Gedenkbotschaft zum Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg - Erdogan begrüßt Wortwahl
Washington - US-Präsident Barack Obama hat die Massaker an den Armeniern während
des Ersten Weltkriegs als "eines der schlimmsten Kriegsgräuel" des 20.
Jahrhunderts bezeichnet. Es sei wichtig, die Erinnerung an das, was
passiert sei, wachzuhalten, damit "die schweren Fehler der
Vergangenheit" nicht wiederholt würden, hieß es in einer vom Weißen Haus
verbreiteten Erklärung.
Im Streit mit Ankara über die Einstufung der Massaker als Genozid
hatten die USA nach türkischen Angaben zuletzt eingelenkt.
US-Außenministerin Hillary Clinton habe klargestellt, dass die Regierung
die Resolution des außenpolitischen Ausschusses des
Repräsentantenhauses ablehne, in der von einem Völkermord die Rede war,
hatte der türkische Außenminister Ahmet Davotoglu mitgeteilt. Die
Resolution ist nicht in das Plenum des Repräsentantenhauses gelangt. Der
zu Konsultationen nach Ankara einberufene türkische Botschafter in den
USA, Namik Tan, kehrte nach vier Wochen auf seinen Posten zurück.
Genugtuung Erdogans
Der türkische Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan begrüßte am
Samstag die Aussage Obamas, der die
Verwendung des
Völkermord-Begriffs vermieden hat. Der
US-Präsident habe die
"Empfindlichkeiten der Türkei
berücksichtigt", sagte Erdogan nach
Medienberichten in Ankara. Gleichzeitig verurteilte er die
Gedenkdemonstrationen in der armenischen
Hauptstadt Eriwan als
"extremistisch". Solche Initiativen könnten den
Normalisierungsprozess zwischen der
Türkei und Armenien aber nicht
aufhalten, fügte er hinzu.
Obama rückte von seiner
Ankündigung aus dem
Präsidentschaftswahlkampf 2008 ab, er wolle im Falle seiner Wahl zum
Präsidenten den Begriff Völkermord ausdrücklich für die Massaker an
den Armeniern im Osmanischen Reich verwenden. Der
US-Präsident
betonte am Samstag, seine Sicht der
Ereignisse habe sich "nicht
geändert". Die Massaker seien ein
"verheerendes Kapitel in der
Geschichte des armenischen Volkes". (APA)