Sabine Scholl lebt als Schriftstellerin in Berlin und hat Lehraufträge an diversen Hochschulen - Zuletzt erschien "Giftige Kleider" (Deuticke Verlag)
STANDARD: Sie sind Professorin am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Was genau ist Sprachkunst?
Scholl: In anderen Worten würde man "kreatives Schreiben" sagen - allerdings auf universitärem Niveau und abzuschließen mit einem Bachelor.
STANDARD: Viele sagen, dass kreatives Schreiben nicht erlernbar sei.
Scholl: Es war auch eine schwierige Diskussion. Andererseits ist es doch so, dass man sich in der Musik oder in anderen bildenden Künsten sehr wohl anleiten lassen darf. Warum also nicht auch in der Sprachkunst ...
STANDARD: Sie selbst sind ebenfalls Autorin. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Scholl: Ich habe immer schon geschrieben - schon in der Schulzeit. Und es wäre damals gut gewesen, hätte ich jemanden gehabt, der professionell auf meine Texte eingegangen wäre. Man ist ja sonst auf zufällige - und dann oft nicht fundierte - Kritik angewiesen.
STANDARD: Sie decken viele Genres ab, vom Reisebericht bis zum Roman - zuletzt haben Sie einen Krimi geschrieben. Wie werden Sie als Autorin gesehen?
Scholl: Ich bin der bunte Hund. Was allerdings dann bei der Vermarktung nicht so einfach ist.
STANDARD: Wie lebt es sich überhaupt als Schriftstellerin?
Scholl: Ohne die Lehre könnte ich mir das Schreiben nicht leisten - vor allem nicht mit meinen zwei Kindern. Man kämpft mit prekären Lebensumständen. Vielen Anfängern ist nicht klar, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Autoren vom Schreiben leben kann. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 24./25.4.2010)