Boliviens Präsident Morales als Gastgeber: "Um die Welt zu retten, muss Schluss sein mit dem Kapitalismus."
La Paz - Die von dem
linksgerichteten bolivianischen
Präsidenten Evo Morales einberufene "Klimakonferenz der Völker" ist
am Donnerstag mit der Forderung an die Industriestaaten zu
drastischen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu Ende gegangen. Die
Atmosphäre dürfe sich höchstens um ein Grad erwärmen, hieß es in
einer Abschlusserklärung. Sie enthält weitere Forderungen und
Vorschläge für die nächste
UN-Klimakonferenz im Dezember in Mexiko.
Bei dem Treffen in der Stadt
Tiquipaya im Zentrum des
südamerikanischen Landes stand die
Kritik an den Industriestaaten des
Nordens und am Kapitalismus im Mittelpunkt. "Entweder es stirbt der
Kapitalismus oder es stirbt die Erde",
hatte Morales bei der
Eröffnung am Dienstag gesagt. Leidtragende des Klimawandels seien vor
allem ärmere Länder des Südens. Als Heilmittel gegen die als
Klimakatastrophe bezeichnete Entwicklung wurde von vielen der weit
mehr als 20.000 Teilnehmer aus mehr als 140 Ländern eine
sozialistische Wirtschaftsordnung genannt.
Als einziger ausländischer Staatschef reiste Venezuelas
linksgerichteter Präsident Hugo Chávez an. Das Treffen in der Nähe
der Großstadt Cochabamba sei "die Fortsetzung des in Kopenhagen (bei
der UN-Klimakonferenz) begonnenen
Kampfes für die Rettung der
Menschheit", sagte Chávez. Kopenhagen sei gescheitert an den
"imperialistischen Plänen der
US-Regierung", fügte der als US-
Kritiker bekannte Chávez hinzu. Um die
Welt zu retten, müsse "Schluss
sein mit dem Kapitalismus. Dafür muss die
Herrschaft Gottes auf Erden
errichtet werden: der Sozialismus, der für Frieden, Demokratie,
Nächstenliebe sowie Gleichheit und Freiheit" stehe.
An der Konferenz unter dem
etwas sperrigen Motto "Konferenz der
Völker über den Klimawandel und die
Rechte von Mutter Erde" nahmen
vor allem Vertreter sozialer Bewegungen und von indigenen Völkern
teil, die bei UN-Konferenzen eher am
Rande stehen. Sie arbeiteten
auch Fragen für ein von Morales betriebenes weltweites Referendum zum
Klimawandel aus.
Die Fragen lauten wie folgt:
Sind sie damit einverstanden, das
kapitalistische System zu verändern, die
Harmonie mit der Natur
wieder herzustellen, den Ausstoß an Klimagasen durch die Staaten und
multinationalen Konzerne zu verringern, alle Rüstungsausgaben in den
Umweltschutz umzuleiten, alle ausländischen Truppen und
Militärstützpunkte zu beenden und einen internationalen Gerichtshof
über Klima-Gerechtigkeit einzurichten? (APA)