Ex-Chef der Foltersiedlung "Colonia Dignidad" gestorben

7. Mai 2010, 14:56
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Schäfer erfreute sich besonderen Schutzes unter der Pinochet-Diktatur

Santiago de Chile - Der Gründer der sektenartig organisierten Deutschensiedlung "Colonia Dignidad" in Chile, Paul Schäfer, ist am Samstag im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Ex-Nazi, dessen berüchtigte Siedlung unter der Diktatur von General Augusto Pinochet einen privilegierten Status genoss, erlag in einem Gefängnisspital der Hauptstadt Santiago einem Herzleiden, teilten die Behörden mit. Schäfer wurde bereits seit Juli vergangenen Jahres in dem Krankenhaus behandelt. Er war wegen Mordes, Folter, sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, Waffenschmuggels und anderer Verbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Schäfer hatte die inzwischen in "Villa Baviera" umbenannte landwirtschaftliche Siedlung im Süden Chiles bei Parral fast drei Jahrzehnte geleitet. Anfang der 1960er Jahre hatte er eine Gruppe religiös geprägter Deutscher und Österreicher, die ihm sklavisch gehorchten, überredet, unter seiner Führung die "Siedlung der Würde" zu gründen. Er spielte sich zum Herren über alle Lebensbereiche der Siedler auf und riegelte das riesige Anwesen hermetisch gegen die Umwelt ab. Während der Militärdiktatur (1973-10) diente die Siedlung auch als Folterlager der chilenischen Geheimpolizei DINA. Nach dem Ende der Pinochet-Diktatur kamen die Verbrechen ans Licht. Schäfer tauchte zunächst unter, konnte aber 2005 in Argentinien festgenommen und später an Chile ausgeliefert und vor Gericht gestellt werden.

In der Siedlung waren unter der Militärdiktatur Oppositionspolitiker und Regimegegner zu Tode gefoltert worden. Schäfer wurde unter anderem auch die Verschleppung von Regimegegnern zur Last gelegt. Der chilenische Nazi-Autor Miguel Serrano hatte die Vorgänge in der "Colonia Dignidad" gerechtfertigt, deren Aufgabe es nach seiner Darstellung gewesen sei, "die germanische Rasse" im Fall eines Atomkrieges zu retten. (APA)

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