Den Steirern geht das Kürbiskernöl aus, der Preis für das "grüne Gold" schnellt in die Höhe
Wien - 2010 wird zum Jahr der steirischen Ölkrise, denn es scheint sich zu bewahrheiten, was Branchenvertreter schon vor Weihnachten prognostiziert hatten: Kürbiskerne sind Mangelware - trotz einer vergrößerten Anbaufläche wurden 2009 wesentlich weniger der schwarzen Kerne gewonnen als in den Jahren davor.
Regen, Hagel und Hochwasser vermiesten den steirischen Kürbisbauern im Vorjahr die Ernte, die Nachfrage stieg aber gleichzeitig stark an. Paul Kiendler, Branchenvertreter für Steirisches Kürbiskernöl in der Wirtschaftskammer Steiermark, bestätigt gegenüber derStandard.at, dass bei mehreren kleineren Anbietern das Öl schon ausgegangen sei. Auch größere Kernöl-Produzenten kämpfen bereits mit knappen Lagerbeständen. "Wir hoffen, dass es sich für die Konsumenten ausgehen wird", so Kiendler. Die Öl-Macher versuchen in erster Linie, ihre Stammkunden zu versorgen. "Anfragen aus dem Ausland müssen wir bereits abweisen."
Dem Gesetz des Marktes folgend, heißt das natürlich auch eine Verteuerung des "grünen Goldes". 23 Euro je Liter kostet das Kernöl derzeit, im Vorjahr lag der Preis laut Kiendler bei 15 bis 16 Euro.
Vorsorgemaßnahmen
Um einen solchen Engpass in den nächsten Jahren zu verhindern, setzen die steirischen Kernölbauern im Anbau 2010 verstärkt auf Kürbis statt auf Mais. Dabei spiele nicht nur der Ausblick auf ein lukratives Geschäft eine Rolle, sondern eben auch die Möglichkeit, mit den größeren Feldern witterungsbedingte Ausfälle abfedern zu können, erklärt Kiendler.
Für einen Liter Steirisches Kürbiskernöl ggA ("geschützter geografischer Angabe", Anm.) werden etwa 2,5 bis drei Kilogramm der schalenlosen Kürbiskerne benötigt, wobei diese gemahlen, geröstet und gepresst werden.
Neues Öl erst im Herbst
Angebaut werden Ölkürbisse auch in anderen Bundesländern. Die größten Mengen fallen aber in der Steiermark, in Niederösterreich und im Burgenland an. Kleine Anbaugebiete gibt es in Kärnten und Oberösterreich.
Die "geschützte geografische Angabe" garantiert beim Steirischen Kürbiskernöl, dass nur im Lande geerntetes Gut - zu kleinen Teilen auch aus festgelegten Gebieten im südlichen Burgenland beziehungsweise Niederösterreich - in der Steiermark verarbeitet wird. Damit fällt auch die Möglichkeit weg, auf aus dem Ausland importierte Kerne zur Überbrückung der "Ölkrise" zurückzugreifen. Denn: "Neues Kürbiskernöl aus der Steiermark gibt es erst wieder im Herbst." (derStandard.at, 23.4.2010)