E-Mail-Anhang "Der ideale Besuch sähe so aus" sorgt für Ärger
London - Vor dem Papst-Besuch in Großbritannien im September hat
ein Regierungsdokument in London für Ärger im Außenministerium gesorgt. In einem
E-Mail-Anhang zu ersten Vorbereitungen des Besuchsprogramms sind nach
Informationen des "Sunday Telegraph" unter dem Titel "Der ideale Besuch sähe so
aus" Vorschläge aufgelistet, die das Ministerium umgehend als "dumm" und
"respektlos" bezeichnete.
So heiße es darin, Papst Benedikt XVI. solle eine
Abtreibungsklinik einweihen und eine Homo-Ehe schließen. Außerdem könne er eine
Kondom-Verkaufskampagne starten und sein Durchgreifen im Missbrauchsskandal
beweisen, indem er "zwielichtige Bischöfe rausschmeißt".
Zu den "positiven" Personen, mit denen der Papst zusammentreffen solle,
zählen die Autoren demnach den ehemaligen Premierminister Tony Blair und
die Sängerin Susan Boyle. Als "negativ" wird der Fußballstar Wayne
Rooney gewertet, ebenso wie der prominente Atheist Richard Dawkins, der
gedroht hat, das Kirchenoberhaupt festnehmen zu wollen.
Ideen eines jungen Staatsbediensteten
Das Außenministerium entschuldigte sich umgehend für das Papier, das von
einem jungen Staatsbediensteten verfasst worden sei. Der etwa 20-Jährige sei mit
anderen Aufgaben betraut worden. Außenminister David Miliband zeigte sich
"entsetzt" über den Vorgang. Die meisten Vorschläge seien "unüberlegt, naiv und respektlos", hieß es
weiter. Das brisante Memo war demzufolge das Ergebnis eines
Gedankenaustauschs von drei oder vier niederrangigen Mitarbeitern.
Dem
federführenden Beamten seien andere Aufgaben übertragen worden. Ein Ministeriumssprecher sagte, das Papier spiegele
nicht im Geringsten die Position der britischen Regierung wider. Londons
Botschafter im Vatikan, Francis Campbell, drückte gegenüber Vertretern des
Heiligen Stuhls in Rom das Bedauern der britischen Regierung aus.
Benedikt XVI. will im September nach Großbritannien reisen. Die britische Regierung und die katholische Bischofskonferenz von Schottland, England und Wales erhoffen sich von dem Besuch verbesserte Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Vatikan.(APA)