Diplomatische Verstimmungen

Empfang von Irans Außenminister in Wien verärgert USA

Julia Raabe und Christoph Prantner , 23. April 2010 19:02

"Falsche Zeit für Treffen mit Mottaki" - Spindelegger: USA waren informiert

Wien - Der Österreich-Besuch des iranischen Außenministers Manuchehr Mottaki am Sonntag hat offenbar zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Wien und Washington geführt. Von amerikanischer Seite hieß es am Freitag, sowohl das Treffen zwischen Mottaki und Außenminister Michael Spindelegger als auch die geplante Pressekonferenz seien eine "schlechte Idee" . Man sei "bestürzt" über diesen Alleingang.

Spindelegger erklärte im Gespräch mit dem Standard, alle Partner im Sicherheitsrat seien informiert worden. Er habe sich mit seinen EU-Kollegen und der Außenbeauftragten Catherine Ashton beraten. "Da sind wir alle der gleichen Auffassung: Natürlich muss man reden." Ein Ashton-Sprecher stärkte in einer Reaktion Österreich den Rücken. Am Sonntag ist eine Demo gegen den Besuch geplant.

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Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki kommt aus Sicht der Vereinigten Staaten zur falschen Zeit nach Österreich. Der Termin am Sonntag sei diplomatisch ungünstig gewählt, hieß es von US-Seite am Freitag. Washington will im Atomstreit möglichst rasch neue Uno-Sanktionen gegen den Iran beschließen. Die Verhandlungen der fünf Veto-Mächte im Sicherheitsrat (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) und Deutschlands sind in die entscheidende Phase eingetreten. Daher sei das Treffen zwischen Mottaki und Außenminister Michael Spindelegger derzeit nicht zielführend.

Kritik gibt es auch am Vorgehen des österreichischen Außenamts. Es habe zwar eine Koordination zwischen Washington und dem Minoritenplatz gegeben - allerdings erst, nachdem das Treffen bereits vereinbart worden war. Somit seien die USA vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Mottaki versucht offenbar, mit Besuchen bei den nichtständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates, zu denen derzeit auch Österreich zählt, auf eine Ablehnung möglicher neuer Sanktionen gegen sein Land hinzuwirken.

Spindelegger verteidigte im Gespräch mit dem Standard das auch von der israelischen Kultusgemeinde und Aktivistengruppen wie "Stop the Bomb" heftig kritisierte Treffen dagegen als Chance, das Gespräch zu suchen und dem Iraner noch einmal die europäische Position darzulegen. "Es geht um konkrete Interessen - und diese Interessen sind, dass wir keinen Iran mit Atomwaffen wollen" , so der Minister. Um das zu erreichen, müssten alle Instrumente genutzt werden - "eines ist natürlich immer der Dialog" .

Dazu habe man sich auch eng mit den europäischen Partnern, aber auch mit den USA abgestimmt, versichert das Außenministerium. Alle seien über das Treffen informiert worden, so Spindelegger. Und: "Für uns ist klar: Der Zug läuft in Richtung Sanktionen." Es liege am Iran, einen Vorstoß zu machen.

Der Außenminister bemühte sich am Freitag um ein Gespräch mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton. Eingeräumt wurde in Wiener Diplomatenkreisen, dass es auch von den USA Kritik an der für Sonntag angesetzten Pressekonferenz mit Mottaki gegeben habe, weil dem Iraner keine Plattform gegeben werden solle.

Das Büro der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und das Auswärtige Amt in Berlin bestätigten dem Standard, von Österreich vorab über das Treffen informiert worden zu sein. Ein Ashton-Sprecher erklärte, die EU-Vertreterin "unterstützt die Bemühungen voll, die Botschaft der EU zu vermitteln" . Und: "Washington weiß von diesem Besuch, weil die EU und die USA darüber ständig im Kontakt sind - aber wir müssen nicht unsere US-Partner über diese Art von Treffen ‚konsultieren‘, weil die EU ihre eigene Außenpolitik betreibt und ihre eigenen Prioritäten hat."

Kritik an Menschenrechtslage

Mottaki wird in Wien auch den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukiya Amano, treffen. Nach österreichischen Angaben kommt das Treffen mit Spindelegger auf iranischen Wunsch zustande. Die Minister hatten sich schon einmal im September am Rande der Uno-Generalversammlung getroffen. Wie damals will Spindelegger auch jetzt die Menschenrechtssituation ansprechen - "angefangen von den Steinigungen bis hin zu der Behandlung der Opposition" .

Klarstellen wolle er auch, so der Minister, dass Äußerungen wie jene von Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, nicht akzeptabel seien. Das richtet sich auch gegen die Kritik von "Stop the Bomb" . Die Gruppe protestierte gegen die "Hofierung" eines Vertreters des "Antisemitenregimes" und plant Proteste am Sonntag. (DER STANDARD, Printausgabe 24./25.4.2010)

Kommentar posten
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papst benedikt
26.04.2010 20:19

ich hoffe, die autoren haben vorher bei den usa nachgefragt, ob der artikel eh so passt, oder ist das im falle des standard ohnehin schon automatisiert? ;-)

stj911.org physics911.net
25.04.2010 20:56

Eine Präpotenz haben die, das einem die Augen übergehen. Fragen die USA uns vielleicht, bevor sie jemand einladen? Fragen die USA überhaupt IRGENDWEN bevor sie jemand einladen?? Also.

zimbo
 
26.04.2010 12:47
Die schauen sich ihre eigenen Propagandafilme an.

Man kann sie aber leicht verscheuchen, indem man sich eine Zigarette anzündet.

stj911.org physics911.net
28.04.2010 12:24

versteht irgendwer was zimbo da schreibt?

stj911.org physics911.net
25.04.2010 21:26
,dass

tom krishan1
 
25.04.2010 18:32

es ist doch echt unglaublich, wie die westliche position einschl. der medien und presse einschliesslich DER STANDARD !!!, nach wie vor, trotz mehrfach erwiesener richtigstellungen, WIDER BESSEREN WISSENS, die frechheit und ignoranz besitzen, immer wieder die lüge zu unterstützen oder zu verbreiten "[so der Minister], dass Äußerungen wie jene von Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen (...)"

das kann man wohl nur als ignorantes kriegstreiberpack bezeichnen.

STJ911.org
11.03.2011 01:17

Antwort?

stj911.org physics911.net
25.04.2010 20:58

Den Spruch habe ich allerdings schon oft gehört (dass Israel ein Krebsgeschwür wäre, etc.) und, ja zugegebenermaßen in westlichen Medien nur und ich möchte Ihnen auch gerne glauben, dass solche Äußerungen bloß gelogen sind und nie stattgefunden haben. Aber können Sie das irgendwie belegen ?

sixela
25.04.2010 16:43

Wir Österreicher treffen wen wir wollen, frei nach Strache und Konsorten, die hier feste Verbündete der Mehrheit der Poster sind.

Wurscht ob der Iran sich darauf vorbereitet, Israel ausradieren zu wollen, WIR Österreicher wollen Geschäfte mit den Mullahs machen!

Zwei Und Vierzig
25.04.2010 19:31
Wurscht ob der Iran sich darauf vorbereitet, Israel ausradieren zu wollen ...

... behauptet wer?

stj911.org physics911.net
25.04.2010 21:02
sorry,

ich wollte Sie gerade positiv bewerten und hab den falschen Knopf erwischt. Tut leid.

Ich hab das "Ausradieren"-Zitat aber schon so oft gehört, bei TV-Übertragungen, etc. Kann natürlich auch absichtlich falsch übersetzt worden sein und die Beweislast liegt beim Ankläger, aber können Sie irgendwie belegen, dass Ahmadinejad solche Sprüche nie getätigt hat ?

Zwei Und Vierzig
25.04.2010 22:00
Teil II

Das Ahmadinejad nicht der beste Freund der Israelischen Regierung ist - darüber braucht man nicht streiten - seine Aussagen über den Holocaust und Israel seien mal dahingestellt - aber dass der Iran Israel oder ein anderes Land angreifen würde - für nix und wieder nix?

Die Frage ist immer - was bringt dem Iran ein Krieg mit Israel? Der Iran hat andere Sorgen - Soziale Probleme, Wirtschaftliche Probleme, Politische Probleme ... Die Mullahs wollen nur Geld scheffel'n - da ist keine Zeit für einen Krieg mit Israel. Israel hat absolut nix, was für den Iran von Interesse sein könnte - außer ein paar religiöse Stätte - aber die bringen den Mullah's keine Kohle ...

stj911.org physics911.net
25.04.2010 23:05
"seine Aussagen über den Holocaust ... seien mal dahingestellt"

Wie meinen Sie das genau?

>>Die Frage ist immer - was bringt dem Iran ein
>>Krieg mit Israel? Der Iran hat andere Sorgen -
>>Soziale Probleme, Wirtschaftliche Probleme,
>>Politische Probleme ...

Gerade dann eint im Inneren ein Fein im Äußeren. Das ist so klassisch, dass es mich wundert das überhaupt erwähnen zu müssen.

>>Israel hat absolut nix, was für den Iran
>>von Interesse sein könnte

Ideologie ist auch ein Kriegsgrund. Der ganze kalte Krieg war darauf aufgebaut und wäre um ein Haar in eine nukleare Apokalypse geschlittert.

Zwei Und Vierzig
25.04.2010 21:57
Ich bin kein Sprachwissenschaftler und will auch nicht zum x-ten Mal darauf hinweise, dass bei Übersetzungen extrem viel verloren geht, bzw. man Übersetzungen das so ausarbeiten kann, dass es anders klingt als gemeint.

Ich habe zeitweise beim Behörden für Iranische und Afghanische Flüchtlinge übersetzt - hatte manchmal extreme Probleme einfach Sätze so zu übersetzten, dass es im Kontext Sinn macht und auch noch richtig übersetzt ist.

Erstens - ist es es absolut egal was Ahmadinejad über den Holocaust denkt. Zumindest im Iran interessiert sich kein Mensch für den zweiten Weltkrieg. Und - Politiker im Iran reden viel und unüberlegt, wenn der Tag lang ist. Die Masse hört nicht mal hin. Pseudodrohungen gegen dies oder jenes gehören zur Iranischen Tagespolitik - und die Iraner wissen, was Rethorik ist und was ernst gemeint. Außerdem Ahmadinejad ist spätestens in drei Jahre iranische Geschichte. Ein ehemaliger Präsident wie einige vor ihm auch.

STJ911.org
06.03.2011 19:43
"Ich habe zeitweise beim Behörden für Iranische und Afghanische Flüchtlinge übersetzt".

Warum sind Sie dann kein Sprachwissenschaftler?? Ein Dolmetsch ist doch ein Sprachwissenschafter oder?

Zwei Und Vierzig
07.03.2011 01:16

Um für einen Flüchtling auf den Behörden ein Pass zu beantragen - oder - um eine Gebührenbefreiung abzusuchen, reicht es Zivildiener zu sein - man braucht kein professioneller Dolmetscher zu sein. Ich habe nur für "Alltagssituationen" übersetzt.

stj911.org physics911.net
25.04.2010 22:27

Die Übersetzungsproblematik kenn ich aus eigener Hand. Aber wenn jemand zitiert wird als hätte er gesagt, dass ein Land dem Erdboden gleichgemacht werden müsse, dann hat das nichts mit Nuancen in der Übersetzung zu tun. Entweder er hat es tatsächlich gesagt, oder die Übersetzung ist eine propagandistische Lüge. An eine misglückte Übersetzung glaub ich da kaum, vor allem wenn es schon das 10. mal passiert.

>>"Und - Politiker im Iran reden viel und
>>unüberlegt, wenn der Tag lang ist."

Sorry, aber diese Ausrede zählt einfach nicht. Weder für den Iran, noch die USA od. Österreich. Das hat vor kurzem auch der verurteilte Kronezeitung-Poster zu spüren bekommen. Der hatte das "Juden an die Wand" auch mit ein paar Bier entschuldigt.

Zwei Und Vierzig
25.04.2010 22:53
... da meine Muttersprache persisch ist, tue mir bei den Aussagen von Ahmadinejad releativ einfach. Diese klingen im Originalen Zusammenhang komplett anders als wenn man einzelne Zeilen und Fragmente ausnimmt und dann übersetzt.

Im Konkreten hat er sogar nur Khomeini zitiert. Und Israel dem Erdboden gleichmachen war auch nie die Rede.

Holocaust?

Wenn sie in Österreich oder Deutschland die Existenz Gottes verleugnen werden sie eventuell belächelt. Wenn die den Holocaust leugnen kommen sie ins Gefängnis.

Wenn sie im Iran den Holocaust leugnen werden sie eventuell belächelt. Wenn sie die Existenz Gottes leugnen kommen sie ins Gefängnis (wenn sie Glück haben).

Abgesehen von den unterschiedlichen Gesetzten, hat das Thema Holocaust und Antisemitismus im Iran keinerlei Relevanz.

Im Krieg mit dem Irak sind zehntausende Iraner durch Chemische Waffen vom Saddam (geliefert durch den Westen) gestorben - das ist iranische Zeitgeschichte - nicht der Holocaust.

STJ911.org
06.03.2011 19:48
Wenn Ihre Muttersprache persisch ist,

würde ich mich freuen Informationen aus erster Hand zu bekommen, über Ahmadinejad's tatsächliche Äußerungen, die mit "Israel dem Erdboden gleichmachen", bzw. "ausradieren". Was hat er also stattdessen in Wirklichkeit gesagt?

Und wenn er bezüglich "Israel ausradieren" nur Khomeini zitiert hat, warum zitiert er ihn mit diesem Zitat bereits dutzende Male (laut Übersetzungen in westl.Medien)? Die Wahl eines Zitats ist freier Wille und nicht bedeutungslos.

Wenn ich abwertende Nigger-Zitate verwende und mich von selbigen nicht distanziere, übernehme ich automatisch die Autorschaft (authorship).

Zwei Und Vierzig
07.03.2011 01:10
Mir geht es prinzipiell nicht darum Ahmadinejad zu verteidigen...

... sondern, dass man in den Medien vieles bewusst falsch deutet, um das eigene Klientel zu "befriedigen". Und ich finde, dass solche eine Manipulation, mit unter, äußerst gefährlich ist - wenn man damit in weiter Folge Kriege im Namen der Demokratie rechtfertigt.

aber die Aussage...

"Unser lieber Imam sagte, das Besatzungsregime müsse von der Karte gefegt werden."

Mit "Besatzungsregime" ist schon die Israelische Regierung gemeint (das vom Iran nicht anerkannt wird) - aber daraus nun Antisemitismus abzuleiten ist wohl schon sehr "sportlich".

Lesen sie mal folgende Seite durch, hier werden diese und auch andere Aussagen Ahmadinejads und die unterschiedlichen Übersetzungen angesprochen ... http://tinyurl.com/62j6sda

stj911.org physics911.net
05.05.2010 15:17

In einem unveröffentlichten Posting haben Sie geschrieben: "ich halte Ahmadinejad nicht für einen guten Präsidenten - aber das hat nichts mit seiner Meinung über den Holocaust zu tun. Die ist mir und den meisten Iranern egal."

Wenn Millionen Iraner massakriert worden wären, und jemand leugnet das, wäre Ihnen das dann auch egal? Wenn ja, warum? Wenn nein, wieso diese double standards ?

Zwei Und Vierzig
05.05.2010 17:01
Es gibt viele Völker auf dieser Erde, an denen Verbrechen verübt wurde ...

Die Massaker an Kurden und Schiiten im Irak, die Armenier in der Türkei, vor kurzem der Völkermord in Ruanda oder im Sudan etc.

Der Unterschied zwischen diesen Verbrechen und dem Holocaust ist die Zahl der Opfer und der Zeitpunkt der Verbrechen.

Es wurden (und werden) grausamste Verbrechen an einzelne Menschen begangen.

Nein es ist mir nicht egal, dass diese Verbrechen verübt werden - und ich begrüße jeden der seines dazu beiträgt, dass solche Verbrechen nicht wieder verübt werden - aber ob Ahmadinejad jeden Tag die Verbrechen in Ruanda anspricht, ignoriert bzw. seine Meinung über diese Verbrechen äußert - solange er diese Verbrechen nicht selber begangen hat oder unterstützt hat - es es mir eigentlich egal was er dazu sagt.

STJ911.org
22.01.2011 19:30

(1) Erstens: LEUGNEN von Holocaust oder ethnischen Säuberungen ist GEFÄRHLICH! Muss ich Ihnen erklären warum, oder verstehen Sie das von selbst?

(2) Zweitens: "Der Unterschied [...] ist [...] und der Zeitpunkt des Verbrechen." --> Warum der Zeitpunkt??

Zwei Und Vierzig
22.01.2011 20:42

2) In all diesem Fällen wurden unschuldige Menschen ermordet - die einen vor 70 Jahren - die anderen ein paar Jahrzehnte später oder früher ... da ich keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch mache - sehe ich außer dem Zeitpunkt der Verbrechen keine allzu großen Unterschiede zwischen dem Holocaust und anderen Verbrechen an die Menschlichkeit.

1) Sie sagen es! - aber (vor allem im Deutschsprachigen Raum) steht das Leugnen vom Holocaust unter Strafe. Behauptet jedoch irgendwer öffentlich, im Ruanda hätte kein Völkermord oder Ethnische Säuberung stattgefunden - dann interessiert sich kein Richter dafür ...

STJ911.org
31.01.2011 16:55
ad 1+2)

ich würde es genauso schlimm finden, wenn andere Völkermorde oder ethnische Säuberungen geleugnet werden (Ruanda, etc.)

Aber was ändert das daran, dass die Holocaust-Leugnung von Ahmadinejad genauso zu verurteilen ist?? Irgendwie verstehe ich Ihr Argument nicht :-(

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