Ein Verfahren gegen Polizisten erst dreieinhalb Jahre später vor Gericht zu bringen ist eigentlich unfassbar
"Sicherheit und Hilfe. Ihre Wiener Polizei". So lautet der Slogan der bundeshauptstädtischen Exekutive - was wie ein Hohn klingen muss, wenn man als Bürger von einem Mann mit Baseballschläger verfolgt wird und die Polizei die Anzeige nicht einmal ignoriert, sondern stattdessen mit wüsten Verbalinjurien über einen herfällt.
Sicher: Der Großteil der Wiener Polizisten versucht einen guten Job zu machen. Und in diesem Fall hat die Polizeiführung die verdächtigen Beamten schon vor einem Urteil in den Innendienst versetzt. Dennoch wirft es ein bezeichnendes Licht darauf, welcher (Korps-)Geist in manchen Wachstuben herrscht. Selbst jener Beamte, der nicht mitgeschimpft hat, war offenbar wenig engagiert, die Kollegen im Zaum zu halten, und entschied aus unerfindlichen Gründen, dass ein Mann mit einem Baseballschläger keine Bedrohung sei.
Was besonders nachdenklich stimmt: Der Betroffene hat sich gewehrt, ist in die Medien gegangen. Und nun jammern die Polizisten, dass der "Pressedruck" so groß war. Da drängt sich die Frage auf, wie viele Menschen eigentlich rassistisch beschimpft werden und es still hinnehmen.
Aber auch die Justiz hat sich nicht mit Ruhm bekleckert: Ein Verfahren gegen Polizisten erst dreieinhalb Jahre später vor Gericht zu bringen ist eigentlich unfassbar. Denn wenn so ein Vorwurf im Raum steht, muss schnellstens für Sicherheit und Hilfe in den Wachzimmern gesorgt werden. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 24.4.2010)