Weißwähler

Viele ungültige Stimmen, aber kein Rekord

26. April 2010 06:18
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    Foto: apa-Foto: helmut fohringer

    Die Zahl jener, die einen ungültigen Stimmzettel abgaben, war am Sonntag hoch.

54,4 Prozent wählten entweder nicht oder ungültig - Burgenland mit Wahlbeteiligung an der Spitze, Vorarlberg am Ende der Skala

Wien - Die Wahlbeteiligung bei der Präsidentschaftswahl erwies sich als äußert niedrig und auch der Anteil jener Wähler, die ungültige Stimmen abgegeben haben, ist ungewöhnlich hoch. Die Wahlbeteiligung schrumpfte auf den historischen Tiefstwert von 49,2 Prozent (ohne Briefwähler). Vor allem in West-Österreich ist die Wahlbeteiligung  eingebrochen.

54,4 Prozent wählten entweder nicht oder ungültig

Deutlich mehr als die Hälfte der Österreicher traf bei der Bundespräsidentenwahl heute, Sonntag, keine Entscheidung: 54,40 Prozent der Wahlberechtigten wählten entweder nicht oder ungültig. Diese Zahl wird zwar mit der Auszählung der Briefwahlstimmen kommenden Sonntag noch schrumpfen. Aber sie wird dennoch der Negativ-Rekord bleiben: Denn der bisher größte Anteil an Nicht-Entscheidern betrug 31,42 Prozent bei der vorigen Wahl 2004.

Kein Weißwählerrekord

Nicht den - nach diesbezüglichen Aussagen aus der ÖVP - erwarteten Rekord gab es allerdings bei den Weißwählern: Die Zahl der ungültigen Stimmen (in der auch die "unfreiwillig" falsch ausgefüllten Stimmzettel enthalten sind) blieb mit 226.986 bzw. 7,26 Prozent unter der des Jahres 1980. Bei der damaligen Wiederwahl Rudolf Kirchschlägers hatte die ÖVP ebenfalls keinen Kandidaten ins Rennen geschickt. Und 348.165 Stimmen - das waren damals 7,29 Prozent der Abgegebenen - waren ungültig.

Da damals allerdings noch österreichweit Wahlpflicht herrschte, lag die Wahlbeteiligung mit 91,63 Prozent um mehr 42,46 Prozentpunkten über den heute erreichten 49,17 Prozent. Womit insgesamt - Nichtwähler und ungültige Stimmen zusammengezählt - "nur" 15,05 Prozent der 5,2 Mio. Wahlberechtigten nicht an der Entscheidung für Kirchschläger teilnahmen.

Unattraktive Kandidaten

Die wichtigsten Gründe dafür, dass so viele Österreicher ihr Wahlrecht nicht nützten, waren laut einer ISA/SORA Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF die unattraktiven Kandidaten (27 Prozent) und der schon vorher bekannte Wahlausgang (25 Prozent). 

Weitere wichtige Gründe für die Wahlenthaltung waren "kein Interesse an der Präsidentenwahl" (22 Prozent) und "Protest/Enttäuschung" (19 Prozent). Dass ÖVP und Grüne keine Kandidaten aufgestellt hatten, war von eher geringer Bedeutung. Nur acht Prozent der befragten Nichtwähler blieben der Wahlurne fern, weil es keinen ÖVP-Kandidaten gab und nur zwei Prozent, weil es keinen Grün-Bewerber gab.

Noch relativ wichtig war hingegen die - von 17 Prozent genannten - Meinung, dass das Amt des Bundespräsidenten unwichtig ist. Zwölf Prozent haben überhaupt wenig Interesse an der Politik. Für nur fünf Prozent Nichtwähler war der Grund, dass sie persönlich verhindert waren - und zur drei Prozent empfanden sich als zu wenig informiert für eine Entscheidung.

Beamte am pflichtbewusstesten

Vergleichsweise noch am pflichtbewusstesten (Wahlpflicht bestand freilich nirgends mehr) waren die Öffentlich Bediensteten: 62 Prozent von ihnen gingen zur Wahl - und das war der absolute Spitzenwert. Arbeiter und Angestellte sowie Hausfrauen und -männer ("zu Hause") wählten zu 53 Prozent. Wenig attraktiv war die Wahl für die Pensionisten und die Selbstständigen (jeweils nur 46 Prozent). Die geringste Wahlbeteiligung unter den Berufsgruppen hatten die in Ausbildung stehenden (44 Prozent).

Das zeigt sich auch in den Altersklassen: die 30- bis 60-Jährigen gingen laut der Umfrage zu 53 Prozent zur Wahl, die unter 30-Jährigen und die über 60-Jährigen hingegen zu jeweils nur 47 Prozent.

SPÖ sieht Innenministerin gefordert

Sozialminister Rudolf Hundstorfer und ÖGB-Präsident Erich Folgar sehen angesichts der historisch niedrigen Wahlbeteiligung das Innenministerium gefordert. Hier müsse man sich etwas überlegen, die Bevölkerung müsste vielleicht besser informiert werden, sagten die beiden SPÖ-Politiker in einer ersten Stellungnahme in der Wahlzentrale in der Hofburg.

Mit ein Grund für die niedrige Wahlbeteiligung sei auch die Tatsache, dass die ÖVP keinen Kandidaten aufgestellt hat, so Hundstorfer und Folgar. Hundstorfer sieht allerdings keinen Änderungsbedarf beim Präsidentenamt (längere Amtsperiode, dafür nur einmaliges Antreten). Die ÖVP weist den Vorwurf, an der niedrigen Wahlbeteiligung schuld zu sein, von sich.

Burgenländer wählten besonders fleißig

Besonders niedrig war die Wahlbeteiligung in Tirol (36,9 Prozent) und Vorarlberg (34,30 Prozent). Das Burgenland verzeichnete dafür als Spitzenreiter 64,07 Prozent Beteiligung. Wien lag bei 46,17 Prozent, Kärnten bei 46,43; Oberösterreich bei 52,15; Steiermark bei 44,21; Salzburg bei 48,29; Niederösterreich bei 59,88 Prozent. (red, APA, derStandard.at, 25.4.2010)

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Jake Gittes
26.04.2010 10:13

Angesichts der Ausgangssituation finde ich die Wahlbeteiligung eher hoch. Man sollte hier wirklich die Kirche im Dorf lassen.

pendragon
26.04.2010 10:07
Wahl ist immer Wahl aus vorhandenen Möglichkeiten!

Warum verstehen das bloß die wenigsten. In einer Demokratie werde ich immer nur eine Wahl aus begrenzten Angeboten haben und muss daher meine Entscheidung aus den vorhandenen Möglichkeiten treffen. Einfach nicht zu wählen zeugt von fehlendem demokratiepolitischen Verständnis.

Wenn ich als Arbeitssuchender nur 3 Jobangebote habe, werde ich mir auch das "relativ beste" heraussuchen, obwohl vielleicht keines mich wirklich zufriedenstellt. Das Leben insgesamt und insbesondere das Wählen an sich ist immer ein Kompromiss-Akt.

Nur sudern und verweigern, weil das Angebot nicht stimmt, ist krank. Jeder kann sich selber engagieren, wenn er etwas ändern will.

Sir George
26.04.2010 09:58
Wahlempfehlung

Bisher konnte mir niemand schlüssig erklären, warum die ÖVP eine Wahlempfehlung für einen Sozialisten abgeben hätte sollen. Die ganze Debatte strotzt vor Scheinheiligkeit. Die ÖVP hat keinen Kandidaten aufgestellt und daher richtigerweise ihren Wählern überlassen, ob oder wen sie wählen sollen.

Freigeist
26.04.2010 09:36
"Nicht-Entscheidern"

weiss zu wählen oder nicht zur wahl zu gehen ist eine entscheidung! es ist also eine ungeeignete wortwahl.

weiss-wähler haben sogar von ihrem demokratischen stimmrecht gebrauch gemacht! neben der wahl einer person ist die nicht-wahl der nominierten ebenfalls eine legitime demokratische option.

man könnte aus protest auch die ungeeignetste person wählen um einen handlungsbedarf zu erzwingen, aber wären die kritiker dann zufriedener?

jeder sollte nach seiner überzeugung wählen. genau das macht ja die demokratie zu etwas besonderm.

pendragon
26.04.2010 10:24
diese Sicht ist völlig falsch...

welcher Kandidat, welche Partei kann denn wirklich überzeugen? Wenn ich nach meiner Überzeugung wählen würde, müsste ich mich selber wählen.

Wählen bedeutet eine Auswahl aus vorhandenen, begrenzten Möglichkeiten zu treffen. D.h ich wähle immer den relativ "besten" aus. Oder wie es andere formulieren würden, ich wähle das "geringste Übel".

Was anderes bietet dir die Demokratie nicht an. Es ist aber mehr als alle anderen Staatsformen zu bieten haben. Und natürlich kannst du dich selber engagieren, um vorne mitzumischen.

Wo war die Schwierigkeit, bei 3 Präsidentschaftskandidaten den relativ besten bzw. das geringste Übel für Österreich zu wählen?

Genießer
26.04.2010 09:30
Hurra

jetzt freuen wir uns mal, dass vorkonzilliarisches und rechtsradikales Gedankengut diesesmal nicht den vorausgesagten Erfolg einfahren konnten. Besonders "beruhigend" ist es, dass selbst für mehr als die Hälfte aller FPÖwähler Rosenkranz nicht wählbar war.

Dass Heinz Fischer kein Hochglanzpräsident ist, war von vornherein klar - es tut aber sehr gut, wenn wenigsten ein Spitzenpolitiker sich nicht zu jedem Thema gleich aufplustert

bloody-nine
26.04.2010 09:28
7% weisswähler

bei 50% wahlbeteiligung, das sind 3.5% stimmen für die övp.

noja, is eh ein schöner erfolg.

Sogenet
26.04.2010 09:23
Andere demokratische Länder wären froh über 50% Wahlbeteiligung.

In USA freut man sich schon über 30%.

Sogenet
26.04.2010 09:21
Weißwähler sind die Dümmsten...

machen sich die Mühe zur Wahl zu gehen und machen trotzdem nicht von Ihrem Wahlrecht gebrauch... und landen schließlich im Mistkübel zusammen mit den Nichtwählern.

Arm.

Sir George
26.04.2010 09:30

Ihre Stimme für Fischer ist auch schon längst im Mistkübel gelandet.

bloody-nine
26.04.2010 09:30
....und versuchen dann noch verkrampft,

sich ihr unreifes gepitzle als "legitimes demokratisches verhalten" und "ausdruck des protests" schönzureden.

arm.

weisswähler sind schlicht und ergreifend egal. ein nebensatz in der berichterstattung, heute und morgen, dann vergessen.

mit recht.

alles wird GUT, weil rot hat immer recht !
26.04.2010 09:12
was soll den das ???

.... Hausfrauen und -männer ("zu Hause") ...
Hausmänner ?????????

es wird immer ärger....dauert nicht mehr lang und es wird: "die/der salzstreuer" heissen !

sche**** gender-eman**** schreibweise !

t 3
 
26.04.2010 08:57
logik? ach wozu!

27% blieben wegen unattraktiver kandidaten zuhause, und 25% wegen des zu erwartenden ausgangs. aber dass vp und grüne keine kandidaten aufgestellt haben, hat _natürlich_ kaum eine bedeutung.

ja wie könnte es auch die 52% der zushausegebliebenen beeindrucken können wenn dank einem attraktiven vp-kandidaten der wahlausgang nicht mehr so vorhersehbar gewesen wäre; nicht doch...

Ilvaro Airen
26.04.2010 08:37

"die Bevölkerung müsste vielleicht besser informiert werden"
Hm... Gerade die Informierten sind doch nicht zur Wahl gegangen, oder täuscht mich das?

*-_-*
26.04.2010 08:10

toll, die ÖVP hat also 7% bei der Wahl geholt...
http://www.zeit.de/2010/17/A... praesident

GOTT (himself)
26.04.2010 09:57
Oder 3,5% - da die Wahlbeteiligung ja nur bei 50% lag.

Schön wär's wenn es bei echten Wahlen auch mal so ein Ergebnis gäbe. Dann wären sie nämlich weg vom Fenster und nicht mehr im Parlament vertreten *träum*

Foromat
26.04.2010 09:37

gibts eigentlich ein offizielles statement oder nehmen sie einfach Kopfs aussage, weiss zu wählen einfach pars pro toto ?

Wie auch immer, der Artikel ist herrlich subjektiv, von pelinka hätte ich ein wenig mehr objektivität erwartet.

Passt allerdings zur "zeit".

Aber ich gebe ihnen und pelinka recht, zuerswt keinen kandidaten aufstellen und dann meckern, dass ihnen kein kandidat passt, stimmt nicht zusammen. daraus aber abzuleiten, sie hätten fischer unterstützen müssen finde ich gewagt.

Aber, du die nichtunterstützung ist es erst zu einer so hohen mobilisierung bei R/G gekommen, ich denke das eine unterstützung der VP zu einer noch geringeren wahlbeteilung geführt hätte.

fuchstritt
26.04.2010 07:59

die wahlbeteiligung ist beschämend.ein positiver aspekt ist daß der aufruf der övp ungültig zu wählen offensichtlich nicht gefruchtet hat

skip it
26.04.2010 09:29
"aufruf der oevp". aha. ...

...quellen?

und net zaehlen s' mir jetzt die wuerschtln aus der 3. reihe auf.

ich will einen verweis auf einen "aufruf der oevp".

wenn's wollen, kann ich ihnen aber gern mit einem verweis auf einen aufruf fischers zur weisswahl dienen.

skip it
26.04.2010 09:02
welcher "aufruf der oevp"?...

...quellen?

s.a. profil der vor-vorwoche.

Doc Steel
26.04.2010 07:57
wo ist das problem?

einer hälfte ist es faktisch egal, wer präsident ist, die andere hat sich eindeutig für fischer entschieden.

Karl-heinz Grill
26.04.2010 07:20
wahlrechtsreform

das problem liegt bei der erstellung der parteilisten. der wähler, die wählerin hat keinen einfluss auf die personen die zur wahl stehen. das fängt bei der gemeinderäten an und endet auf parlamentsebene. bei diesen kandidatinnen wundert es mich nicht, dass die wahlbeteiligung auf allen ebenen sinkt.
ein lösungsvorschlag: offene vorwahlen in den parteien.

Memories
26.04.2010 06:48
Ein echt kommunistisches Wahlergebnis in Person und %

t 3
 
26.04.2010 09:07
knapp 80% ist kommunistisch?

dann sind die 97% die ha-tse bei der obmann-wahl erhalten hat ja direkt schon stalinistisch...

Peter Hammer 06
26.04.2010 07:51
Leut' wie Sie können es nicht lassen. Sperren'S ...

...doch Ihr Fischer=Kommunistgschichtl in ein Kastl uns schmeissen'S den Schlüssel in die Donau.

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