Internetprovider lehnen Vorratsdatenspeicherung großteils ab

23. April 2010, 13:12

Jeder zehnte ISP erwartet Kosten von mehr als 150.000 Euro - Ausnahme für Kleinbetriebe könnte wackeln

 Zwei Drittel der österreichischen Internetzugangsanbieter sprechen sich gegen die Umsetzung der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung aus. Ein Drittel will die Daten nur speichern, wenn es einen ausdrücklichen Auftrag eines Richters gibt, geht aus einer Umfrage unter den rund 200 Mitgliedern der Vereinigung der Österreichischen Internet Service Provider (ISPA) hervor. Für eine Umsetzung hat kein einziger Provider plädiert. 

Kosten

Die durch die Einführung der Vorratsdatenspeicherung im ersten Jahr auftretenden Kosten (Installation und Betrieb) sind für die Hälfte der Provider (49 Prozent) noch nicht absehbar. Jeweils 21 Prozent erwarten Aufwände von bis zu 50.000 Euro beziehungsweise von 50.000 bis 150.000 Euro. Rund jeder zehnte ISP (neun Prozent) geht davon aus, dass bis zu 500.000 Euro fällig werden.

"In Deutschland gibt es für die Provider keinen Kostenersatz, in Österreich ist das glücklicherweise anders. Allerdings weiß man nicht, ob das nicht zu niedrig angesetzt wird", gab ISPA-Generalsekretär Andreas Wildberger zu bedenken. Wichtig sei vor allem für die kleineren Betriebe, dass die Kosten gleich abgegolten werden "und nicht in ein oder zwei Jahren". Außerdem fordere man eine Übergangsfrist von mindestens sechs Monaten. 

Warnung

Wildberger warnte außerdem davor, an der Ausnahme von der Speicherpflicht für Kleinunternehmen, darunter fallen mehr als die Hälfte der ISPA-Mitglieder, zu rütteln. Entsprechende Signale seien zu vernehmen. Der organisatorische Aufwand sei KMU allerdings nicht zumutbar. Für 43 Prozent der Provider ist der zusätzliche Arbeitsaufwand durch die Umsetzung noch nicht absehbar. 21 Prozent rechnen mit weniger als fünf Wochenstunden, 27 Prozent mit fünf bis zehn Wochenstunden und neun Prozent mit noch mehr Extra-Arbeit.

Zwei Drittel der Provider haben sich in der Umfrage jedenfalls dafür ausgesprochen, auf europäischer Ebene alle Hebel in Bewegung zu setzen, um "die Richtlinie an ihrem Ursprung abzuschaffen". Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung (Data Retention) verpflichtet alle Mitgliedstaaten dazu, Verkehrsdaten aus Telefonnetzen und dem Internet mindestens sechs Monate zu speichern. In Deutschland hat das Bundesverfassungsgericht Anfang März das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung nach Beschwerden von mehr als 34.000 Bürgern gekippt. (APA)

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10 Postings
good old europe
00
23.4.2010, 20:03
Bürgerinitiative gegen Vorratsdatenspeicherung...

...und für Maßnahmen gegen die Vds auf EU-Ebene wurde mit Mehrheit der ÖVP+SPÖ gegen Grüne, FPÖ und BZÖ am 14.4. ad acta gelegt (keine weitere Behandlung) http://piraten.in/5vu

ü-strichal
02
23.4.2010, 17:26

und auch wenn es auf eu-ebene eine änderungen geben wird, die den mitgliedsstaaten es frei lässt ob sie die vds einführen wollen oder nicht ... werdns unsere volks(ver)treter einführen ... koste es was es wolle, denn das dumme wählervolk muss ja überwacht, bespitzelt und kontrolliert werden

friedrich wilhelm voigt
03
23.4.2010, 18:37

ja. aber wehe, google fotografiert ein paar gartenzäune, dann tun die politiker so, als ob sie sich auf einmal um datenschutz sorgen würden.

sylvia29
00
30.6.2010, 13:08
wieso

sollte man das eine gegen das andere ausspielen müssen?

meinrad
00
30.6.2010, 16:39

ich weiß nicht, ob man muß. gemacht wirds halt.

marksu
02
23.4.2010, 15:57
teuer, lästig und gegen die kundenwünsche

warum sollte man das den providern zumuten.

wenn der staat die daten haben will, dann soll er darüber abstimmen und eigene internetknoten und filter errichten. wem dann nicht metternich 2.0 schwant …

Beate Kreuzberg
00
23.4.2010, 13:38
Logisch, das die dagegen sind

kostet nur, bringt den Providern aber gar nichts.

Und 150.000 halte ich für einen der großen Provider eher als unteres Limit.

sylvia29
00
30.6.2010, 13:11
warum eigentlich?

erhoben werden sie ohnehin.

bisher dürfen sie bis zu einer maximalfrist gespeichert werden. diese wird allgemein bei sechs monaten angesetzt, obwohl drei jahre (verjährung des verrechnungsanspruchs) genauso logisch wären.

danach müssten sie bis zu zwei jahre gespeichert werden.

ich begrüße alles, was die einführung der vds verhindert, aber dieses kostenargument scheint mir nicht sehr stichhaltig zu sein.

friedrich wilhelm voigt
07
23.4.2010, 18:39

klar ist es logisch, daß die dagegen sind. ich bin kein provider und ich bin auch dagegen. das liegt daran, daß es einfach nicht ok ist, jeden unter generalverdacht zu stellen und alle seine bewegungen gegen seinen willen aufzuzeichnen.

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