Noch höher als erwartet

Griechisches Riesen-Defizit drückt Euro

23. April 2010, 08:48

Defizit liegt bei 13,6 Prozent, Eurostat zweifelt an den von Griechenland ursprünglich genannten Zahlen

Brüssel  - Die prekäre Finanzlage für Griechenland hat sich nach einer jüngsten Prognose von Eurostat vom Donnerstag weiter verschlechtert. Für das vergangene Jahr wurde mit 13,6 Prozent nun ein noch höheres Budgetdefizit vorausgesagt, ursprünglich war von 12,7 Prozent die Rede gewesen. Geringere Wachstumserwartung sowie hauptsächlich die Neubewertung der Finanzen der Pensionsfonds anhand von Daten des griechischen Statistikamtes und der griechischen Zentralbank zurückzuführen, führt das Athener Finanzministerium für die revidierte Prognose ins Treffen.  

Euro und Märkte unter Druck

Die Anleger reagierten gestern mit Verunsicherung auf die neuen Daten. Europas Börsen schlossen durchwegs im Minus, heute Freitag schaut die Welt ein wenig freundlicher aus, die Märkte in Wien und Frankfurt starten leicht befestigt in den Handelstag. Die Gemeinschaftswährung Euro rutschte allerdings heute Freitag auf einen neuen Tiefststand des Jahres 2010 bei 1,3199 Dollar. Damit lag sie rund einen US-Cent unter dem Niveau vom New Yorker Vortagesschluss und dem niedrigsten Stand seit April 2009. Charttechnische Verkaufssignale hätten zusätzliche Verkäufe ausgelöst, sagten Börsianer am Donnerstag. "Es ist eine massive Spekulation über eine potenzielle Zahlungsunfähigkeit Griechenlands im Gang", sagte Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. Nach Einschätzung der Devisenanalysten der Commerzbank will der Markt, dass Griechenland, die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) ihre Karten auf den Tisch legen.

Griechenland muss angesichts der schweren Budgetkrise massive Sparmaßnahmen treffen, eine Aktivierung des zuletzt von den Ländern der Eurozone und des IWF gemeinsam beschlossenen Hilfsplans zur Unterstützung von Athen ist wahrscheinlich.Die griechische Regierung hält dennoch an dem mit der EU vereinbarten Ziel fest, die Neuverschuldung im laufenden Jahr um vier Prozentpunkte abzubauen. Die Regierung habe bereits "alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, die insgesamt sechs Prozent des BIP überschreiten, um sicherzustellen, dass dieses Ziel erreicht wird." EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn hat nun weitere Sparmaßnahmen ab 2011 gefordert. Für Rehn wird ein Hilfsgesuch Griechenlands an die EU zunehmend wahrscheinlicher. Die Hilfe könnte "sehr schnell (...) praktisch umgehend" angeboten werden, sagte Rehn am Donnerstag Reuters Insider TV.

Eurostat zweifelt

Eurostat meldete auch Vorbehalte zu den von Griechenland gemeldeten Daten an. Begründet wird dies damit, dass es "aufgrund von Unsicherheiten beim Überschuss der Sozialversicherung für das Jahr 2009, der Klassifizierung von einigen öffentlichen Einrichtungen und der Erfassung von off-market Swapgeschäften" einen solchen Vorbehalt gebe. Nach Abschluss der Untersuchungen, die Eurostat in diesen Angelegenheiten in Zusammenarbeit mit den griechischen statistischen Behörden durchführt, könnte dies zu einer Revision für das Jahr 2009 in der Größenordnung von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten des BIP für das Defizit führen und von 5 bis 7 Prozentpunkten des BIP für den Schuldenstand.

Was den Schuldenstand Griechenlands betrifft, steigt dieser 2009 auf 115,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 273 Mrd. Euro an. Athen liegt damit weit über dem von der EU erlaubten Gesamtschuldenstand von 60 Prozent.

Erhöhung auf 14,1 Prozent möglich

Das Budgetdefizit für Griechenland für 2009 könnte sich sogar auf 14,1 Prozent erhöhen. Ursprünglich war Anfang des Jahres noch von 12,7 Prozent Neuverschuldung ausgegangen worden, nun weisen die jüngsten Eurostat-Zahlen einen Anstieg auf 13,6 Prozent aus. Allerdings wurde ein Vorbehalt aufgrund von Datenunsicherheiten gemacht, der laut EU-Kreisen eine weitere Erhöhung zwischen 0,43 und 0,5 Prozentpunkte bewirken könnte.

Auch in EU-Kreisen geht man davon aus, dass sich an dem Griechenland vorgegebenen Ziel einer Reduktion des Defizits für 2010 von 4,0 Prozent nichts ändert. Konkret würde dies bedeuten, dass statt der ursprünglich anvisierten Herabsetzung der Neuverschuldung von 12,7 auf 8,7 Prozent im schlechtesten Fall bei einem Erreichen eines Defizits von 14,1 Prozent die Reduktion bei minus 4 Prozent nur mehr 10,1 Prozent betragen würde. Die Zahl von 10,1 Prozent wurde offiziell zwar nicht bestätigt. Es hieß lediglich, dass man am Reduktionsziel von 4 Prozent festhalte. Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Griechenland um eine Stufe gesenkt. Die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen werde von bisher "A2" auf "A3" reduziert, teilte die Agentur am Donnerstag mit. Eine weitere Abstufung sei möglich. (APA/rb)

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natoll
06
23.4.2010, 10:07

zu griechenland noch etwas:
nicht das ich die schummelei für gut heissen würde, aber klar ist auch:
italien hat einen ähnlichen schuldenstand.

griechenland hat (und das war sowieso ein fehler, und zwar weltweit) eine unmenge an kreditrisiken der banken übernommen. genau von den banken die jetzt die höheren risikoprämien auf die staatsanleihen verlangen.

grundübel des ganzen desasters ist die kuscherei vor der finanzbranche.

asozialist.blogspot.com
00
23.4.2010, 17:36
das stimmt

allerdings ist in italien die abgabenquote gemessen am bip höher, dh der staat hat mehr geld zur verfügung, um die zinszahlungen zu leisten. daher ist es in italien (noch) nicht so schlimm. sollten aber die zinsen anziehen, dann schon.
italien ist diesbzgl. in einer ähnlichen situation wie österreich: die abgabenquote ist schon so hoch, da geht nicht mehr viel.
in griechenland ist die abgabenquote niedrig, allerdings protestieren die leute und (versuchen zu) vereiteln, dass es zu steuererhöhungen kommt. hätte griechenland eine gleich hohe abgabenquote wie österreich, wäre es jetzt gar nicht in bedrängnis.

Tristan V
00
23.4.2010, 10:31
der absolute Schuldenstand

ist ein Indikator, aber nicht der einzige. Es gibt viele Länder mit geringen Schulden (meisten afrik. Länder), die trotzdem keine Anleihen platzieren können oder wenn dann mit hohen Risikoaufschlägen. Japan hingegen ist enorm verschuldet und trotzdem ein AAA+ Schuldner...

Sam Uncle
00
23.4.2010, 10:03
und wieder ein Banken bail-out ?

Athen schuldet allein deutschen Banken 31 Milliarden Euro, bei österreichischen Banken steht es mit 4,5 Milliarden Euro in der Kreide. Und auch Schweizer Banken sind betroffen, sogar mit Darlehen in Höhe von 68 Milliarden Franken

DPfand
02
23.4.2010, 09:50
Die EU-Nettozahlerländer

haben beim EURO-Währungsvertrag den Fehler begangen, die Möglichkeit eines AUSSCHLUSSES eines Mitgliedslandes festzuschreiben.

Nun, Fehler kann/sollte man korrigieren!
VG

Granada75
 
10
23.4.2010, 09:47

Niemand hatte die Griechen gezwungen, der Eurozone beizutreten. Irgendwie wird das bei allen frommen Wünschen zur Solidarität der Stärkeren mit dem Schwachen immer wieder gerne vergessen. Nicht wenige Staaten haben seinerzeit abgewunken und gesagt, "das können wir uns nicht leisten, wir sind (noch) nicht reif für den Euro". Die haben jetzt das Glück, das den Griechen fehlt: sie können ihre eigene Währung dank Währungshoheit nach Gutdünken abwerten, wenn es dem Zweck dient, die Wirtschaft am Leben zu halten und die Zinsen erträglich. Ein Austritt der Griechen aus der Eurozone und ein ordentlich abgewickelter "Konkurs" wäre nicht die schlechteste Option. Für die Griechen nicht und auch nicht für eine halbwegs stabile Gemeinschaftswährung.

Nestor Machno
 
00
23.4.2010, 12:30
Austritt?

Erstens: Wäre das ein Eingeständnis des Scheiterns der Eurozone, die ja als eine Win-Win-Situation für alle dargestellt wurde.
Zweitens haben wenige Länder „abgewunken“, sondern die meisten wurden überhaupt nicht erst zugelassen.

Außerdem: Würde Griechenland aus dem Euro austreten und die Drachme wieder einführen – was in den diversen EU-Verträgen gar nicht vorgesehen ist, man müßte die erst ändern – was würde dann aus den gesamten in Euro angefallenen Verbindlichkeiten? Den griechischen Staatsanleihen, die bei diversen Bankschätzen herumliegen?

Schließlich würde damit eine Austritts- bzw. Hinauswurf-Welle losgehen, und mit den Euro-Scheinen könnte man sich dann das Klo tapezieren.

greenling
01
23.4.2010, 09:34
und was ist mit irland?

scala2
11
23.4.2010, 09:55

Irland kann wie unten "Der Leser der Zeitung" richtig sagt seine Steuern erhöhen und die Bevölkerung zahlt auch Steuern.

Irland hat kein so starkes strukturelles Defizit (viel weniger Beamte und Pensionisten), kann es daher in guten Zeiten wieder leichter abbauen

Irland hat nicht alle immer angelogen, da weiß man wenigsten dass die Zahlen stimmen - das ist überhaupt die Grundvoraussetzung dass man jemanden etwas borgt.

natoll
01
23.4.2010, 10:08

... aber irland lebt zu einem guten teil von der finanzwirtschaft. so optimistisch wär ich da nicht hinsichtlich schuldenabbau.

Der Leser für die Zeitung
13
23.4.2010, 09:50

irland erhöht die extrem niedrigen steuern und kommt so aus eigener kraft wieder aus der budgetkrise.

wenn griechenland die steuern erhöht, zahlt die trotzdem keiner. außerdem arbeitet jeder 4.(!) grieche für den staat, während irlands verwaltung wesentlich schlanker ist.

teukros
11
23.4.2010, 09:33
Super,

kurz bevor ich in die USA flieg. Danke, Griechen!

natoll
03
23.4.2010, 10:08

wennst es dir nicht leisten kannst, bleib daheim.

Der vierte Lemming von links hinten
14
23.4.2010, 09:27
Griechenland zu unterstützen hat nichts mit Solidarität zu tun,

sondern ist schlichtweg nicht mehr finanzierbar.
Es wäre doch viel sinnvoller Griechenland in den Ausgleich zu schicken und das Geld jenen Ländern als Hilfe zur Verfügung zu stellen, die durch den Ausgleich in Schwierigkeiten geraten.
Erschreckend, dass diese Schlamperei mitten in Europa stattfindet, aber jeder Cent, der jetzt nachgeschossen wird, ist mit 100%iger Sicherheit verloren.

Der Leser für die Zeitung
00
23.4.2010, 09:54

na dann viel spaß. griechenland hat mehr als 300 mrd. euro schulden, mehr als 80 mrd. davon bei deutschen banken.

schickst du griechenland in den ausgleich, kannst auch gleich für deutschland den konkursverwalter bestellen.

Dreistein
 
00
23.4.2010, 11:26

Nicht nur bei deutschen Banken. Auch Österreich ist wieder mit im Boot und das sogar mit einem etwas höheren Verhältnis wie Deutschland. Die, die hier etwas von geordneter Insolvenz und Pleite gehen lassen daherschwafeln, sollten wissen, dass sie dann ganz persönlich erst recht zur Kasse gebeten werden, weil dann diese Schulden sofort schlagend werden und das nächste Bankenhilfsprogramm geschnürt werden müsste. Das hat inzwischen auch der Finanzpepi geschnallt bzw. haben ihm seine Raiffeisener erklärt, nachdem er zuvor noch ganz anders getönt hat und eine Finanzhilfe empört ausgeschlossen hat.

Der vierte Lemming von links hinten
00
23.4.2010, 10:32
Dafür gibts die Ausgleichsquote

Mit einer 20 prozentigen Quote und Auflagen wie bei Privaten, wäre das Schlimmste überstanden.
Wie schon geschrieben, würde ich die Garantien, die bei Griechenland früher oder später schlagend werden, in Bankgarantien für die Schuldner umwandeln, um Folgekosten abzufedern.
Alles Andere wäre nur eine Loch auf - Loch zu Strategie.

Functio Laesa
16
23.4.2010, 09:06
Das Schlimme an Griechenland ist

dass diese Korruption ja dem Egoismuß des Menschen entspringt. Und Menschen sind halt so. Aber wenn das ganze systemisch wird gibts für den einzelnen kein Entkommen aus dem System. Wir Menschen glauben immer wir sind Individualisten aber in Wirklichkeit sind wir Herdentiere. Die Leithammel gebens vor und wir machens nach. Als Grieche paßt du dich einfach dem System an. So wie die Menschen auch lernen mit einer Diktatur zu leben. Wenn man nix anderes kennt paßts eh! Das System mußte einfach bis an den Rand des Abgrundes fahren. Letztendlich funktionierts bei uns genauso, nur in etwas abgemilderter Form.

R. M.
00
23.4.2010, 10:14
Vorsicht mit Aussagen in dem Stil "die Menschen sind halt so".

Ideologie ist immer und überall! Wird meist verwendet um Unrecht zu rechtfertigen.
Daß das gemeine Volk nicht tugendhaft handelt, wenn die Herrschenden Kriminalität vorleben, war bereits zu Konfuzius' Zeiten bekannt...

Siegl Christian
00
23.4.2010, 09:45

Es stimmt, dass sich die Bürger an das System anpassen aber mal im Ernst schauen sie nach ob sich der Staat etwas leisten kann bzw. ob jemand korrupt ist oder nicht?
Wenn die Regierung korrupt ist kann das wohl kaum ein ernstzunehmender Rückschluß auf die gesamte Bevölkerung sein.

Erstschlag
 
20
23.4.2010, 09:36
Selten so einen Blödsinn gelesen.

normal citizen
15
23.4.2010, 08:51
Wenn die Griechen ohnehin weiterlügen, schummeln und betrügen

also ist Rechtswidrigkeit, Betrug und Bilanzmanipulation in der EU kein Strafbestand mehr,

sondern ein Hilfegrund ??

Siegl Christian
01
23.4.2010, 09:21

Das Problem hierbei ist lediglich der verfaulte Teil des Apfels (egal wie groß der ist).
Wieviel Einfluß hat der Otto normal Bürger auf den Staatlichen Finanzhaushalt?
Da gibt´s zig Elsner Typen die es dann noch lustig finden wenn Griechenland Pleite geht und winken dem unter gehendem Griechenland mit breitem grinsen von ihrer Yacht aus zu.
Zwangsenteignung und weg sperren sind dan meistens auch keine Lösung, weil solche Typen genau wissen wie sie "ihr" Geld verstecken können.

Dreistein
 
00
23.4.2010, 11:33

Wieso bringen Sie das Beispiel mit dem Elsner? Meines Wissens sitzt der. Hingegen laufen da Etliche herum - wie z.B. die "Weisse Weste", auf die Ihre Kritik weit besser passen würde.

Siegl Christian
00
23.4.2010, 11:56

Das liegt daran dass ich mich an Elsner erinnen konnte, bzw. der glaub ich auch einer der Bekanntesten ist.
Das der in Haft sitzt ist schön und gut. Der Fall sollte aber auch jeden in Erinnerung rufen wieviele da zimlich sicher mitgewirkt haben und wieviele letzten endes gestraft werden.

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