"Nachwuchsmangel zwingt das an sich geschlossene System Ehrenamt zu einer Öffnung"
Linz - In Österreich leisten derzeit rund 44 Prozent der über 15-Jährigen Freiwilligenarbeit - in absoluten Zahlen drei Millionen Menschen. Doch die Bereitschaft, sich zu engagieren, sinkt. Im Jahr 2000 waren noch die Hälfte aller Österreicher aktiv. Für Vereine gilt es daher, neue Zielgruppen auszumachen. In Linz beschäftigt sich derzeit ein Symposium, organisiert unter anderem vom ersten Unabhängigen Landesfreiwilligenzentrums (ULF) mit Sitz in Oberösterreich, mit dem Thema "Migrant/-innen in der Freiwilligenarbeit".
Und unter den Experten ist man sich einig: Integration durch Ehrenamt ist ein Gebot der Stunde. "Aber wir stehen ganz am Anfang. Bislang wurde diesem Thema in Österreich nicht sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet. Doch der Nachwuchsmangel zwingt das an sich geschlossene System Ehrenamt zu einer Öffnung", glaubt Wolfgang Gulis, Geschäftsführer des Grazer Vereins Zebra im Gespräch mit dem Standard. Gefordert sei vor allem die Politik. Gulis: "Es braucht endlich ein klares Bekenntnis, dass Österreich ein Einwanderungsland ist." In Deutschland gebe es diese ehrenamtliche Öffnung bereits, vom Ideal sei man aber noch weit entfernt, setzt Benjamin Wösten von der Frankfurter Inbas-Sozialforschung GmbH nach. Wösten: "Die Engagementquote der türkischstämmigen Migranten liegt derzeit in Deutschland bei zehn Prozent." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 23. April 2010)