Türkische Fahne und Bilder der politischen Führung angezündet - US-Präsident Obama: "Eines der schlimmsten Kriegsgräuel"
Eriwan/Asheville - Zehntausende Armenier haben am Samstag der Opfer der Massaker an ihren
Landsleuten vor 95 Jahren gedacht. In einer Prozession marschierten sie in der
Hauptstadt Eriwan zu einem Mahnmal für die Opfer der Verbrechen im Osmanischen
Reich, um Blumen niederzulegen. Bei einer feierlichen Zeremonie bekräftigte
Präsident Sersch Sarkissian (Serzh Sarkisyan) die armenische Forderung nach
internationaler Anerkennung der Massaker als Völkermord.
Er danke all denen, "die in so vielen Ländern, auch der Türkei, (...) in
diesem Kampf mit uns stehen", sagte Sarkissian. Es gebe "keine Alternative" zu
dem Prozess der Anerkennung als Genozid.
Bereits am Vorabend waren rund 5000 Menschen in Eriwan auf die Straße
gegangen. Sie zogen mit Fackeln und Kerzen zu dem Denkmal für die Opfer der
Massaker, schwenkten armenische Fahnen und forderten lautstark die Anerkennung
der Verbrechen als Völkermord. Sie hielten dabei auch Fahnen von Ländern hoch,
von denen die Geschehnisse zwischen 1915 und 1917 bereits als Genozid eingestuft
wurden, darunter Frankreich, Polen und die Schweiz.
Armenien gedenkt jedes Jahr am 24. April der Opfer der Massaker. Im Jahr 1915
hatten die Behörden des Osmanischen Reichs an diesem Tag mehr als 200 armenische
Intellektuelle und Gemeindevertreter im damaligen Konstantinopel festgenommen.
Nach armenischen Angaben wurden bis 1917 bis zu 1,5 Millionen ihrer Landsleute
ermordet. Die Türkei räumt ein, dass mehrere hunderttausend Armenier getötet
wurden, lehnt eine Einstufung als Völkermord aber strikt ab. Die Erinnerung an
die Verbrechen belastet die Beziehung zwischen beiden Ländern schwer. (APA)