"Space Plane" der US Air Force startete zu Jungfernflug in All - Militär hält sich über Ladung bedeckt - Unbemanntes Vehikel kann bis zu 270 Tage im Orbit bleiben
Washington - In der Nacht auf Freitag um 1.52 Uhr MESZ startete die US Air Force ihr geheimnisumwittertes "Space Plane" (derStandard.at berichtete) erstmals testweise ins All.
Das unbemannte Raumvehikel X-37B, das wie eine Mischung zwischen Drohne
und Space Shuttle aussieht, wurde mit Hilfe
einer "Atlas-V"-Rakete vom militärischen Teil des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral in Florida in den Weltraum gebracht, wie die US-Luftwaffe bekannt gab. Der Start glückte einem Air-Force-Sprecher zufolge direkt zu Beginn des
neunminütigen Zeitfensters, das dafür einkalkuliert war.
Rüstungsexperten befürchten nun, dass der Start von X-37B die Militarisierung des Weltraums einläutet. Chris Hellman vom National Priorities Project meinte, eine derartige unbemannte Plattform, die über Monate hinweg im Orbit bleiben kann, würde der US Air Force "alle möglichen Fähigkeiten verschaffen - sowohl zivile als auch
militärische".
Den Angaben der Militärs zufolge werde das "Space Plane", auch Orbital
Test Vehicle (OTV) genannt, für eine gewisse Zeit in
einer erdnahen Umlaufbahn verbleiben. Laut Gary Payton, dem stellvertretenden Unterstaatssekretär für Weltraumprogramme
der Air Force, kann X-37B im Laderaum mehrere kleine Satelliten von jeweils
einigen hundert Kilogramm mitführen. Was der Weltraum-Roboter bei diesem Test konkret mit sich führt, ließ Payton allerdings offen. Auch wie lange des Vehikel nun im All bleiben wird, wurde nicht verraten.
Es hieß lediglich, eine vollautomatisierte Landung sei zu einem späteren Zeitpunkt auf der
Vandenberg Air Force Base in Kalifornien vorgesehen. "Ehrlich gesagt, wissen wir nicht sicher, wann es zurückkommt", erklärte Payton im Interview. Laut Angaben der Air Force
sei das Roboter-Raumfahrzeug dafür ausgelegt, bis zu 270 Tage in einer erdnahen
Umlaufbahn verbleiben zu können. Bis 2011 will die Air Force ein zweites "Space Plane"ins All schicken.
Steuerungssystem und Dichtungen im Test
Das "Space Plane", das seit über zehn Jahren entwickelt wird, ist 8,90 Meter lang. Die Flüge haben eine Spannweite von lediglich 4,60
Metern, der Antrieb werde von Solarzellen und Batterien mit Energie versorgt. Wie es heißt, sollen beim Jungfernflug zunächst die
Navigations- und Flugleitsysteme, Materialien und Dichtungen geprüft werden. Die
Raumfähre soll im Orbit ihre Ladebucht öffnen und ihre Sonnensegel entfalten.
Seit über zehn Jahren ist an dem Orbital Test Vehicel
gearbeitet worden. Angefangen wurde das Projekt in den
späten 1990er Jahren zunächst von der zivilen Raumfahrtbehörde NASA, 2004
übernahm dann das Militär - zusammen mit dem Hersteller "Phantom Works", eine
Abteilung des Flugzeugbauers Boeing. Die Luftwaffe hat bereits einen zweiten
X-37B-Orbiter bestellt. (red/APA)