottaki wissen. Der Angesprochene ignorierte die Frage. (DER STANDARD, Printausgabe 26.4.2010)

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irananders.de
27.04.2010 15:54
Lösung sehr einfach

Eine Lösung könnte sehr wahrscheinlich werden, wenn wir bereit sind die vom Iran geforderten "praktischen Garantien" zu gewährleisten. Es ist nicht einzig der Iran, der einen Austausch von Uran ablehnt, sondern im Effekt unsere fatale Politik, die darauf beharrt iranisches Uran für mehr als ein Jahr außer Landes zu schaffen. Unnötig, denn Iran ist bekanntlich weit davon entfernt, A-Waffen herzustellen. Kontraproduktiv, da durch die westliche Haltung der Iran weiter darin bestärkt wird, in der Atomindustrie autark zu werden und das 20 prozentige Uran selbst anzureichern, so wie bereits versucht.

Georg Schütt
26.04.2010 19:08
"Es gibt einige Neuerungen", sagte der Minister vage. Aber: "Für eine Bewertung ist es noch zu früh."

Heißt: "Alte Positionen in neuen Formulierungen. Nicht der Rede wert."

MiNeum71
 
26.04.2010 13:46


Spindelegger hat sich gegen das typisch persische Einlullen gut behauptet; überhaupt halte ich Spindelegger für einen ausgezeichneten Außenminister.

O.J. Homer
 
26.04.2010 12:41
ein echter freund, herr spindellegger

als mottaki die frage eines israelischen journalisten ignoriert hat ( aus rassistischen gründen) hat der spindi nicht reagiert und zur tagesordnung übergegangen.
gratulation an die österreichsche regierung - weiter so sitzen und kuschen bei solchen ereignissen dafür das maul gross aufmachen bei anderen - genauso wie damals

dr.ban cok
26.04.2010 08:11

solang wir jene staaten die in der vergangenheit verbrechen begangen haben nicht zur rechenschaft ziehen, sollten wir uns nicht so weit aus dem fenster lehnen länder für verbrechen zu bestrafen, von denen wir denken dass sie sie in zukunft begehen werden.

Fritz Wunderlich
26.04.2010 18:55

also doch wieder den iran: mord an drei exilpolitikern

dr.ban cok
27.04.2010 02:08

wenn sie bei morden an einzelpersonen anfangen möchten werden sie vmtl lang kein licht mehr sehen - aber es ist natürlich positiv so zu denken - generell spreche ich von 'gröberen' verbrechen...

Fritz Wunderlich
27.04.2010 09:12

den mord in österreich, an drei iranischen exilpolitikern, aufzuklären und den iran anzuklagen, so wie es in berlin geschah, passt ihnen nicht in ihr antiwestliches konzept?

dr.ban cok
27.04.2010 11:57

ja gut, klagen wir den iran an.

B JK
26.04.2010 18:25

Strafe, auch als Rache bekannt, ist vollkommen unnötig. Prävention hingegen umso wichtiger.

dr.ban cok
27.04.2010 02:16

nicht schlecht - das hätt ich auf meinen kommentar jetzt nicht erwartet...
ich nehme an sie beziehen sich mit prävention auf den irakkrieg der geführt wurde um das land davon abzuhalten massenvernichtungswaffen zu produzieren? und für all die gefundenen waffen sind einige 100.000 umgekommen - wie sie sagen würden ist das ein notwendiges übel und steht in keiner relation zu den gefunden bio- und atomwaffen im irak.

jetzt stellen sie sich mal vor, dass in österreich die breite masse in etwa so dämlich ist wie sie - na, wird ihnen schon schlecht?

MiNeum71
 
26.04.2010 13:44


Wow, wow, exzellent ... gestern beim Chinesen gegessen?

dr.ban cok
26.04.2010 14:33

habs aber mit nach hause genommen...wollt erst am pool essen bin dann aber doch rauf gegangen weils heiss war.
heute wollt ich dann beim inder essen aber da waren dann zu viele leute vor mir. für morgen weiss ichs noch gar nicht. hab noch pizzateig im kühlschrank...

wie wars bei ihnen?

sz
26.04.2010 09:46
Menschenrechte gelten weltweit für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind...

..., aber nicht für die Iraner.

Wer weiss, worum es in diesem Treffen gegangen ist? Ist ein Wort über die Verletzung der Menschenrechte im Iran gefallen? Was sind die Konsequenzen für die österreichische Außenpolitik? Wie ist das Gespräch abgelaufen?

Österreich : Du Iran pass auf, der böse Onkel wird dich mit Sanktionen bestrafen.
Iran : Solange ich Freunde wie du und Chavez habe, mach ich mir keine Sorgen über Onkel SAM.

Ich bin verwirrt!!!

flash7
01.05.2010 13:51
Eine Bitte

"iranische Regierung" ist nicht gleich "Iraner", die Wortwahl macht einen großen Unterschied

Danke

dr.ban cok
26.04.2010 13:15

menschenrechte wurden vom westen definiert - ihre aussage dass menschenrechte überall ausser im iran befolgt werden ist obendrein ein unfassbarer topfen.

grad leute wie sie die für die durchsetzung der menschenrechte einen krieg führen würden braucht der westliche militärappart. glauben sie im ernst der bush hat den irak aus humanitären gründe 'befreit'?

sehen sie mal nach afrika - dort gibts hungersnöte und keinen interessiert das. anstatt dessen wird ein krieg gegen den irak geführt und es sterben 100tausende.
ein bruchteil des finanziellen aufwands und millionen haben was davon. die menschenrechtskeule wird von politikern benutzt um dodeln wie sie einer sind hinter sich zu versammeln.

sz
28.07.2011 13:02

Sie haben die Kernaussage meines Postings offensichtlich nicht verstanden. Noch einmal für die billigen Plätze:

Ich fördere die Regierung auf, dieser Vergewaltiger und Mörder nicht die Hand zu geben! Dieses Regime nicht zu unterstützen, weder direkt noch indirekt!!

Das Sie sich dadurch bedroht fühlen, ist verwunderlich. Ja, Menschenrechte müssen überall gelten, d.h. aber nicht, dass die Westen mit der Armee marschieren muss. Wieder falsch verstanden:
--- NICHT HELFEN reicht vollkommen ---

Fritz Wunderlich
27.04.2010 09:15

na, da hat ein altstalinist den sowjetischen helsinkiprozess überlebt und übt jetzt gnadenlos rache an den "westlichen" menschenrechte
die diktatoren sind wieder einmal unschuldslamperln

Christoph Karl Steininger
26.04.2010 04:41
Wirklich toll wie freundschaftlich

das Gespräch es österreichischen Aussenminsters mit dem Vertreter eines diktatorischen Regimes war von denen hauptsächlich bekannt ist daß jugendliche Schwule ganz langsam gehenkt werden. Mit Hilfe von Kränen die auch in Österreich hergestellt werden.
Sicher war unser Aussenminister ganz entzückt von der Aussicht weitere Kräne an dieses umnachtete Unrechtsregime zu liefern.
Ich glaub mir wird schlecht! Wäh!

GENDERLOS
26.04.2010 09:26

Im Irak werden die minderjährigen Mädchen von den amerikanischen GIs noch vergewaltigt, bevor sie abgestochen werden (mitsamt der ganzen Familie).

Und natürlich der weiße Phosphor: der brennt so gut, da bleibt von der Leich gar nix mehr übrig.

Fritz Wunderlich
27.04.2010 09:19

für einen geschlechtslosen sehr intensiv tätig, vor allem was die verteidigung von islamisten anbelangt
verfolgung und vergewaltigung westlich gekleideter und denkender frauen im irak durch islamisten: geschlechtsloser schweigt dazu und zeigt auf den westen
ermordung, verfolgung und vergewaltigung im moolahiran: geschlechtsloser schweigt dazu und zeigt auf den westen

Mr. President
25.04.2010 23:40
Terrorisierten treffen sich mit Außenministerium in Wien

Franz Klug
25.04.2010 22:22
Schön, dass der Artikel noch einmal von Frau Raabe überarbeitet würde!

Die Änderung der Überschrift und die Abänderung einiger subjektive Eindrücke, die alle im Unterschleif gegen den Iran gerichtet waren, verbessern den Artikel!
Frau Raabe hat ja ihre Kritik, an dem Treffen, in einem Kommentar bereits kundgetan.
Ich hätte mir vom Standard auch einen pro Kommentar erwartet.
Vielleicht gelingt es auch der außenpolitischen Redaktion des Standards vielfältiger und breiter als bisher über den Iran zu berichten.
Z.B. wäre ein kritisches Interview mit dem iran. Außenminister spannend gewesen oder ein gut moderiertes Streitgespräch mit dem iran. und us. Botschafter!
Aber, wie leider in allen Medien, nachbeten des Mainstreams (Agenturmeldungen) und wenig gute plurale und informative Eigenberichte.
Schade!

Mavi Kurt
26.04.2010 05:19

für ein gespräch mit dem iranischen außenminister braucht the U.S. Botschafter ein OK aus Washington, was wohl eher unwahrscheinlich ist... interview wär schon möglich gewesen, aber vermutlich wollte das außenministerium in wien dem herrn kein forum außerhalb der pressekonferenz geben. ist eine heikle diplomatische situation...

Franz Klug
26.04.2010 10:23

Es gebe schon Möglichkeiten, wenn man sich in den Redaktionen ein bisschen mehr anstrengen würde.
Zum Beispiel habe ich in der NZZ ein Streitgespräch zwischen dem Israel. Botschafter und einem paläst. Vertreter gelesen, wo sehr gut die unterschiedl. Standpunkte und Einschätzungen herausgearbeitet wurden.
Auch hat die NZZ einmal eine Doppelseite für israel. und paläst. Dichter, die den Konflikt aus ihrer Sicht beleuchten, zur Verfügung gestellt.
Ich verfolge die Außenpolitik genau und erlebe, dass insgesamt, auch im ORF,ARD,BBC,Profil, Spiegel, Zeit, Berichte von den Betroffenen sehr selten sind! Ein Lichtblick war unlängst in der Zeit der Bericht von Ulrich Ladurner über Afghanistan: Die Stadt und die Mörder!

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