IWC legt Kompromissvorschlag vor - scharfe Kritik von Neuseeland und Umweltschutzorganisationen - "sterbende Walfangindustrie" soll am Leben gehalten werden
Tokio - Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat zur
Beilegung des jahrelangen Streits zwischen Befürwortern und Gegnern der Jagd auf
Wale einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Demnach würde erstmals seit 25 Jahren
kommerzieller Walfang wieder offiziell erlaubt, wenn auch unter strengen
Bedingungen. Über den Vorschlag soll auf der Jahrestagung der IWC im Juni in
Marokko beraten und abgestimmt werden.
Ausnahmeregelungen
Derzeit ist die Jagd auf die Meeressäuger verboten, es gelten allerdings
viele Ausnahmeregelungen. Sie werden vor allem von Japan, Norwegen und Island
genutzt. Diese drei Länder töten jährlich etwa 3.000 Wale, zehn Mal so viele wie
1993. Dem am Donnerstagabend vorgestellten Vorschlag zufolge könnten in den
kommenden fünf Jahren jeweils 400 Zwergwale in der Antarktis getötet werden, in
den fünf Folgejahren jeweils 200. Außerdem würde auch eine begrenzte Jagd auf
andere Arten wie Finn-, Grönland- und Gray-Zweizahlwale zugelassen. Die Regelung
soll bis 2020 und nur für Länder gelten, die auch derzeit Wale jagen und würde
von der IWC überwacht. Nach Ansicht der IWC wäre es eine Verbesserung gegenüber
der aktuellen Situation, die weitgehend ihrer Kontrolle entzogen ist.
Japan reagierte vorsichtig positiv auf den Vorstoß, der dem Land die
kommerzielle Waljagd vor seiner eigenen Küste erlauben würde. Eine Fangquote für
Zwergwale in Küstengewässern sei langfristig erwünscht, sagte ein Sprecher der
Fischereibehörde. Kritik wurde daran geübt, dass die vorgeschlagene Quote
niedriger liegt als die Zahl der Wale, die Japan derzeit zu sogenannten
Forschungszwecken fängt.
Scharfe Kritik
Der neuseeländische Außenminister Murray McCully sagte, der Vorstoß der IWC
erfülle die Erwartungen seines Landes nicht, da er nicht deutlich besser als der
Status Quo sei. Neuseeland tritt für ein Ende des Walfangs in den südlichen
Meeren ein. Deutliche Kritik kam auch von Umweltschutzorganisationen. "Zur Zeit
scheint es, dass die Wale alle Zugeständnisse machen und nicht die Walfänger",
sagte Junichi Sato von Greenpeace Japan. Der Vorstoß halte eine sterbende
Walfangindustrie am Leben, nicht die Wale. Ähnlich sieht es Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms: "Wird der bestehende Vorschlag bei der IWC-Jahreskonferenz im Juni beschlossen, wird dadurch ohne finales Ausstiegsszenario legitimiert, dass weiterhin Wale gejagt und ihr Fleisch gehandelt wird. Dies wäre ein massiver Rückschritt für den internationalen Walschutz - und keine Zukunftsvision."
"Wir dürfen uns auf diesen faulen Kompromiss nicht einlassen. De Facto würde das Walfangmoratorium fallen", so Axel Hein, WWF Meeres- und Fischereiexperte. "Diese Fangquoten einen Kompromiss zu nennen, ist absurd: Für Japan und Island wären die Quoten vorerst kaum eine Einschränkung", erklärte Sandra Altherr von Pro Wildlife. "Damit opfert die IWC nicht nur das Walfangmoratorium, sondern auch das Antarktis-Schutzgebiet. Und die norwegischen Walfänger dürften sogar mehr Zwergwale töten als sie dies derzeit tun."
"Die Walschutzstaaten haben innerhalb dieser Verhandlungen in keinem Punkt rechtsverbindliche Zugeständnisse von Pro-Walfangstaaten erhalten, um eine Verbesserung der gegenwärtigen Situation zu erreichen", kritisierte Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS, das Dokument und fügte hinzu: "Die Annahme des Vorschlages wäre mittelfristig eine Rückkehr zum kommerziellen Walfang im globalen Ausmaß - eine unumkehrbare Rückkehr." (APA/apn/red)