Österreichs südlicher Nachbar setzt auf Nachhaltigkeit und erzielt leichte Zuwächse bei Nächtigungen
Als die Regierung den 17. April zum Misttag erklärte, strömten 250.000 Slowenierinnen und Slowenen - 12 Prozent der Gesamtbevölkerung - aus, um sich beim öffentlichen Saubermachen ehrenamtlich zu beteiligen: Als Zentrum für Nachhaltigkeit präsentiert sich Slowenien denn auch in diesem Frühjahr: Mit dem Werbeslogan "I Feel SLOVEnia" richtet sich das Land an die grünen Herzen seiner Besucher: "Wir möchten zeigen, dass Umweltschutz und Tourismus vereinbar sind", sagte Dimitrij Piciga, Direktor der slowenischen Tourismuszentrale am Donnerstag in Wien.
Dem passen sich nun auch die Angebote für die Urlauber an. Sloweniens Tourismus setzt auf vier Säulen:
1. Natur
Die Voraussetzungen für die Going Green-Initiative sind günstig: 60 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt, 36 Prozent Naturschutzgebiet, 20 Prozent der Küste sind streng geschützt. Mehr als 20.000 Tier- und Pflanzenarten stellen eine der größten Artenvielfalt Europas dar. Wandern und Radfahren im Triglav-Nationalpark, Kanu und Fliegenfischen an der türkisblauen Soca gehören zu beliebten Beschäftigungen von Besuchern. Wer die Einsamkeit und Stille sucht, kann sie hier noch finden.
2. Thermen
Die Krise brachte zuletzt stagnierende Nächtigungszahlen. Für heuer verbucht Slowenien bereits sechs Prozent Zuwachs insgesamt, ganze acht Prozent mehr kamen, um das Thermenangebot zu nutzen, das eines der wichtigsten Säulen der Tourismusindustrie des Landes ist. Mehr als die Hälfte aller Österreicher, die in Slowenien Urlaub machen, besucht eine der 15 Thermen. Während anderswo der boomende Wellnessmarkt inzwischen an Grenzen stößt, investieren die slowenischen Thermen massiv. Die Therme Čatež im Südosten an der kroatischen Grenze baut Familien ein Indianerdorf. In Laško können sich Kongressbesucher in ein eigenes Hotel einquartieren. Zwischen den Küstenstädten Piran und Koper liegt Krka: Ab Mitte Mai eröffnen die Thalasso-Bäder rundumerneuert. Über neue Hotel- und Bungalowanlagen verfügen auch die Thermen Rogaška Riviera, Topolšica und Zreče.
3. Wein
Die Weinlandschaften Sloweniens stehen in einer Reihe mit Südsteiermark, Friaul und Toskana, sind aber weitaus stiller. Eine neue Broschüre gibt einen Überblick über die drei großen Weinstraßen Sloweniens: Podravje an der Drau, Posavje an der Sava und Primorska an der Küste. Neben einer genauen Beschreibung der Straßen locken Unterkunftsverzeichnisse, Auflistung der Weingüter und landestypische Rezepte. Slowenien verfügt über eine Vielzahl an Spitzenunterkünften und hochwertiger Gastronomie. Erste Destination für alle, die nach kulinarischen Genüssen Ausschau halten ist Primorska mit Brda, der slowenischen Seite des Collio. Die spröde Schönheit im Karst-Gebiete entspricht der herbe Charme des typischen Weines, der dort wächst, dem Terran.
4. Ljubljana
Nicht grün, aber doch chic: Ljubljana ist ab heute, Freitag, Welthauptstadt des Buches und ist damit die zehnte Stadt, die diesen Titel der Unesco trägt. Ungefähr 300 Veranstaltungen finden dazu statt. Das Literaturfestival Fabula präsentiert weltberühmte Schriftsteller wie zum Beispiel Herta Müller, Jonathan Franzen, David Grossman, Michael Viewegh, Richard Flanagan und Daniel Kehlmann. Mit mehr als 10.000 Veranstaltungen hat sich Sloweniens Hauptstadt den Ruf einer Kulturmetropole erworben. Heuer wartet etwa Anfang Juni das internationale Musikfestival der Alternativ- und Ethnomusik. Ende Juni findet Europas ältestes Jazz-Festival statt. Höhepunkte wie London Symphony Orchestra bringt das Sommerfestival. Im Oktober steht "Stadt der Frauen", das internationale Festival der modernen Kunst am Programm. (Doris Priesching/derStandard.at/23.4.2010)