Rassismus: Sportler beschimpft

Der "Kanak", die Polizisten und der Baseballschläger

23. April 2010 20:17

Nicht rechtskräftige Verurteilungen für Polizisten, da sie Anzeige von Olympia-Teilnehmer Caliskan ignoriert und ihn beschimpft haben

Wien - Manche Wiener Polizisten haben eine "beunruhigende Sicht der Dinge", was Bedrohungen angeht, findet Martina Hahn, die am Freitag im Wiener Landesgericht darüber entscheidet, ob fünf Wiener Polizisten Amtsmissbrauch begangen und einen Bürger wüst rassistisch beschimpft haben. Denn ein Verfolger mit einem Baseballschläger in der Hand, ist für die Beamten "keine konkrete Bedrohungssituation".

Aber der Reihe nach. Ende November 2006 kurvt Caliskan, ein erfolgreicher Taekwondo-Sportler (4. Platz bei den Olympischen Spielen), mit seiner Frau um fünf Uhr früh auf der Suche nach einem Parkplatz durch den Gemeindebezirk Margareten, erzählt er vor Gericht. Er bemerkt, dass ihm ein Auto folgt, immer wieder knapp auffährt. Eine halbe bis Dreiviertelstunde lang. Der Sportler hält an, um den Verfolger zur Rede zu stellen. Dieser steigt aus und kommt näher - mit einem Baseballschläger in der Hand.

Da Caliskan weiß, dass die nächste Polizeiinspektion nur eine halbe Minute entfernt ist, fährt er dorthin, um Anzeige zu erstatten, auch sein Verfolger fährt dorthin nach. Vor dem Wachzimmer hält Caliskan an und hupt dreimal. Zwei Beamte kommen heraus, er erklärt, dass er sich bedroht fühlt. Die Reaktion des ersten Beamten, bullige Statur, rasierter Kopf und mittlerweile Frühpensionist: "Halt das Maul und scheiß dir nicht in die Hose." Der zweite Polizist begibt sich zum Verfolger und nimmt ihn und den Baseballschläger mit in die Amtsräume.

Drinnen will Caliskan den Polizisten wegen seines Tonfalls zur Rede stellen. Dass die Situation dann eskaliert, hat einer der fünf Angeklagten schon am ersten Prozesstag ausgesagt. "Scheißtschusch", "Kanak", "Arsch", "Du redst nur, wennst gfragt wirst" - auf diesem Niveau bewegte sich die Beamtensprache. Schließlich wird das Ehepaar hinauskomplimentiert. Und keine Anzeige erstattet. Denn, so die Angeklagten übereinstimmend: "Es hat keinen begründeten Verdacht für eine gefährliche Drohung gegeben, der Mann hat sich nicht gefürchtet."

Beschwerde bei den Medien

Caliskan beschwert sich bei den Medien, bei der Polizei. Die Polizeiführung wird aktiv und beauftragt Kriminalbeamte mit der Untersuchung. Wobei es überraschende Erkenntnisse gibt. Einer der Ermittler fragt bei seinem uniformierten Kollegen an, was denn nun mit dem Baseballschläger sei. Die Reaktion: "Es gibt keinen Baseballschläger." Auch der mittlerweile wegen gefährlicher Drohung rechtskräftig verurteilte Verfolger von Caliskan ändert nach einem Telefonat mit dem uniformierten Polizisten seine Aussage. Ihm sei nie ein Baseballschläger abgenommen worden. Erst einige Zeit später wurde das Sportgerät offensichtlich überraschend auf der Polizeiinspektion wiederentdeckt und den Ermittlern übergeben.

Im Saal 205 fühlen sich die Polizisten ungerecht behandelt und wissen, wer schuld ist, dass sie heute hier sitzen. Der "Pressedruck" sei so groß geworden, der Fall sei ja nur "medial ungewöhnlich", aber eine ganz normale Amtshandlung gewesen. Und überhaupt habe ja Caliskan "lautstarke Provokationen" von sich gegeben.

Die Verteidiger bemühen sich, ihren Mandanten zu Hilfe zu kommen. Und reiten darauf herum, ob ein Beamter "Tschusch" und "Kanak" oder nur "Kanak" gesagt hat. Richterin Hahn und die Schöffen überzeugt das nicht. Die - nicht rechtskräftigen - Urteile: Die beiden unmittelbar involvierten Beamten werden wegen Amtsmissbrauchs zu acht und sechs Monaten bedingter Haft verurteilt, da sie die Anzeige nicht aufgenommen haben, ein dritter wegen Beleidigung zu 4500 Euro teilbedingter Geldstrafe. Zwei weitere verlassen als freie Menschen den Gerichtsaal. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 24.4.2010)

Kommentar:

Pressedruck statt Hilfe - Von Michael Möseneder

Nachlese mit Postings:

Polizisten schuldig gesprochen

Polizist bestätigt Rassismus

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Fritz Fritz2
09.02.2011 18:50

Natürlich hört/liest man nur von negativen Ereignissen. Wieso sollte die Presse von "Positivbeispielen" berichten? Wäre doch fad...

baghlani
11.10.2010 18:17
wirklich eine Schande, aber durchaus nichts neues, denn man hört immer wieder von solchen Fällen. Von wegen "dein Freund und Helfer".

Shadow
29.07.2010 21:37
keine konkrete Bedrohungssituation"

ein baseballschwingender irrer ist also keine konkrete bedrohungssituation?
ob das wohl auch noch gelten würde wenn er auf die art hinter einer zivilstreife hergefahren wäre?

Peter Alpenrausch
31.07.2010 10:24
je nachdem

glatze und weiß: security für polizei

gefärbt: knast

Löschkandidat
29.07.2010 12:22
Die Vorgangsweise ist Standard, bis auf den Umstand daß wir nicht "Kanaken" genannt werden geht's uns autochthonen

Österrecihern gleich

Gut und dann...?
23.07.2010 16:19
Ha darüber lachen die doch nur!

Das ist doch keine Strafe morgen geht es weiter!

askalex
23.07.2010 15:59
Sowas aufgrund ...

... eines kurzen Medienartikels zu bewerten, sollte sich eigentlich von selbst verbieten. Da müßte man schon genau die Akten durchlesen. Wie auch immer, meistens sind bei einer Auseinandersetzung beide Parteien Teil des Problems, das werden die Amtshandelnden fälschlich angenommen oder glaublich festegestellt haben.

jMor
 
23.07.2010 10:30
Bissl Mild das Urteil,

aber für Österreichische Verhältnisse ok.

Was jetzt noch fehlt wär eine Anzeige der Staatsanwaltschaft wegen dem Baseballschläger

ad vocem
23.07.2010 10:21
"des ersten Beamten, bullige Statur, rasierter Kopf und mittlerweile Frühpensionist"

Wie alt ist denn der Frühpensionist? Und woran hat der Arme denn gelitten?

Und jobbt er jetzt wirklich als Security?

Peter Alpenrausch
31.07.2010 10:26
ja

er fährt jetzt immer im auto hinter seinen exkollegen her um sie vor schreienden migranten zu beschützen

Jimmy_Ringo
23.07.2010 10:14
interessant

dass ich erst gestern mit Freunden über das proletenhafte Benehmen der oberösterreichischen Polizisten unterhalten hatte und jeder so seine Erfahrungen mit der Polizei erzählte. Wir kamen zu dem Schluss, dass anscheinend jeder Volltrottel Polizist werden kann.

UnXund
23.07.2010 13:27

jeder volltrottel polizist WIRD

askalex
23.07.2010 15:58
Warum sind Sie ...

... dann keiner.

Iliphar
29.07.2010 14:18

vielleicht hat er den IQ Test bei der Polizei nicht bestanden, da sein Ergebnis über 85 war?

liftwartbertl
23.07.2010 07:55
...

Habe neulich eine Geldtasche eines Serben in der Straßenbahn gefunden. Hatte kurz überlegt ob ich sie zur Polizei bringen soll, habs mir dann aber anders überlegt und den Mann selbst kontaktiert, weil ich (und das hat mich selbst wirklich erschrocken) der Polizei gerade im Umgang mit Ausländern absolut nicht traue. "s'Gödbörsl vo an Tschuschn, wuascht"

->Mir ist vor allem um jene Polizisten leid, die einen guten Job machen, aber natürlich auch in einen Topf mit den Miesen geworfen werden.

Peter Alpenrausch
31.07.2010 10:36
falsch

die polizei wird sie - so oder so - unfreundlichst aus dem haus komplimentieren (eigene erfahrung!)

denn sie ist für sowas nicht mehr zuständig

"haun sas in container vom fundamt"

ist der freundliche ratschlag am samstagabend im fünfhauser revier, auf meine feststellung, daß ich nur auf der durchreise bin und nicht weiß, was ich mit dem fundgegenstand machen soll, wenn sich die damen und herren der polizei nicht zuständig fühlen.

habe dann auch nach längerer recherche und verschiebung meiner abreise den eigentümer ausfindig gemacht

hagsü
22.07.2010 16:20

Die Polizei benötigt einfach eine viel bessere, konkretere Ausbildung! Matura als Pflicht ist vielleicht etwas unrealistisch, da dies einen akuten Personalmangel schaffen würde; man könnte so etwas aber sowieso nur in Kombination mit der Abschaffung des Verbots vom Schusswaffenbesitz aufgrund der Wehrdienstverweigerung (= des Zivildiensts) diskutieren.
Verbindlicher Ethikunterricht, Demokratielehre und Unterricht im zwischenmenschlichen Umgang wären meiner Meinung nach zielführend!

Der Polizist soll vom allgemeinen Feindbild wieder ins Licht der Vertrauensperson gerückt werden, und das für jeden Bürger, so natürlich auch für Migranten (die uns natürlich nur passen, wenn sie uns Olympiamedaillen beschaffen und für uns Tore schießen)!

Peter Alpenrausch
31.07.2010 10:58
matura?

das hat mit unrealistisch nix zu tun!

keiner braucht eine matura um sich korrekt zu benehmen

askalex
23.07.2010 16:02
Die Matura sagt ...

... wenig bis gar nichts über die Qualität eines Mitarbeiters, v.a. in heutigen Zeit der Massenabschlüsse. Formalbildung wird gemeinhin überschätzt, v.a. von jenen, die nur sie haben. In Wirklichkeit geht es beim Polizeiberuf sehr stark um die Persönlichkeit, den Charakter, des Beamten.

liftwartbertl
23.07.2010 08:26
...

Korrekt

loundy
 
22.07.2010 16:12
supa, oder?

amtsmissbrauch, einem mitbürger nicht pflichtgemäss geholfen, vertuschung und wenn man bedenkt dass der versuch den baseballschläger verschwinden zu lassen, eine wahrscheinlich gemeinschaftliche aktion war kommen wir sogar noch auf verschwörung zur falschaussage und behinderung der justiz.

aber die polizisten verrichten weiter ihren dienst.

ich persönlich habe noch kaum schlechte erfahrungen mit der polizei gemacht, ein paar frechheiten aber nichts gravierendes.

trotzdem lasse ich meine handy-kamera immer mitlaufen, wenn man einer gruppe autorität über andere gibt und ihnen gleichzeitig klarmacht dass sie keine ernsthaften konsequenzen fürchten müssen wenn sie diese missbrauchen missbrauchen die diese.

Lucky Luke 1988
22.07.2010 14:47
die kiwara machen eh nix, zumindest ned die in wien

jedes mal wenn ich im mcdonalds bin (handelskai) seh ich die bei ihrem extrem gefährlichen job.

skrivi
27.05.2010 09:13

8 -11 Monate bedingt sind anscheinend die Obergrenze für Polizisten (siehe Krems).

Vielleich hängts damit zusammen dass sie alle ansprüche verlieren wenn sie zu mehr als 12 Monaten verurteilt ewrden.

exbmu
 
22.05.2010 16:59
re polizei

Ich finde dasss echt schlimm, in Belgien werden die Polizisten als "Freund und Helfer" gesehen und nicht wie hier als die typischen Kiwara um dieses Image zu ändern muss wohl oder Übel der ganze Drecks Haufen um gemistet werden oder ?

vito don´s schwester
26.04.2010 13:55
und das arge ist

die finden sich alle bei h.c. und seinen kellerasseln wieder. die armen benachteiligten, die immer ehrlichen und anständigen. die bösen medien und linken gutmenschen reiten sie hinein und sind so bös zu ihnen, nur weil sie ehrlich sind. wenn 54% der rosenkranzwähler sagen, dass sie ihre distanzierung von der naziideologien icht geglaubt haben und sie trotzdem wählten, was sind das dann für "menschen"?

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