Rassismus: Sportler beschimpft

Polizisten schuldig gesprochen

23. April 2010, 15:54

Der österreichische Olympiateilnehmer Tuncay Caliskan war auf einer Wachstube von Beamten beleidigt worden

Im Wiener Straflandesgericht ist am Freitag der Prozess gegen die fünf Polizisten abgeschlossen worden, denen im Zusammenhang mit einer von rassistischen Begleittönen untermalten Amtshandlung, in die der zweifache österreichische Olympiateilnehmer Tuncay Caliskan verwickelt war, Amtsmissbrauch und Beleidigung vorgeworfen wurde. Die zwei Beamten, die sich geweigert hatten, eine Anzeige des Taekwondo-Kämpfers aufzunehmen, wurden wegen Amtsmissbrauchs zu acht bzw. sechs Monaten bedingter Haft verurteilt.

Richterin Martina Hahn unterstellte den beiden ein "pflichtwidriges Verhindern, dass die Dinge ihren normalen Lauf nehmen". Der Viertplatzierte der Olympischen Spiele in Sydney 2000 hatte sich im November 2006 an einem frühen Sonntagmorgen zu einer Wachstube in Wien-Margareten begeben, weil er am Nachhauseweg von einem Unbekannten mit einem Baseballschläger bedroht wurde. Er wollte den Mann, der ihn angeblich eine dreiviertel Stunde mit dem Auto verfolgt hatte, wegen gefährlicher Drohung anzeigen, doch die Polizisten kamen zum Schluss, dass keine Tatbestandsmäßigkeit gegeben war, da Caliskan auf sie keinen ängstlichen Eindruck machte.

Stattdessen wurde der Sportler türkischer Abstammung auf dem Wachzimmer als "Scheißkanak" und "Tschusch" beschimpft, woran der Schöffensenat nach einem umfassenden Beweisverfahren keinerlei Zweifel hatte. Ein weiterer Polizist wurde daher wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 4.050 Euro verurteilt, wovon ihm 2.700 Euro bedingt nachgesehen wurden.

Freispruch

Jener Beamte, der sich bei den Beschimpfungen besonders hervorgetan hatte, musste in diesem Anklagepunkt allerdings freigesprochen werden, weil nach Ansicht des Gerichts zum Zeitpunkt seiner Schimpfkanonade noch nicht die ausreichende Anzahl von Personen im Wachzimmer versammelt war, um die für eine tatbestandsmäßige Beleidigung erforderliche Publizität herzustellen.

Für den mitangeklagten Wachkommandanten und eine Beamtin, der ebenfalls der Gebrauch rassistischer Schimpfwörter vorgeworfen wurde, gab es zur Gänze Freisprüche im Zweifel. In Bezug auf diese beiden erschien dem Gericht die Beweislage zu dünn. Sämtliche Entscheidungen sind nicht rechtskräftig. Die Verteidiger erbaten Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Der 33-jährige Sportler hatte sich zuvor im Zeugenstand erinnert, ihm sei gleich zu Beginn von einem Polizisten beschieden worden, er möge "das Maul halten". In weiterer Folge hätte ihn dieser Beamte als "Scheißkanak" und "Tschusch" tituliert.

"Ich hab' mich gewundert, wie man so aggressiv sein kann. Ich hab' nicht verdient, dass jemand so zu mir kommt", stellte Caliskan fest. Er habe den Beamten darauf aufmerksam gemacht, dass er für Österreich zweimal bei den Olympischen Spielen angetreten sei und mehr für das Land gemacht habe als andere. Das habe den Polizisten nur zorniger gemacht. Dieser sei noch ausfälliger geworden.

"Unschöne Worte"

"Ich bin seit zehn Jahren Soldat. So Beamte wie wir sollten sich auch dementsprechend verhalten", deponierte der Sportler. Als es im Wachzimmer immer lauter wurde, wären der Wachkommandant und weitere Polizisten dazu gekommen, die ihn ebenfalls "mit unschönen Worten" bedacht hätten, sagte Caliskan. Lediglich einer der fünf Uniformierten hätte ihn korrekt behandelt: "Er hat alles richtig gemacht. Ich will überhaupt nicht, dass dem etwas passiert."

Bis auf diesen Beamten, der die verbalen Übergriffe seiner Kollegen vor Gericht bestätigte, hatten die übrigen Angeklagten die inkriminierten Beschimpfungen in Abrede gestellt. Dass ausgerechnet jener couragierte Polizist, der sich gegen seine Kollegen stellte, am Ende wegen Amtsmissbrauchs schuldig erkannt wurde, schien die vorsitzende Richterin fast zu bedauern. "Sie sind blöd in die Sache hineingerutscht und zum Handkuss gekommen", hielt sie in der Urteilsbegründung fest. (APA)

Nachlese mit Postings:

Polizist bestätigt Rassismus

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Serv X
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Türkenhass!

Dieses Bild zeigt uns etwas eindeutiges nämmlich, wie Rassistisch eigentlich manche Polizisten sind. Solche Polizisten sollen uns beschützen? - nicht das ich lache.

christian becker
00
26.4.2010, 12:10

UNPACKBAR <-- ausgerechnet jener couragierte Polizist, der sich gegen seine Kollegen stellte, am Ende wegen Amtsmissbrauchs schuldig erkannt wurde

Manchmal fragt man sich, wo man eigentlich lebt

hosenwurm
00
25.4.2010, 23:10
Wäre hier keine Diversin möglich gewesen?

Im Falle des einen Beamten der "ausgepackt" hat und reuig war, und von dem das Opfer nicht wollte dass er bestraft wird.

Dass die anderen aus dem Polizeidienst entlassen werden sollten wäre die einzig richtige Reaktion, wird aber bei der lächerlichen Disziplinarkommission, die auch nur mauert, 100%ig nicht passieren.

Beschimpfen der Kundschaft wäre jedenfalls für jeden Arbeitnehmer ein glasklarer Entlassungsgrund.

rapidfans.at
05
25.4.2010, 14:53
die polizei braucht mehr rechte.

wo kommen wir da hin, wenn nun nicht mal mehr so kleinigkeiten intern vertuscht werden können.

so go
11
24.4.2010, 11:31

schade dass nicht alles klischees stimmen und der "kanak" unsere "glatzen" nicht vernascht hat.

Daviddavidovich
 
00
24.4.2010, 06:39

Gut das sich endlich einmal einer die Mühe machte und auch bis zum Schluß durchhielt.Ich möcht jetzt gar nicht ins Detail gehen,was ich schon erlebt habe
mit unserer Polizei,eines ist mir besonders aufgefallen
wenn Polizistinnen dabei sind,tun sich ihre Kollegen besonders oft Peinlich hervor,ich konnte das im Zuge vieler Fußballmatches oft beobachten.Andererseits muß man schon festhalten das es ein sehr Nervenaufreibender Job ist.

wiesengarten
00
23.4.2010, 21:32
8 Monate bedingt

einmal für den Tod eines Jugendlichen
einmal für Beschimpfung

Hat die Justiz den Verstand verloren?

Nebenbei wird ein 30-Jähriger in Frühpension geschickt und lebt den Rest seines Lebens auf unsere Kosten und fühlt sich wahrscheinlich auch noch benachteiligt.

Di Fu
00
24.4.2010, 11:07

Sie sollten vor dem Schreiben nachdenken. Es geht um Amtsmissbrauch.

lubo
00
23.4.2010, 21:15

unsere justiv passt sich derer von somalia an...und keiner merkt es...beschämend..

Fritz Wunderlich
00
23.4.2010, 19:38

frechheit, diese vier polizisten sind sofort zu entlassen

cannery row
00
23.4.2010, 19:33
eigentlich unglaublich..

diese ganzen beschimpfungen etc. richteten sich gegen einen österreichischen staatsbürger. "schleich di ham" kann daher schon etwas verwirren.

pay cough
08
23.4.2010, 19:27
statt bedingter Strafen

sollte man den Polizisten doch ein paar Sparring Runden mit Caliskan schenken. An die werden sie sich lange erinnern.

pike bishop
01
23.4.2010, 19:24

Man kann sich nur noch wundern. Ein deutlciher Hinweis für alle, die in Zukunft gegen ihre Kollegen aussagen. Die Justiz hält eben zusammen.

Pareidolic
00
23.4.2010, 19:17
Schwer zu durchschauen

Fünf Beamte waren also angeklagt.

Einer, der nicht beleidigend wurde, das eigene Fehlverhalten zugab und gegen die anderen Beamten aussagte, wurde wegen Amtsmissbrauch schuldig gesprochen.

Ein zweiter wurde ebenfalls wegen Amtsmissbrauch schuldig gesprochen. Ob das der in Frühpension befindliche "Haupttäter" ist bleibt unklar, auch ob das jener war "der sich bei den Beschimpfungen besonders hervorgetan hatte".

Ein dritter wurde wegen Beleidigung schuldig gesprochen.

Freigesprochen wurde der Wachkommandant und eine Beamtin. Also hat laut Urteil der gemeinschaftliche Amtsmissbrauch ohne Beteiligung oder Wissen des Wachkommandanten stattgefunden?

Wolf X
00
23.4.2010, 20:47
Nicht beleidigend,

dafür hat er aber - dem Druck seiner Kollegen folgend - ein unwahres Protokoll unterschrieben. Und das ist halt noch immer Amtsmissbrauch, auch wenn er den Olympioniken nicht beschimpft hat.

Pareidolic
03
23.4.2010, 19:29
Zu den Strafen:

Dass jener der den Amtsmissbrauch zugibt auch wegen Amtsmissbrauch schuldig gesprochen werden muss ist klar. Da der Strafrahmen für Amtsmissbrauch von 6 Monate bis 5 Jahre reicht wurde ihm mit 6 Monaten bedingt auch die geringstmögliche Strafe auferlegt, in diesem Aspekt kann man das Urteil daher nicht kritisieren.

Unverständlich ist allerdings dass jener zweite Täter der ebenfalls schuldig gesprochen wurde, keine Reue zeigte und nichts zur Wahrheitsfindung betrug, ebenfalls nur 8 Monate bedingt erhielt, also ebenfalls am unteren Rand des Strafrahmens blieb. Der geringe Unterschied zwischen den beiden Strafen hinterlässt keinen guten Eindruck.

Laandaks
00
23.4.2010, 19:09
Bitte, worin bestand denn der Amtsmißbrauch des ehrlichen Polizisten?

...

Darin, daß er nicht die Anzeige aufgenommen hat? Müßten dann nicht auch alle anderen wegen Amtsmißbrauchs verurteilt werden.

Bei der guten Richterin (für sie gilt die Unschuldsvermutung) liegt die Vermutung nahe, daß hier alle Register gezogen wurden, um freizusprechen - oder irre ich mich da?

Vielleicht sollte man auch überlegen, in Wachzimmern (wie etwa in Banken) Kameras - und zwar mit Ton, bitte - zu installieren, damit zweifelsfrei festgestellt werden kann, wer was sagte?

Weiser Weisnich
00
23.4.2010, 19:03
find' ich gut...

... aber vermutlich ist der Standard die einzige Zeitung, die solche stories bringt.

Mirstetta Toni
05
23.4.2010, 19:00

ein urteil mit system. der nächste "ehrliche" wird wohl gar keine aussage machen.

zudem wundert mich, dass der atikel unter der rubrik integration aufscheint. handelt es sich beim kläger doch um einen österreichiischen staatsbürger der seit zehn jahren beim heer bedienstet ist.

Schrumpfschlauch
03
23.4.2010, 18:52
Bumm, 8 Monate bedingt?


Da hätte sie ja gleich schießen können.

Sean Bescher
09
23.4.2010, 18:18
... und alle verbleiben weiterhin im staatsdienst?!

abgesehen davon dass der einzige, der sich korrekt verhalten hat, verurteilt wurde eine frechheit sondergleichen!

didigoose
20
23.4.2010, 18:57

an was lest ihr das alles ab aus dem bericht? ich interpretiere den anders und sehe da nicht, daß genau der eine verurteilt wurde??

Pareidolic
01
23.4.2010, 19:18

"Dass ausgerechnet jener couragierte Polizist, der sich gegen seine Kollegen stellte, am Ende wegen Amtsmissbrauchs schuldig erkannt wurde, schien die vorsitzende Richterin fast zu bedauern."

Ignaz gartengschirrl
00
23.4.2010, 18:15
da Caliskan auf sie keinen ängstlichen Eindruck machte.

sind die jetzt schon psychiater das sie beurteilen können wer ängstlich ist oder nicht?
oder soll ich das so verstehen das einem kein unrecht geschehen ist solange ich mich nicht fürchte??

eine bodenlose frechheit!

mrsoul
00
23.4.2010, 18:12
warum wurde der gegen sein kollegn aussagende polizist...

wegen amtsmissbrauch verurteilt? im artikel steht dazu nichts. und wie hat er sich in der situation verhalten?

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